Präsentation und Kommunikation. Verbesserung der Präsentationsfähigkeit unter Berücksichtigung des Kommunikationsverhaltens des Menschen mittels ZEN-Methode


Studienarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation
2.1 5 Axiome Modell von Paul Watzlawick
2.2 4 Seiten-Modell von Schulz von Thun

3. Präsentationen nach dem ZEN-Ansatz
3.1 Vorbereitung
3.2 Gestaltung
3.3 Durchführung

4. Diskussion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Das grundlegende Modell der Informations- & Kommunikationstheorie Quelle: http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/lectures/lectv.html

Abb.2 Interpunktion von Ereignisfolgen nach Watzlawick Quelle: https://www.uni-due.de/buenting/Interpunktion.jpg

Abb.3 Die 4 Seiten einer Nachricht Quelle: http://docplay.org/66094-Zwischenmenschliche-kommunikation-die-vier-seiten-eine- nachricht.html

Abb.4 Gehirnhälften und ihre Funktionen Quelle: http://eggetsberger-info.blogspot.de2012/09redewendungen-beanspruchen- beide.html

Abb.5 Frd selbsterstellte Grafik auf Grundlage ZEN-Presentation, Garr Reynolds (2013), S.

Abb.6 Gd selbsterstellte Grafik

Abb.7 Bilder als Hintergrund Quelle: selbsterstellte Grafik

1. Einleitung

„Während ich den Inhalt meines bento genoss, erblickte ich auf der anderen Seite des Ganges einen japanischen Geschäftsmann, der mit nachdenklichem Gesicht einen ausgedruckten Satz PowerPoint-Folien betrachtete. Zwei Folien pro Seite, seitenweise Kästchen mit Unmengen japanischem Text in verschiedenen Farben. Keine leeren Flächen. Bis auf das Firmenlogo am oberen Rand jeder Folie keine Abbildungen. Nur seitenweise Text, Überschriften, Aufzählungspunkte und Logos. Sollten diese Folien als Unterstützung dienen? Falls ja, hatte das Publikum mein Mitgefühl.“[1]

Dieses Ereignis erlebte der Präsentationsexperte und Buchautor Garr Reynolds bei einer Bahnfahrt von Tokio nach Osaka. Es verdeutlicht recht anschaulich, wie qualitativ unterschiedlich Präsentationen in der heutigen Zeit noch immer sind. Gleichzeitig gab diese spezielle Erfahrung für Garr Reynolds den ausschlaggebenden Impuls zum Schreiben seines Buches. Zen oder die Kunst der Präsentation behandelt das Erstellen und Durchführen von Präsentationen. Dabei wird der Schwerpunkt auf das aktuelle Kommunikationsverhalten im Konzeptzeitalter, unter der Berücksichtigung des Lern- und Kommunikationsverhalten des Menschen, gelegt. Diese Studienarbeit wird sich näher mit dem Thema Präsentationen beschäftigen. Im Schwerpunkt stellt sich die Frage welche Werkzeuge der Kommunikation für eine gelungene Präsentation benötigt werden. Dabei ist zu beachten, dass der Fokus auf die zeitlich aktuelle Situation gelegt wird. Es werden bestehende Kommunikationsmodelle beschrieben und neue Ansätze zur Verbesserung der Präsentationsleitung aufgezeigt. Das Konzept der ZEN-Präsentation von Reynolds soll dabei den Kern der Arbeit darstellen. Mittels zielgerichteter und publikumsorientierter Kommunikation soll die individuelle Präsentationsfähigkeit gesteigert werden. Dabei wird beleuchtet, wie der Transfer der ZEN-Künste auf die Vorbereitung, Gestaltung und Durchführung einer Präsentation Einfluss nehmen. Es soll aufgezeigt werden, wie die Vorbereitung einer Präsentation zielgerichtet durchgeführt wird. Die optisch ansprechende Gestaltung von Präsentationsunterlagen stellt einen zentralen Betrachtungspunkt dieser Arbeit dar. Es stellt sich die Frage, ob der ZEN-Ansatz von Garr Reynolds das Kommunikationsband zwischen Publikum und Präsentator steigern und auch aufrechterhalten kann. Somit wird überprüft, ob sich Kernaussagen und Inhalte unter Nutzung des ZEN-Ansatzes in Präsentationen effektiver und nachhaltiger vermitteln lassen.

2. Kommunikation

Kommunikation ist allgegenwärtig und scheint selbstverständlich zu verlaufen. Um die Grundvoraussetzungen für zwischenmenschliche Kommunikation zu beschreiben bedarf es mindestens zweier Gegebenheiten - einen Sender und den Empfänger. Beim Übermitteln einer Nachricht verschlüsselt der Sender sein Anliegen in erkennbare Zeichen. Abbildung 2 soll dies veranschaulichen. In der Regel stimmt die durch den Sender übermittelte Nachricht mit der durch den Empfänger entschlüsselten Nachricht überein. In diesem Fall kommt eine Verständigung zustande. Optimaler Weise wird der Empfänger eine Rückmeldung, ein sogenanntes Feedback, an den Empfänger senden. Dies dient zum Abgleich der Sende-Absicht mit dem Empfangsresultat.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das grundlegende Modell der Informations- & Kommunikationstheorie (HU Berlin)

Betrachtet man weitergehend, dass jedes Verhalten in zwischenmenschlichen Situationen einen Mitteilungscharakter hat, also eine Form der Kommunikation darstellt, ist davon auszugehen das man nicht nicht kommunizieren kann. Diese Erkenntnis ergibt sich, da Verhalten kein Gegenteil besitzt. „Man kann nicht nicht verhalten. Selbst wenn grundlegend keine Kommunikation gewünscht ist, gibt unser Körper verschlüsselte Signale preis. Beispiel: „Der Mann im überfüllten Wartesaal, der vor sich auf den Boden starrt oder mit geschlossenen Augen dasitzt, teilt den anderen mit, dass er weder sprechen noch angesprochen werden will. Für gewöhnlich reagieren seine Nachbarn richtig darauf, indem sie ihn in Ruhe lassen.“[3] Dieser Vorgang der Kommunikation stellt die nonverbale Seite dar. Somit wird über Gestik, Mimik, Körperhaltung und die Art und Weise wie man sich im sozialen Umfeld verhält kommuniziert. Diese implizite Form der Nachrichtenübermittlung enthält Botschaften, die somit nicht direkt gesagt werden. Häufig kommen sie bei emotionaler Bewegtheit zum Ausdruck.[4]

Als Resultat der Forschung auf dem Gebiet der Kommunikation ist eine nahezu unüberschaubare Fülle an Kommunikationstheorien und -modelle entstanden. Dies ist die Folge des sehr heterogenen Verständnisses von zentralen Begriffen wie etwa dem der Kommunikation und der Information.[5] Im Folgenden sollen zwei der bekanntesten Modelle der Kommunikation von Paul Watzlawick und Schulz von Thun näher betrachtet werden.

2.1 5 Axiome Modell von Paul Watzlawick

Das Modell der 5 Axiome wurde vom österreichischen Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick († 2007) begründet. Nach Watzlawick entscheiden die Grundannahmen (Axiome) über ein Gelingen oder Scheitern der zwischenmenschlichen Kommunikation und weisen auf die Relevanz der Beziehungsseite innerhalb der Kommunikation hin. Demnach stellt Kommunikation mehr als nur den Informationsaustausch dar, sondern es geht viel mehr darum miteinander in Verbindung zu treten. Der Schwerpunkt liegt auf dem Verständigen und Verstehen.[6]

- Axiom 1: Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren
- Axiom 2: Die Inhalts- und Beziehungsaspekte der Kommunikation
- Axiom 3: Die Interpunktion von Ereignisfolgen
- Axiom 4: Digitale und analoge Kommunikation
- Axiom 5: Symmetrische oder komplementäre Interaktion

Grundlage für das Axiom 1 ist, dass Kommunikation nicht nur aus Worten besteht. Viel mehr beinhaltet sie auch alle paralinguistischen Phänomene. Hierzu gehören zum Beispiel Gestik, Mimik, Tonfall, Pausen oder auch die Geschwindigkeit der gesprochenen Sprache. Somit kann verstanden werden, dass sobald Personen sich gegenseitig wahrnehmen Kommunikation innerhalb eines bestimmten Kontextes stattfindet. Dieser Vorgang kann auch als Verhalten beschrieben werden. Da Verhalten kein Gegenteil besitzt, kann man sich also nicht „nicht“ verhalten, beziehungsweise nicht „nicht“ kommunizieren. Nonverbale und unbewusste Kommunikation übermitteln somit auch Inhalte ohne das gesprochene Wort. Somit kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass Kommunikation ausschließlich beim Zustandekommen eines gegenseitigen Verständnisses erfolgt.[7]

Grundlage für das Axiom 2 ist die Erkenntnis, dass jede Mitteilung neben der offensichtlichen Information auch eine Beziehung übermittelt. Der viel weniger auffällige Beziehungsaspekt einer Mitteilung steht dem Informationsaspekt in dessen Bedeutung jedoch nicht nach. Es gleicht einer persönlichen Stellungnahme des Senders zum Empfänger. Somit teilt der Sender mit, wie er gerne vom Empfänger verstanden werden möchte. Das betrachten von Inhalten auf reiner Sachebene kann somit zu Missverständnissen innerhalb der Mitteilung führen.

Hier definiert die oft nur beiläufig und unterbewusst wahrgenommene Beziehungsebene wie die Mitteilung verstanden werden soll.[8] Vergleicht man diese Erkenntnis mit einem Computer, könnte man sagen: „Der Inhaltsaspekt vermittelt die <<Daten>>, der Beziehungsaspekt weist an, wie diese Daten aufzufassen sind.“[9]

Grundlage für das Axiom 3 ist das Verständnis, dass die Natur einer Beziehung durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt ist. Oft kommt es in zwischenmenschlichen Beziehungen vor, dass beide Parteien sich als Reagierende sehen und ihre eigene Kommunikation nicht interpretieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Interpunktion von Ereignisfolgen (Watzlawick, Beavin, Jackson)

Wie in dem Abbildungsbeispiel 2 gut zu erkennen ist, interpretieren Sender und Empfänger ihr eigenes Verhalten nur als Reaktion. Beide Parteien sehen sich als Opfer und reagieren lediglich auf den Anderen. Oft lässt sich die Ursache der Störung gar nicht mehr feststellen. Die zwischenmenschliche Diskrepanz oszilliert in einem Hin und Her von gegenseitigem Vorwurf und Selbstverteidigung. Verbindet man den Anfang und das Ende in Abbildung 2 erhält man eine Kreisform in welcher menschliche Kommunikation verläuft. Sie lässt sich nicht einfach in Kausalketten auflösen und gelingt, wenn Sender und Empfänger in Bezug auf Ursache und Wirkung die gleichen Sachverhalte festlegen.[10]

Grundlage für das Axiom 4 ist die Vermutung, dass inhaltliche Aspekte digital und Beziehungsaspekte vorwiegend analog übermittelt werden. Vereinfacht betrachtet stellt die digitale Kommunikation das gesprochene Wort und die analoge Kommunikation hingegen eine nonverbale, wie zum Beispiel Gestik und Mimik, dar. Um die Kongruenz einer Mitteilung zu erreichen müssen digitale und analoge Botschaften übereinstimmen. Zu beachten ist, dass die beiden Ebenen auch eine Mehrdeutigkeit aufweisen können. Diese müssen vom jeweiligen Empfänger interpretiert werden. Ein Beispiel hierfür ist der Sarkasmus. Der digitale und analoge Aspekt stimmt nicht überein und muss folglich vom Kommunikationspartner interpretiert werden.[11]

Voraussetzung für das Axiom 5 ist, dass alle zwischenmenschlichen Kommunikationsabläufe sich entweder auf symmetrischer oder komplementärer Basis zutragen. Beziehungen zwischen Partnern beruhen somit auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit. Innerhalb der symmetrischen Beziehung sind sich die Partner in ihrem Verhalten praktisch identisch. Bei der komplementären Interaktion hingegen ergänzt sich das Verhalten der Partner untereinander. In der Regel nimmt in diesem Fall ein Partner die Führungsrolle ein. Als Beispiel kann hier die Beziehung zwischen einem Arzt und seinem Patienten betrachtet werden. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Partner komplementäre Beziehungen nicht aufzwingen. Das Verhalten setzt eine bestimmte Verhaltensweise des anderen voraus, bedingt diese aber auch gleichzeitig.[12]

2.2 4 Seiten-Modell von Schulz von Thun

Das 4 Seiten einer Nachricht Modell wurde von dem deutschen Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedmann Schulz von Thun begründet. Dieses Modell der Kommunikation beruht darauf, dass jede Äußerung nach 4 Aspekten interpretiert werden kann (siehe Abbildung 3). Somit unterscheidet sich das Modell gegenüber dem 2. Axiom nach Paul Watzlawick dahingehend, dass neben der Beziehungs- und Inhaltsebene noch 2 Weitere Ebenen aufgenommen wurden. Folgende Seiten beinhaltet das Nachrichtenquadrat nach Schulz von Thun.[13]

- Sachinhalt
- Selbstkundgabe
- Beziehung
- Appell

Die Störanfälligkeit bei dem Entschlüsseln von Nachrichten liegt in den häufigsten Fällen an der Fülle von Informationen die eine Nachricht in sich trägt. Die verschiedenen Seiten einer Nachricht sollen durch ein Alltagsbeispiel näher erläutert werden.[14]

„Der Mann (= Sender) sagt zu seiner am Steuer sitzenden Frau (= Empfänger): <<Du, da vorne ist grün!>> “[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die 4 Seiten einer Nachricht (Schulz von Thun)

Die Sachebene: Auf das Beispiel bezogen geht es auf dieser Ebene um die reine Sachinformation, also dass die Ampel Grün ist.

Die Selbstkundgabe: In einer Nachricht teilt der Sender auch immer etwas über sich selbst mit. Informationen über sein eigenes Ich. Anhand des Beispiels kann man davon ausgehen, dass der Mann nicht farbenblind ist, der deutschen Sprache mächtig und dass er es womöglich eilig hat.

Die Beziehungsebne: Auf dieser Ebene geht es um die Beziehung vom Sender zum Empfänger. Sie ist oft durch nonverbale Züge wie Tonfall, Gestik oder Mimik gegenzeichnet. Diese Ebene wird sehr häufig intensiv vom Empfänger wahrgenommen, da er sich in dieser auf eine bestimmte Weise behandelt fühlt. Auf das Beispiel bezogen könnte man davon ausgehen, dass der Mann nicht viel von den Fahreigenschaften seiner Frau hält. Eine etwaige Ablehnung der Frau, „Fährst du oder fahre ich?“[16] würde sich also nicht auf den Sachaspekt, sondern auf die empfundene Behandlung durch den Mann beziehen.

Appellebene: Hier versucht der Sender der Nachricht Einfluss auf das Handeln des Empfängers zu nehmen. Der Mann könnte durch seine Aussage somit zum Ausdruck bringen, dass seine Frau schneller fahren sollte um die Grünphase der Ampel zu nutzen.[17]

Anhand des aufgeführten Beispiels lässt sich also feststellen, dass eine Nachricht auf unterschiedlichen Ebenen gesendet wird. Dabei soll erwähnt sein, dass der Sender bewusst oder unbewusst immer zur selben Zeit auf allen 4 Ebenen übermittelt. Mit Hilfe des Kommunikationsquadrates lässt sich die Vielzahl der Inhalte einer Botschaft strukturieren.

Werden Signale nun aber nur einseitig gesendet, beziehungsweise empfangen, wird es folglich zu Kommunikationsstörungen kommen. Betrachtet man die 4 Seiten einer Nachricht aus Sicht des Empfängers, so lässt sich schnell feststellen warum zwischenmenschliche Kommunikation so kompliziert ist. Grundsätzlich hat der Empfänger einer Nachricht die Wahl auf welcher Ebene er diese primär verstanden haben will. Daraus lässt sich folglich ableiten, dass eine Nachricht nicht nur auf den 4 angesprochenen Kanälen gesendet wird, sondern auch auf den selbigen empfangen.[18] Kommunikation lässt sich somit nur dann erfolgreich gestalten, wenn der gesendete Inhalt mit dem Empfangenem kongruent ist. Der Schlüssel für die Kodierung der Nachricht durch den Sender ist also optimaler weise der gleiche, welcher durch den Empfänger für die Dekodierung genutzt wird. Die Botschaft verliert also keinen, oder nur sehr wenig Inhalt. Sender und Empfänger sollten sich dafür bestmöglich in die Situation und die Gedanken ihres Gegenübers hineinfühlen.

3. Präsentationen nach dem ZEN-Ansatz

Der Präsentationsstil nach dem ZEN-Ansatz wurde vom US-Amerikanischen Kommunikationsexperten und Buchautor Garr Reynolds entwickelt. Der Anstoß für die Entwicklung geht einher mit der Erkenntnis, dass viele der abgehaltenen Präsentationen nicht mehr dem heutigen Lern- und Kommunikationsverhalten des Menschen entsprechen. In Folge dessen geht die zwischenmenschliche Beziehung, welche die Grundlage der Kommunikation darstellt, verloren. Durch diesen Aspekt wird es bedeutend schwieriger Inhalte und Informationen im Rahmen von Live-Präsentationen einprägsam zu übermitteln. In der heutigen Zeit erfahren computerunterstützte Präsentationen immer mehr Aufmerksamkeit. Statt eine hilfreiche Unterstützung für den Präsentator darzustellen entwickeln sie sich durch den fehlerhaften Einsatz oft zu Kommunikationsbarrieren.[19] „Ein wichtiger Grund für das Misslingen so vieler Präsentationen mit Folien oder anderer multimedialer Unterstützung ist die Tatsache, dass die visuellen Ausgabegeräte mittlerweile nur noch als Behälter für massenhaft Text dienen.“[20]

Eine gute mündliche Präsentation unterscheidet sich stark von einem guten Textdokument. Informationen sind für den Menschen schwer aufzunehmen, wenn er versucht Gelesenes zu verstehen und gleichzeitig dem gesprochenen Wort zuhören soll. Wird versucht Textdokumente und Präsentationen zu kombinieren, erhält man im Ergebnis eine schlechte Präsentation und ein schlechtes Textdokument. Die unterstützende Leistung durch das Ausgabemedium wird in diesem Fall die Verbindung zwischen Publikum und Präsentator eher stören als fördern.

Diese Erkenntnis steht folglich im Widerspruch zum Erstellen und Halten einer wirkungsvollen Präsentation im heutigen Konzeptzeitalter. Der Präsentations-ZEN-Ansatz zeigt auf, wie Präsentationen das Publikum effektiver und auf eine zeitgemäße Art und Weise erreichen. ZEN stellt eine Lehre aus dem Buddhismus dar, welche in ihrem Wesen von Ästhetik, Achtsamkeit und Verbindung geprägt ist. Dabei ist die Ausrichtung stets auf die Gegenwart bezogen. Das Übertragen der ZEN-Prinzipien auf Präsentationen ist als Analogie zu verstehen. Es geht im Grunde um das Übertragen und Wahrnehmen von Einfachheit, Beschränkung und Natürlichkeit. Infolgedessen entsteht eine stärkere emotionale und sachliche Verbindung zum Publikum.[21]

Es kommt im Wesentlichen darauf an beide Gehirnhälften des Zuhörers zu erreichen. Es soll klar, visuell und leidenschaftlich präsentiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Gehirnhälften und ihre Funktionen (Eggetsberger-Net)

Die linke Gehirnhälfte ist für das analytische und logische Denken zuständig. Das alleinige Ansprechen dieses Bereiches während einer Präsentation reicht jedoch nicht aus. Wird diese Erkenntnis auf das 4 Seiten Modell von Schulz von Thun transferiert, würde die Kommunikation an dieser Stelle ausschließlich auf der Sachebene ablaufen, was in etwa dem Lesen eines Dokumentes gleich käme.[22]

Der Schlüssel, das Publikum zu erreichen, liegt also vor allem darin, die recht kreative Gehirnhälfte parallel zur linken Gehirnhälfte anzusprechen.[23] Der zentrale Gedanke des ZEN-Ansatzes befasst sich im Schwerpunkt damit die Kompetenzen der rechten Gehirnhälfte anzusprechen. Siehe Abbildung 4. Auf multimediale Präsentationen bezogen sollen sechs Kompetenzen verstärkt angesprochen werden.

Diese sind Design, Geschichten, Symphonie, Einfühlungsvermögen, Spiel und Sinn. Sie aktivieren das Zusammenspiel von rechter und linker Gehirnhälfte und führen folglich zu einer besseren Vermittlung sachlicher Inhalte.[24]

Beim Design ist es wichtig zwischen Dekoration und Design zu unterscheiden. Dekorationen wirken oft störend und verwirrend. Ein gutes Design hingegen wird vom Betrachter oft gar nicht bewusst wahrgenommen. Es dient ausschließlich dazu die Botschaft besser zu vermitteln. „Denken Sie an das Design eines Buches oder die Beschilderung in einem Flughafen. Wir bemerken die Botschaft, die durch das Design in aller Deutlichkeit gezeigt wird, aber nicht die Farbpalette, die Typografie, das Konzept usw.“[25]

Menschen sind seit Kind an darauf geeicht Geschichten zu erzählen und zu empfangen. Zu vermittelndes Material im Rahmen einer Geschichte zu senden verspricht einen größeren Erfolg der Aufnahme durch das Publikum. Die eigene Persönlichkeit, der eigene Charakter und vor allem die eigenen Erfahrungen fließen somit gewinnbringend in eingängige Erzählungen ein.

Symphonie innerhalb einer Präsentation stellt das Zusammenführen scheinbar nicht zusammengehöriger Sachverhalte dar. Es geht darum, Zusammenhänge in aller Einfachheit aufzuzeigen. Um dies erreichen zu können ist es unablässig das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Emotionale Kompetenz spielt eine entscheidende Rolle bei der Interaktion mit dem Publikum. Es geht in erster Linie darum sich in den Zuhörer hineinzuversetzen. Entwickelt der Präsentator ein Einfühlungsvermögen für sein Gegenüber, ist es möglich einen Vortrag auch dann anzupassen, wenn das Publikum nicht folgen kann. Diese Interaktion läuft nonverbal ab. Daher muss sich der Präsentator seiner Zeichen bewusst sein.

Spiel und Humor führen innerhalb einer Präsentation zur Auflockerung. Gleichzeitig wird die Sympathieebene verbessert. Lachen setzt Endorphine im Körper frei und steigert dadurch die Aufmerksamkeit und das Wohlbefinden. Der Sinn besteht darin, dass als wichtig empfundene Wissen weiterzugeben und andere daran teilhaben zu lassen.

Beim Publikum und Präsentator wird sich bei einer gelungenen Präsentation ein erfüllendes Gefühl einstellen.[26]

Das wichtigste Element des ZEN-Ansatzes ist neben den sechs „Kompetenzen“ die Visualisierung. Die visuelle Kommunikation ist ein entscheidender Faktor um die sechs „Kompetenzen“ zu verbinden. Bilder besitzen einen großen Einfluss beim Vermitteln von Botschaften.

„Sie sprechen über die Luftverschmutzung in Frankfurt? Zeigen Sie mir keine endlosen statistischen Daten, sondern lesen Sie mir diese vor und zeigen Sie mir stattdessen Fotos von toten Vögeln, Smog oder sogar einer kranken Lunge! Das ist gemogelt! Nicht fair! Aber es funktioniert!“[27]

[...]


[1] Reynolds (2013), S. 5.

[2] Vgl. Schulz von Thun (2015), S. 27.

[3] Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 59.

[4] Vgl. Schulz von Thun (2015), S. 36 f.

[5] Vgl. Theis-Berglmair (2013), S. 24 f.

[6] Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 21 ff.

[7] Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 58 ff.

[8] Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 61 ff.

[9] Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 63.

[10] Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 65 ff.

[11] Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 70 ff.

[12] Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson (2011), S. 78 ff.

[13] Vgl. Schulz von Thun (2015), S. 27 ff.

[14] Vgl. Schulz von Thun (2015), S. 27.

[15] Schulz von Thun (2015), S. 27.

[16] Schulz von Thun (2015), S. 30

[17] Vgl. Schulz von Thun (2015), S. 28 ff.

[18] Vgl. Schulz von Thun (2015), S. 48 ff.

[19] Vgl. Garr Reynolds (2013), S. 7 ff.

[20] Garr Reynolds (2013), S. 10.

[21] Vgl. Garr Reynolds (2013), S. 7 ff.

[22] Vgl. Simon Walter (2010), S. 50 ff.

[23] Vgl. Garr Reynolds (2013), S. 14 f.

[24] Vgl. Garr Reynolds (2013), S. 15 ff.

[25] Garr Reynolds (2013), S. 16.

[26] Vgl. Garr Reynolds (2013), S. 16 ff.

[27] Garr Reynolds (2013), S. 20.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Präsentation und Kommunikation. Verbesserung der Präsentationsfähigkeit unter Berücksichtigung des Kommunikationsverhaltens des Menschen mittels ZEN-Methode
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V354662
ISBN (eBook)
9783668409880
ISBN (Buch)
9783668409897
Dateigröße
945 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Präsentation, Verbesserung, Zen Methode, Modelle, Schulz von Thun, Paul Watzlawick, Informations- & Kommunikationstheorie, 5 Axiome Modell, Interpunktion von Ereignisfolgen, Mimik, Gestaltung, Gestik, Power Point, 4 Seiten-Modell, Sender, Empfänger, 4 Ohren, Garr Reynolds, Moderation, Coaching, Vortrag, Management, Seminararbeit, Studienarbeit, Hausarbeit, Term Paper
Arbeit zitieren
Jan Ohlbrecht (Autor), 2016, Präsentation und Kommunikation. Verbesserung der Präsentationsfähigkeit unter Berücksichtigung des Kommunikationsverhaltens des Menschen mittels ZEN-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354662

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