Bindung durch Empowerment. Schaffung von Motivation durch Partizipation (11. Klasse)

Stundenentwurf


Unterrichtsentwurf, 2015

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Sachanalyse (Handout)
1.1 Bindung durch Empowerment
1.2 Partizipation

2 Bedingungsanalyse
2.1 Physischer und psychosozialer Entwicklungsstand der Schüler im Allgemeinen
2.2 Relevanz von Empowerment und Partizipation im Bezug zum Entwicklungsstand
der Schüler sowie zum Lehrplan

3 Sequenzplanung und Konkretisierung der Stundenziele
3.1 Darstellung der Sequenzplanung
3.2 Begründung der Auswahl der drei Stundenziele

4 Literaturverzeichnis

Anhang – Tabellarischer Stundenentwurf

1 Sachanalyse (Handout)

1.1 Bindung durch Empowerment

Bindung:

Regelmäßige Durchführung und längerfristiges Dabeibleiben an sportlicher Aktivität

Wie fördert man die Bindung an einen aktiven Lebensstil?

- Durch Aufzeigen bzw. Stärken der physischen und psychosozialen Gesundheitsressourcen
- Faktoren, die für das Beibehalten von sportlicher Aktivität verantwortlich sind (Pahmeier, 1998):
- Erleben von positiven Emotionen
- Aufbau von Handlungs- und Effektwissen
- Soziale Einbindung und Unterstützung
- Aufbau stabiler Sinnzuschreibungen (um den Kohärenzsinn zu stärken)
- Durch den Abbau von psychosozialen Barrieren, insbesondere durch die Stärkung der Kompetenzerwartungen (z.B. des Selbstvertrauens) oder durch die Reduzierung von Ängsten (Bös & Brehm, 1999).

Warum ist Bindung an sportliche Aktivität gesund?

Sportliche Aktivität kann nicht nur dazu beitragen, negative Folgen von Lebensstil, Arbeitswelt und Freizeitverhalten zu kontrollieren/kompensieren und somit Risikofaktoren zu verringern, sondern trägt auch durch Stärkung der physischen und psychosozialen Gesundheitsressourcen zu allgemeinem Wohlbefinden bei (Geidl, 2012/2013).

Empowerment

- Begriff: „Empowerment“ lässt sich sinngemäß mit Selbstbemächtigung oder Selbstbefähigung übersetzten (Lenz, 2008).
- Zentrales Konzept der Gesundheitsförderung: Empowerment zielt auf die Förderung und Stärkung der Selbstgestaltungskräfte der Menschen ab.
- Durch „Empowerment“ werden Kompetenzen ausgebildet, die für eine effektive Gesundheitsförderung wichtig sind (z.B. Selbstwirksamkeit).
- Leitgedanken Autonomie und Selbstbestimmung: Durch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Ausbildung von Kompetenzen soll den Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung und Kontrollbewusstsein über die eigene Gesundheit ermöglicht werden.
- Empowerment als Prozess, dessen Ziel im Sinne der Selbstbestimmtheit die Adressaten vorgeben; sie sollen ihre vorhandenen Fähigkeiten entdecken, Kräfte entwickeln und Ressourcen nutzen, um so Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen.
- Bsp. Sportunterricht: Sportstunden bieten vielfältige Gelegenheiten für Empowerment, da hier alle Schülerinnen und Schüler (SuS) handelnd aktiv werden können und sollen. Durch Bewältigung von sportlichen Anforderungen erfahren sie ihre vorhandenen Fähigkeiten sowie soziale Einbindung und Unterstützung (z.B. duch Teamaufgaben).
- Folgen: Individuelle Stärkung der Schüler im sozialen Umfeld, Förderung der Selbst-wirksamkeit bzw. des Selbstkonzepts (Horsch, 2005).
- Empowerment ist Prozess und Ziel zugleich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überwindung von „Powerlosigkeit“ der SuS durch Empowerment (vgl. Erhart, 2008).

- Der Empowerment-Ansatz zielt in der Schule darauf ab:

a) SuS vorhandene Fähigkeiten aufzeigen
b) diese Ressourcen und Kompetenzen zu stärken
c) und sie zu nutzen (siehe Partizipation)
d) damit SuS selbstbestimmt ihre Lebensräume und Lebenswege gestalten können.

1.2 Partizipation

Definition:

„Partizipation ist zu verstehen als die aktive Einbindung Betroffener in die Bedarfserhebung, Planung, Umsetzung und auch in die Ergebnismessung von Interventionen“ (Gesundheit Berlin- Brandenburg, 2012, S. 17).

Partizipation und Empowerment

Zwischen Empowerment und Partizipation besteht eine wechselseitige Beziehung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Partizipation als zentrales Prinzip der Gesundheitsförderung

- Grundlage: Vorstellungen, Wünsche und Visionen der Menschen über sich und ihre Umwelt müssen ernst genommen werden.
- „Partizipation verlangt ein langsames, an die Voraussetzungen der Zielgruppe angepasstes Vorgehen“ (Gesundheit Berlin-Brandenburg, 2012, S. 17).
→ Entwicklungsprozess, bei dem alle Beteiligten ihre Erfahrungen machen müssen
- Allgemeines Ziel: Effektivität von gesundheitsfördernden Angeboten durch stärkere Einbeziehung Betroffener in Projektplanung, -durchführung und -auswertung zu steigern.
- Gesundheitsaspekt: Aktive Beteiligung an Entscheidungen und Planungen stärkt das Kohärenzgefühl (Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit).
- Mehr Vertrauen, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein
- Je ausgeprägter der Kohärenzsinn, desto gesünder und wohler fühlt sich ein Mensch.

Stufen der Partizipation

Partizipation ist nicht als Dichotomie (Entweder – Oder), sondern als Entwicklungsprozess zu verstehen, bei dem oftmals einige Vorstufen durchlaufen werden müssen, bevor eine umfassende Beteiligung der Betroffenen möglich wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Stufenmodell der Partizipation (Wright et al., 2008).

- Stufen 1, 2: Die Meinung der Zielgruppe spielt keine Rolle, die Interessen der Entscheidungsträger stehen im Mittelpunkt.
- Stufen 3, 4, 5: Die Entscheidungsträger teilen der Zielgruppe mit, welche Probleme die Gruppe hat und welche Hilfe sie benötigt. Sie interessieren sich für die Zielgruppe und hören ihre Sichtweise an. Ausgewählte Personen aus der Zielgruppe werden miteinbezogen und haben beratenden Funktion für die Einrichtung.
- Stufen 6, 7, 8: Es kommt zu Verhandlungen zwischen Entscheidungsträgern und den Zielgruppenvertretern, die nun als gleichberechtigte Partner anzusehen sind. Die Zielgruppe bestimmt alle wichtigen Aspekte einer Maßnahme selbst, wobei die Akteure außerhalb der Zielgruppe eher eine unterstützende Rolle einnehmen.

Partizipation im Sportunterricht

- SuS in die Planung und Gestaltung von Unterrichtsprozessen miteinbeziehen, um die Teilnahme, die Motivation und den Spaß am Sport zu steigern.
- Anerkennung jedes Einzelnen als gleichberechtigtes Mitglied und „Experte“ ermutigt die SuS, selbst etwas zum Unterrichtsgeschehen beizutragen.

- Ziele:

- Die demokratische Kultur in der Klasse stärken
- SuS ermuntern, eigene Interessen zu vertreten
- Den sozialen Zusammenhalt fördern (Zusammenhang mit anderen Ressourcen)
- Die Akzeptanz des Unterrichts erhöhen (Zufriedenheit, da über Inhalte mitentschieden werden durfte)
- Aspekte, die ein Lehrer beachten sollte:
- Situationen schaffen, die SuS dazu auffordern, sich aktiv zu beteiligen
- „Umgebung der Fülle“ bereitstellen: Ausstattung, Materialien, Arbeitsbedingungen, Informationen etc.
- SuS können eigene Ideen & Fantasien entwickeln, Erfindungen machen und den anderen mitteilen.
- Rolle des Lehrenden: Kein „Instruktionsgeber“, sondern eher Berater, Unterstützer
- Es können immer Ergebnisse auftreten, die nicht vorherzusehen waren.
- Bestehende Machtstrukturen in einer Klasse auflösen (alle Kinder gleichberechtigt)
- Schwierigkeiten und Probleme
- Zeitliche Begrenzung (nur ca. 2h/Woche): partizipativer Sportunterricht erfordert Zeit und längerfristige Zusammenarbeit, um Eigeninitiative bei den SuS aufbauen zu können.
- Oft Überforderung/Hilflosigkeit bei SuS, da normalerweise angeleiteter Unterricht den Alltag bestimmt.

2 Bedingungsanalyse

2.1 Physischer und psychosozialer Entwicklungsstand der Schüler im Allgemeinen

Bei der Adressatengruppe der Unterrichtsstunde „Bindung durch Empowerment: Schaffung von Motivation durch Partizipation“ handelt es sich um eine geschlechtergemischte 11. Klasse eines Gymnasiums, bei der das Altersniveau im Schnitt bei 16-17 Jahren liegt. Nach Wollny (2007) wird diese Entwicklungsstufe als Jugendalter bezeichnet, wobei er dabei die Pubeszenz (11. - 15. Lebensjahr) und die Adoleszenz (13. - 19. Lebensjahr) unterscheidet. In letzteres Lebensalter kann man somit die 16-17-jährigen Elftklässler einordnen, jedoch sind dabei immer individuelle und geschlechtsspezifische Unterschiede zu beachten, so setzt z.B. bei Mädchen die Entwicklung durchschnittlich zwei Jahre früher ein als bei Jungen. Im Folgenden wird nun auf themenrelevante Aspekte des physischen und psychosozialen Entwicklungsstandes sowie auf Besonderheiten in der Phase der Adoleszenz, die den Übergang vom Kind zum Erwachsenen darstellt, genauer eingegangen.

Hierbei werden drei wichtige Bereiche, die körperliche (z.B. Wachstum, motorische Fähigkeiten, physische Gesundheit), die kognitive (intellektuelle Fähigkeiten, Problemlöseverhalten, Kreativität) und die emotionale/soziale Ebene (z.B Kommunikation, Selbstverständnis, moralisches Urteilen und Verhalten) unterschieden, die aber nicht getrennt voneinander ablaufen, sondern miteinander einhergehen und sich überschneiden (Berk, 2012).

Nach einem Wachstumsschub, der in der Regel zu Beginn der Pubertät einsetzt, führt die Adoleszenz schließlich zu einem ausgewachsenen Körper, was jedoch v.a. bei den männlichen Jugendlichen in der 11. Klasse noch nicht unbedingt der Fall sein muss. Zudem kommt es in dieser Phase durch die Verbesserung der Körperproportionen zu einer Stabilisierung der motorischen Entwicklung, die in der Pubeszenz zeitweise beeinträchtigt war. Die zunehmende Individualisierung der Schüler führt zu einer großen Variationsbreite in der sportlichen und motorischen Entwicklung, v.a. zeigen sich in diesem Alter aber auch beträchtliche geschlechts-spezifische Unterschiede in Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit (Wollny, 2007).

Neben den körperlichen Veränderungen ist in der Adoleszenz ein starker Anstieg der kognitiven Leistung zu beobachten. Kennzeichnend dafür ist eine erhöhte Aufmerksamkeit, kognitive Selbstregulation und die Fähigkeit, abstrakt und logisch denken zu können. Außerdem zeigen die Heranwachsenden ein zunehmend besseres Problemlöseverhalten (Berk, 2012). Dieser Fortschritt in der kognitiven Entwicklung spiegelt sich auch in der Gesundheitsvorstellung der Jugendlichen wider, die die kindliche Vorstellung, Gesundheit sei schlichtweg die Abwesenheit von Krankheit, ablegen und mit steigendem Alter ein zunehmend mehrdimensionales Gesundheitskonzept entwickeln. Zwar ist es noch nicht von zentralster Bedeutung, jedoch rückt ein präventives Gesundheitsverhalten immer stärker ins Bewusstsein der Schüler, wobei das aktuelle Wohlbefinden noch mehr im Vordergrund steht als längerfristige Gesundheit (Gerber, 2008).

Auf emotionaler/sozialer Ebene ist diese Phase geprägt von der Suche und Findung einer persönlichen Identität als wichtigste Entwicklungsaufgabe (Berk, 2012). Die Heranwachsenden lösen sich langsam von ihrer Familie und verbringen mehr Zeit mit Gleichaltrigen in sog. Peergroups. Die elterliche Autorität wird immer mehr in Frage gestellt, bei Entscheidungs-findungen verlassen sich die Teenager zum Großteil auf sich selbst, wodurch ihr Streben nach Autonomie zum Ausdruck gebracht wird. Jedoch sind sie in diesem Alter auch sehr anfällig für Emotionen und Gefühle, was sich u.a. in ihrer verminderten Impulskontrolle zeigt. Die vielen Entwicklungsschritte, die in der Adoleszenz bewältigt werden müssen, wie die Persönlichkeits-veränderung oder die soziale Neuorientierung, führen häufig zu Überforderung und bei einer Nicht-Bewältigung zu psychosozialen Anpassungsproblemen (Schneider & Lindenberg, 2012).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Bindung durch Empowerment. Schaffung von Motivation durch Partizipation (11. Klasse)
Untertitel
Stundenentwurf
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Sportwissenschaft und Sport)
Veranstaltung
Stärkung der Gesundheitsressourcen II
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V355091
ISBN (eBook)
9783668413078
ISBN (Buch)
9783668413085
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empowerment, Partizipation, Unterrichtsentwurf, Sport, Gesundheit, Gesundheitsressourcen, Sportunterricht
Arbeit zitieren
Anna Hummel (Autor), 2015, Bindung durch Empowerment. Schaffung von Motivation durch Partizipation (11. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355091

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