Sozialisation in der Schule. Funktionen der Schule und Benachteiligung im Schulsystem


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Schule als Sozialisationsinstanz

2. Sozialisation in der Schule
2.1 gesellschaftliche Funktionen und Aufgaben der Schule
2.1.1 Enkulturationsfunktion
2.1.2 Qualifikationsfunktion
2.1.3 Allokationsfunktion
2.1.4. Integrationsfunktion
2.2 Benachteiligung in der Schule
2.2.1 Schichtbezogene Benachteiligung
2.2.2 Benachteiligung für Kinder mit Migrationshintergrund

3. Erfüllt die Schule ihre Funktionen und Aufgaben für alle gleichermaßen?

4. Verbesserungsmaßnahmen, um Benachteiligungen im Schulsystem zu minimieren

5. Förderung Sozialer Arbeit im Bildungssystem

Literaturverzeichnis.

Sozialisation in der Schule

- Funktionen der Schule und Benachteiligung im Schulsystem

1. Schule als Sozialisationsinstanz

Sozialisation findet in unserer Gesellschaft in vielen verschiedenen Instanzen statt. Die Schule ist eine wichtige Station unserer Sozialisation. Doch was beschreibt eigentlich Sozialisation?

Die Entstehung der Sozialisation liegt der Frage „(…) wie Menschen sich in ihrer Persönlichkeit entwickeln und welchen Einfluss darauf die Umwelt hat (…)“ (Hurrelmann 2002: 11).

Der Prozess der Sozialisation wird oft mit der Entwicklung der Menschen in Verbindung gebracht. Sozialisation beschreibt die nachhaltige Entwicklung des Menschen in seinem sozialen Umfeld in dem Bezug auf seine Werte und Normen (vgl. Veith 2008: 7).

Anbei wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, welche Aufgaben die Schule übernimmt und welche Einfluss sie damit auf unsere Sozialisation nimmt. Mit der Einschulung beginnt für die Schüler/Schülerinnen ein neuer Lebensabschnitt, welcher den Tagesablauf des Kindes grundlegend ändert. Das Kind verbringt einen Großteil des Tages außerhalb seiner gewohnten Sozialisationsinstanz, der Familie. Die Schule prägt das Kind nun über mehrere Stunden des Tages.

In diesem Moment übernimmt die Schule eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft gegenüber. Helmut Fend untersuchte die Aufgaben der Schule genauer und veröffentlichte diese in seinen Werken. Er beschreibt sie als Theorien der Schule.

Wenn wir uns die Schule als Sozialisationsinstanz genauer anschauen, kommen zusätzlich immer wieder Vorwürfe der Bildungsbenachteiligung einzelner Schichten zum Vorschein. Gibt es in unserem Bildungssystem erhebliche Bildungsbenachteiligungen und wie treten diese zum Vorschein?

Anschließend stellt sich die Frage, welcher Zusammenhang zwischen den Funktionen der Schule und der Benachteiligungen in unserem Bildungssystem besteht. Werden die Funktionen und Aufgaben der Schule auch von unserem Bildungssystem erfüllt? Werden alle Schüler/Schülerinnen in unserem Bildungssystem gleichermaßen berücksichtigt? Wenn nicht, wie kann gegen die Benachteiligung gearbeitet werden?

2. Sozialisation in der Schule

Sozialisation findet in unserer Gesellschaft in verschiedenen Instanzen statt. Neben der Familie ist die Schule eine wichtige institutionalisierte Instanz. Durch die Industrialisierung im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Schule zu einer Masseneinrichtung für Jedermann. Ein weiterer wichtiger Faktor, der dazu beitrug, war die Festsetzung der Schulpflicht im Jahr 1919 (vgl. Solvejg 2010: 192).

Bei der Sozialisationsforschung seit 1970 gibt es besonders drei empirische Forschungen, welche bis heute von großer Bedeutung sind. Es handelt sich dabei um die Analyse der Schule als Lebenswelt, die Untersuchung der Sozialisationseffekte der Schule und die Analyse biografischer Erfahrungen. Alle drei Forschungen haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und gefestigt (vgl. Horstkemer 2008: 291).

Der Sozialisationseffekt der Schule wurde unter anderem von Hans-Günter Rolff in Augenschein genommen. Mit der Einschulung beginnt für die Kinder ein neuer Teil des Sozialisationsprozesses. Die Kinder verbringen einen Großteil ihres Tages außerhalb der Familie in einer anderen sozialen Gruppe, der Klasse. Die Aufgaben der Schule lassen sich grundsätzlich in zwei verschiedene Kategorien einordnen. Die eine ist das Erlernen von bestimmten Fähigkeiten und Informationen, „(…) das höher ist als das aus dem Sozialisationsprozeß [!] in der Familie bekannt (…)“ (Rolff 1997: 131). Dazu gehört zum Beispiel das Schreiben oder Rechnen. Die andere Kategorie befasst sich mit dem sozialen Verhalten der Schüler/Schülerinnen gegenüber den Mitschülern/Mitschülerinnen und Lehrern/Lehrerinnen, sowie verschiedener Kompetenzen (z.B. Initiative, Führungsqualitäten).

Ähnlich wie die Rolle der Eltern zuhause, übernimmt der Lehrer/die Lehrerin diese in der Schule. Er verfügt zumeist über das gleiche Spektrum an Autorität und Überlegenheit. Der ihm übergebenen Verantwortung muss er/sie gerecht werden und den Kindern Erfahrungen lehren.

Für die Schüler/Schülerinnen ist auch der Lehrer/die Lehrerin eine Person, mit der sie sich identifizieren und deren Erwartungen sie erfüllen wollen. Im Elternhaus erfolgt die Anerkennung dann mit Liebe, in der Schule dagegen ist eine individuelle Anerkennung nicht möglich, da der Lehrer/die Lehrerin viele Kinder unterrichtet. Somit wird die Persönlichkeit des Kindes auf seine Verhalten in der Schule minimiert. Auf die Herkunft der einzelnen Kinder wird ebenso wenig eingegangen.

Neben der Autorität des Lehrers/der Lehrerin steht die Schule mit ihren Folgen bei Nichterfüllung der gestellten Aufgaben. Der Bestrafung mit Strafarbeiten oder schlechten Noten wollen die meisten Schüler/Schülerinnen entgehen und versuchen die Erwartungen der Lehrperson zu erfüllen. Vor allem funktioniert dies bei Schülern/Schülerinnen, welche den Sozialisationsprozess im Elternhaus ähnlich dem in der Schule erlebt haben. Sie vergleichen die Erfahrungen aus dem Elternhaus mit den anstehenden Aufgaben und versuchen diesen möglichst gut nachzukommen. Gute Noten in den Klausuren bringen nicht nur die Anerkennung der Lehrer/Lehrerinnen, sondern auch die Anerkennung der Mitschüler und Eltern (vgl. Rolff 1997: 131).

2.1 gesellschaftliche Funktionen und Aufgaben der Schule

Die Potentiale einer Gesellschaft in Bezug auf Politik, Wirtschaft und Kultur wird von den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen bestimmt. Durch die immer weiter schreitende Industrialisierung wird immer mehr Wert auf Bildung und Fachkräfte gelegt. Je nach Schulform hat jede Bildungseinrichtung verschiedene Funktionen. Laut vieler Soziologen/Soziologinnen hat das Schulsystem aber vor allen Dingen die gesellschaftliche Funktion soziale Strukturen zu übermitteln und zu reproduzieren (vgl. Rolff 1997: 9). Fend unterschiedet die Funktionen der Schule zwischen der Qualifizierungs-, Allokations- und Integrationsfunktion in Theorie der Schule, 1980. Die Enkulturationsfunktion ergänzt er in seiner Veröffentlichung Neue Theorie der Schule aus dem Jahr 2006.

2.1.1 Enkulturationsfunktion

Die Enkulturationsfunktion beschreibt „(…) die Reproduktion grundlegender kultureller Fertigkeiten und kultureller Verständnisformen der Welt und der Person“ (Fend 2006: 49). Besonders gute Beispiele dafür sind die religiöse Kultur oder die Sprache und Schrift (vgl. Fend 2006: 49). Die Funktion der Schule umfasst in diesem Punkt mehr als nur die Vermittlung einer Qualifikation. Es handelt sich um die Übermittlung einer Kultur und die Teilnahme an dieser. Das Entscheidende ist, dass die Werte einen Ursprung haben, den es zu verstehen gilt und ggf. auch weiterentwickelt werden muss, um weiter zu bestehen (vgl. Bohl 2015: 200). „Durch die Kulturinitiation werden Kinder in ihrer jeweiligen Kultur heimisch, sie bleiben nicht Fremde im eigenen symbolischen Umfeld“ (Fend 2006: 49).

2.1.2 Qualifikationsfunktion

Die Qualifikationsfunktion hat die Aufgabe die Kenntnisse und Fertigkeiten zu übermitteln, die für den späteren Beruf und die Gesellschaft von Bedeutung sind. Es handelt sich dabei um das Zusammenspiel von der Entwicklung des Wissens und der Übermittlung und des Erlernens dieser Fähigkeiten in der Bildungsstätte (vgl. Fend 2006: 50). Ziel der Funktion ist die Qualifizierung für das spätere Berufsleben. Dies erfolgt durch Unterricht nach einem systematisch angelegten Lehrplan (vgl. Sandfuchs 2001: 15).

2.1.3 Allokationsfunktion

Die Grundlage der Allokationsfunktion ist die Sozialstruktur einer Gesellschaft. Die Sozialstruktur beschreibt die soziale Unterteilung der Gesellschaft nach ihren Merkmalen, wie z.B. Einkommen, Bildung, Kultur. Das Bildungswesen sieht eine Zuordnung zur Arbeit vor. Dies geschieht durch die Verteilung von Positionen, welche nur durch das Erreichen bestimmter Qualifikationen erreicht werden können. Über verschieden Prüfungen erfolgt die Zuordnung zu den beruflichen Möglichkeiten. Die Leistungen in der Schule sind ausschlaggebend für die Möglichkeiten in der beruflichen Zukunft. Die empirische Sozialforschung im Bereich der Bildung hat ergeben, dass trotz der verschiedenen Bildungswege, welche grundsätzlich für jeden offenstehen, die soziale Herkunft der Familie eine große Rolle spielt. Die Funktion der Allokation dient der Zuordnung der Schüler/Schülerinnen mit bestimmten Qualifikationen zu den beruflichen Möglichkeiten mit den dazugehörigen Anforderungen (vgl. Fend 2006: 50).

2.1.4. Integrationsfunktion

Die Integrationsfunktion beschreibt die Schule als Steuerungsobjekt der gesellschaftlichen Integration. Hauptaugenmerk richtet sich auf die Reproduktion von Normen, Werten und Verhaltensweisen, welche der politischen Situation entsprechen und diese stärken (vgl. Fend 2006: 50). Es handelt sich hierbei um die Anerkennung des politischen Systems und die Legitimation der Politik. Der Konflikt liegt in der Frage, wie eine gesellschaftliche Integration gleichzeitig mit dem Recht auf die freie Entfaltung erfolgen soll (vgl. Sandfuchs 2001: 17).

2.2 Benachteiligung in der Schule

Grundsätzlich hat jede(r) Schüler/Schülerin in Deutschland die gleichen Möglichkeiten auf weiterführende Bildung, wenn gewisse leistungsbedingte Voraussetzungen gegeben sind. Es wird keine herkunftsabhängige Auswahl getroffen (vgl. Fend 2006: 43).

Der Bildungserfolg der Schüler/Schülerinnen ist trotzdem weiterhin sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig. Kinder aus der Unterschicht oder mit Migrationshintergrund haben niedrigeren Erfolg auf einen hohen Bildungsabschluss, als Kinder aus Familien der Mittel- oder Oberschicht. Die Intelligenz spielt dabei oft nur eine sehr geringe Rolle (vgl. Reith 2012).

Laut Fend haben die Forschungen in den letzten Jahren ergeben, dass die Bildungssysteme in Deutschland eine soziale Verteilungsfunktion ausüben. Er beschreibt die Systeme als „Rüttelsieb“ in dem Bezug auf die Verteilung verschiedener Bildungsabschlüsse und Berufspositionen zwischen den Generationen (vgl. Fend 2006: 44).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Sozialisation in der Schule. Funktionen der Schule und Benachteiligung im Schulsystem
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Grundlagenmodul Gesellschaft und Persönlichkeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V355061
ISBN (eBook)
9783668411456
ISBN (Buch)
9783668411463
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisation, Schule, Benachteiligung, Bildungssystem, Funktionen der Schule
Arbeit zitieren
Charline Krause (Autor), 2016, Sozialisation in der Schule. Funktionen der Schule und Benachteiligung im Schulsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355061

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