Was sind konditionelle Fähigkeiten? Eine Übersicht leistungsbestimmender Faktoren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Was sind konditionelle Fähigkeiten?

2 Ausdauer
2.1 Begriff und Charakteristik
2.2 Erscheinungsformen

3 Kraft
3.1 Begriff und Charakteristik
3.2 Erscheinungsform

4 Schnelligkeit
4.1 Begriff und Charakteristik
4.2 Erscheinungsform

5 Beweglichkeit
5.1 Begriff und Charakteristik
5.2 Erscheinungsform

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der konditionellen Fähigkeiten im Bereich der Trainingswissenschaften. Das Ziel ist es einen allgemeinen Überblick zu vermitteln. Dabei wird zu Beginn auf den Begriff der Kondition eingegangen und anschließend auf die konditionellen Fähigkeiten, welche als einzelne leistungsbestimmende Faktoren die Voraussetzungen für das erbringen sportlicher Leistungen darstellen. Es wird hierzu eine Gliederung aus sportwissenschaftlicher Sicht mit entsprechenden Begriffen und Charakteristiken vorgestellt. Ebenso werden verschiedene Erscheinungsformen der konditionellen Fähigkeiten aufgeführt und erläutert.

1 Was sind konditionelle Fähigkeiten?

Der Begriff der Kondition beschreibt einen komplexen körperlichen Zustand, der von dem Ausprägungsgrad der Fähigkeiten Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit, welche man als konditionelle Fähigkeiten bezeichnet, abhängt. Dieser Zustand stellt eine primäre energetische Voraussetzung für das erbringen von sportlicher Leistung dar. Dies gilt für das Erreichen von Leistung in fast allen sportlichen Disziplinen. Auch der Lernprozess von taktischen Handlungen und sportlichen Bewegungen wird davon maßgebend beeinflusst (Harre, Krug & Schnabel, 2009, S. 155). Viele Autoren zählen die Beweglichkeit auch zu den konditionellen Fähigkeiten, denn

„[d]ie Sicherung eines Mindestmaßes an Beweglichkeit ist für alle leistungssportlichen Disziplinen ebenso notwendig wie für den gesundheitsbezogenen Erhalt der Alltagsmobilität“ (Güllich & Krüger, 2013, S. 480).

Letztlich sind die einzelnen leistungsbestimmenden konditionellen Fähigkeiten nicht isoliert für das Erbringen von Leistung verantwortlich. Vielmehr beeinflussen sich diese untereinander und wirken Zusammen als ein Fähigkeitskomplex. Als Teilkomponente beeinflusst dieser Fähigkeitskomplex zusammen mit den sporttechnischen Fertigkeiten, den koordinativen Fähigkeiten, den psychischen Steuerungseigenschaften sowie den taktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten maßgebend die sportliche Leistung (Harre et al., 2009, S. 156). Besonders im Sport, aber auch in allen anderen Wirkungsbereichen des menschlichen Lebens ist die Kondition eine Notwendigkeit um bestimmte Leistungen zu erbringen. Um die Kondition über das, durch die individuelle biologische Entwicklung bedingte, Leistungsniveau zu steigern, muss eine Reizwirkung in Form von körperlicher Tätigkeit stattfinden. Da die Kondition einem natürlichen Veränderungsprozess ohne Trainingswirkung unterliegt, ergibt sich daraus eine Wechselwirkung zwischen der Entwicklung der konditionellen Fähigkeiten und den gesetzten Reizen, welche im Bereich des Sports als Trainingsreize oder allgemein als Training bezeichnet werden (Höltke, 2003, S. 17). Da man im Leistungssport zwischen allgemeiner Kondition, welche das allgemeine energetische Leistungsniveau beschreibt, und spezifischer Kondition, die sportart- und disziplinspezifisch ausgeprägt wird, unterscheidet, gibt es für jede Sportart ein eigenes konditionelles Anforderungsprofil (Höltke, 2003, S. 17–18). In Abbildung 1 werden die oben genannten wesentlichen Komponenten sportlicher Leistung unter Einbezug der äußeren Bedingungen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Die wesentlichen Komponenten der sportlichen Leistung (Höltke, 2003, S. 5)

2 Ausdauer

2.1 Begriff und Charakteristik

Um durch Ermüdung bedingten Einschränkungen der sportlichen Leistung entgegenzuwirken benötigt man Ausdauer. Sie sichert als Leistungsvoraussetzung im Training und im Wettkampf eine zuverlässige und dauerhafte Beanspruchung mit einer möglichst stabilen Technik bei einer optimalen Intensität, sodass ermüdungsbedingte Einschränkungen der Leistung begrenzt oder sogar verhindert werden können. Außerdem wird durch eine ausgeprägte Ausdauer das Regenerationsvermögen nach der Belastung gesteigert. Dies ist z.B. in den Pausen während eines Turniers oder nach Trainings- oder Wettkampfeinheiten von Bedeutung (Harre et al., 2009, S. 179). Die Ausdauer bezieht sich nicht ausschließlich auf die physische Substanz. Auch psychischen Ermüdungserscheinungen gilt es mit entsprechender Ausdauer unterstützend entgegenzuwirken, wenn über einen längeren Zeitraum wiederholt eine hohe Konzentration und geistiger Fokus gefordert sind z.B. beim Schießsport (Höltke, 2003, S. 19).

2.2 Erscheinungsformen

Nach Höltke (2003) werden aus der Sicht der Sportmedizin drei wesentliche Kriterien zur Gliederung der Ausdauer herangezogen. Anhand des Größenumfangs der eingesetzten Muskulatur unterscheidet man zwischen lokaler Muskelausdauer, bei der maximal etwa 15% der vorhandenen Gesamtmuskulatur beansprucht werden, und der allgemeinen Ausdauer, welche alle Belastungen mit einer verhältnismäßigen Muskelbeanspruchung oberhalb dieses Grenzwertes darstellen (Höltke, 2003, S. 19). Das zweite Kriterium ist die Art der Energiebereitstellung, bei der eine Unterteilung in aerobe und anaerobe Ausdauer vorgenommen wird. Steht genügend Sauerstoff zur Verfügung, können Glykogen und Fettsäuren oxidativ verbrannt werden. Wenn der Energiebedarf nicht durch die aerobe Oxidation gedeckt werden kann, finden Stoffwechselvorgänge, wie die Glykolyse, anaerob statt. Als Folge dessen wird Milchsäure (=Laktat) produziert, welches zur Übersäuerung des Muskels und somit zu einer temporären Verminderung der Leistungsfähigkeit führen kann (Höltke, 2003, S. 20–21). Eine weitere Unterscheidung wird aufgrund der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur, nämlich zwischen statischer und dynamischer Ausdauer vorgenommen. Dies ist eng mit der Art der Energiebereitstellung verknüpft, da bei statischer Arbeitsweise schon bei geringer Belastung die Durchblutung und somit auch die Sauerstoffversorgung behindert und ab einer Intensität von etwa 50% vollständig gestoppt wird (Höltke, 2003, S. 22).

3 Kraft

3.1 Begriff und Charakteristik

Die Kraftfähigkeit ermöglicht es, Widerstände mithilfe von Muskelaktivität zu überwinden, sie zu halten oder ihnen nachgebend entgegenzuwirken. Die Muskelkraft ist die generelle Voraussetzung um Körperbewegungen im Sport und im Alltag ausführen zu können. Bis ins höhere Alter ist die Kräftigung der Muskulatur für die Mobilitäts- und Gesunderhaltung des Halte-, Stütz- und Bewegungssystems von zunehmender Bedeutung (Güllich & Krüger, 2013, S. 467).

„[Sie] ist die energetische Basis für alle sportlichen Leistungen, bei denen die beanspruchten Muskeln mehr als etwa 30% ihrer maximal verfügbaren Kraft einsetzen müssen" (Harre et al., 2009, S. 158).

3.2 Erscheinungsform

Die motorische Kraft wird üblicherweise in Maximalkraft, Kraftausdauer und Schnellkraft unterteilt. Die Basis stellt die Maximalkraft dar, denn häufig bringt eine Verbesserung der Maximalkraftfähigkeit eine höhere Kraftausdauer- und Schnellkraftleistung mit sich. Der Unterschied der verschiedenen Kraftfähigkeiten im Bezug auf Arbeitsweise der Muskulatur und entsprechenden Arbeitsbedingungen ist sehr groß. Die Maximalkraft wird als höchstmögliche willkürlich gegen einen Widerstand realisierbare Kraft definiert (Höltke, 2003, S. 49). "Die Fähigkeit zur Kraftentwicklung eines Muskels hängt von seinem physiologischen Querschnitt ab" (Höltke, 2003, S. 41). Wenn eine möglichst hohe Muskelkraft willentlich innerhalb eines möglichst kurzen Zeitraums realisiert werden soll, spricht man von der Schnellkraft. Diese kommt also zum Einsatz, wenn es darum geht dem Körper oder einem Objekt eine möglichst hohe Beschleunigung und Geschwindigkeit zu ermöglichen (Höltke, 2003, S. 52). Neben der Maximalkraft wird die Schnellkraft durch die Startkraft, welche das Kraftniveau zu Beginn einer Bewegung beschreibt, und die Explosionskraft, die einen begonnenen Kraftanstieg mit einer möglichst großen Zunahme der Kraft in möglichst kurzer Zeit beschreibt, beeinflusst (Höltke, 2003, S. 53). Die Kraftausdauer ist, wie auch die Schnellkraft eine komplexe konditionelle Fähigkeit, die sich aus Kraft und Ausdauer zusammensetzt. Sie ermöglicht es einen mittleren bis hohen Kraftimpuls oder auch eine Summe von Impulsen über einen längeren Zeitraum gegen einen mittleren bis hohen Widerstand zu erzeugen. Außerdem hält sie die Abnahme der Muskelleistung über einen definierten Zeitraum mit einer bestimmten Wiederholungszahl möglichst gering (Güllich & Krüger, 2013, S. 470). Häufig wird in der Literatur die Reaktivkraft gesondert als eigenständige Kraftfähigkeit aufgeführt. Sie äußert sich bei allen sportlichen Bewegungen mit Lande- oder Ausholbewegungen. Geht einer konzentrischen (überwindenden) Muskelkontraktion eine exzentrische (nachgebende) Muskelkontraktion voraus, wird der Muskel gedehnt und kontrahiert, sodass der anschließende gekoppelte konzentrische Kraftimpuls verstärkt werden kann. Eine solche Kombination von Kontraktion bezeichnet man als Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (Harre et al., 2009, S. 162).

4 Schnelligkeit

4.1 Begriff und Charakteristik

„Die Schnelligkeit ist eine koordinativ-konditionelle Fähigkeit, die es ermöglicht, auf ein Signal oder Reiz schnellstmöglich zu reagieren (Reaktionsschnelligkeit) oder Bewegungen in höchster Geschwindigkeit oder kürzester Zeit auszuführen (Aktionsschnelligkeit)“ (Güllich & Krüger, 2013, S. 474).

Die Bewegungsanforderungen sportlicher Bewegungshandlungen mit hoher Schnelligkeit setzen sich zu unterschiedlichen Teilen aus elementaren Schnelligkeitskomponenten, Bewegungskoordination und Bewegungstechnik sowie Schnellkraft zusammen (Güllich & Krüger, 2013, S. 474).

4.2 Erscheinungsform

Aus physiologischer Sicht unterscheidet man die elementare Schnelligkeit von der komplexen Schnelligkeit. Erstere wird primär durch die Qualität der neuromuskulären Regel- und Steuerprozesse bedingt, während die komplexe Schnelligkeit die Kraft- und Ausdauerkomponenten mit einbezieht (Güllich & Krüger, 2013, S. 477). Die Reaktionsschnelligkeit, als Bestandteil der elementaren Schnelligkeit, ist „die Fähigkeit, in kürzester Zeit auf einen Reiz (oder eine Information) zu antworten“ (Harre et al., 2009, S. 171). „Als Indikator für den Ausprägungsgrad der Reaktionsschnelligkeit gilt die Reaktionszeit. [Sie] ist die Zeit vom Setzen eines Reizes bis zum Beginn der willkürlichen Reaktion“ (Harre et al., 2009, S. 171). Als Antwort auf solch einen Reiz folgt nach Harre et al. (2009) entweder eine Einfachreaktion d.h. eine festgelegte Bewegung folgt auf ein bekanntes Signal, wie z.B. beim Sprintstart auf ein akustisches Startsignal oder eine Wahlreaktion bei der in Abhängigkeit der konkreten technisch-taktischen Situation in kurzer Zeit vom Athleten eine Entscheidung für eine Lösungsvariante aus einer Vielzahl von Möglichkeiten getroffen wird (Harre et al., 2009, S. 172). Die koordinative Grundlage der Komplexschnelligkeit bildet die Koordinationsschnelligkeit, die bei Bewegungen mit besonders kurzen Bewegungszeiten und äußerst geringen Widerständen auftritt Die komplexe Schnelligkeit ist das Ergebnis aus elementarer Schnelligkeit und der Verbindung mit anderen Leistungsvoraussetzungen. Besonders die Verbindung mit der Kraftfähigkeit, welche mit ansteigenden äußeren Widerständen ab einer gewissen Intensität als Schnellkraftfähigkeit bezeichnet wird, ist dafür bedeutsam. Neben der Handlungsschnelligkeit werden azyklische und zyklische Bewegungsschnelligkeit als ausschließlich motorische Komponenten zu der komplexen Schnelligkeit gezählt (Harre et al., 2009, S. 173).

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Details

Titel
Was sind konditionelle Fähigkeiten? Eine Übersicht leistungsbestimmender Faktoren
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Sportwissenschaftliches Arbeiten
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V354826
ISBN (eBook)
9783668412484
ISBN (Buch)
9783668412491
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konditionell, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit, Training, Schnellkraftausdauer, koordinativ, Kondition, Koordination, Sport, Grundlagen, Lehramt, Sportwissenschaften, Systematik, Leistung, Merkmale, Übersicht
Arbeit zitieren
Sebastian Walch (Autor), 2016, Was sind konditionelle Fähigkeiten? Eine Übersicht leistungsbestimmender Faktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354826

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