Ethikkodizes in der Logopädie. Anregungen aus dem internationalen Vergleich für die Entwicklung der deutschen Berufsordnung zu einem Ethikkodex


Bachelorarbeit, 2013

48 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Berufsethik in der Logopädie
2.1 Berufsethik in der Logop ädie als angewandte Ethik
2.2 Aktueller Bedarf eines deutschen Berufskodex
2.3 Ethische Entscheidungsfindung in der Logop ädie
2.4 Ethische Kompetenzen
2.5. Ethische Prinzipien in der therapeutischen Tätigkeit
2.6 Exemplarische Vorstellung der Vergleichsdokumente
2.6.1 Die Berufsordnung des dbl
2.6.2 Ethische Rahmenvorgaben Logopädie des CPLOL
2.6.3 Der Code of Ethics der ASHA

3. Vergleich des Code of Ethics und der Rahmenvorgaben
3.1 Vermittlung von Wissen ü ber Inhalte und in die Berufspraxis
3.2 Ethische Prinzipien auf nationaler und internationaler Ebene
3.3 Formale Analyse
3.4 Inhaltliche Analyse
3.5 Verbindlichkeit und Identifizierung von Verst öß en

4. Gegenüberstellung der Anregungen aus dem internationalen Vergleich und der Berufsordnung
4.1 Vermittlung von Wissen ü ber Inhalte und Anwendung
4.2 Ethische Prinzipien
4.3 Formale und Inhaltliche Analyse
4.4 Verbindlichkeit und Identifizierung von Verstößen

5. Ergebniszusammenfassung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abgleich der ethischen Prinzipien der Rahmenvorgaben und des Code of Ethics

Tabelle 2: Aspekte der Verbandsarbeit der ASHA und des dbl

Tabelle 3: Ethische Prinzipien in der Berufsordnung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstrakt

Ethikkodizes in der Logopädie: Anregungen aus dem internationalen Vergleich für die Entwicklung der deutschen Berufsordnung zu einem andelt, ob eine eigenständige Berufsethik in der deutschen Logopädie Notwendigkeit besitzt. Wenn ja, inwiefern Ergebnis- se aus dem internationalen Vergleich Anregungen darstellen können, die Be- rufsordnung zu einem Ethikkodex weiterzuentwickeln, um ein angemessenes Instrument zu erstellen, welches nationalen sowie internationalen Ansprüchen eines Ethikkodex gerecht wird.

METHODE: Mittels einer deutsch- und englischsprachigen Literaturrecherche wurde die Bedeutung von berufsethischem Handeln in der Logopädie untermauert sowie die Relevanz einer eigenständigen Berufsethik abgeleitet. Die ethischen Rahmenvorgaben des CPLOL sowie der Code of Ethics der ASHA wurden anhand verschiedener Aspekte verglichen. Diese Ergebnisse wurden der Berufsordnung gegenübergestellt und daraus Anregungen für die Entwicklung eines deutschen Ethikkodex abgeleitet.

ERGEBNISSE: Die Analyse ergab nicht nur die Notwendigkeit einer Überarbeitung aufgrund des Bestrebens nach internationaler Vergleichbarkeit, sondern ist auch wegen überholter Aspekte bezüglich der Formulierungen und Inhalte erstrebenswert.

ZUSAMMENFASSUNG: Eine eigenständige Berufsethik dient als Reflexions- und Bewertungsgrundlage, um als Logopädin/Logopäde begründete und um- sichtige Therapieentscheidungen zu treffen. Diesbezüglich scheint eine Modi- fikation der Berufsordnung sinnvoll und notwendig, um internationalen aber auch nationalen Standards gerecht zu werden. Darüber hinaus ist es empfeh- lenswert, die logopädische Berufsethik durch deutsche Literatur und aktuelle Bezüge fassbarer zu gestalten, um ethisches Handeln verstärkt in die logopä- dische Tätigkeit zu integrieren.

SCHLÜSSELWÖRTER: Berufsethik, Ethikkodex, ethische Prinzipien, Code of Ethics der ASHA, Rahmenvorgaben des CPLOL, Berufsordnung des dbl

HAWK University of Applied Science and Art

Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Faculty of Social Work and Health

BSc Degree Course Occupational Therapy,

Speech and Language Therapy & Physiotherapy

Carolin Hilbrich

Date: 12.02.2013

Abstract

Codes of ethics in speech therapy: suggestions from an international comparison of the development of German professional code to a code of ethics

PROBLEM: This paper examines the question whether an independent professional ethic in the German speech therapy is need. If so, which results of an international comparison can provide suggestions to develop the professional code to a code of ethics, to create an appropriate instrument that meets national and international requirements of a code of ethics. METHOD: Through researching in German and English literature, the author underpinned the importance of professional ethics act in speech therapy and the relevance of an independent ethic was derived. The ethical frameworks of CPLOL and the Code of Ethics of the ASHA were compared using various aspects. These results were compared with the Professional Code and to be able to derive suggestions for the development of a German code of ethics. RESULTS: The analysis revealed not only the need for a revision because of a concern for international comparability, it is also desirable because of outdated aspects concerning the wording and content.

SUMMARY: For a speech therapist an independent ethics serves as a reflection and valuation basis to make reasonable and prudent treatment decisions. In this regard a modification of the professional code seems to be reasonable and necessary, especially to be able to meet international as well as national standards. In addition, it is recommended to make the speech therapy professional ethics more tangible by German literature and through contemporary perspectives. This will reinforce the integration of ethics in speech therapy activities.

KEYWORDS: professional ethics, code of ethics, ethical principles, the ASHA Code of Ethics, the CPLOL frameworks, professional code of dbl

1. Einleitung

Bietet die Berufsordnung des Deutschen Bundes für Logopädie genug Ori- entierung für eine ethische Berufsausübung? Welche berufsethischen Verän- derungen benötigt die Berufsordnung um international anerkannt zu werden? Bietet der Ethikkodex der American Speech-Language-Hearing Association oder die Rahmenvorgaben des Comité Permanent de Liaison des Orthophonistes / Logopèdes de l 'Union Européenne mehr Orientierung, um ethischen Normen und Werten als Logopädin/ Logopäde zu folgen? Wenn ja, in welcher Form werden diese internationalen ethischen Richtlinien umgesetzt und dargestellt? Welche Inhalte müssen in einem Ethikkodex für die deutsche Logopädie modifiziert werden, um den derzeitigen Ansprüchen einer logopä- dischen Leistungserbringung gerecht zu werden?

Die folgende Arbeit soll unter anderem diese Fragen beantworten. Zunächst wird die Berufsethik als angewandte Ethik identifiziert und der aktuelle Bedarf eines deutschen Ethikkodex dargelegt. Anschließend wird die Wichtigkeit der ethischen Entscheidungsfindung der Logopädie erläutert und relevante ethische Prinzipien abgeleitet.

Die Arbeit hat das Ziel, anhand einer Gegenüberstellung des Codes of Ethics der American Speech-Language-Hearing Association und der Rah- Gegenüberstellung wurden folgende Untersuchungs-punkte gewählt: Die Vermittlung von Wissen über die Inhalte und deren An-wendung in die Berufspraxis, das Vorhandensein im Vorfeld festgelegter ethi-scher Prinzipien, die Verbindlichkeit seitens der Mitglieder gegenüber den Do-kumenten sowie formale und inhaltliche Aspekte.

Diese Annahmen aus dem internationalen Vergleich werden der deutschen Berufsordnung gegenübergestellt und zukunftsorientierte Möglichkeiten einer Modifikation der Berufsordnung aufgezeigt werden. Schließlich sollen die Er- gebnisse die Relevanz für die Entwicklung eines Ethikkodex für die deutsche Logopädie unterstreichen und gleichzeitig Anhaltspunkte für die Weiterent- wicklung liefern.

Bereits Hemmelgarn (2009, S.39ff) plädiert in ihrer Arbeit für eine Weiter- entwicklung der Berufsordnung zu einem Ethikkodex. Sie gründete ihr Urteil darauf, dass gesetzgebende Normen nicht ausreichend sind, um gerechtfer- tigte und ethisch vertretbare Therapieentscheidungen treffen zu können. Durch die Internationalisierung und Akademisierung der Logopädie muss sich der Deutsche Bund für Logopädie in die Pflicht nehmen, sich internationalen Standards bezüglich ethischer Berufsausübung anzupassen.

Aktuell findet ein vermehrter Austausch mit anderen europäischen Ländern statt, um voneinander zu lernen und die Wissensc . Aufgrund der zukünftig engeren Zusammenarbeit der internationalen Berufsverbände der Logopädie, auf wissenschaftlicher und berufspolitischer Ebene, ist eine Vergleichbarkeit der berufsethischen Grundsätze erstrebenswert (Feit, 2011).

2. Berufsethik in der Logopädie

Im Folgenden wird die Berufsethik als angewandte Ethik definiert und der aktuelle Bedarf an einem Berufskodex für die Logopädie aufgezeigt. Hemmelgarn (2009, S.40) stellte in ihrer Arbeit bereits den aktuellen Bedarf an einer eigenständigen Berufsethik für die Logopädie in Deutschland dar. Ohne eine solche Berufsethik fehle Logopädinnen/Logopäden eine Reflexionsgrund- lage, um nach Werten und Normen zu handeln, die Einfluss auf die „Thera- piegestaltung, therapeutische Eigenverantwortung und Anpassungsprozesse“ nehmen (ebd., S.38f). Denn laut Tesak (2007, S.49) hat der Therapieerfolg einer logopädischen Behandlung auch mit den ethischen Kompetenzen der Therapeutinnen/Therapeuten zu tun.

Eine eigenständige Berufsethik für die Logopädinnen/Logopäden in Deutschland ist unumgänglich, um im internationalen Vergleich, mit Sicht auf die voranschreitende Akademisierung und Internationalisierung der wissenschaftlichen, therapeutischen und ethischen Kompetenzen, bestehen zu können (Hemmelgarn, 2009, S.29ff).

2.1 Berufsethik in der Logop ä die als angewandte Ethik

Um im folgenden Kapitel den Begriff „Berufsethik“ in Verbindung mit dem Tätigkeitsfeld Logopädie zu erklären, scheint es sinnvoll, im ersten Schritt die Ethik an sich zu definieren.

Allgemein ist Ethik als eine philosophische Art des Denkens anzusehen, deren Wurzeln bis in das vierte vorchristliche Jahrhundert reichen. Das grie- chische Wort „ethos“ steht für „Sitte, Gebrauch und Gewohnheit“ (Fenner, 2008, S.3). Pieper (2007, S.17) zufolge ist Ethik eine „ Wissenschaft vom mo- ralischen Handeln “ [Hervorheb. i. Orig.] und untersucht demnach die mensch- liche Praxis in Hinblick auf sittlich gute Handlungen. Folglich ist die Ethik keine Theorie des Handelns, sondern es handelt sich um moralisch korrekte Hand- lungen. Die Ethik beschäftigt sich mit den qualitativen Momenten, die eine Handlung zu einer moralisch guten Handlung machen (ebd., S.11).

Die ethische Grundfrage „Wie soll ich handeln?“ lässt sich auf der einen Seite auf die persönlichen Belange und das glückliche bzw. gute Leben jedes Individuums zurückführen. Auf der anderen Seite lässt sich die Frage auf die Gemeinschaft projizieren, in dem das Gute für die Gemeinschaft im Vorder- grund steht und nicht das Gute jedes Einzelnen (Fenner, 2008, S.9). Demzu- folge ist Ethik die Theorie der Moral, in der es sich um moralische Überzeu- gungen einer de Gesellschaft hat unterschiedliche moralische Überzeugungen, welche mit der Auffassung vertreten werden, diese Anschauung sei die Richtige (Schulz et al., 2006, S.16).

Die Ethik lässt sich zudem in allgemeine und angewandte Ethik unterscheiden. Die allgemeine Ethik beschäftigt sich, wie bereits im oberen Abschnitt dargelegt, mit dem Glück jedes Individuums oder dem gerechten, gesellschaftlichen Zusammenleben.

Die angewandte Ethik befasst sich grundlegend mit Wertmaßstäben, Prin- zipien und Normen, die in der allgemeinen Ethik ausgearbeitet wurden. Diese Aussagen werden dann auf bestimmte gesellschaftliche Teilbereiche anzu- wenden versucht (Fenner, 2008, S.11). Sie zerfällt auf Grund konkreter Prob- leme und Fragestellungen, entsprechend den bestimmten Handlungsfeldern und Themen, in verschiedene „ Bereichsethiken “ [Hervorheb. i. Orig.] (ebd.). Folglich ist eine Berufsethik eine Form der Bereichsethik, die sich auf ein spe- zielles Berufsbild bezieht.

Die Berufsethik befasst sich mit der Auseinandersetzung moralischer Prob- leme und Fragestellungen, die sich aus den spezifischen Aufgaben im Berufs- leben ergeben (Höffe et al., 1986, S.19). Demnach ist die Berufsethik eine „philosophische Teildisziplin“ (Hemmelgarn, 2009, S.5), mit der die Frage „Wie soll ich mich in meinem Beruf verhalten?“ beantwortet werden soll.

Die Berufsethik der Logopädie bezieht ethische Grundnormen und Werte- vorstellungen auf die Handlungsfelder der logopädischen Arbeit. So können Richtlinien bereitgestellt werden, um logopädisches Handeln zu begründen und eine Reflexi eper (2007, S.14) ist ein Leben ohne eine direktive Weisung nicht möglich. Regeln und Richtlinien verschaffen den Menschen Ordnung und Strukturierung. Daraus lässt sich ableiten, dass eine Richtlinie für ethisch korrektes Handeln, Logopädinnen/Logopäden eine Ordnung und Strukturierung der therapeutischen Gedankengänge ermöglicht. So lassen sich begründete Therapieentscheidungen treffen (Hemmelgarn, 2009, S. 2).

In diesem Zusammenhang wird zwischen einer Berufsethik und einem Berufskodex differenziert. Laut Hack et al. (2004, S.47) enthält eine Berufsethik ethische Aussagen. Diese sollen einer Person helfen, sich selbst kritisch zu sehen und das eigene Handeln zu hinterfragen. Ein Berufskodex enthält vor allem moralische, wertende Aussagen, mit dem Personen zu einem bestimmten Verhalten aufgefordert werden.

2.2 Aktueller Bedarf eines deutschen Berufskodex

Aktuell steht die deutsche Logopädie vor großen Herausforderungen. Durch die voranschreitende Akademisierung finden Begriffe wie ICF, Clinical Reasoning und Evidence-Based Practice zunehmend Eingang in die logopä- dische Ausbildung (Schulz, 2011, S.9), und folglich in die logopädische Praxis.

Der Bedarf einer ethisch reflektierten Berufspraxis besteht schon seit Län- gerem, doch durch die Akademisierung tritt das Verlangen eines eigenständi- gen Berufskodex immer mehr in den Vordergrund (Tesak, 2007, S. 42).

Die Logopädinnen/Logopäden in Deutschland sind nicht nur Methodenvermittlerinnen/Methodenvermittler, sondern sind „Gestalter[/innen] wissenschaftsbasierter, klientenzentrierter, therapeutischer Lernprozesse“ (Schulz, 2011, S.9). Über diese Funktionen hinaus, setzen sie sich in ihrem Arbeitsalltag mit Angehörigen und Eltern auseinander, sind Mitglieder in multidisziplinären Teams, bilden sich durch Fortbildungen stets weiter oder sind beispielsweise Präventionsfachkraft in einer Kindertagesstätte (ebd.).

Der berufliche Arbeitsalltag „fordert … fachlich versierte und moralisch ver- tretbare Entscheidungen und Handlungen“, (Hack et al., 2004, S. 10). Eine wichtige berufsethische Erwägung, die im therapeutischen Prozess oft zu fin- den ist, wäre zum Beispiel die Konfrontation mit eigenen (persönlichen und berufsbezogenen) und fremden Vorstellungen von gutem Leben. In der Logo- pädie ist abzuwägen, ob das Interesse der Patientinnen/Patienten Vorrang hat oder das Fachwissen der Therapeutinnen/Therapeuten. Wenn keine dieser Auswahlmöglichkeiten zum Tragen kommt, sollten die Therapeutin- nen/Therapeuten versuchen, beide Standpunkte in Verbindung zu bringen (ebd.).

Dieses Szenario lässt sich beispielhaft an dem Störungsbild Dysphagie er- klären: Aufgrund einer Schluckstörung ist die/der Patientin/Patient nicht in der Lage, feste Nahrung zu kauen und hinunter zu schlucken. Es wird sich an fes- ter Nahrung verschluckt und die Gefahr einer Pneumonie besteht. Das Inte- resse der/des Patientin/Patienten wäre zum Beispiel Brot essen zu können. Therapeutinnen/Therapeuten würden sich auf Grund therapeutischen Fach- wissens gegen den Wunsch der/des Patientin/Patienten entscheiden und zu weicher Kost plädieren. Eine Kombination der beiden Standpunkte wäre, die/den Patientin/Patient grundlegend über das Störungsbild aufzuklären, kleinschrittige Ziele zu vereinbaren und eine hochfrequente Therapie zu be- ginnen, um als primäres Ziel die Verköstigung von Brot vor Augen zu haben.

Weitere berufsethische Überlegungen wären das ganzheitliche Verstehen von prägnanten therapeutischen Zusammenhängen sowie bewusstes und verantwortungsvolles Entscheiden und Handeln (Hack et al., 2004, S. 10).

Die Akademisierung kann ein Instrument sein, um ethische Kompetenzen verstärkt herauszubilden, um so den zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Dadurch wird es Logopädinnen/Logopäden im beruflichen Alltag leichter fallen, in den oben genannten ethischen Erwägungen reflektierte Entscheidungen zu treffen (Tesak, 2007, S.42).

Nicht nur auf Grund der wachsenden Professionalisierung in Deutschland und den erhöhten Anforderungen an den Arbeitsalltag der Logopädin- nen/Logopäden ist eine eigenständige Berufsethik von großer Wichtigkeit.

Laut Hemmelgarn (2009, S.27) wird durch die voranschreitende Akademisie- rung eine internationale Vergleichbarkeit der verschiedenen Ethikkodizes im- mer bedeutender. Sie stellt in diesem Zusammenhang fest, dass durch die Internationalisierung und den fachlichen Austausches auf globaler Ebene, eine internationale Vergleichbarkeit und eine Angleichung von Standards un- umgänglich sind. Deutschland ist in der Pflicht, einen Ethikkodex für die deut- sche Logopädie zu konzipieren und zu realisieren, um staatenübergreifend agieren zu können.

In Bezug auf den internationalen Vergleich der berufsethischen Standards liegt der Deutsche Bundesverband für Logopädie mit einer Berufsordnung, welche die ethischen sowie die beruflichen Belange der Logopädin- nen/Logopäden in Deutschland festlegen soll, nicht auf dem aktuellen Niveau der anderen internationalen logopädischen Berufsverbände. Die American Speech-Language-Hearing Association entwickelte beispielsweise den Code of Ethics und der europäische Dachverband der Logopäden, das Comité Per- manent de Liaison des Orthophonistes / Logopèdes de l 'Union Européenne konzipierte Rahmenvorgaben für ethische Berufsausübung in der Logopädie für den gesamten europäischen Raum.

Die deutschen Logopädinnen/Logopäden werden sich verpflichten müssen, sich internationalen Standards von Berufskodizes anzupassen, um sich außerhalb Deutschlands zu etablieren (Hemmelgarn, 2009, S.40).

2.3 Ethische Entscheidungsfindung in der Logop ä die

Um im Folgenden den Begriff „klinische Entscheidungsfindung“ und die damit verbundene Unterform „ethische Entscheidungsfindung“ benutzen zu können, erscheint eine Begriffsdefinition sinnvoll.

Klinische Entscheidungsfindung bezeichnet „Denkvorgänge und die Ent- scheidungsfindungen des Therapeuten während der Untersuchung und Be- handlung eines Patienten ….“ (Jones, 1997, zit. n. Klemme, Siegmann, 2006, S.7). In diesem Zusammenhang stellen sich die Fragen „Warum entscheiden sie in einer Situation so und nicht anders?“, „Warum wählen sie bei gleicher Diagnose für den einen Patienten … eine andere Therapiemaßnahme als für den anderen?“ (Klemme, Siegmann, 2006, S.7). Allen therapeutischen Ent- scheidungen gehen unbewusste Denkprozesse voraus. Das Denken als sol- ches lässt sich nur schwer identifizieren, trotzdem lassen sich typische Denk- und Problemlösestrategien erfassen, die zur Lösung therapeutischer Aufga- benstellungen führen. Um diese Denk- und Problemlösestrategien durch- schaubarer zu gestalten, ist eine Analyse dieser Strategien notwendig (ebd.).

In der ethischen Entscheidungsfindung werden Werte, Normen und Prinzi- pien von Therapeutinnen/Therapeuten als auch von Patientinnen/Patienten reflektiert. Sowohl die Persönlichkeit der Therapeutinnen/Therapeuten, die Fähigkeit, eine Situation subjekt sellschaft oder der Berufsgruppe vorgegeben sind, spielen in der ethischen Entscheidungsfindung eine unmittelbare Rolle (Beushausen, 2009, S.20).

Diese Werte und Normen werden durch allgemeingültige Ethikkodizes, Be- rufsordnungen oder Rahmenvorgaben der Berufsverbände fixiert, aber auch mit den eigenen Einstellungen und Grundsätzen abgeglichen. Jede Handlung von Therapeutinnen/Therapeuten steht in engen ethischen Zusammenhängen und ist nicht nur an Patientenkontakt gebunden (Beushausen, 2009, S.20). Eine Analyse der Therapiesituation, in Anlehnung an ein ethisches Wertesys- tem sowie an einen Ethikkodex sind notwendig, um einen therapeutischen Entschluss auch unter ethischen Aspekten vertreten zu können (Purtilo, 1999, S.81).

Laut Hemmelgarn (2009, S.40f) bietet die aktuelle Berufsordnung des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie, trotz Fachkompetenz seitens der/des Therapeutin/Therapeuten, keine ausreichende Orientierung zwischen Handlungsalternativen. Eine fachkompetent richtig getroffene Entscheidung garantiert nicht, dass diese auch ethisch vertretbar ist.

2.4 Ethische Kompetenzen

Allgemein sind Menschen daran interessiert „gut zu handeln“. Gutes Han- deln wird dadurch erreicht, dass die Menschen über die Bedingungen und den Sinn guten Handelns aufgeklärt werden. Demnach werden die Menschen in den Stand versetzt, aus eignen Kompetenzen Entscheidungen zu treffen (Pie- per, 2007, S.113).

Logopädinnen/Logopäden sind aus ethischen und aus berufspolitischen Gründen dazu verpflichtet, die Plausibilität ihres Handelns nachzuweisen (Engell, 1999, S.37 zit. n. Tesak, 2007, S.42). Faktenwissen und dessen prak- tische Anwendung sind im logopädischen Alltag ebenso gefordert, wie soziale, wissenschaftliche, beraterische und selbstreflektierende Kompetenzen (Schulz, 2011, S.9). Tesak (2007, S.42) knüpft an Engells Äußerung an und komplettiert ihre Aussage folgendermaßen: „Logopädie braucht nicht nur wis- senschaftliche Kompetenz, Logopädie braucht auch ethische Kompetenz!“ Um seine eigenen ethischen Kompetenzen zu erhöhen, ist es wichtig, die Fähig- keiten in Bezug auf Wahrnehmen, Beurteilen und Lösen von Problemen ver- stärkt heraus zu bilden (Schulz, 2011, S.20).

Die Moral ist ein wesentlicher Bestandteil für das Zusammenleben einer Gemeinschaft. Daher ist die Aneignung von individuell tragfähigen und sozial verträglichen Handlungs- und Entscheidungsmaßstäben für Menschen in ei- ner Gesellschaft aber auch für jeden Menschen selbst unerlässlich Hand- lungs-, Reflexions-, und Wahrnehmungsfähigkeiten müssen erworben und stetig weiterentwickelt werden, um ethische Kompetenzen zu erlangen (Wink- ler, Kruip, 2010, S icklungen werden die Menschen immer wieder vor neue ethische Fragen gestellt. Diese betreffen das Wahrnehmen einer bestimmten Situation, ihre Reflexion, ihr Wissen um ethische Indikatoren und Lösungsstrategien. Ebenso muss die Eigenmotivation in Bezug auf die Lösung des ethischen Problems vorhanden sein (ebd., S. 26).

Es ist wichtig, in bestimmten Lebenssituationen oder therapeutischen Fra- gestellungen ein moralisches Problem zu erkennen, moralische Motive der beteiligten Personen wahrzunehmen und zu beschreiben. Die Fähigkeiten „Beurteilen“ und „Lösen“ lassen sich erlernen, indem sich mithilfe argumenta- tiver Prozesse ein Urteil gebildet wird und versucht wird, dementsprechend zu handeln. Diese argumentativen Prozesse umfassen die Empathiefähigkeit und Argumentations- und Urteilskompetenzen. Das Hineinversetzen in andere Menschen und der Versuch, deren Urteile nachzuvollziehen und begrifflich zu erfassen, ermöglicht es der handelnden Person, ethisch zu hinterfragen (Schulz, 2011, S.20).

2.5. Ethische Prinzipien in der therapeutischen T ä tigkeit

Um kompetent mit ethischen Entscheidungsfindungen umzugehen, wurden ethische Prinzipien festgehalten. Sie geben Logopädinnen/Logopäden präg- nante Hilfestellungen zur Lösung des Konflikts (Beushausen, 2009, S.20).

So beschreiben Beauchamp und Childress (2001, S.12) vier ethische Prin- zipien: Das Prinzip der Autonomie, das Prinzip der Benefizienz, das Prinzip des Nichtschadens und das Prinzip der Gerechtigkeit. Laut Sim (1997, S.20) und Beushausen (2009, S.21) besteht noch ein fünftes Prinzip und zwar das des Respekts gegenüber anderen Personen. Dieses Prinzip berücksichtigt die Würde jedes Menschen. In den Gesundheitsberufen nimmt die Anonymisie- rung und „Entpersonalisierung“ einen enormen Stellenwert ein, deshalb ist das Prinzip des Respekts laut Sim (1997, S.20) so bedeutend. Diese fünf Prinzi- pien bieten Richtlinien für ethisches Handeln, sind jedoch keine Garantie für die Lösung des Problems. Therapeutinnen/Therapeuten müssen den Fall wahrnehmen und beurteilen, folglich die ethischen Prinzipien anwenden, um somit eine angemessene Verhaltensweise ihrer Handlung zu gewährleisten (Horner, 2003 zit. n. Irwin et al., 2007, S.4).

Allgemeine ethische Prinzipien, wie sie den Ethikkodizes der einzelnen Länder zugrunde liegen, sind abstrakt und haben auf den ersten Blick keine konkrete Verbindung mit der logopädischen Tätigkeit. Diese allgemeinen Prinzipien können jedoch berufsspezifisch, auf spezielle therapeutische Fragestellung, abgeleitet werden und bringen so ausführliche Pflichten für die Logopädinnen/Logopäden hervor (Beushausen, 2009, S.20).

Eine hierarchische Struktur dieser ethischen Prinzipien konzipierte die American Speech-Language-Hearing Association mit ihrem ie Basis für die logopädische Entscheidungsfindung (Irwin et al., 2007, S.10).

Das Prinzip der Benefizienz besagt, dass Therapeutinnen/Therapeuten be- strebt sein sollen, die Interessen der Patientinnen/Patienten zu vertreten, um Vorteile für diejenigen zu erlangen. Zum einen können Therapeutin- nen/Therapeuten eine positive Handlung ausführen, um Patientin- nen/Patienten einen Nutzen zu verschaffen, auf der anderen Seite wäre es möglich Patientinnen/Patienten von Schaden oder Leid zu befreien (Sim, 1997, S.16).

Das Prinzip des Nichtschadens definiert sich dadurch, keinem Menschen Schaden zuzufügen (Sim, 1997, S.16).

Das Prinzip der Autonomie ist die Fähigkeit jedes Menschen über sich selbst zu entscheiden und danach zu handeln (Sim, 1997, S.18). Es müssen alle Informationen vorhanden sein, damit ein Individuum freie und unabhängige Entscheidungen treffen kann. Die Selbstbestimmtheit von Patientinnen/Patienten ist zu wahren (Beushausen, 2009, S.20).

Das Prinzip der Gerechtigkeit besagt, dass alle Patientinnen/Patienten gleich behandelt werden müssen und niemand aufgrund persönlicher Bedürf- nisse oder Präferenzen andersartig behandelt werden darf (Beushausen, 2009, S.21).

Das Prinzip des Respekts gegenüber anderen Personen wird in der Literatur von Sim (1997, S.20) erstmals zu den vier allgemeingültigen Prinzipien hinzugefügt und bedeutet, dass Therapeutinnen/Therapeuten die Persönlichkeit und Würde jedes Individuums berücksichtigen müssen. Patientinnen/Patienten dürfen nicht aufgrund des Geschlechts, der Kultur oder der Hautfarbe beurteilt werden (Beushausen, 2009, S.21).

Es werden zusätzlich zu den oben genannten fünf allgemeingültigen Prinzipien drei weitere in die Gegenüberstellung aufgenommen. Das Prinzip des Strebens nach professioneller Kompetenz beinhaltet den Drang, das Fachwissen und die eigenen Erfahrungen stetig zu erweitern. Die Therapeutinnen/Therapeuten sind angehalten, während ihrer Ausbildung und beruflichen Laufbahn ihre professionellen Kompetenzen durch Fort- und Wei-terbildungen zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Hinsichtlich der Fragestellung dieser Arbeit, sollte noch das Prinzip der Darstellung des eigenen Berufsstandes gegenüber der Öffentlichkeit und das Prinzip des Umgangs der Berufsangehörigen miteinander, ebenfalls erwähnt werden (Beushausen, 2009, S.21).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es für die Qualitätssicherung der lo- gopädischen Arbeit von großer Bedeutung ist, in Konfliktsituationen ethisch zu handeln. Durch ethische Kompetenzen und ethische Prinzipien werden den Logopädinnen/Logopäden Werkzeu entscheiden. Ethische Werte und Normen sollten stärker in die logopädische Arbeit einfließen, um zu gewährleisten, dass begründete und umsichtige Therapieentscheidungen getroffen werden können (Hemmelgarn, 2009, S. 40).

2.6 Exemplarische Vorstellung der Vergleichsdokumente

Im folgenden Kapitel sollen drei ausgewählte Norm- und Regelkataloge für die Berufsausübung in der Logopädie exemplarisch vorgestellt werden: Die Berufsordnung der Logopädie in Deutschland, der Code of Ethics der Ameri- can Speech - Language - Hearing Association und die Rahmenvorgaben des Comité Permanent de Liaison des Orthophonistes/Logopèdes de l'Union Européenne für eine ethische Berufsausübung der Logopädie. Diese drei in- ternational oder national geltenden Regelkataloge greifen die Berufsethik in der Logopädie auf und sprechen ethische Handlungsempfehlungen oder Richtlinien aus.

2.6.1 Die Berufsordnung des dbl

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie e.V. (Kurz: dbl, im weiteren Verlauf wird Abk. genannt) wurde 1964 gegründet und ist die berufsständische Organisation freiberuflicher und angestellter Logopädinnen/Logopäden in Deutschland. Er vertritt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik und Verwaltung, Krankenkassen und anderen Akteuren im Gesundheitsbereich.1 Die Mitgliederanzahl beläuft sich aktuell auf mehr als 9.000 (dbl, 2004, S.22).

In Deutschland beschreiben die Berufsleitlinien das Selbstverständnis der Berufsgruppe der Logopädie und bilden ein Grundsatzdokument, welches sich den ständigen Veränderungen in der Politik und der Gesellschaft anpasst. In diesen Leitlinien werden die berufspolitischen und gesellschaftlichen Ziele der Logopädinnen/Logopäden in Deutschland festgehalten und gemeinsam ver- treten (dbl, 1998a, S.2).

Neben den Berufsleitlinien existiert die, ebenfalls 1998 konzipierte, Berufs- ordnung der Logopädie. Diese Berufsordnung bezieht sich weniger auf gesell- schaftspolitische Grundsätze und Veränderungen, sondern legt berufliche Standards der logopädischen Tätigkeit fest. Es werden unter anderem die Leistungen und Verpflichtungen festgelegt, die die Logopädinnen/Logopäden den Patientinnen/Patienten und anderen Berufsgruppen entgegenzubringen haben. Darunter fallen zum Beispiel „Durchführung der Therapie“, „Das Ver- halten gegenüber KollegInnen“ oder „Darstellung der eigenen beruflichen Tä- tigkeit“ (dbl, 1998b, S.2ff). Parallel wird mit der Berufsordnung der Ethikkodex des Comité Permanent de Liaison des Orthophonistes/Logopèdes de l'Union

Européenne umgesetzt, um ethisches Handeln bewusster in den logopädi- schen Alltag zu integrieren (ebd.). Die Berufsordnung hat für die Logopädie in Deutschland einen hohen Stellenwert, da sie durch normative Vorschriften eine gemeinsame Grundüberzeugung und Wertevorstellung bei den Logopä- den hervorruft. Es werden Verhaltensvorschriften, wie zum Beispiel die per- sönliche Verantwortung, die Eigenverantwortlichkeit und die Vertrauensbezie- hung zwischen Patientin/Patient und Therapeutin/Therapeut beschrieben (Schulz, 2011, S.13).

2.6.2 Ethische Rahmenvorgaben Logopädie des CPLOL

Der Comité Permanent de Liaison des Orthophonistes/Logopèdes de l'Uni- on Européenne (kurz: CPLOL, im weiteren Verlauf wird Abk. genannt) ist der Zusammenschluss bestehender logopädischer und sprachtherapeutischer Berufsverbände in Europa und wurde am 6. März 1988 in Paris gegründet (CPLOL, 2008, S.1).

Seit 2012 besteht der Dachverband aus 33 Organisationen von Logopädin- nen/Logopäden und Sprachtherapeutinnen/Sprachtherapeuten, die aus 30 Ländern Europas stammen. Der CPLOL repräsentiert die Mitglieder der Be- rufsverbände und Organisationen auf europäischer und internationaler politi- scher Ebene.2

Die CPLOL-Rahmenvorgaben für die ethische Berufsausübung in Europa „sollen die Entwicklung und Aktualisierung von detaillierten nationalen Ethik- codes und ethischen Rahmenrichtlinien ermöglichen“ (CPLOL, 2008, S.1). Es wird somit ein internationales Instrument zur Verfügung gestellt, mit dem es den Nebenverbänden möglich ist, einen auf ihr Land angepassten Ethikkodex zu entwickeln oder einen bereits bestehenden Ethikkodex zu modifizieren (ebd.).

2.6.3 Der Code of Ethics der ASHA

Die American Speech-Hearing-Language Association (kurz: ASHA, im wei- teren Verlauf wird Abk. genannt) ist die älteste und mitgliederstärkste Organi- sation, um die Berufsgruppe der Logopädinnen/Logopäden und Sprachthera- peutinnen/Sprachtherapeuten zu repräsentieren (Lubinski et al., 2007, S.76). The American Academy of Speech Correction (AASC) wurde am 29. Dezember 1925 während der National Association of Teachers of Speech (NATS) gegründet. Die AASC sah es als Zweck an, die Wissenschaft zu för- dern und die Tätigkeit der Sprachtherapie organisiert durchzuführen. Des Wei- teren sah es die AASC als sehr wesentlich an, Mitglieder über Therapieme- thoden zu unterrichten geändert. Die ASHA ist anerkannt als eine professionelle, wissenschaftlich orientierte, anmeldepflichtige Organisation. Aktuell hat die ASHA mehr als 115.000 Mitglieder, darunter auch Audiologinnen/Audiologen, Logopädinnen/Logopäden und Angehörige der Sprachwissenschaften (Guilfort et al., 2007, S.54).

Der Code of Ethics der ASHA wurde zeitgleich mit der Gründung der Orga- nisation im Jahr 1925 entwickelt (Guilford et al., 2007, S.57). Er bezieht sich konkret auf die nationalen Gegebenheiten und Bedürfnisse der Logopädin- nen/Logopäden in den USA und wurde stetig, vor allem im Jahr 2003, modifi- ziert (Irwin et.al, 2007,S. 9). Damit stellt er ein Instrument dar, mit dem es den Logopädinnen/Logopäden, Sprachtherapeutinnen/Sprachtherapeuten und Audiologinnen/Audiologen möglich ist, nach ethischen Werten und Normen zu handeln. Der Code of Ethics beinhaltet fünf ethische Prinzipien und bildet die Basis für die ethische Entscheidungsfindung (Hegde, Davis, 2007, S.79f).

3. Vergleich des Code of Ethics und der Rahmenvorgaben

Im folgenden Kapitel wird der Code of Ethics der ASHA den ethischen Rahmenvorgaben des CPLOL gegenübergestellt und in Hinblick auf die Vermittlung von Wissen über Inhalte und deren Anwendung in die Berufspraxis, die ethischen Prinzipien, die formalen sowie inhaltlichen Aspekte und die Verbindlichkeit seitens der jeweiligen Verbandsmitglieder verglichen.

Anhand dieser Analyse soll festgestellt werden, inwiefern der national geltende Code of Ethics der ASHA ein Maßstab für die Ausgestaltung eines deutschen Berufskodex sein kann. Es wird herausgearbeitet, welche Aspekte des Code of Ethics auch für die deutsche Berufsethik von Relevanz wären und wie eine verbesserte Anwendung der ethischen Prinzipien in den therapeutischen Alltag gelingen könnte.

Die Rahmenvorgaben werden ebenfalls als Vergleichsinstrument erachtet, da der CPLOL als Dachverband der europäischen Berufsverbände in der Lo- gopädie fungiert. Anhand der Rahmenvorgaben wird aufgezeigt, welche As- pekte in den Rahmenbedingungen bereits vorhanden sind und welche für eine Ausgestaltung eines eigenständigen nationalen Ethikkodex innerhalb Deutschlands fehlen.

3.1 Vermittlung von Wissen ü ber Inhalte und in die Berufspraxis

Im Folgenden soll die Bedeutsamkeit der beiden Ethikkodizes für den Be- rufsstand miteinander verglichen werden. Es ist herauszuarbeiten, welchen Stellenwert der Ethikkodex, bzw. die Rahmenvorgaben für den jeweiligen Gel- tungsbereich haben und inwiefern die Mitglieder der einzelnen Berufsverbän- de bereit sind, ethische Handlungsweisungen zu akzeptieren, um solche als festen Bestandteil der beruflichen Tätigkeit anzusehen.

[...]


1 http://www.dbl-ev.de/der-dbl/der-verband.html, Zugriff am 06.02.2013

2 http://www.cplol.eu/eng/organization.htm, Zugriff am 04.02.2013

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Ethikkodizes in der Logopädie. Anregungen aus dem internationalen Vergleich für die Entwicklung der deutschen Berufsordnung zu einem Ethikkodex
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Autor
Jahr
2013
Seiten
48
Katalognummer
V355076
ISBN (eBook)
9783668416567
ISBN (Buch)
9783668416574
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufsethik, Ethikkodex, ethische Prinzipien, Code of Ethics der ASHA, Rahmenvorgaben des CPLOL, Berufsordnung des dbl, Logopädie
Arbeit zitieren
Carolin Hilbrich (Autor), 2013, Ethikkodizes in der Logopädie. Anregungen aus dem internationalen Vergleich für die Entwicklung der deutschen Berufsordnung zu einem Ethikkodex, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355076

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