In diesem Essay beleuchtet die Autorin die Hintergründe des Gender Mainstreamings mit Blick auf Kindertagesstätten und stellt dar, welche Bedeutung männlichen Pädagogen im Rahmen der professionellen Erziehung von Kindern zukommen kann.
Kindertagesstätten sind vor allem weiblich geprägte Räume. Männer in diesen Institutionen sind vergleichsweise selten und könnten dabei doch so viel zur Erziehung und Bildung im frühen Kindesalter und speziell zu geschlechtssensibler Pädagogik etwas beitragen. Im Rahmen der geschlechtersensiblen Pädagogik rückt unter anderem das Konzept „Gender Mainstreaming“ in den Vordergrund. Doch was bedeutet „Gender Mainstreaming“ überhaupt?
Gender Mainstreaming bedeutet übersetzt: "Das soziale Geschlecht in den Hauptstrom bringen". Mit dieser Formulierung ist gemeint, dass geschlechtsbezogene Fragen nicht mehr als Spezialthema behandelt, sondern in der ganzen Breite des Alltagshandelns berücksichtigt werden sollen. Der Begriff bezeichnet den Prozess und die Vorgehensweise, die Geschlechterperspektive in die Gesamtpolitik mit aufzunehmen – so die Interministerielle Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming. Mit gemeint ist dabei das allgemeine Ziel einer tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern.
Was ist aber mit Gleichstellung gemeint? Seit 1996 ist Gender Mainstreaming durch die EU-Verträge (Artikel 2 und 3) und durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Artikel 23 Nr. 1) zur Durchsetzung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in allen EU-Mitgliedsstaaten verbindlich. Zielrichtung dabei ist, Gender Mainstreaming auf allen Aktionsfeldern zu berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender Mainstreaming in Kindertageseinrichtungen
3. Männer im Kindergarten – Eine Bestandsaufnahme
4. Gründe für mehr Männer in der Elementarpädagogik
5. Herausforderungen und Lösungsansätze zur Männerförderung
6. Kritische Betrachtung der Männerquote
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Umsetzbarkeit einer Männerquote in Kindertageseinrichtungen, um dem eklatanten Männermangel in diesem Berufsfeld entgegenzuwirken und geschlechterstereotypen Sozialisationsprozessen entgegenzutreten.
- Gender Mainstreaming als politische und pädagogische Strategie
- Die Unterrepräsentation von Männern im elementarpädagogischen Bereich
- Sozialisationseffekte und die Bedeutung männlicher Vorbilder
- Barrieren für den Zugang von Männern zum Erzieherberuf
- Strategien zur Imageverbesserung und Attraktivitätssteigerung
- Diskurs um die Einführung einer verbindlichen Männerquote
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung männlicher Vorbilder und geschlechtersensibler Pädagogik
Für eine Beschäftigung von Männern in Kindertagesstätten gibt es somit eine ganze Reihe von guten Gründen. Männer bringen frischen Wind ins Team und haben Interessen und Sichtweisen, die in Kindertagesstätten oft zu wenig berücksichtigt werden. Manche jungen- und männertypische Interessen und Bedürfnisse kommen im normalen Kindergarten-Alltag zu kurz, da viele Frauen nur wenig darauf eingehen. Raufen und Toben, sich für Handwerkliches und Technik begeistern, Klettern und körperliche Grenzen austesten: Das alles können Frauen zwar prinzipiell auch, aber nach Rohrmann (2005a) haben sie dazu einfach keine Lust.
Manche schwierigen Verhaltensweisen von Jungen hängen damit zusammen, dass sie beweisen wollen, wie "männlich" sie sind - wobei sie viel zu wenig darüber wissen, wie Männer wirklich sind, nämlich durchaus nicht immer stark, überlegen, erfolgreich und ohne Angst, so Rentdtorff (2011). Um das herauszufinden, bräuchten sie mehr Männer in ihrem Alltag, mit denen sie die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle und Verhaltensweisen erleben könnten. Kinder orientieren sich allerdings nicht nur an Vorbildern des eigenen Geschlechts. Jungen grenzen sich laut Rohrmann (2005b) zwar auf ihrer Suche nach Männlichkeit manchmal sehr von Frauen und allem "Weiblichen" ab, aber sie übernehmen auch Sichtweisen ihrer Mütter und anderer Frauen und möchten von ihnen geliebt und bewundert werden. Umgekehrt brauchen auch Mädchen Männer. Sie werden selbstbewusster, wenn sie von ihren Vätern und anderen Männern ernstgenommen und unterstützt werden. Schließlich können Jungen und Mädchen einen partnerschaftlichen Umgang, in dem Frauen und Männer einander mit Wertschätzung und Respekt begegnen, nur dann erleben, wenn es in ihrem Alltag auch Männer und Frauen gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Unterrepräsentation männlicher Fachkräfte im pädagogischen Bereich und Formulierung der Leitfrage zur Männerquote.
2. Gender Mainstreaming in Kindertageseinrichtungen: Definition und Erläuterung der EU-weiten Strategie zur Förderung der Gleichstellung und deren Anwendung im Bildungskontext.
3. Männer im Kindergarten – Eine Bestandsaufnahme: Analyse der aktuellen statistischen Situation und der historischen Entwicklung des männlichen Personalanteils in Österreich.
4. Gründe für mehr Männer in der Elementarpädagogik: Darstellung der pädagogischen Vorteile, die sich durch gemischte Teams und männliche Vorbilder für die kindliche Entwicklung ergeben.
5. Herausforderungen und Lösungsansätze zur Männerförderung: Diskussion über Maßnahmen wie Imagekampagnen, Informationstage und die Bedeutung der Reflexion geschlechtstypischer Verhaltensweisen.
6. Kritische Betrachtung der Männerquote: Auseinandersetzung mit Bedenken bezüglich Missbrauchsdebatten und der Gefahr der Verdrängung sowie Chancen einer Quote als Impulsgeber.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Aufwertung des Erzieherberufs fernab von Rollenklischees.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Männerquote, Kindertageseinrichtung, Elementarpädagogik, Geschlechtersensible Pädagogik, Gleichstellung, Rollenbilder, Sozialisation, Männerförderung, Kindergarten, Erzieherberuf, Fachkräftemangel, Diversität, Geschlechterrollen, Berufswahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Unterrepräsentanz von Männern in Kindertageseinrichtungen und diskutiert die Einführung einer Männerquote als mögliches Instrument zur Veränderung dieser Situation.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die Gender-Mainstreaming-Strategie, die frühkindliche Sozialisation, die Bedeutung von Vorbildern sowie die geschlechtersensible Gestaltung des Erzieherberufs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob eine Männerquote dazu beitragen kann, den Anteil an pädagogischem Personal männlichen Geschlechts zu erhöhen und damit eine einseitige geschlechtliche Prägung des Kindergartenalltags aufzubrechen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Fachliteratur und bildungswissenschaftlicher Konzepte zum Thema Gender und Sozialisation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Gründe für den Männermangel, reflektiert die Auswirkungen auf Kinder und debattiert mögliche Lösungsansätze sowie Vorbehalte gegenüber einer Quote.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gender Mainstreaming, Elementarpädagogik, Rollenbilder und Männerförderung charakterisiert.
Warum wird die frühkindliche Erziehung als "frauendominiert" beschrieben?
Die Autorin stellt fest, dass in Österreich weniger als 2% des Personals männlich sind, was zu einer einseitig weiblich geprägten Lernumgebung führt.
Welche Rolle spielt die Reflexion für das pädagogische Personal?
Die Reflexion ist laut der Arbeit essenziell, um eigene voreingenommene Umgangsweisen mit Kindern zu erkennen und eine unbewusste Verstärkung von Geschlechterklischees im Alltag zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Sarah G. (Autor:in), 2015, Einführung einer Männerquote in Kindertagesstätten? Gender Mainstreaming in Kindertageseinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354783