Sozialisation findet in unserer Gesellschaft in vielen verschiedenen Instanzen statt. Die Schule ist eine wichtige Station unserer Sozialisation. Doch was beschreibt eigentlich Sozialisation? Der Prozess der Sozialisation wird oft mit der Entwicklung der Menschen in Verbindung gebracht. Sozialisation beschreibt die nachhaltige Entwicklung des Menschen in seinem sozialen Umfeld in dem Bezug auf seine Werte und Normen.
Anbei wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, welche Aufgaben die Schule übernimmt und welchen Einfluss sie damit auf unsere Sozialisation nimmt. Mit der Einschulung beginnt für die Schüler/Schülerinnen ein neuer Lebensabschnitt, welcher den Tagesablauf des Kindes grundlegend ändert. Das Kind verbringt einen Großteil des Tages außerhalb seiner gewohnten Sozialisationsinstanz, der Familie. Die Schule prägt das Kind nun über mehrere Stunden des Tages. In diesem Moment übernimmt die Schule eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft gegenüber. Helmut Fend untersuchte die Aufgaben der Schule genauer und veröffentlichte diese in seinen Werken. Er beschreibt sie als Theorien der Schule.
Wenn wir uns die Schule als Sozialisationsinstanz genauer anschauen, kommen zusätzlich immer wieder Vorwürfe der Bildungsbenachteiligung einzelner Schichten zum Vorschein. Gibt es in unserem Bildungssystem erhebliche Bildungsbenachteiligungen und wie treten diese zum Vorschein?
Anschließend stellt sich die Frage, welcher Zusammenhang zwischen den Funktionen der Schule und der Benachteiligung in unserem Bildungssystem besteht. Werden die Funktionen und Aufgaben der Schule auch von unserem Bildungssystem erfüllt? Werden alle Schüler/Schülerinnen in unserem Bildungssystem gleichermaßen berücksichtigt? Wenn nicht, wie kann gegen die Benachteiligung gearbeitet werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Schule als Sozialisationsinstanz
2. Sozialisation in der Schule
2.1 gesellschaftliche Funktionen und Aufgaben der Schule
2.1.1 Enkulturationsfunktion
2.1.2 Qualifikationsfunktion
2.1.3 Allokationsfunktion
2.1.4. Integrationsfunktion
2.2 Benachteiligung in der Schule
2.2.1 Schichtbezogene Benachteiligung
2.2.2 Benachteiligung für Kinder mit Migrationshintergrund
3. Erfüllt die Schule ihre Funktionen und Aufgaben für alle gleichermaßen?
4. Verbesserungsmaßnahmen, um Benachteiligungen im Schulsystem zu minimieren
5. Förderung Sozialer Arbeit im Bildungssystem
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Schule als zentrale Sozialisationsinstanz und analysiert kritisch, inwieweit das deutsche Bildungssystem bestehende gesellschaftliche Funktionen erfüllt oder durch strukturelle Benachteiligungen bestimmte Schülergruppen systematisch ausgrenzt. Dabei wird insbesondere der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft sowie dem Migrationshintergrund und dem Bildungserfolg beleuchtet, um abschließend den Stellenwert der Sozialen Arbeit als intervenierende Kraft zu diskutieren.
- Die Schule als bedeutende Institution der Sozialisation und Wissensvermittlung.
- Die vier theoretischen Kernfunktionen der Schule nach Helmut Fend.
- Strukturelle Bildungsbenachteiligung von Kindern aus der Arbeiterschicht.
- Herausforderungen für Kinder mit Migrationshintergrund im Kontext von Sprache und Bildungschancen.
- Ansätze der Sozialen Arbeit zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Schichtbezogene Benachteiligung
In neueren Studien wurde oft untersucht, wie die verschiedene Bildungswege von den Schülern/Schülerinnen und deren Eltern genutzt werden. Die verschiedenen Bildungswege könne gerade für die Arbeiterschicht abschreckend wirken. Da in unserem Schulsystem bereits im 4. Schuljahr über den weiteren Schulweg der Kinder entschieden werden muss, scheint dies oft eine risikoreiche Entscheidung, da ein Scheitern der Kinder gut möglich ist. Somit liegt die Entscheidung oft an den Einschätzungen und Ressourcen des Elternhauses (vgl. Fend 2006: 43).
„Je höher die Bildung der Eltern ist, desto eher werden Bildungsaspirationen unabhängig von der Schulleistung und Bildungsempfehlung aufrechterhalten. Dagegen beharren Eltern aus unteren Schichten auch dann auf niedrigeren Schullaufbahnen, wenn für das Kind eine höhere Schullaufbahn empfohlen wird.“ (Becker 2000: 465).
Rolff legt in seinem Buch „Sozialisation und Auslese durch die Schule“ die Benachteiligung in der Schule dar. Die Ergebnisse einer vorangegangenen Untersuchung legt er wie folgt dar: Die Schüler/Schülerinnen aus verschiedenen Schichten haben bis zum Beginn der Schule einen unterschiedlichen Sozialisationsprozess in der Familie durchlebt. Durch den Sozialisationsprozess in der Schule werden diese Unterschiede nicht verringert, sondern mehr vergrößert. Der Sozialisationsprozess/ -charakter der Mittelschicht wird in der Schule aufgegriffen und fortgeführt. Dies führt zu einer Teilung der Schülerschaft. Die Schüler/Schülerinnen aus der Mittelschicht folgen weiter der Sozialisation, welche sie bereits in ihrer Familie kennenlernen durften. Sie können ihre „(...) bereits angelegten Verhaltensmustern, Wertorientierungen und Sprachformen über das Hinzulernen von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den weiterführenden Schulen zu Rollendispositionen, die Ausgangsstation sind für weiterführende Berufspositionen, die vornehmlich der Mittelschicht vorbehalten sind“ (Rolff 1997: 229) weiter folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schule als Sozialisationsinstanz: Dieses Kapitel führt in die grundlegende Bedeutung der Schule als Lernort und Sozialisationsinstanz ein, die neben der Familie das Kind maßgeblich prägt.
2. Sozialisation in der Schule: Es werden die theoretischen gesellschaftlichen Funktionen der Schule erläutert und die problematischen Mechanismen der Benachteiligung hinsichtlich Schichtzugehörigkeit und Migration untersucht.
2.1 gesellschaftliche Funktionen und Aufgaben der Schule: Das Kapitel definiert die vier zentralen Aufgaben der Schule: Enkulturations-, Qualifikations-, Allokations- und Integrationsfunktion.
2.1.1 Enkulturationsfunktion: Fokus auf die Vermittlung kultureller Fertigkeiten und Werte, um Kinder in der Gesellschaft heimisch zu machen.
2.1.2 Qualifikationsfunktion: Beschreibung der Wissensvermittlung und Ausbildung von Fähigkeiten, die für den späteren Berufsalltag notwendig sind.
2.1.3 Allokationsfunktion: Analyse der gesellschaftlichen Zuordnung von Individuen zu beruflichen Positionen basierend auf Qualifikationen und Leistung.
2.1.4. Integrationsfunktion: Untersuchung der Schule als Ort zur Reproduktion politischer Normen und der damit verbundenen Herausforderungen für die individuelle Entfaltung.
2.2 Benachteiligung in der Schule: Zusammenfassende Darstellung der Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf Chancengleichheit und der realen Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft.
2.2.1 Schichtbezogene Benachteiligung: Vertiefung der Problematik, wie das Bildungssystem durch einseitige Ausrichtung an der Mittelschicht Kinder aus der Arbeiterschicht benachteiligt.
2.2.2 Benachteiligung für Kinder mit Migrationshintergrund: Analyse der Barrieren durch mangelnde Sprachförderung und die strukturelle Diskriminierung von Kindern mit Migrationshintergrund.
3. Erfüllt die Schule ihre Funktionen und Aufgaben für alle gleichermaßen?: Eine kritische Bestandsaufnahme, die hinterfragt, ob das standardisierte Schulsystem den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler gerecht wird.
4. Verbesserungsmaßnahmen, um Benachteiligungen im Schulsystem zu minimieren: Diskussion von Lösungsansätzen wie verstärkte Sprachförderung und eine inklusive Bildungspolitik zur Chancengleichheit.
5. Förderung Sozialer Arbeit im Bildungssystem: Fazit über die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit als kooperative Instanz, um Bildungsungleichheiten nachhaltig abzubauen.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Schule, Bildungsbenachteiligung, Allokationsfunktion, Qualifikationsfunktion, Migration, Chancengleichheit, Schulsozialarbeit, Bildungserfolg, Schichtzugehörigkeit, Bildungsungleichheit, Leistungsdruck, Spracherwerb, Integration, Sozialstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schule als Sozialisationsinstanz und untersucht kritisch, warum bestimmte Schülergruppen innerhalb des deutschen Bildungssystems strukturell benachteiligt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die soziologischen Funktionen der Schule, die Auswirkungen der sozialen Herkunft auf den Bildungsweg sowie die spezifischen Barrieren für Kinder mit Migrationshintergrund.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den theoretischen Funktionen der Schule und der realen Bildungspraxis aufzudecken sowie Möglichkeiten für mehr Bildungsgerechtigkeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Fundierung durch soziologische und pädagogische Fachliteratur, insbesondere unter Rückgriff auf die Theorien von Helmut Fend und Hans-Günter Rolff.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der vier Schulfunktionen, die Analyse schichtspezifischer Benachteiligungen und die Diskussion der Rolle der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialisation, Bildungsbenachteiligung, Allokation, Migration und Schulsozialarbeit.
Inwiefern beeinflusst die soziale Herkunft den Schulerfolg laut dem Text?
Der Text argumentiert, dass das deutsche Schulsystem stark auf die Werte der Mittelschicht ausgerichtet ist, was dazu führt, dass Kinder aus der Arbeiterschicht sich kulturell anpassen müssen, was oft zu Nachteilen führt.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Benachteiligung von Migrantenkindern?
Die deutsche Sprache wird als formale Grundvoraussetzung definiert; da das System jedoch kaum spezifische Sprachförderung leistet, erschwert dies den Zugang zu Bildungsinhalten erheblich.
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- Charline Krause (Author), 2016, Sozialisation in der Schule. Funktionen der Schule und Benachteiligung im Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355061