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Typisch Mann? Typisch Frau? - Geschlecht und soziale Rolle

Title: Typisch Mann? Typisch Frau? - Geschlecht und soziale Rolle

Term Paper , 1999 , 37 Pages , Grade: 1

Autor:in: Ulrike Roppelt (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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DIE SOZIALEN ROLLEN VON MANN UND FRAU

'Gefesselt an sein evolutionäres Erbe, gesteuert vom Diktat der Gene und Hormone, irrt der Mensch in seinem Triebleben umher' , so zeichnet DER SPIEGEL in seiner Ausgabe vom Mai 1995 provokativ das Bild eines von biologischen Zwängen in seiner Entwicklung gefangenen Menschen. Ein biologischer Fundamentalismus, der aus den Ergebnissen neuerer Genforschung erneut Nahrung zu erhalten scheint, dessen Wurzeln jedoch weiter zurückreichen.
Bereits im 18. Jahrhundert wurde ein biologistisch geprägtes Denkmodell, das bestimmte Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen von Menschen auf eine genetische Determination desselben zurückführt, im Bürgertum aufgegriffen. Damals diente es zur Generierung eines neuen bürgerlichen Familien- und Rollenverständnisses und rückte sog. 'geschlechtsspezifische Wesensmerkmale' von Mann und Frau in den Mittelpunkt des Interesses.
Die Zuweisung komplementärer Eigenschaften führte nach Hausen (1976) zu einer 'Polarisierung der Geschlechtscharaktere', die bis in die Gegenwart hinein zur Prägung geschlechtsspezifischen Rollenverhaltens führt. Gerade die Selbverständlichkeit, mit der dieses Rollenverständnis über Generationen weitergegeben wurde, macht neugierig auf seine Entstehung, Funktion und die Konsequenzen für die sich an diesem Modell orientierenden Menschen einer Gesellschaft. Diesen Fragen soll in den folgenden Ausführungen nachgegangen werden.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.0. Geschlecht und Geschlechtsrolle

2.0. Grundlagen und Entstehungsbedingungen von Geschlechtsrollen

2.1. Soziale Rolle und Schöpfungsgedanke

2.2. Soziale Rolle und Religion

Die Stellung der Frau im frühen Christentum (1. Jh. n. Chr.)

Weiblicher Status im frühen Mittelalter (4./5. Jh.)

Hexenverfolgung (15. bis 18. Jh.)

3.0. Generierung eines sozialen Geschlechtsrollenkonzeptes ab dem 18. Jh.

3.1. Legitimationszwang: Entstehung eines neuen Orientierungsmusters

3.2. Herausbildung eines bürgerlichen Ideals für Mann und Frau

3.3. Mann und Frau als Gegenpole

3.3. Spezifische Wesenszuschreibungen im neuen Geschlechterverhältnis

3.4. Konstruktion der sexuellen Geschlechtsrolle

3.5. 'Bem-Sex-Role-Inventory'

4.0. Reproduktion von Geschlechtsrollen

4.1. Geschlechtsspezifische Erziehung

4.2. Ausgrenzung der Frau von Bildung und Wissenschaft

5.0. Gegenentwicklungen - organisierte Frauenbewegung in Deutschland

5.1. Der Beginn des Feminismus in Europa

5.2. Frauenbewegung in Deutschland

5.2.1. Die bürgerliche Frauenbewegung

5.2.2. Die proletarische Frauenbewegung

5.2.3. Rückschritt und Wiederbeginn

5.2.4. Die 'neue' Frauenbewegung

5.2.5. Männer in Bewegung?

6.0. Soziale Rollen von Mann und Frau: eine kritische Betrachtung

6.1. Konstruktive Aspekte

6.2. Destruktive Aspekte

Festlegung der Persönlichkeit via Geschlecht

Das schwache Geschlecht: Bewertung der weiblichen Geschlechtsrolle

Das starke Geschlecht: Die Bürde der männlichen Geschlechtsrolle

Geschlechtsspezifische Erziehung und Bildung

Sexismus und doppelte Moral

Soziale Geschlechtsrolle und Identitätsverwirrungen

7.0. Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entstehung, die gesellschaftliche Funktion sowie die Konsequenzen des sozialen Geschlechtsrollenmodells. Ziel ist es, die Konstruktion geschlechtsspezifischer Rollenbilder kritisch zu hinterfragen und die Auswirkungen dieser Normen auf die Identitätsfindung von Frauen und Männern zu beleuchten.

  • Historische Genese der Polarisierung von Geschlechtscharakteren
  • Sozialisationsmechanismen und geschlechtsspezifische Erziehung
  • Entwicklung und Strömungen der Frauenbewegung in Deutschland
  • Kritische Reflexion über Sexismus und doppelte Sexualmoral
  • Perspektiven für eine geschlechtsübergreifende Identitätsentfaltung

Auszug aus dem Buch

Die Konstruktion der sexuellen Geschlechtsrolle

Nach dem bürgerlichen Ideal war nicht nur die Liebe, sondern auch die Sexualität in der Ehe monopolisiert. War es noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts für Mann und Frau gleichermaßen möglich gewesen, eigene sexuelle Wünsche zu formulieren und auszuleben, erstreckte sich die 'vernünftige Kontrolle' der Affekte und Emotionen nun auch auf den Bereich der Sexualität. Triebsublimierung und -verdrängung wurden als erstrebenswerte Strategien zur Bildung der bürgerlichen Persönlichkeitsstruktur angesehen und waren v.a. für die Sichtweise der weiblichen Sexualität folgenreich.

Für den bürgerlich erzogenen Mann spaltete sich die Weiblichkeit fortan auf in zwei grundverschiedene 'Lager': Zum einen in ein verehrenswertes Frauenbild, was die weibliche Natur als asexuelles, unschuldiges, heiliges und geistiges Wesen in Gestalt der Mutter, Schwester oder Ehefrau sah. Sr. William Acton (engl. 'Sexualexperte' des 19. Jahrhunderts) resümiert in seiner Studie, daß '... die Mehrheit der Frauen (zum Glück der Gesellschaft) nicht sehr von sexuellen Gefühlen, gleich welcher Art, geplagt ist .... Die besten Mütter, Ehefrauen und Verwalterinnen des Haushalts wissen wenig oder gar nichts von sexueller Befriedigung. Die Liebe zu Haus, zu Kindern und zu den häuslichen Pflichten ist die einzige Leidenschaft, derer sie fähig sind' (Sir William Acton, 1875, aus: Haeberle 1983, S. 324).

Die Artikulation von sexuellen Wünschen wurde bei Frauen mehr und mehr als ein Zeichen sittlicher Verderbtheit interpretiert. Die Festlegung und Interpretation der 'Frauennatur' als in erster Linie geistiges Wesen implizierte, ganz im Sinne der Polarisation von Geschlechtsrollen, die Sichtweise vom Mann als ein von Natur aus 'sexuelles Triebwesen'.

Zusammenfassung der Kapitel

1.0. Geschlecht und Geschlechtsrolle: Definition der grundlegenden Begrifflichkeiten und Erläuterung der Bedeutung von Geschlechtsrollen als Teil der Identitätsbildung.

2.0. Grundlagen und Entstehungsbedingungen von Geschlechtsrollen: Analyse der kulturellen und religiösen Prägung von Geschlechterverhältnissen, insbesondere unter Betrachtung der christlichen Tradition.

3.0. Generierung eines sozialen Geschlechtsrollenkonzeptes ab dem 18. Jh.: Beschreibung des Entstehungsprozesses des bürgerlichen Geschlechterideals und der damit verbundenen Polarisierung von männlichen und weiblichen Eigenschaften.

4.0. Reproduktion von Geschlechtsrollen: Untersuchung, wie gesellschaftliche Normen durch Erziehung und den Ausschluss von Bildungsprozessen aufrechterhalten und weitergegeben werden.

5.0. Gegenentwicklungen - organisierte Frauenbewegung in Deutschland: Darstellung der emanzipatorischen Bestrebungen und der unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Frauenbewegung von ihren Anfängen bis zur Gegenwart.

6.0. Soziale Rollen von Mann und Frau: eine kritische Betrachtung: Kritische Auseinandersetzung mit den konstruktiven und destruktiven Aspekten des bestehenden Rollenmodells sowie deren Auswirkungen auf die menschliche Identität.

7.0. Ausblick: Plädoyer für ein universalistisches Konzept der Erziehung, das auf der Überwindung starrer Geschlechterrollen basiert.

Schlüsselwörter

Geschlechtsrolle, Geschlechtscharaktere, Polarisierung, Bürgertum, Sozialisation, Frauenbewegung, Feminismus, Sexismus, doppelte Moral, Patriarchat, Androgynität, Identitätsfindung, Geschlechterverhältnis, Emanzipation, Triebsublimierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den Auswirkungen sozialer Geschlechtsrollen von Mann und Frau, insbesondere im Kontext der bürgerlichen Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Polarisierung von Geschlechtsmerkmalen, die Rolle der Religion, die geschlechtsspezifische Erziehung, die Geschichte der organisierten Frauenbewegung sowie die Identitätskonflikte in einer geschlechtergetrennten Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das bürgerliche Geschlechtsrollenmodell kritisch zu hinterfragen und Wege aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Normen die menschliche Persönlichkeitsentfaltung beeinflussen oder einschränken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene sozialgeschichtliche, pädagogische und psychologische Perspektiven zur Geschlechtertheorie zusammenführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konstruktion des sozialen Rollenmodells, die Mechanismen der Rollenreproduktion (Erziehung, Bildung) und die verschiedenen politischen Strömungen der Frauenbewegung bis hin zu aktuellen kritischen Betrachtungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Geschlechtsrollen, Polarisierung, Patriarchat, Sozialisation, Emanzipation, Sexismus und Androgynität.

Inwiefern beeinflusste das Christentum das Rollenverständnis?

Das Christentum trug zur Verfestigung eines niedrigeren sozialen Status der Frau bei, indem es Eva als Sündenfall-Verantwortliche darstellte und die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann in biblischen Texten legitimierte.

Was bedeutet der Begriff "Androgynität" im Kontext der Arbeit?

Androgynität wird als pädagogisches Ziel der "universalistischen Menschwerdung" verstanden, das den Menschen von starren, durch Geschlechtsrollen definierten Zwängen befreien soll.

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Details

Title
Typisch Mann? Typisch Frau? - Geschlecht und soziale Rolle
College
University of Bamberg  (Fakultät Sozialpädagogik)
Course
Sozialisation und Sozialisationsforschung
Grade
1
Author
Ulrike Roppelt (Author)
Publication Year
1999
Pages
37
Catalog Number
V3550
ISBN (eBook)
9783638121934
Language
German
Tags
Sozialisation Mann & Frau Geschlecht soziale Rolle Geschlechtstypisierung geschlechtsspezifische Erziehung Geschlechtsrollen Frauenbewegung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Roppelt (Author), 1999, Typisch Mann? Typisch Frau? - Geschlecht und soziale Rolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3550
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