Interaktionsboxen sind so konzipiert, dass eine Problemstellung gegeben ist, die eigenständig von den Schülergruppen gelöst werden soll, indem sie ihr dazu passendes Vorwissen aktivieren, versuchen Erklärungen zu finden, sich austauschen und ihre Vermutungen in Hypothesen formulieren. Um die Hypothesen zu überprüfen müssen sich die SuS selbstständig, mithilfe der gegebenen Materialien in den jeweiligen Boxen, einen Versuchsaufbau überlegen und diesen durchführen und auswerten.
Die beiden naturwissenschaftlichen "Königsdisziplinen" der Biologie, Hypothesen formulieren und Experimentieren, werden also mithilfe der Interaktionsboxen handlungsorientiert gefordert und gefördert. Generell das empirische biologische Vorgehen – Problemstellung, Untersuchungsplanung, Durchführung, Dokumentation und Auswertung – welches wichtiger Aspekte der naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung ist, wird trainiert. Daher sollten Interaktionsboxen, trotz eines hohen Vorbereitungsaufwandes für den Lehrer, ihre Anwendung im Biologieunterricht finden.
Der vorliegende Bericht dient als Handreichung für Referendare, die gern Forscherboxen in ihrem Unterricht verwenden möchten und Anregungen oder Hinweise bzgl. des Einsatzes der Boxen suchen. Eine im Seminar angewendete Box Samen keimen um die Wette wird genauer vorgestellt, auf weitere Boxen wird in der weiterführenden Literatur hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1. Erkenntnisgewinnung
2.1.1. Hypothesen
2.1.2. Experimentieren
3. Rahmenlehrplanbezug
4. Schülervorstellungen
4.1. Bedeutung von Schülervorstellungen für den Biologieunterricht
5. Forscherboxen im Unterricht
5.1. Was ist das?
5.2. Elemente der Forscherbox
5.3. Beispiel einer Forscherbox – Der Senfsamenkeimungswettbewerb
5.4. Was muss beachtet werden – Anregungen zum Nachdenken
5.4.1. Vorbereitung
5.4.2. Durchführung
5.4.3. Nachbereitung
6. Reflexion des Einsatzes der Interaktionsbox in der Seminarsitzung
7. Weiterführende Literatur
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dient als praxisorientierte Handreichung für Referendare, um den Einsatz von Forscher- bzw. Interaktionsboxen im Biologieunterricht methodisch fundiert zu planen und umzusetzen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie durch handlungsorientiertes, selbstständiges Experimentieren die fachbezogene Erkenntnisgewinnung der Schülerinnen und Schüler gefördert und ihre Motivation sowie ihr Verständnis für naturwissenschaftliche Arbeitsweisen nachhaltig gesteigert werden kann.
- Theoretische Grundlagen der naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung
- Bedeutung und Einbindung von Schülervorstellungen in den Unterricht
- Didaktische Strukturierung von Forscherboxen als offene Lernform
- Praktische Umsetzung am Beispiel des Senfsamenkeimungswettbewerbs
- Reflexion kooperativer Lernprozesse und methodischer Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Hypothesen
Die Hypothese stellt die Basis des Experimentierens dar. Auf Grundlage der aufgestellten Hypothese wird das Experiment geplant und ausgelegt. Wenn das Experiment durchgeführt ist, werden die Daten hinsichtlich der Hypothese ausgewertet. Die Hypothese steht damit also zu Beginn des wissenschaftlichen Arbeitens, wie auch am Ende. Wird die Hypothese falsifiziert, muss sie abgeändert werden damit sie erneut überprüft werden kann. Da der Hypothese also ein sehr hoher Stellenwert im wissenschaftlichen Arbeiten zukommt, wollen wir auf die Hypothese an sich noch einmal genauer eingehen.
Selbst in der Antike wurde Phänomenen aufgrund einer Frage, also einer Hypothese, auf den Grund gegangen. So hat schon Platon in seinem Dialog „Phaidon“ geschrieben:
„Ich lege meiner Untersuchung immer eine Behauptung zugrunde, die ich für besonders stark halte; und das, von dem ich dann den Eindruck habe, dass es damit in Einklang steht, nenne ich wahr; was dagegen damit nicht in Einklang zu stehen scheint, nenne ich unwahr.“ Aus diesem Satz ist erkenntlich, dass die Hypothese zur Überprüfung eines Sachverhalts dient und uns damit eine Antwort auf ein Problem liefert. Wurde dies schon in der Antike so gemacht, ist es in der heutigen Zeit noch genauso.
Zu Beginn des naturwissenschaftlichen Forschens steht also die Hypothese. Diese wird jedoch nicht vollständig aus den persönlichen Vorerfahrungen gebildet, sondern hat vielmehr „stets einen spekulativen oder intuitiven Anteil“ (Groppengießer, Harms, & Kattmann, 2013, S. 71). Eine wissenschaftliche Hypothese ist also eine Annahme über einen bis dahin noch unbekannten Zusammenhang, der mit einem Experiment überprüft werden wird. Mithilfe der Hypothese lassen sich Ergebnisse von Beobachtungen und Experimenten vorhersagen und erklären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz des handlungsorientierten Unterrichts durch den Einsatz von Forscherboxen zur Förderung individueller Lernprozesse.
2. Sachanalyse: Das Kapitel erläutert die fachdidaktischen Grundlagen der Erkenntnisgewinnung, mit Fokus auf die Bedeutung von Hypothesenbildung und methodisch kontrolliertem Experimentieren.
3. Rahmenlehrplanbezug: Hier wird aufgezeigt, wie der Einsatz von Forscherboxen spezifische Bildungsstandards in der Grundschule und in höheren Schultypen erfüllt.
4. Schülervorstellungen: Das Kapitel thematisiert, wie vorhandene Schülervorstellungen für den Lernprozess genutzt werden können und warum Irritationen wichtig für einen Conceptual Change sind.
5. Forscherboxen im Unterricht: Dieser Abschnitt beschreibt Aufbau, Elemente und beispielhafte Anwendung einer Forscherbox unter Berücksichtigung methodischer Gelingensbedingungen.
6. Reflexion des Einsatzes der Interaktionsbox in der Seminarsitzung: Eine Analyse der praktischen Anwendung von Forscherboxen in einem Seminar sowie eine Diskussion potenzieller negativer Effekte des kooperativen Lernens.
7. Weiterführende Literatur: Ein Verzeichnis mit Quellen für weitere Forscherbox-Materialien und Ansätze zum Umgang mit emotionalen Aspekten wie Ekel.
8. Literaturverzeichnis: Die systematische Auflistung aller im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Forscherbox, Interaktionsbox, handlungsorientierter Unterricht, Erkenntnisgewinnung, Hypothesenbildung, Experimentieren, Schülervorstellungen, forschendes Lernen, Biologieunterricht, Kompetenzaufbau, kooperatives Arbeiten, Conceptual Change, Naturphänomene, Samenkeimung, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Einbindung von Forscher- und Interaktionsboxen in den Biologieunterricht, um Schülern selbstständiges und forschendes Lernen zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung, die Bedeutung von Schülervorstellungen sowie die konkrete didaktische Planung von Experimenten.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Referendaren eine praktische Handreichung zu bieten, die zeigt, wie man durch den Einsatz von Forscherboxen die prozessbezogenen Kompetenzen der Schüler aktiv fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf fachdidaktische Konzepte zur naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung und zum Modell des forschenden Lernens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Experimentierens, die didaktischen Elemente einer Forscherbox und gibt konkrete Hinweise für die Vorbereitung und Durchführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Forscherbox, handlungsorientierter Unterricht, Erkenntnisgewinnung, Hypothesen und Schülervorstellungen charakterisiert.
Warum ist die Hypothesenbildung laut dem Text so wichtig?
Die Hypothese dient als Basis für das gesamte Experiment; sie leitet die Planung sowie die Auswertung und ermöglicht es, Ergebnisse von Beobachtungen gezielt zu erklären.
Wie lassen sich negative Effekte beim kooperativen Lernen vermeiden?
Der Text betont, dass eine gründliche Vorbereitung der Boxen, eine sinnvolle Gruppenzusammensetzung und eine klare Moderation durch die Lehrkraft entscheidend sind, um Effekte wie den "free-rider" zu verhindern.
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- Anonym (Author), 2015, Lernen durch Experimente. Interaktionsboxen im Biologieunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354799