„Ein professioneller Pädagoge (benötigt) die Einsicht und den festen Willen, den Menschen, die ihm anvertraut sind, nach ihren Möglichkeiten den für sie besten Lebensweg zu eröffnen, ihnen zu helfen, sich auf diesem Weg zu finden“1 So beschreibt Dieter Lenzen im Einführungskapitel zu seinem Buch „Erziehungswissenschaft“ die seiner Meinung nach nicht immer selbstverständliche, aber wohl wichtigste Aufgabe der Pädagogen. Betont werden hierbei vor allem die Individualität und „das Wohlbefinden des einzelnen“2 In unserer heutigen Gesellschaft wird hierauf auch vermehrt Wert gelegt. Doch das war in Deutschland nicht immer so. Zur Zeit des Nationalsozialismus waren so gut wie alle Bereiche des öffentlichen Lebens auf den Staat ausgelegt, also auch die Erziehung.3 Die Machthaber des Dritten Reiches haben übereinstimmend versichert: „Die nationalsozialistische Revolution ist eine Revolution der Erziehung, die sich auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung vollziehe.“4. Dabei ist gemeint, dass die Erziehung im Vordergrund steht, und es darum geht, die Jugend bestmöglich zu erziehen und zu bilden. Das bedeutet, dass man viel Zeit in die Jugend investiert und die Jugend auch außerhalb der Schule in verschiedenen Vereinen gefördert wird. Mein Interesse besteht nun darin zu klären, welche Erziehungstheorien zu der Reform der Erziehung beigetragen haben und wie die Schule und somit auch Lehrerrolle im dritten Reich sich zu dem Lehrer und der Schule heute unterscheidet. 1 Lenzen, Erziehungswissenschaft, 1994, S. 16 2 Lenzen, Erziehungswissenschaft, 1994, S. 16 3 vgl. Giesecke, H.:, 1999, S.19 4 vgl. Lingelbach, 1987, S. 25
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ERZIEHUNGSGRUNDSÄTZE IM DRITTEN REICH
2.1. Hitlers erziehungspolitische Grundsätze
2.1.1 Der Rassebegriff
2.1.2 Erziehungsgrundsätze
2.1.2.1 Die Bildung des Körpers
2.1.3 Die Wissenschaftliche Bildung
2.1.3.1 Kürzung des Unterrichts
2.1.3.2 Unterrichtsgrundsätze
3. DAS SCHULWESEN UND DER LEHRER IM DRITTEN REICH
3.1. Das Schulwesen und die Erziehung
3.1.1 Die verschiedenen Schultypen
3.1.2 Ausschaltung und Gleichschaltung
3.1.3 Ziele der Erziehung
3.1.4 Die neue Rolle des Sportunterrichts
3.1.5 Der reformierte Geschichtsunterricht
3.2. Der Lehrer im Dritten Reich
3.2.1 Die Lehrerbildung
3.2.1.1 Die Aufgaben des Lehrers in der Volksschule
3.2.1.2 Regeln für den Lehrer in der Volksschule
3.3. Zusammenfassung
4. DIE SCHULE UND DIE ROLLE DES LEHRERS HEUTE
4.1. Das heutige Schulsystem
4.1.1 Die Grundschule
4.1.2 Die Hauptschule
4.1.2.1 Ziele der Hauptschule
4.1.2.2 Unterrichtsinhalte
4.1.2.3 Geschichtsunterricht in der Hauptschule
4.1.2.4 Sportunterricht in der Hauptschule
4.2. Der Lehrer in der Hauptschule
4.2.1 Lehrerausbildung
4.2.2 Aufgaben des Lehrers in der Hauptschule
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede in der Erziehung, den schulischen Zielen sowie der Lehrerrolle zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem heutigen Bildungssystem. Zentrales Ziel ist es, den ideologischen Einfluss des NS-Regimes auf die Schulpraxis historisch einzuordnen und der modernen, auf Mündigkeit ausgerichteten Pädagogik gegenüberzustellen.
- Erziehungsgrundsätze und Weltanschauung im Dritten Reich
- Strukturwandel des Schulwesens und Instrumentalisierung der Lehrer
- Vergleichende Analyse des Sport- und Geschichtsunterrichts
- Gegenüberstellung zur heutigen Hauptschulbildung und Lehrerausbildung
- Unterschiede zwischen totalitärer Gleichschaltung und demokratischer Teilhabe
Auszug aus dem Buch
3.1.5 Der reformierte Geschichtsunterricht
Hier geht es nun um den Geschichtsunterricht allgemein und wie er sich als Kernfach der gewünschten politischen Erziehung entwickelte.
Dem Lehrer war nur gestattete die Themen im Lehrplan zu behandeln um das pädagogische Ziel „Weckung einer begeisterten, heldischen Weltanschauung, planmäßige Förderung des Wehrgedankens und Rassebewußtsein“ 45zu erreichen. Im Lehrplan des Geschichtsunterrichts befand sich von nun an die Betrachtung der deutschen Geschichte bzw. die Geschichte der nordischen Rasse. Das ist insofern bedeutend, da man an der Geschichte zeigen wollte, wie viel Wert die deutsche Rasse hatte, und wie wichtig sie war.46
Der Stoff des Unterrichts war genau vorgegeben, und der Lehrer hatte keine Freiheit zu bestimmen in welcher Reihenfolge er die Themen behandeln wollte, noch ob er etwas weglassen konnte oder zufügen durfte. Der Lehrer hatte keine Wahlfreiheit, geschweige denn die Schüler. Es war alles vorgegeben, und genauso sollte dies dann auch durchgeführt werden.47
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Ausgangslage und der pädagogischen Relevanz, die Jugend im Kontext gesellschaftlicher Werte zu betrachten.
2. ERZIEHUNGSGRUNDSÄTZE IM DRITTEN REICH: Analyse der nationalsozialistischen Ideologie, insbesondere des Rassebegriffs und der körperlichen Ertüchtigung als primäre Erziehungsziele.
3. DAS SCHULWESEN UND DER LEHRER IM DRITTEN REICH: Untersuchung der schulischen Gleichschaltung sowie der Rolle des Lehrers als ideologischem Vermittler und Vorbild im Sinne des Regimes.
4. DIE SCHULE UND DIE ROLLE DES LEHRERS HEUTE: Vergleich der heutigen Bildungsziele und Aufgaben des Lehrers mit den totalitären Strukturen der Vergangenheit.
4. FAZIT: Resümee über die tiefgreifende Veränderung der Erziehungskonzepte von der autoritären Lenkung hin zur Förderung von Mündigkeit und Partizipation.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Pädagogik, Schulerziehung, Lehrerrolle, Rassenideologie, Geschichtsunterricht, Sportunterricht, Erziehungsgrundsätze, Volksgemeinschaft, Mündigkeit, Demokratie, Lehrerausbildung, Ideologie, Schulwesen, Reformpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die pädagogischen Konzepte im Dritten Reich und vergleicht diese kritisch mit den heutigen Bildungsstrukturen und der Lehrerrolle in der Bundesrepublik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören der nationalsozialistische Einfluss auf Unterrichtsfächer wie Geschichte und Sport, die ideologische Ausrichtung der Lehrerbildung sowie der Vergleich mit der heutigen Hauptschule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin möchte klären, wie sich die Schule und die Lehrerrolle vom totalitären System des Dritten Reiches zum heutigen, demokratischen Schulsystem gewandelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf pädagogischen Fachquellen, historischen Werken (wie Hitlers „Mein Kampf“) und aktuellen Lehrplänen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung der NS-Erziehungspolitik und einen anschließenden Vergleich mit den Strukturen, Zielen und Lehrmethoden der heutigen Hauptschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Nationalsozialismus, Erziehung, Gleichschaltung, Lehrerrolle, Demokratie, Mündigkeit und Bildungsreform.
Inwiefern unterschied sich der Geschichtsunterricht damals von heute?
Im Dritten Reich diente der Geschichtsunterricht der rassistischen Indoktrination und der Nationalbegeisterung, während er heute der neutralen Wissensvermittlung und dem kritischen Verständnis vergangener Epochen verpflichtet ist.
Warum war der Sportunterricht im Dritten Reich so bedeutsam?
Der Sport hatte einen sehr hohen Stellenwert, da er zur Förderung des Wehrgedankens, der stählernen körperlichen Fitness und der Abhärtung der Jugend gegenüber körperlichem Leid dienen sollte.
- Arbeit zitieren
- Nadja Kammerer (Autor:in), 2004, Erziehung im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35463