Die Hölle im Mittelalter

Ihre Entstehung, Darstellung sowie Qualen


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3

N. B. (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Hölle
2.1 Der Anfang vom Ende
2.1.1 Die Begriffsentstehung
2.1.2 Ihre Bestimmung
2.2 Ein Blick in den Abgrund
2.2.1 Die Lokalisierung
2.2.2 Charakteristika der Unterwelt
2.3 Die Bestrafung der Sünden
2.3.1 Sündenarten und –stufen
2.4 Die Höllenqualen
2.4.1 Die Petrusapokalypse
2.4.2 Die Visio Tnugdali

3. Resümee

4. Bibliographie
4.1 Verwendete Quellen und Literatur
4.2 Onlinenachweise

1. Einleitung

„Der Verkehr heute früh war die Hölle“. „Im Klassenzimmer herrschte heute wieder ein Höllenlärm“. „Kein Wunder, dass sie unglücklich ist; seit ihrer Heirat hat ihr Mann ihr das Leben zur Hölle gemacht“. „Fahr zur Hölle!“

Der Begriff Hölle wird im heutigen alltäglichen Sprachgebrauch dazu verwendet, um eine Situation negativ zu beschreiben. Dies bedeutet, dass Menschen eine klare Definition dieses Begriffes haben oder bestimmte negative Assoziationen damit in Verbindung bringen. Zweifellos wird der Begriff Hölle als ein Religionsbegriff, besonders als christlicher, angesehen. Der Anteil der religionslosen Menschen in der Weltbevölkerung liege jedoch bei ca. 1,333 Milliarden – höher als einige Weltreligionen[1]. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, dass der Begriff Hölle in unserem Jahrhundert mit einer bedrohlichen, tiefgründigen und emotionalen Bedeutung in Verbindung gebracht wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen keine Angst davor haben nach ihrem Tod in die Hölle zu gelangen, da sie grundsätzlich die Existenz von jenseitigen Orten, beziehungsweise des Jenseits allgemein, negieren. Ein historischer Rückblick zeigt jedoch, dass dies in der Geschichte der Menschheit nicht immer der Fall war. Durch die Christianisierung in der Epoche des europäischen Mittelalters gehörte die überwiegende Mehrheit einer christlichen Konfession an. Besonders entscheidend ist, dass der Glaube der Christen zu dieser Zeit stark davon geprägt wurde, dass der Tag des Jüngsten Gerichts nah bevor stehe. Aufgrund dessen war die Angst vor der Hölle sowie den Höllenqualen zu jener Zeit allgegenwärtig, weshalb die Menschen versuchten ein frommes und sündenfreies Leben zu führen, um am Tage des Jüngsten Gerichts von Gott aus in den Himmel zu gelangen. Fraglich ist trotzdem, wie das präzise Bild der Hölle sowie deren Qualen überhaupt zu Stande kommen konnte, da selbst im Neuen Testament keine klare Antwort auf die Frage zu finden sei, was genau mit Sündern nach dem Jüngsten Gericht passiere[2]. Die Antwort lässt sich zum einen in der einst hohen Anzahl von Jenseitsberichten finden, die verstärkt dafür sorgten, dass das bevorstehende religiöse Ereignis innerhalb der christlichen Gemeinde nicht in Vergessenheit geriet. Denn neben einer Reihe von Jenseitsvisionären die von einem Aufenthalt im Himmelreich berichteten, existierten auch einige Ausführungen die den Ort der Hölle veranschaulichten. Zusätzlich fungierten sie gewissermaßen als Beweismaterial für die Existenz des Jenseits. Zum anderen sorgte neben besagten Jenseitsberichten auch ein allgemeines apokalyptisches Weltbild zu der Höllenvorstellung im europäischen Mittelalter[3]. Wie genau die Hölle als Jenseitsort entstanden ist und wie sie grundsätzlich im Mittelalter dargestellt wurde, bildet einen wichtigen Kern meiner wissenschaftlichen Hausarbeit. Des Weiteren stellt sich die konkrete Frage, was im Mittelalter als Sünde galt, welche Gewichtungen Sünden hatten und wie diese in der Hölle bestraft wurden. Dafür wird zunächst auf die Begriffsentstehung sowie den konkreten Zweck der Hölle eingegangen. Dadurch gewinnt man die Kenntnis, welche Hintergründe die christliche mittelalterliche Höllenvorstellung prägten. Daraufhin folgt eine umfassende Beschreibung der Hölle, die zeigt, welche typischen Merkmale sie im Mittelalter aufwies. Eine anschließende genauere Untersuchung der Sündenarten und Südenstufen trägt zum besseren Verständnis bei, wonach mittelalterliche Christen ihr Leben richteten, weshalb sie gewisse Dinge mieden und wieso den Bürgern gewisse Dinge verboten wurden. Danach werden konkrete Höllenstrafen untersucht und mit wichtigen Aspekten in Zusammenhang gebracht. Mein abschließendes Resümee dient dazu, die wichtigsten Erkenntnisse zusammenzufassen.

Da eine Vielzahl von Visionsberichten des Mittelalters erhalten blieb sowie überliefert wurde, bilden einige von ihnen – insbesondere die Visio Tnugdali, eine meiner Hauptquellen. Zusätzlich hilfreich waren wichtige Beiträge der Forschungsliteratur zur Höllenthematik, unter anderem zum Beispiel die reichliche Visionsliteratur des Historikers und Mediävisten Peter Dinzelbacher sowie das Buch Himmel und Hölle von Bernhard Lang. Eine weitere wichtige Quelle lieferten Auszüge der griechischen Fragmente der Petrusapokalypse. Begründungen für meine Quellenwahl lassen sich im weiteren Verlauf meiner Arbeit finden.

2. Die Hölle

Schon vor der Zeit des Mittelalters entstand ein pessimistisches Weltbild – Apokalyptik genannt, welches sich durch den Glauben charakterisierte, dass die irdische Welt dem Untergang geweiht sei und nicht mehr zu retten wäre[4]. Durch dieses apokalyptische Weltbild entwickelte sich die Vorstellung, dass nach dem Jüngsten Gericht die Orte des Himmels und der Hölle zur Befreiung von der Welt dienen sollten[5]. Dies prägte sich historisch gesehen bis in das Mittelalter hindurch und entwickelte sich von da an systematisch weiter[6]. Wie genau die Hölle entstand, sich das Höllenbild weiterentwickelte und welche Kernaufgaben sie für Christen des europäischen Mittelalters erfüllte wird im Folgenden genauer untersucht.

2.1 Der Anfang vom Ende

Allgemein lässt sich sagen, dass „[d]ie Theologie des Mittelalters […] die eschatologischen Lehren der Alten Kirche und der Kirchenväter“[7] weiterentwickelte. Christen im Mittelalter seien von insgesamt fünf möglichen Jenseitsräumen nach dem Tod ausgegangen, diese wären: 1. Der Himmel, 2. Die Hölle, 3. Das Fegefeuer, 4. Raum für Fromme des Alten Testaments und 5. Raum für Kinder, die nicht das Sakrament der Taufe erhielten weil sie zuvor verstarben[8]. Im Folgenden werden die Entstehung des Begriffes des zweiten Jenseitsraumes, die der Hölle, sowie ihre Kernfunktion untersucht.

2.1.1 Die Begriffsentstehung

Die Definition der Hölle ist laut Gnilka ein Resultat aus der Vermischung der Scheol und des Gehinnom-Tals[9]. Der Begriff Scheol lasse sich im Alten Testament finden und meine keinen irdischen sowie keinen jenseitigen Ort, da das Alte Testament noch kein Leben nach dem Tod kenne[10]. Vielmehr beschreibe der Begriff Scheol, dass man nach dem Tode in die Unterwelt hinabfahre - eine Metaphorik für die Grube in die der Verstorbene lag[11]. Diese Verstorbenen, die sich im Scheol befanden, galten als sogenannte Totengeister[12]. Grundsätzlich muss erneut hervorgehoben werden, dass der Scheol sowie die Totengeister metaphorisch angesehen wurden. Die Lebenden hatten demnach die Ansicht, dass nach ihrem Tode nichts folgen würde. Als besonders gravierend galt laut Gnilka aber nicht der Tod an sich, sondern das endgültige Ende der Beziehung zu Gott[13]. Ein entscheidender Wendepunkt sei ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. die Apokalyptik gewesen[14]. Die Apokalyptik gehe davon aus, dass die irdische Welt von einer kosmischen Katastrophe vernichtet werde, jedoch die Toten auf ein jenseitiges Leben hoffen können[15]. Nach der Offenbarung Gottes komme es nämlich anschließend zum Gericht über die Toten, die entweder durch Gott in den Himmel oder in die Hölle gelangen[16]. Der Scheol werde nun nicht mehr metaphorisch betrachtet, sondern diene als Ort an dem Tote bis zum Gerichtstag verweilen[17]. Zwei geteilte Kammern würden dafür sorgen, dass arme [gute] von reichen [bösen] Totengeister getrennt würden und in den jeweiligen Kammern eine Vorstellung davon bekommen, was sie nach dem Tage des Gerichts erwarte[18]. Während des Gerichts versammeln sich dann die Frevler [Sünder] im Gehinnom-Tal, um am Ende des Gerichts in den Scheol hinabzusteigen, die dann als Hölle umfunktioniert werde[19]. Ergänzend dazu ist zu erwähnen, dass das Gehinnom-Tal als irdischer Ort gesehen wurde[20]. Der Begriff Hölle sei außerdem von dem griechisch biblischen Begriff des Gehinnom-Tals Gehenna abgeleitet[21].

2.1.2 Ihre Bestimmung

Eine wichtige Frage die zu beantworten gilt ist, welchem Zweck die Hölle dient(e). Zuallererst muss festgehalten werden, dass das Leben der christlichen Menschen im Mittelalter von ständiger Angst geprägt war, da sie, wie bereits erwähnt, davon ausgingen, dass der Tag des Jüngsten Gerichts nah bevorstehe. Plagen wie zum Beispiel die große Pest, von denen etliche Völker in der Zeit des Mittelalters befallen waren, oder Naturkatastrophen wie Überflutungen seien als Gottes Zorn über die Sünden der Menschheit gedeutet worden[22]. Resultierend daraus, sei eine der größten Ängste gewesen unvorbereitet sowie ohne geistlichen Beistand zu sterben - der sogenannte böse Tod[23]. Denn wer ohne Buße starb, gelang direkt in die Hölle in der absolute Gottesferne herrsche[24]. Wer in die Hölle kam hatte in seinem irdischen Leben gesündigt. Ein gewaltiger Unterschied liegt jedoch zwischen der Funktion der Hölle und der des Fegefeuers. Während das Fegefeuer dazu diente Seelen auf bestimmte Zeit nach ihren Sünden zu strafen und sie dadurch zu reinigen, sodass sie am Tage des Jüngsten Gerichts in den Himmel steigen konnten, wurden in der Hölle sündige Seelen auf ewig gequält. Die Antwort auf die Frage der Dauer der Höllenqualen war jedoch nicht immer klar beantwortet. Erste konkrete Stellungnahmen zu dieser Frage entwickelten sich in der Geschichte der Theologie[25]. Der Alexandria Origenes sei einer der ersten gewesen, der hierzu eine Position einnahm[26]. Jener sah die Höllenstrafen als zeitlich begrenzt[27]. Die Hölle diene nach Origenes zur Reinigung der Seelen, die dafür einige Etappen nach ihrem Tod durchlaufen müssten[28]. Mögliche Etappen wären beispielsweise: 1. Die Feuerprobe (unschädlich für gute Seelen) oder 2. Die Zollschranke – Schritt Nummer 1: Die Toten passieren eine Zollstätte während der Teufel und seine Helfer Seelenprüfer seien; zeitgleich entstehe ein Kampf zwischen den bösen Geistern um die Seelen. Schritt Nummer 2: Jene Seelen, welche nicht durch die Zollschranke kommen, bleiben im Hades, in der die Strafen jedoch zeitlich begrenzt seien[29]. Erst Augustinus sei der Erste gewesen, der von der ununterbrochenen Ewigkeit der Höllenqualen ausging[30]. Nachfragen wie zum Beispiel, ob eine „besondere[…] Reinigung für […] läßliche[…] Sünden“[31] möglich sei, bildeten das Fundament für die Entstehung des späteren Fegefeuers im Mittelalter[32].

Betrachtet man alle möglichen Vorstellungen, was nach dem Tod mit Sündern geschehen kann, so komme man unter anderem zu drei verschiedenen Lösungsmöglichkeiten[33]. Folgend werden diese drei Möglichkeiten dargestellt. Nummer 1: DieVernichtung der Ungläubigen[34]. Diese Auffassung stammt von dem Seher Johannes von Patmos. Er erblickt die Vernichtung der Ungläubigen in einer Vision und beschreibt, dass alle nach ihren Sünden gerichtet werden würden. Des Weiteren erleiden Sünder, die in die Hölle gelangen, einen zweiten Tod, indem sie in einen Feuersee hineingeworfen werden. Johannes spricht außerdem von einem Buch des Lebens. Wer nicht in diesem zu finden sei, erleide ebenfalls den zweiten Tod[35]. Nummer 2: Dievorübergehenden Höllenqual[en][36]. Es herrsche eine gewaltige Hitze in der Hölle und zugleich bestehe ein Mangel an kühlem Trinkwasser[37]. Diese Qualen sollen sich bis zum Endgericht ziehen, was danach geschehe sei jedoch unklar[38]. Nummer 3: Dieewigen Höllenqualen[39]. Entnommen aus dem Buch der Offenbarung, sei die Hölle ein Ort für „übermenschliche Mächte und bestimmte Menschen, die […]“[40] schuldig für individuelle Sünden seien[41]. Richtet man sich erneut nach dem Seher Johannes von Patmos, so werden innerhalb eines Krieges [zwischen dem Teufel und seinen Anhängern und Gott und seinen Gläubigern] die Teufelsanhänger von „Himmel fallende[m] Feuer“[42] vernichtet. Außerdem werde zeitgleich „der Teufel […] in eine[m] brennenden See geworfen“[43] und in ihm ewige Qualen erleiden[44].

[...]


[1] Vgl. Schmitt: Erlösung unerwünscht 2010.

[2] Vgl. Lang: Himmel und Hölle, S.39.

[3] Vgl. Dinzelbacher: Hoch- und Spätmittelalter, S. 170.

[4] Vgl. Gnilka: Ungewisses Jenseits? S. 18f.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Scheffczyk: Ungewisses Jenseits? S. 38.

[7] Scheffczyk: Ungewisses Jenseits? S. 38.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. Gnilka: Ungewisses Jenseits? S. 20.

[10] Ebd., S. 16f.

[11] Ebd., S. 17.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd., S. 18.

[15] Ebd., S. 18f.

[16] Ebd., S. 19.

[17] Ebd., S. 20.

[18] Ebd., S. 20f.

[19] Ebd., S. 20.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Vgl. Angenendt: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S. 622.

[23] Vgl. Gutschmidt: Himmel, Hölle, Fegefeuer, Min.: 03.50-04.00.

[24] Ebd., Min.: 05.03-05.52.

[25] Vgl. Scheffczyk: Ungewisses Jenseits? S. 35.

[26] Ebd.

[27] Ebd., S. 36f.

[28] Ebd., S. 36.

[29] Ebd., S. 36f.

[30] Ebd., S. 37.

[31] Scheffczyk: Ungewisses Jenseits? S. 38.

[32] Vgl. ebd.

[33] Vgl. Lang: Himmel und Hölle, S. 39.

[34] Lang: Himmel und Hölle, S. 39.

[35] Vgl. ebd., S. 39f.

[36] Lang: Himmel und Hölle, S. 40.

[37] Vgl. ebd.

[38] Ebd., S. 40f.

[39] Lang: Himmel und Hölle, S. 41.

[40] Ebd.

[41] Vgl. ebd.

[42] Lang: Himmel und Hölle, S. 41.

[43] Ebd.

[44] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Hölle im Mittelalter
Untertitel
Ihre Entstehung, Darstellung sowie Qualen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Jenseitsvisionen und Jenseitsreisen im Mittelalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V355059
ISBN (eBook)
9783668412149
ISBN (Buch)
9783668412156
Dateigröße
788 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jenseitsvision, Mittelalter, Hölle, Visionen, Engel, Teufel, Inferno, Dante, Unterwelt, Sünden, Apokalypse, Religion, Glaube, Vorstellung, Visio Tnugdali, Himmel, Entstehung, Quelle
Arbeit zitieren
N. B. (Autor), 2015, Die Hölle im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355059

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