Das England des 17. Jahrhunderts war eine bewegte Zeit und ein wichtiger Meilenstein gegenwärtiger Verfassungstheorie. Vor dem Hintergrund eines geschichtlichen Abrisses, versucht diese Arbeit zunächst, die Biographien der beiden Autoren in den relevanten Ereignisstrom einzubetten. Bacon & Hobbes, die sich beruflich kannten, fertigen währenddessen zwei Staatskonzepte an, die vereinfacht gesagt den empirischen und rationalen Randpunkt der damaligen Forschung repräsentieren. Dabei ist der eine mindestens eben so utopisch, wie der andere "Realist". Der organisatorische Aufbau der Insel Bensalem (Nova-Atlantis) und die kurze Betrachtung der fundamentalen Herrschaftsprinzipien des "Leviathan" dienen einer abschließenden skizzenhaften Diskussion altbekannter Regierungsproblematiken und der Frage, wie visionär bzw. bedeutungsschwer diese zwei Werke für den momentanen Stand der insbesondere technokratischen Entwicklungen, v. a. aber auch Gefahren, gewählt waren.
Inhaltsverzeichnis
2. Vorwort
3. Einleitung
4. Zeitgeschichtlicher Hintergrund
4.1 Ausgewählte Ereignisse im Leben von Francis Bacon
4.2 Ausgewählte Ereignisse im Leben von Thomas Hobbes
5. Der Begriff “Utopie”
6. Konzepte eines Staatsaufbaus
6.1 Nova Atlantis
6.1.1 Die Insel Bensalem
6.1.2 Das Haus Salomos
6.2 Leviathan
6.2.1 Vom (bürgerlichen) Staat
6.2.2 Vom kirchlichen Staat
7. Auswirkungen auf Staatsideal & -praxis
7.1 Die technokratische Gesellschaft
7.2 Der mechanische Staat
8. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Staatskonzepte von Francis Bacon und Thomas Hobbes vergleichend gegenüberzustellen, um trotz ihrer komplementären Herangehensweisen die Schnittmengen ihrer politischen Ideale aufzuzeigen. Dabei wird analysiert, wie Bacons empirisch geprägte Utopie und Hobbes rationalistischer Staatsentwurf aktuelle politische Fragestellungen und gesellschaftliche Strukturen beeinflusst haben.
- Vergleich der Staatskonzepte von Francis Bacon und Thomas Hobbes.
- Analyse der methodischen Unterschiede zwischen Empirismus und Rationalismus.
- Untersuchung der technokratischen Gesellschaftsstrukturen in "Nova Atlantis".
- Kritische Beleuchtung des mechanischen Staatsmodells im "Leviathan".
- Reflexion über die Relevanz der historischen Staatsentwürfe für die Gegenwart.
Auszug aus dem Buch
6. Konzepte eines Staatsaufbaus
Die Staatstheorien von Francis Bacon und Thomas Hobbes differieren neben der komplementären Heuristik ihrer Autoren in wesentlichen Merkmalen. Bacon beispielweise vertritt in letzter Absicht und im Grunde genommen ein optimistisches Weltbild, wahrscheinlich ein Muss wenn man eine Utopie schreibt und deutlich im Text herauszulesen. Hobbes hingegen erklärt mit seinem “homo homini lupus” und “bellum omnium contra omnes” seine pessimistische Auffassung des Menschen zur Genüge und reflektiert damit die spürbare Unsicherheit und Gefahr der ihn umgebenden Ereignisse. Damit lässt sich auch der “laissez-faire” Charakter und die Freiheit in Nova Atlantis, gegenüber dem autoritären Obrigkeitsstaat mit gottgleicher Gewalt in den Händen einer Person, dem Leviathan bzw. dessen “Kopf”, erklären.
Erwähnenswert bleibt noch das Paradoxon eines Erz-Empiristen Bacon, der ausgerechnet ein jenseits aller Erfahrung gelagertes Staatsideal kreiert, sieht man einmal von den eventuell realen und damit empirischen Hinweisen Platons auf ein einstiges Atlantis ab, wie es von diesem in seinem Werk “Kritias” beschrieben wird. Aber auch Hobbes steht hierin in nichts nach, wenn er, trotz seiner überzeugten Anhängerschaft von Euklids Geometrie und seinem Versuch, den Staatskörper entsprechend ideal und perfekt zu konstruieren, die Beweisführung im Leviathan vielfach auf das Verhalten Moses und dessen Nachkommenschaft begründet, mit anderen Worten auf pure Erfahrungswerte und darüber hinaus - auf die Bibel!
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in den Vergleich zweier unterschiedlicher, aber komplementärer Staatsmodelle des 17. Jahrhunderts.
Einleitung: Darstellung des philosophischen Konflikts zwischen empirischer und rationaler Erkenntnistheorie am Beispiel der beiden Autoren.
Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Analyse der politischen und religiösen Umbrüche in England unter Jakob I. und Karl I. sowie deren Einfluss auf die Autoren.
Der Begriff “Utopie”: Präzisierung der Begrifflichkeit und Abgrenzung zwischen utopischen Idealen und dystopischen Warnungen.
Konzepte eines Staatsaufbaus: Gegenüberstellung der theoretischen Staatsmodelle von Bacon und Hobbes unter Berücksichtigung ihrer Weltbilder.
Nova Atlantis: Untersuchung von Bacons Werk als fiktiver Reisebericht mit Fokus auf die liberale Ordnung der Insel Bensalem.
Die Insel Bensalem: Erörterung der Sitten, Gebräuche und gesellschaftlichen Struktur der Bewohner von Bensalem.
Das Haus Salomos: Analyse der zentralen Regierungsinstitution von Bensalem als technokratisches Forschungszentrum.
Leviathan: Einordnung von Hobbes' Werk als Grundstein des Gesellschaftsvertrages und legitimer Herrschaft.
Vom (bürgerlichen) Staat: Diskussion der Übertragung von Rechten an einen Souverän zur Sicherung des bürgerlichen Friedens.
Vom kirchlichen Staat: Betrachtung der kirchlichen Lehre und der Unterordnung geistlicher Autorität unter den weltlichen Souverän.
Auswirkungen auf Staatsideal & -praxis: Reflexion über den Einfluss der historischen Modelle auf moderne technologische und staatliche Entwicklungen.
Die technokratische Gesellschaft: Kritische Auseinandersetzung mit den Risiken und Chancen eines forschungsgeleiteten Staatsmodells.
Der mechanische Staat: Analyse der Gefahren einer rein gesetzbasierten, entpersonalisierten Staatsmaschine.
Schluss: Zusammenfassende Bewertung der fortwährenden Aktualität beider Autoren für heutige sozialpolitische Debatten.
Schlüsselwörter
Francis Bacon, Thomas Hobbes, Nova Atlantis, Leviathan, politische Theorie, Utopie, Dystopie, Empirismus, Rationalismus, Staatsphilosophie, Gesellschaftsvertrag, Technokratie, Souveränität, Aufklärung, Machtlegitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Staatsphilosophien von Francis Bacon und Thomas Hobbes, zwei bedeutenden Denkern des 17. Jahrhunderts, und untersucht deren unterschiedliche Ansätze zur Staatsgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung zwischen empirischer und rationaler Staatslehre, das utopische Denken, das Konzept des Gesellschaftsvertrages sowie die Rolle der Technokratie und der staatlichen Autorität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bacon und Hobbes trotz entgegengesetzter methodischer Ansätze analoge gesellschaftliche Ideale verfolgten und welchen Einfluss ihre Werke auf das moderne Staatsverständnis ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine komparative Analyse der Primärtexte "Nova Atlantis" und "Leviathan" vor dem Hintergrund des zeitgeschichtlichen Kontextes des 17. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Begriffsdefinition von Utopie, die detaillierte Analyse der Staatskonzepte beider Autoren sowie eine Überprüfung ihrer Auswirkungen auf die gegenwärtige Staatsideal-Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Empirismus, Rationalismus, Gesellschaftsvertrag, Souveränität, Utopie sowie der technokratische vs. mechanische Staat.
Wie unterscheidet sich Bacons Konzept vom "Haus Salomos" von Hobbes' Leviathan?
Bacons "Haus Salomos" fungiert als technokratisches Zentrum des Wissens in einer liberalen Ordnung, während Hobbes' "Leviathan" ein autoritäres, auf Gesetzen und Zwang basierendes Ordnungssystem darstellt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die Realität?
Der Autor folgert, dass Realität keine schicksalhafte Gegebenheit ist, sondern aktiv durch Individuen gestaltet werden kann, wobei die Lektüre utopischer Modelle als Ansporn dienen kann.
- Quote paper
- Oliver Köller (Author), 2004, Nova Atlantis und Leviathan - Ein Vergleich der Staatsideen von Francis Bacon und Thomas Hobbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35498