Luxemburger Emigration nach Belgisch-Kongo und in die Vereinigten Staaten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kongo
2.1. Die belgisch-luxemburgischen Beziehungen
2.1.1. Der Wiener Kongress und die belgische Revolution 1830
2.1.2. Die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion
2.1.3. Zwischenfazit
2.2. Motive und Wege der Emigration
2.2.1. Die ersten Luxemburger
2.2.2. Propaganda und Verbesserung der Bedingungen für die luxemburgischen Emigranten
2.2.3. Zwischenfazit
2.3. Die luxemburgische Gemeinschaft im Kongo
2.3.1. Private Gemeinschaften
2.3.2. Der CCL
2.3.3. Die „Entr’aide coloniale“
2.3.4. Die luxemburgische Gemeinschaft während dem 2. Weltkrieg
2.3.5. Zwischenfazit
2.4. Das Ende der luxemburgischen Kolonialgeschichte im Kongo
2.4.1. Die Unabhängigkeit Kongos
2.4.2. Der Rückzug der Luxemburger
2.5. Fazit: Kongo

3. Amerika
3.1. Der Weg nach Amerika
3.1.1. Gründe der Auswanderung
3.1.2. Auswanderung als Chance auf eine bessere Zukunft
3.2. Luxemburger in Amerika
3.2.1. Die Frage nach dem Nationalgefühl
3.2.2. Luxemburgische Vereine und Gemeinschaften in den USA
3.3. Fazit: Amerika

4. Schlussfolgerung

5. Bibliographie

1. Einleitung

Die Emigrationsgeschichte Luxemburgs wird oftmals vergessen, jedoch ist sie ein wesentlicher Bestandteil luxemburgischer Geschichte. Aus dieser Ignoranz oder dem Vergessen erschließt sich somit auch die Relevanz des Themas

In dieser Arbeit werden zwei wichtige Auswanderungsziele der Luxemburger näher beleuchtet. Dabei handelt es sich um die belgische Kolonie Kongo in Zentralafrika und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Vorgehensweise situiert sich dabei auf einem Macrolevel. Das bedeutet, dass in dieser Arbeit keine einzelnen Familienporträts oder dergleichen dargestellt werden. Vielmehr handelt es sich um eine universelle Darstellung der wichtigsten Tendenzen. Im Gegensatz zu dieser Vorgehensweise steht die der sogenannten globalen Biographien, welche auf einem Microlevel einzelne Fälle oder Personen erforscht.[1]

Zur Erforschung des Themas wurden verschiedene Autoren mit ihren jeweiligen Schwerpunkten gewählt. So hat zum Beispiel Régis Moes einen wichtigen Forschungsbeitrag zu den Luxemburgern in der Kolonie Kongo beigetragen. Seine Werke werden hier in dieser Arbeit als Schwerpunkt in diesem Kapitel benutzt. Zur Erforschung der Emigration nach Amerika wurden hingegen die Arbeiten von Fausto Gardini berücksichtigt. Zur weiteren Zusatzliteratur wurden allgemeine Handbücher zur Geschichte Luxemburgs, sowie wichtiger Personen Luxemburgs hinzugezogen. Zur Frage der Nationenbildung, welche im Folgenden noch eine gewisse Rolle spielen, wird auf den Text von Norbert Franz und Jean-Paul Lehners „Nationsbildung in Luxemburg von der Französischen Revolution bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs: Konzepte, Debatten, Forschungserträge“ hingewiesen.

Für den Verlauf dieser Arbeit stellen sich die folgenden Leitfragen:

Wie kam es zu der belgisch-luxemburgischen Zusammenarbeit in Bezug auf die Kolonialisierung Luxemburgs?

Welches waren die Ursachen der Auswanderung der Luxemburger?

Wie gestaltete sich die luxemburgische Gemeinschaft im Kongo und was verband sie mit ihrem Vaterland?

Wie kam es zu dem abrupten Ende der luxemburgischen Präsenz im Kongo?

Wie gestaltete sich das wirtschaftliche Leben in Luxemburg im 19. Jahrhundert und inwiefern führte dies zu einer Auswanderungswelle? Weshalb wanderten viele früher oder später in die USA aus?

Wie gestaltete sich das Zusammenleben der Luxemburger in Amerika und welche Gemeinschaften entwickelten sich und wie blieben sie mit Luxemburg in Kontakt?

Diese Fragen leiten die eigentliche Forschungsfrage der Arbeit ein, nämlich die nach den Gemeinsamkeiten, sowie den Unterschieden zwischen beiden Auswanderungsrichtungen.

Während der Erschließung des Themas stellte sich jedoch auch die Frage nach dem Nationalgefühl der Luxemburger und ob es sich bei den verschiedenen Gruppen anders entwickelte und wenn ja, aus welchen Gründen.

2. Kongo

2.1. Die belgisch-luxemburgischen Beziehungen

Um die genauen Umstände der luxemburgischen Emigration im Kongo besser zu verstehen, werfen wir zuerst einen Blick auf die Entstehung der Beziehungen zwischen Luxemburg und Belgien.

2.1.1. Der Wiener Kongress und die belgische Revolution 1830

Nach dem Wiener Kongress von 1815 wird Europa neugestaltet. Die Grenzen Frankreichs werden auf den Stand von 1792 zurückgesetzt, um somit erneute Übergriffe wie die unter Napoleon zu unterbinden. Auch das Herzogtum Luxemburg ist von diesen Umwälzungen betroffen. Die vereinigten Provinzen werden neu organisiert: die Niederlande werden, zusammen mit dem Herrschaftsgebiet von Lüttich, zu einem Königreich unter der Regierung von Wilhelm I. von Oranien-Nassau. Das Herzogtum Luxemburg wird zum Großherzogtum erhoben und stellt, rein rechtlich, einen unabhängigen Staat dar.

In Wirklichkeit steht auch Luxemburg unter der Herrschaft Wilhelms I., da dieser auch zum Großherzog von Luxemburg ernannt wird.[2] Wenn gleich Luxemburg lediglich als sein Privatbesitz galt.[3]

Allerdings wird Luxemburg, insbesondere die Festung der Stadt Luxemburg, als Bollwerk zwischen Frankreich und den deutschen Staaten angesehen.

So kommt es, dass Luxemburg auch Mitglied des Deutschen Bundes wird und preußische Garnisonen die Festung halten.

Wilhelm I. empfand eine tiefe Abscheu gegenüber den Luxemburgern und Belgiern unter seiner Herrschaft und so kam es, dass er diese mit untragbar hohen Steuersätzen belastete. Diese Abneigung basierte vorrangig auf religiösen Unterschieden, da Wilhelm I. protestantischen Glaubens war, während die Luxemburger katholischen Glaubens waren.[4]

Auch wenn Wilhelm I. einige Reformen einbrachte, welche die Situation in Luxemburg und Belgien verbessern sollten, war er bei der Bevölkerung sehr unbeliebt. Dies erklärt sich durch die schlechte wirtschaftliche Konjunktur, einer großen Hungersnot im Jahr 1817, sowie der oben bereits angesprochenen unangemessenen Steuern.[5]

Die Konsequenz dieser Unzufriedenheit war die belgische Revolution im Jahr 1830, welche die Absicht hatte, die Unabhängigkeit Belgiens zu erreichen. Viele Luxemburger unterstützten dieses Vorhaben. Sie wollten eher Belgier werden, als weiter unter der Herrschaft Wilhelms I. zu stehen.[6]

Schließlich unterzeichnete Belgien am 14. November 1831 den sogenannten „traité des XXIV“[7], welchem Wilhelm II. sich anfangs noch stark wiedersetzte. Es sollte bis zum Jahre 1839 dauern, bis er die Unabhängigkeit Belgiens anerkannte. Allerdings musste Belgien auch einige Abstriche hinnehmen. So beinhaltete dieser Vertrag zum Bespiel auch die erneute Teilung Luxemburgs. Wilhelm I. dankte im Jahre 1840 ab und übergab den Thron seinem Sohn Wilhelm II.[8]

Trotz der Unabhängigkeit beider Länder blieb Luxemburg eng mit Belgien verbunden und adaptierte beispielsweise die belgischen Zollsätze in den 1830er Jahren.[9]

Der Beginn der Verhandlungen zur Etablierung der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion war auf beiden Seiten von einigem Misstrauen begleitet. So hatte König Leopold II. oftmals versucht, Luxemburg zu annektieren. Er bot zum Beispiel Großherzog Adolf an, diesem die schwere Bürde des Regierens abzunehmen, da dieser wegen seines fortgeschrittenen Alters sehr angeschlagen war. Die Versuche Luxemburg an Belgien zu binden blieben auch unter Großherzog Wilhelm IV. bestehen. Auch die unsichere Position Luxemburgs während und nach dem Ersten Weltkrieg veranlasste die Belgier dazu, Luxemburg zu annektieren.[10]

2.1.2. Die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion

Um die stetigen Versuche der Belgier Luxemburg zu annektieren zu unterbinden, führten zu einem starken Misstrauen zwischen beiden Staaten und so kam es im Jahre 1920 zu den Verhandlungen zur Etablierung der Wirtschaftsunion.

Paradoxerweise stärkte dieses gegenseitige Misstrauen jedoch die luxemburgische Position während der Verhandlungen, da sich beide Parteien bewusst waren, dass es keine Alternative gab. Damit erklärt es sich auch, dass Luxemburg und Belgien hier als gleichberechtigte Partner auftraten, obwohl die Vertreter Luxemburgs in der Unterzahl waren. Dies führte wiederum dazu, dass Luxemburg mehr Wert auf die Zusammenarbeit mit Belgien legte und nicht auf ihre Partner des Zollvereins, da Luxemburg hier fast gar kein Mitspracherecht besaß. Die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion war außerdem ein notwendiges Mittel, um die Landwirtschaft, sowie den Luxemburger Weinanbau zu stärken. Diese Union erlaubte es nämlich luxemburgische Produkte auf dem belgischen Markt zu verkaufen.[11] Hier zeigt sich auch die Wichtigkeit der Nationsbildung und des Aufkommens eines Nationalgefühls der Luxemburger. Die stetigen Versuche, Luxemburg nicht als autonomen Staat zu betrachten, stärkten die Luxemburger in ihrem Bewusstsein und führten schließlich zu einer Stärkung des Landes in internationalen Fragen und Verhandlungen.[12]

2.1.3. Zwischenfazit

Bisher haben wir gesehen, dass die Beziehungen zwischen Belgien und Luxemburg hauptsächlich auf das Streben Leopolds II., Luxemburg zu annektieren, zurückgehen. Dies begann nach den Wirrungen und Umwälzungen des Wiener Kongresses und der daraus resultierenden belgischen Revolution. Die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion war ein notwendiges Unterfangen, um die Gleichberechtigung zwischen beiden Staaten zu erreichen und somit die belgischen Versuche einer Annektierung Luxemburgs zu unterbinden.

2.2. Motive und Wege der Emigration

2.2.1. Die ersten Luxemburger

Der erste Luxemburger im Kongo im Jahre 1882 war Leutnant Nicolas Grang. Er war Teilnehmer der Expedition des amerikanischen Entdeckers Henry M. Stanley. Rund zwölf weitere luxemburgische Militärs waren bei der Gründung der Kolonie Kongo zwischen 1885 und 1908 anwesend.[13]

Des Weiteren waren auch 15 Luxemburger am Bau der ersten Eisenbahnlinie zwischen Matadi und Leopoldville beteiligt. Einer der Hauptingenieure des Unterfangens war der Luxemburger Nicolas Cito. Er wurde später beauftragter Verwalter der Eisenbahn im Nieder-Kongo.[14] 1927 wurde er Generalkonsul des Großherzogtums in Brüssel.

Es zeigt sich also, dass bereits seit den ersten Schritten der Kolonialisierung auch mindestens 32 Luxemburger involviert waren.

Die weiteren Luxemburger, welche sich auf den Weg nach Kongo machten, arbeiteten meist in der Ressourcengewinnung. Hier ist besonders, neben der Elfenbeinindustrie, die Kautschukgewinnung hervorzuheben.[15] Allerdings waren die ersten Luxemburger im Kongo wahrscheinlich auch an den, mit der Erschließung verschiedener Ressourcen verbundenen, Gewalttaten an der kongolesischen Bevölkerung beteiligt. Hierfür gibt es jedoch keine konkreten Nachweise oder Beispiele.[16]

Während dieser ersten Welle der Emigration hatten nur sehr wenige Luxemburger vor, den wilden Kontinent zu zivilisieren oder Missionsarbeit zu leisten.[17]

[...]


[1] Vgl. Hierzu : Moes, Régis, Biographies et vies transnationales. Les Luxembourgeois dans la mondialisation au XIXe et au XXe siècle, in : Franz, Norbert/ Kolnberger, Thomas/ Péporté, Pit, Bevölkerungen, Verbindungen, Grundrechte. Festschrift für Jean-Paul Lehners, Wien 2015, S. 176-202.

[2] Kreins, Jean-Marie, Histore du Luxembourg, S. 69-70.

[3] Moes, Régis, Cette colonie qui nous appartient un peu, S. 66.

[4] Haag, Emile, Le Luxembourg, S. 238.

[5] Kreins, Jean-Marie, Histoire du Luxembourg, S. 72.

[6] Moes, Régis, Cette colonie qui nous appartient un peu, S. 66.

[7] Kreins, Jean-Marie, Histoire du Luxembourg, S. 73.

[8] Kreins, Jean-Marie, Histoire du Luxembourg, S. 74-76. Sowie Moes, Régis, Cette colonie qui nous appartient un peu, S. 66.

[9] Kreins, Jean-Marie, Histoire du Luxembourg, S. 74.

[10] Moes, Régis, Cette colonie qui nous appartient un peu, S. 73-74.

[11] Moes, Régis, Cette colonie qui nous appartient un peu, S. 74-75

[12] [12] Vgl. Zur Bildung von Nationen und Nationalgefühlen Franz, Norbert und Lehners, Jean-Paul, Nationsbildung in Luxemburg von der Französischen Revolution bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs: Konzepte, Debatten, Forschungserträge.

[13] Moes, Régis, La collaboration coloniale belgo-luxembourgeoise au Congo, Forum 299 September 2010, S. 29.

[14] Moes, La collaboration coloniale, S. 29.

[15] Moes, Régis, Cette colonie qui nous appartient un peu, S. 87.

[16] Moes, La collaboration coloniale, S. 29.

[17] Moes, Cette colonie, S. 87.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Luxemburger Emigration nach Belgisch-Kongo und in die Vereinigten Staaten
Hochschule
Université du Luxembourg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V354894
ISBN (eBook)
9783668423534
ISBN (Buch)
9783668423541
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luxemburg, belgisch Kongo, USA, Globalgeschichte, Weltgeschichte, Auswanderung, Bildung sozialer Gruppen
Arbeit zitieren
Pit Braun (Autor), 2017, Luxemburger Emigration nach Belgisch-Kongo und in die Vereinigten Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354894

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