"Hang Loose". Surfslang und dessen Hintergründe


Examensarbeit, 2011
55 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Surfkultur
2.1 Die Geschichte des Wellenreitens
2.2 Bedeutung des Surfens
2.3 Surf-Magazine
2.4 Modeindustrie und Marketing
2.5 Surfen als Sportart für jung und alt
2.6 Surfrider Foundation
2.7 Surfen als Lebenseinstellung

3. Communities
3.1 Surf Community
3.1.1 Surfen als geteilte Leidenschaft
3.1.2 Die Grundlagen des Surfens
3.2 Communities aus Sicht der Wissenschaft
3.2.1 Definition und Merkmale einer Community
3.2.2 Sense of Community
3.2.3 Social Network
3.2.4 Community of Practice
3.2.5 Speech Community

4. Slang
4.1 Definition des Begriffs „Slang“
4.2 Merkmale
4.3 Formen
4.4 Themen
4.5 Verwendung und Funktionen
4.6 Wirkung
4.7 Wer spricht Slang?

5. Surfslang
5.1 Einführung in den Surfslang
5.2 Typische Begriffe
5.3 Synonymie und Bedeutungswandel
5.4 Entstehungsgebiete des Surfslangs
5.5 Entwicklung des Begriffs „dude“
5.6 „Surfish as a Second Language“

6. Filmanalyse
6.1 Übersetzung von Surfslang
6.2 Blue Crush
6.3 Apocalypse Now
6.4 Point Break
6.5 Auswertung

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hey, bro, Topanga is going off!

Yeah, it’s pumping hair balls, man.

Totally macking; six feet and offshore.

- The Surfin’ary, Trevor Cralle

Um jeglichen verzweifelten Blicken in ein Standard-Englischwörterbuch vorzubeugen, erfolgt gleich zu Beginn der Rat: Es lohnt sich nicht! Trifft man am Strand auf eine Gruppe Surfer und hört ihnen beim Sprechen zu, kann es passieren, dass man, wie in obigem Zitat, im ersten Moment nicht ganz versteht, worum es geht. Diese Tatsache ist beabsichtigt und es hat seine Gründe, wieso Surfer über die Jahre hinweg ihren individuellen Slang geformt haben.

Surfslang - ein Thema, über das in Deutschland bisher noch niemand geschrieben hat. Zwar gibt es mittlerweile unzählige Werke, die sich mit der Entstehung des Wellenreitens, seiner kulturellen Seite oder der praktischen Ausführung beschäftigen, doch auch im englischsprachigen Raum ist kaum Literatur über den sprachlichen Aspekt des Surfens vorhanden. Einzig Trevor Cralle hat in seinem Surfin’ary, einem Wörterbuch, das auf über 300 Seiten etwa 4.000 Begriffe aus dem Bereich des Surfslang enthält, eine knappe Einführung in die Sprache der Surfer gegeben. Sonstige Erklärungen von Surfslang beschränken sich meist auf knappe Glossare im Internet. Aufgrund der Vielseitigkeit von Surfslang verdient diese Thematik allerdings weitaus mehr Aufmerksamkeit als ihr bisher zuteil wurde und bildet damit den Anlass der vorliegenden Arbeit.

Anhand historischer und aktueller Fakten wird in Kapitel zwei zunächst ein Einblick in die Surfkultur gegeben. Darauf folgt eine Einweisung in den Aufbau von Surf Communities und Communities aus Sicht der Wissenschaft. Es wird erläutert, wie ein „Sense of Community“ zustande kommt und was eine Community of Practice und eine Speech Community mit einer Surf Community verbindet. Kapitel vier befasst sich anschließend mit dem Thema Slang und stellt verschiedene Merkmale, Formen und Themen heraus. Danach erfolgt eine ausführliche Darstellung von Surfslang im Speziellen. Diese ist für das sechste Kapitel von besonderer Relevanz, denn darin wird auf der Basis dreier Spielfilme eine Analyse der Übersetzung von englischem Surfslang in die deutsche Sprache vorgenommen. Kapitel sieben fasst die Ergebnisse dieser Arbeit knapp zusammen und endet mit einem Ausblick auf die Zukunftsperspektive von Surfslang in Deutschland.

Bevor jedoch gleich näher auf die Geschichte des Wellenreitens eingegangen wird, soll das obige Einführungszitat noch aufgelöst werden. Es bedeutet in etwa: „Yo, dude, a specific surfing location is producing exceptionally large, six-foot-high waves that are big and powerful, like a Mack truck; also, the wind is blowing favorably from the land out to sea - the surf’s up!“ (Cralle 2001: 1). Derjenige, der dem Surfslang an dieser Stelle genauso wenig abgewinnen kann wie einer Fremdsprache, die auf Schriftzeichen basiert, sei getröstet. Am Ende dieser Arbeit wird er nicht nur einen umfassenden Einblick in die eigenständige Surfkultur erhalten haben, sondern auch in der Lage sein, die wichtigsten Slangbegriffe aus der Welt des Surfens zu verstehen.

2.Surfkultur

2.1 Die Geschichte des Wellenreitens

Im Folgenden wird zum allgemeinen Überblick eine kurze Einführung in die historische Entwicklung des Wellenreitens gegeben. In den letzten fünfzig Jahren gab es einige Veränderungen, nicht nur die Lebensweise der Surfer betreffend, sondern auch die Ausführung der Sportart an sich. Ein Faktor ist jedoch immer gleich geblieben; die Bedeutung der Verbindung zwischen Mensch und Natur; das Sich-Einlassen auf den Ozean.

Die Entstehung des Wellenreitens ereignete sich vor etwa tausend Jahren im Großraum der polynesischen Inseln (vgl. Warshaw 2005: xiii). Den dort ansässigen Menschen war das Surfen derart wichtig, dass beispielsweise an Tagen mit hohen Wellen und günstigen Winden die alltägliche Arbeit niedergelegt wurde um stattdessen surfen zu gehen (vgl. Duane 1996: 85). In der Literatur findet man die erste Anmerkung über das Surfen in den Schriften James Cook’s. Dieser traf im Jahre 1777 während einer seiner Reisen auf einen wellenreitenden Hawaiianer. Cook, bekannterweise selbst mit einer Affinität gegenüber dem Ozean ausgestattet, beschreibt die Begegnung folgendermaßen: „I could not help concluding that this man felt the most supreme pleasure while he was driven on so fast and smoothly by the sea“ (Duane 1996: 18). Einige Jahrzehnte später, mit dem Eintreffen amerikanischer Calvinisten, wurde das Surfen als unproduktiv und gefährlich deklariert. Surffestivals wurden untersagt und gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es kaum noch Surfer auf Hawaii. Hinzu kamen Epidemien, die die einheimische Bevölkerung geradezu eliminierten. Schätzungen zufolge wurde die diese in der Zeit zwischen Cooks Ankunft und Ende des 19. Jahrhunderts um etwa 90 Prozent reduziert (vgl. Warshaw 2005: xiii).

Doch trotz des Aussterbens des Surfens in Polynesien, erreichte der Sport durch romantisierte Reiseberichte rund um das Wellenreiten Anfang des 20. Jahrhunderts auch die USA und Europa (vgl. Ormrod 2005: 45). Ferner führten der abnehmende Einfluss durch Missionare sowie Fortschritte im Tourismus dazu, dass der Surfsport eine Wiedergeburt erlebte (vgl. Warshaw 2005: xiv).

Ende der Vierzigerjahre wurde das Zentrum der Surfkultur von Hawaii nach Kalifornien verlegt (vgl. Wardlaw 1991: 27). Zwischen San Francisco und San Diego entwickelten sich zahlreiche kleine Surf Communities und mit ihnen die kalifornische Strandkultur einschließlich lifeguards und bonfires. Während dieser Zeit gewann das Wellenreiten auch in Australien immer mehr an Bedeutung (vgl. Warshaw 2005: xv).

In den Medien erlangte das Surfen 1959 erste große Aufmerksamkeit durch die Filmreihe Gidget. Dabei geht es um ein Mädchen, das in einer Surfclique aufwächst und selbst zur ambitionierten Surferin wird (vgl. Kehr 2005). Die Filmindustrie, selbst in der Gegend um Los Angeles beheimatet, brachte das Surfen in zahlreiche Filme mit ein. Kassenschlager wie Beach Party, Beach Blanket Bingo und die Band Beach Boys; all das trug dazu bei, den Hype um das Surfen zu unterstützen und international publik zu machen (vgl. Warshaw 2005: xvii). Mit der Veröffentlichung von The Endless Summer 1964, wurden die Menschen nicht nur in die lebenslustige und sorgenfreie Subkultur der Surfer eingeführt, sondern der Film erweckte auch die Vorstellung zum Leben, dass es möglich sein konnte, dem Sommer um die Welt zu folgen und ihn damit endlos andauern zu lassen. Dieser Gedanke beeinflusste die Jugendlichen der damaligen Zeit in großem Maße und bewegte sie dazu, Surfspots ausfindig zu machen, die bis dahin noch unbekannt waren. Dadurch bereisten sie die Strände der Welt, trafen neue Menschen und suchten nach der perfekten Welle (vgl. Gabrielson 2011: 3). In den Sechzigerjahren erschienen dann die ersten Surfmagazine und es wurden zahlreiche Surfshops eröffnet, die neue aufstrebende Surfmarken wie O’NEILL, BILLABONG, QUICKSILVER und RIPCURL vertrieben. Die ersten Neoprenanzüge wurden hergestellt und auch die Surfbrettindustrie machte weiterhin Fortschritte in der Materialentwicklung (vgl. Warshaw 2005: xvi). Zudem wurden internationale Wettbewerbe ausgetragen und Surfclubs gegründet (vgl. Warshaw 2005: xvii). Man kann wohl getrost behaupten, dass die Surfkultur in den Sechzigerjahren einen weltweiten Boom erlebte. Nicht zu unterschätzen war auch der Einfluss der Gegenbewegungen in den Sechzigerjahren. Counterculture und flower power passten hervorragend zum Lebensstil der Surfer, denn diese widersetzten sich auch jeglicher Form institutionalisierter Macht (vgl. Booth 2004: 94). Sie machten sich zudem „anti-authoritarian gestures, iconoclastic habits (in music, dress, language and lifestyles), and . . . [a] critique of everyday life“ zu eigen (Harvey 1989:38). Diese hedonistische Lebensweise verärgerte viele Mitglieder der älteren Generation, deren Leben von Depressionen und Weltkrieg geprägt waren (vgl. Booth 2004: 95). Zu Beginn der Sechzigerjahre war die Empörung bezüglich des neuen Lebenswandels der Jugendlichen noch sehr groß. Doch man versuchte sich einzureden, dass das Interesse am Surfen und der damit verbundenen Lebensweise nur eine vorübergehende Modeerscheinung war. Diese Thematik griffen auch die Beach Boys in ihrem Lied „Catch a Wave“ (1963) auf. Darin prophezeiten sie dem Surfen eine lange Lebensdauer und lehnten sich indirekt gegen Kritiker der Surfkultur auf:

Not just a fad ‘cause it’s been going on so long

Catch a wave, catch a wave

All the surfers going strong

They said it wouldn’t last too long

They‘ll eat their words with a fork and spoon and watch ‘em

They‘ll hit the road and all be surfin’ soon

And when they catch a wave they’ll be sittin’ on top of the world

Catch a wave and you’re sittin’ on top of the world

(Metrolyrics 2011)

Dass sie mit dieser Einstellung recht behalten sollten, kann man heute sehen. Die INTERNATIONAL SURFING ASSOCIATION schätzte um die Jahrtausendwende die Anzahl der weltweiten Surfer auf 23 Millionen (vgl. Surfline 2011).

In den Siebzigerjahren wurde schließlich die leash oder legrope entwickelt, eine seilartige Verbindung zwischen Surfbrett und Fußfessel. Diese Erleichterung hatte zur Folge, dass zahlreiche Neulinge den Spaß am Wellenreiten entdeckten. Denn mithilfe der leash ersparte man sich unendlich weite Schwimmwege, die bis zu diesem Zeitpunkt erforderlich waren um nach einem Absprung sein Brett wieder zu erreichen.

Doch stellten sich mit der zunehmenden Popularität des Wellenreitens auch neue Probleme ein. So waren beispielsweise die beliebtesten Surfspots ständig überfüllt, weshalb Streitereien entstanden (vgl. Warshaw 2005: xvii). Surfer haben eine lange Tradition in Bezug auf Territorialverhalten. Sie sprühen „Locals Only“ auf Fußwege und Steinwände um den Menschen mitzuteilen, dass bestimmte Strände ihnen gehören (vgl. Evers 2009: 902). Diese Art und Weise Surfspots und Strände vor fremden Surfern zu schützen, nennt man in der Fachsprache localism (vgl. Daskalos 2007: 166; Evers 2006: 241; 2008; 411; Scott 2003: 3). Es existieren daher unzählige Begriffe um solche Surfer zu denunzieren, die nicht ortsansässig sind. Nonlocals, valleys, inlandsquids, flatlanders oder smogmonsters sind nur wenige Ausdrücke dieser Sorte (vgl. Cralle 2001: 3).

Nicht zuletzt durch die überfüllten Heimatstrände wurden in den Siebziger- jahren Surftrips in exotische Länder modern. Man kannte seine heimischen Surfspots bereits und wollte nun den Rest der Welt erkunden. So wurden Reisen nach Marokko, Indonesien und Indien unternommen. Dort waren die Strände noch leer und man konnte surfen, wo man wollte, ohne dass Ärger mit den Einheimischen zu befürchten war. Es existieren auch Berichte darüber, dass amerikanische Soldaten, die in Vietnam stationiert waren, dort ihre eigenen kleinen Surfcontests austrugen (vgl. Warshaw 2005: xviii).

In den Achtzigerjahren folgte dann der Durchbruch in der Surfbrettindustrie. Die Surfschmiede Simon Andersons in Sydney, brachte das Finnensystem tri-fin-Thruster auf den Markt. Dabei handelt es sich um drei unter dem Brett befindliche Flossen, die ihm zusätzliche Stabilität verleihen. Dieses System war erstmals kompatibel mit den meisten Brettern. So war man in der Lage noch größere Wellen als zuvor zu surfen (vgl. Warshaw 2005: xix). Dadurch gewann das big-wave surfing zunehmend an Bedeutung. 1990 fand ein Wettbewerb in Waimea, Hawaii statt, bei dem erstmals 7,60 m hohe Wellen gesurft wurden, was ohne die verbesserte Technik bis zu diesem Zeitpunkt undenkbar gewesen wäre (vgl. Warshaw 2005: xx).

In den Neunzigerjahren veränderte sich die Surfkultur ein weiteres Mal gravierend. Mit dem Ausnahmetalent Kelly Slater entstand die sogenannte „New School“, die hauptsächlich von jungen aufstrebenden Talenten geprägt wurde, die das Wellenreiten auf einen neuen Level führten. Kelly Slater war der erste Surfer, der eine Jahresgage von 1 Millionen Dollar verdiente.

Eine weitere Neuheit war das tow-in surfing, welches ermöglichte riesige Wellen zu surfen, in die man nicht selbst hinein paddeln konnte. Hierbei wird man von einem Jetski in die Welle gezogen. Außerdem entstanden in den Neunzigerjahren sogenannte guns. Diese wurden speziell für das big-wave surfing in Nordkalifornien (Maverick) und Maui (Jaws) angefertigt (vgl. Warshaw 2005: xx). Wellen bis zu 15 Metern stellten nun kein Hindernis mehr dar (vgl. Warshaw 2005: xxi). Eine weitere Veränderung der Neunzigerjahre war das Entstehen einer weiblichen Surf Community. Heutzutage gibt es bereits Surfmagazine, Surfmarken und Wettbewerbe ausschließlich für Frauen (vgl. Warshaw 2005: xx). Was mit Gidget begann, wurde dreißig Jahre später zur Normalität.

Im Vergleich zu früher hat die Surfkultur also einen großen Wandel durchlebt. Technische Fortschritte haben Verbesserungen mit sich gebracht, während die ansteigende Beliebtheit des Sports jedoch auch zu überlaufenen Surfspots geführt hat. Die häufig beobachtbare laissez-faire Attitüde der Surfer wurde jedoch größtenteils beibehalten, beziehungsweise an die Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft angepasst.

2.2 Bedeutung des Surfens

Surfen kann vieles sein. Für manche ist es eine Sportart, für andere eine Kunstform, eine Religion oder einfach ein Lebensstil (vgl. Gabrielson 2011: 1). Für die einen ist es ein Hobby, für die anderen nimmt es den Großteil ihres Lebens ein. Man kann wohl ohne zu Zögern behaupten, dass das Surfen eine der vielseitigsten Sportarten darstellt, die es auf der Welt gibt. Denn nicht jeder Sport kann auch gleichzeitig einen Lebensstil verkörpern oder besitzt neben unzähligen Spaßelementen auch einiges an Kulturgut. Doch was macht eine Kultur und einen Lebensstil eigentlich aus?

Kultur beinhaltet gleichzeitig Kunst, Musik, Literatur und damit verbundene intellektuelle Aktivitäten einer Gruppe, die durch gemeinsame Interessen und Meinungen gekennzeichnet ist. Ein Lebensstil ist eine Art zu leben, die eine Eigenschaft einer Gruppe, Person oder Kultur widerspiegelt. Dies umschließt auch die Art und Weise, wie Menschen leben, ihre sozialen Verbindungen und Einstellungen, ihr Konsumverhalten, Entertainment sowie ihr Kleidungs- stil. In einigen Gegenden der Welt, wie in Costa Rica oder auf Hawaii, ist das Surfen beispielsweise ein bedeutsamer Teil der einheimischen Kultur und oftmals eines der Hauptgebiete der frühen Sozialisation. Auf Hawaii bildete das Surfen früher sogar die Grundlage einer kulturell beeinflussten Religion (vgl. Gabrielson 2011: 2).

Wie bereits erwähnt, kann Surfen für jeden etwas anderes bedeuten. Aus diesem Grund ist es auch nachvollziehbar, dass sich im Laufe der Zeit talentierte Surfer dazu entschieden haben, mit ihrem Hobby Geld zu verdienen; sei es durch Sponsorenverträge oder Wettbewerbsprämien. Andere, denen hingegen die Spiritualität des Wellenreitens mehr bedeutet, als damit Erfolge zu feiern, lehnen diese Art von Kommerzialisierung vehement ab und üben den Sport lediglich aus persönlichen Genussgründen aus (vgl. Gabrielson 2011: 2).

2.3 Surf-Magazine und die „Modern Era“

Mit der ansteigenden Popularität des Surfens erschien 1959 die erste Ausgabe des Surfer Magazins, welches anhand von Berichten und Fotos Surfspots auf der ganzen Welt vorstellte (vgl. Gabrielson 2011: 4). Die Zeitschrift wird noch heute produziert und hat mittlerweile eine beachtliche Konkurrenz anderer Magazine, wie beispielsweise Surfing Europe, Surfing, Surfers Journal und Surfers sowie auch die rein deutsche Variante Tide. Heutzutage in der „Modern Era“ richten die Surfmagazine ihre Aufmerksam- keit jedoch nicht mehr bloß auf Surfspots (vgl. Gabrielson 2011: 6). Zusätzlich werden Einblicke in die Geschichte der Surfkultur und den Lebensstil geboten. Weitere Themen sind Mode, Kunst, Musik und andere soziale Aktivitäten.

2.4 Modeindustrie und Marketing

Neben den typischen Surfmarken wie BILLABONG, RIPCURL und O’NEILL existieren mittlerweile auch Semi-Surfmarken wie HOLLISTER CO. Diese produzieren keine Neoprenanzüge und sonstiges surfbezogenes Material, sondern richten sich eher an den Lifestyle der Surfer, indem sie bequeme, lässige und bunte Mode entwerfen. So hat die Surfindustrie mit dazu beigetragen, dass der Umsatz bei HOLLISTER CO. 2007 bei 1,589 Mrd. USD lag (vgl. Abercrombie & Fitch 2007: 12). Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen Laden in Europa. In Deutschland eröffnete HOLLISTER CO. vor knapp zwei Jahren die erste Filiale in Frankfurt. Seitdem ist der Hype trotz der hohen Preise auch hier kaum zu bremsen (vgl. Amann 2010). Auch die zuvor genannten typischen Surfmarken sind auf den Zug der Mainstream- Vermarktung aufgesprungen und haben mittlerweile eigene Streetwear- Kollektionen auf den Markt gebracht. Seit man festgestellt hat, wie gut sich der Surfsport gekoppelt an die Vorstellungen des dazu gehörenden Lifestyles vermarkten lässt, hat sich ein starker Wettbewerb entwickelt. Doch sind all diese Marken wie man am Beispiel HOLLISTER CO. sieht, schon lange nicht mehr bloß auf den amerikanischen Markt beschränkt. Im Gegenteil, in einem rasanten Tempo hat sich die Surfbranche weltweit einen Namen gemacht. Sogar in Deutschland, einem Land ohne Möglichkeiten zum Wellenreiten, gibt es mittlerweile eine große Anzahl von Surfern, die es, wann immer möglich, an die Atlantikküste nach Frankreich, Spanien oder Portugal zieht.

2.5 Surfen als Sportart für jung und alt

Auffällig ist auch die Beliebtheit des Surfens bei Erwachsenen zwischen 40 und 50 Jahren. Laut einer 2008 durchgeführten Studie der in den U.S.A. ansässigen NSSIA (NATIONAL SURF SCHOOLS AND INSTRUCTORS ASSOCIATION) nehmen zusehends mehr Amerikaner mittleren Alters Surfunterricht (vgl. Gabrielson 2011: 8). Gründe hierfür sind neben der ansteigenden Popularität des Sports, einschließlich der Lebensweise, auch der Einfluss von Filmen und Werbespots, die günstigen Preise für Longboards (gut für Anfänger geeignet), und die große Anzahl von Surfschulen und Surfcamps an interessanten und exotischen Orten weltweit. Des Weiteren belegen die Ergebnisse, dass unter den über fünfzigjährigen Surfern viele dabei sind, die nach längerer Abwesenheit die Sportart wieder aufgreifen. Es gibt jedoch auch Anfänger in dieser Altersklasse, welche beispielsweise Familien- unterricht in Anspruch nehmen. Diese Tatsache könnte damit zu begründen sein, dass Surfen nicht mehr, wie noch vor fünf bis zehn Jahren, als reine Jugendsportart angesehen wird, sondern als eine Spaß bringende Aktivität für jung und alt gilt (vgl. Gabrielson 2011: 8).

2.6 Surfrider Foundation

Doch der immer größer werdende Surftourismus bringt auch Umwelt- probleme mit sich. Um der Zerstörung ihres Lieblingssurfspots vorzubeugen, gründeten drei Surfer 1984 die non-profit SURFRIDER FOUNDATION. Ihren Auftrag definieren sie als „protection and enjoyment of oceans, waves and beaches through a powerful activist network“ (Surfrider Foundation 2011). Die Organisation leitet unzählige Kampagnen und zudem vier Programme, wie „Blue Water Task Force“, bei dem die Wasserqualität an verschiedenen Stränden getestet wird, „Know Your H2“, welches über Wasserverbrauch und Sparmaßnahmen aufklärt, und „Ocean Friendly Gardens“, welches eine Hilfestellung bietet, wie man am umweltfreundlichsten seine Gärten bewässert, pflegt und düngt, ohne dass verseuchtes Abwasser in den Ozean gelangt. Das vierte Programm der SURFRIDER FOUNDATION nennt sich „Rise Above Plastics“ und beschäftigt sich mit der Bekämpfung von Plastikmüll innerhalb der Meeresumwelt. Es weist auf die Gefahren von Plastikmüll- verschmutzung hin und setzt sich unter anderem für eine Abschaffung von Einwegflaschen und der generellen Einführung des Recycling in den USA ein (vgl. Surfrider Foundation 2011). Seit der Gründung vor 27 Jahren hat sich die Organisation von drei Mitgliedern auf weltweit über 50.000 eingetragene Mitglieder und weitere 300.000 SocialNetwork -Anhänger gesteigert (vgl. Surfrider Foundation 2009: 4).

2.7 Surfen als Lebenseinstellung

Die Entwicklungen der letzten Jahre weisen eindeutig auf eine Expansion der Surfkultur weltweit hin. Dabei sind es nicht zuletzt auch Filme, Musik, Zeitschriften, Werbung und Internet, die dem Surfen eine interessante und faszinierende Eigenschaft zuweisen, mit der sich Teenager gerne identifizieren, auch wenn sie, wie beispielsweise größtenteils in Deutschland, gar nicht am Meer aufwachsen (vgl. Gabrielson 2011: 9).

[...] the surfing lifestyle really lends itself to the very fringe of society - it’s such a free-and-easy lifestyle, and it has so much to do with individual freedom-an almost irresponsible kind of freedom. [S]urfers are edge-riders. We’ve made a decision . . . to live on the fringe of society and not be active citizens and participants in society, unless we want to. The act of going surfing is a very selfish endeavor. It‘s an experience that has nothing to do with anything except you and the ocean, period (Bill Hamilton, surfboard shaper and legendary rider).

(Kampion 2000: 79)

Die hier dargestellte Lebenseinstellung deutet auch darauf hin, wie gleichgültig viele Surfer den Geschehnissen in der Gesellschaft gegenüberstehen. Ihr typischer Lebensstil, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren geprägt wurde und welcher sich durch langes, ausgebleich- tes Haar, Surfslang, Spaß und einen nomadischen Lebensstil auszeichnete, machte diejenigen Surfer, die sich nicht in politisch orientierten Gegen- bewegungen engagierten, gleichzeitig zu sozial verantwortungslosen Bürgern (Booth 2004: 95). Greg Noll, ein Kameramann für Surffilme, Sportartikelhersteller und selbst big-wave Surfer, führte in seiner Jugend ein Gespräch mit seinem damaligen Schuldirektor:

„What do you guys do down there at the Manhattan Beach Surf Club? What are your goals, what do you want to become?“ I told him that I wanted to surf, I wanted to make surfboards, I wanted to go to Hawaii, I wanted to see the world and have a good time. From the principal’s point of view, that qualified me as most likely to end up a beach bum and never amount to shit.

(Noll & Gabbard 1989: 31)

Die Einstellung Nolls mag aus der Perspektive eines verantwortungs- bewussten, berufstätigen Bürgers auf den ersten Blick vielleicht naiv wirken. Von derart vielen Surfern schaffen es am Ende nur die wenigsten, mit ihrer Leidenschaft, dem Surfen, Geld zu verdienen und somit gleichzeitig ihren hedonistischen Lebensstil ewig weiterführen zu können. Viele Surfer entwickelten jedoch im Laufe der Jahre den Ehrgeiz, professionell zu surfen. Im Profizirkus herrschten jedoch andere Gesetze als bisher. Da hier ein bestimmtes ethisches Wertesystem verkörpert wurde, mussten auch die in diesen Bereich involvierten Surfer ein akzeptables Image besitzen, insbesondere um Sponsoren für sich zu gewinnen. Sie sollten nicht nur Selbstdisziplin mitbringen, sondern auch hart an sich arbeiten sowie entschlossen und pflichtbewusst agieren. Um den Surfsport massentauglich zu machen, musste man also seine Aushängeschilder auch der Öffentlichkeit verkaufen können. So kam es dazu, dass ambitionierte Surfer anfingen, an ihrem Auftreten zu feilen, den Drogenkonsum einzustellen und diese neue Einstellung auch weiterzugeben. Für diejenigen, die es mangels Talent oder Ehrgeiz nicht zum Profi geschafft haben, hat die Vermarktung des Surfsports teilweise einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Sie distanzieren sich von der in ihren Augen glatten Lebensweise und führen daher den lockeren, unverbindlichen Lebensstil der Sechzigerjahre weiter (vgl. Booth 2004: 98).

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
"Hang Loose". Surfslang und dessen Hintergründe
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Department of English and Linguistics)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
55
Katalognummer
V354636
ISBN (eBook)
9783668406940
ISBN (Buch)
9783668406957
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
surfslang, hang loose, communities, surfkultur, slang
Arbeit zitieren
Yvette Denner (Autor), 2011, "Hang Loose". Surfslang und dessen Hintergründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354636

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