Unterrichtsstörungen und Intervention durch die Trainingsraum-Methode


Hausarbeit, 2016
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abgrenzung und Begriffsklärung: Unterrichtsstörungen

3. Formen von Unterrichtsstörungen

4. Ursachen von Unterrichtsstörungen

5. Intervention
5.1 Begriffsklärung
5.2 Beziehungsebene (Lehrer-Schüler-Beziehung)
5.3 Kooperative Strategien/Direktive (lehrerzentrierte) Strategien nach Nolting

6. Trainingsraum-Methode
6.1 Frageprozess vs. normale und ausdrückliche Ermahnung
6.2 Der Trainingsraum
6.3 Kritik

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unterrichtsstörungen kommen in jeder Klasse bzw. Schule vor. Nach Keller gehen schätzungsweise 35% der schuljährlichen Unterrichtszeit verloren, weil Störungen das Lernen verhindert (vgl. Keller 2014, S. 21). Er erwähnt eine Untersuchung des Psychologischen Instituts der Universität Freiburg/Breisgau, aus der hervorgeht, dass sich pro Unterrichtsstunde mehr als zwanzig Unterrichtsstörungen ereignen (Kraus 2004, zit. nach Keller 2014, S. 31). Dies verdeutlicht, wie stark Störungen den Unterrichtsfluss beeinträchtigen.

Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, den oft schnell gebrauchten Begriff „Unterrichtsstörung“ zu durchleuchten und einen möglichen Umgang der Intervention, durch die Trainingsraum-Methode, aufzuzeigen.

Zunächst wird der Begriff „Unterrichtsstörung“ operationalisiert und abgegrenzt. Anschließend werden in der Literatur aufkommende Formen von Unterrichtsstören genannt, um ein besseres und praxisbezogeneres Gefühl für den Begriff zu bekommen. Im Anschluss wird auf einige ausgewählte Ursachen für Unterrichtsstörungen eingegangen, um deutlich zu machen, dass nicht allein der Schüler der Auslöser für Störungen ist. Die bis dahin vorliegende Arbeit wird hauptsächlich durch Ansichten von Gert Lohmann, Rainer Winkel, Gustav Keller und Hans-Peter Nolting gestützt. Ihre Ansichten werden gegenübergestellt und verglichen, da sich die Autoren, basierend auf intensiver Recherche, als die Relevantesten herauskristallisiert haben.

Daraufhin folgt der Übergang zum Begriff der Intervention. Dort wird er hinsichtlich des allgemeinen und des pädagogischen Sprachgebrauchs operationalisiert. Es folgt der Punkt zur Schüler-Lehrer-Beziehung um aufzuzeigen, wie wichtig richtiges Verhalten bei Störungen sein kann, um ein gutes Klassenklima zu fördern. Nach allgemeineren Strategien der Intervention von Nolting, folgt die Einführung der Trainingsraum-Methode. Dabei wird auf die Strategie von Bründel/Simon und Balke eingegangen und ihre Gemeinsamkeiten, wie auch Unterschiede verdeutlicht. Abschließend folgen die kritischen Stimmen Göppels und Noltings, die die Schwachpunkte der Methode aufzeigen.

Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Dies impliziert aber immer auch die weibliche Form.

2. Abgrenzung und Begriffsklärung: Unterrichtsstörungen

Da der Fokus dieser Arbeit auf Unterrichtsstörungen liegt, sollte zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff zu verstehen ist. Allgemein bezeichnet der Duden Störungen als „Beeinträchtigungen, Behelligungen, Behinderungen, Belästigungen [und] Unterbrechungen“ (Duden online unter http://www.duden.de/rechtschreibung/Stoerung [gesehen 08.03.16]). Heutzutage gibt es in der Pädagogik viele verschiedene Definitionen von Unterrichtsstörungen im Speziellen. Der Begriff löst die darunter zuvor bekannten Bezeichnungen „Disziplinschwierigkeiten“ und „Verhaltensauffälligkeiten“ ab. Nach Winkel impliziert die Bezeichnung „Disziplinschwierigkeiten“ eine Mitverantwortlichkeit seitens des Schülers, wie auch des Lehrers an der Problematik (vgl. Winkel 2011, S. 26f.). Laut Lohmann hat der Schüler Probleme mit Disziplin und verletzt Normen und Regeln die dazu beitragen, den Unterricht reibungslos zu gestalten (vgl. Lohmann 2015, S. 13). Der Lehrer hat Probleme diese Normen und Regeln und somit die Disziplin aufrecht zu erhalten. Anders sieht es bei „Verhaltensauffälligkeiten“ aus. Verhaltensauffälligkeiten gehen vom Schüler aus. Diese sind jedoch von einer persönlichen Schuld befreit, da darunter mehr gesundheitliche Aspekte fallen. Der Lehrer ist hierbei komplett entschuldigt. Winkel empfindet beide Begriffe als ungeeignet, da sie nur einzelne Gruppen verurteilen und nicht dazu führen das Problem zu verstehen (vgl. Winkel 2011, S. 27f.). Somit entstand der objektivere Begriff „Unterrichtsstörungen“.

Laut Winkel liegt eine Unterrichtsstörung dann vor, „wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird“ (Winkel 2011, S. 29). Er fasst den Begriff kurz und knapp zusammen und legt den Schwerpunkt nicht auf einzelne verursachende Personen, sondern bezieht sich direkt auf den Unterricht. Winkel hebt hervor, dass Störungen sehr subjektiv wahrgenommen werden. Was für manche Lehrkraft als Störung wahrgenommen wird, ist für die Andere nicht der Rede wert (ebd.).

Lohmann bezeichnet Unterrichtsstörungen als „Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen“ (Lohmann 2015, S. 13). Diese Definition ist ebenfalls sehr allgemein. Wie Winkel bezieht er keine Personen mit ein, sondern stützt sich auf Ereignisse die den Unterrichtsverlauf behindern. Er zählt zu den Bedingungen, unter denen ein Lehr-Lern-Prozess stattfinden kann, „physische und psychische Sicherheit, Ruhe, Aufmerksamkeit [...] [und] Konzentration“ (ebd.). Seiner Meinung nach sind Unterrichtsstörungen bis zu einem gewissen Grad ganz normale Weggefährten des Unterrichts, die entschlüsselt werden müssen um ihnen auf richtige Weise entgegenzuwirken (vgl. Lohmann 2015, S. 14).

Noltings Definition von Unterrichtsstörungen geht mit denen von Winkel und Lohmann konform. Er bezieht jedoch die Parteien, die von einer Störung betroffen sind direkt mit ein und unterscheidet zwischen einer normativen und einer funktionalen Definition:

-> Normative Definition : Unterrichtsstörungen sind Handlungen von Schülern, die gegen Regeln für das Verhalten im Unterricht verstoßen. Ob eine Störung vorliegt oder nicht, hängt hier letztlich von der Lehrkraft ab; sie bestimmt die Regeln und bewertet das Verhalten. Was Lehrer X als „unruhig“ bezeichnet, nennt seine Kollegin Y vielleicht „lebhaft“.

-> Funktionale Definition: Unterrichtsstörungen sind Handlungen, welche die von einer Lehrkraft beabsichtigte Unterrichtsdurchführung behindern, und zwar, (a) indem sie andere Personen, nämlich die Lehrkraft oder die Mitschüler, in ihren aufgabenbezogenen Aktivitäten beeinträchtigen, und/oder, (b) indem sie die eigene aufgabenbezogene Aufmerksamkeit und Mitarbeit beeinträchtigen. (Nolting 2002, S. 13)

Bei der normativen Definition liegt der Schwerpunkt auf das Einhalten der vom Lehrer festgelegten Normen und Regeln. Jeder Lehrer entscheidet subjektiv welche Regeln während seines Unterrichtes eingehalten werden sollten und infolgedessen, welches Verhalten dagegen verstößt. Die funktionale Definition bezieht sich mehr auf die aufgabenbezogenen Aktivitäten, die durch Handlungen, Lehrkraft, Mitschüler oder die eigene Person beeinträchtigen.

3. Formen von Unterrichtsstörungen

Nolting teilt die Formen von Unterrichtsstörungen in drei Typen ein. Er nennt sie aktive Unterrichtsstörungen, passive Unterrichtsstörungen und Störungen der Schüler-Schüler-Interaktion (vgl. Nolting 2002, S. 12 f.).

Unter aktiven Unterrichtsstörungen fasst er sogenannte „Disziplinprobleme“ zusammen, die der Lehrkraft besonders an die Substanz gehen. Darunter fallen Situationen, wie wenn Schüler untereinander schwatzen, sehr viel Lärm erzeugen, grundsätzliche Unruhe und Unaufmerksamkeit. Mangelnde Aktivität im Unterricht klassifiziert Nolting als passive Unterrichtsstörungen. Dazu zählt es, wenn Schüler sich nur gering oder überhaupt nicht am Unterrichtsgespräch beteiligen, Hausaufgaben oft nicht erledigt werden und Materialien, die für den Unterricht essenziell sind, nicht mitgebracht werden. Dies sind Störungen die eventuell weniger bewusst wahrgenommen werden, aber laut Nolting ebenfalls das Lehren und Lernen in der Klasse schwierig gestalten (ebd.). Den dritten Typ betitelt Nolting als Störungen der Schüler-Schüler-Interaktion. Diese zählt er nicht direkt zu Unterrichtsstörungen, jedoch sind sie Störungen innerhalb der Schulklasse und können sich somit auch auf den Unterricht auswirken. Rivalitäten zwischen einzelnen Schülern oder Gruppen, Ausgrenzungen und Mobbing fallen unter diesen dritten Typ (ebd.).

Lohmann weist darauf hin, dass bei der Einteilung der Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen oft nur die Lehrerperspektive eingenommen wird.

Er beruft sich auf die Kategorisierung in vier Gruppen nach Mayr/Eder/Fartacek von 1987:

- Verbales Störverhalten (schwatzen, vorlautes Verhalten, Zwischenrufe, Beleidigungen)
- Mangelnder Lerneifer (geistige Abwesenheit, Desinteresse, Unaufmerksamkeit)
- Motorische Unruhe (zappeln, kippeln, herumlaufen)
- Aggressives Verhalten (Wutausbrüche, Angriffe auf Personen, Sachbeschädigung) (Mayr/Eder/Fartacek 1987, zit. nach Lohmann 2015, S. 14).

Keller geht von schulpsychologischen Erkenntnissen und Beobachtungen aus und differenziert bei Unterrichtsstörungen zwischen sechs Erscheinungsformen:

- Akustische Störungen (Schwätzen [...], Zwischenrufe, Summen, Singen, [...] Handy,[...])
- Motorische Störungen (Schaukeln, Zappeln,[...], Herumlaufen)
- Aggressionen (Mitschüler verbal provozieren, Mitschüler körperlich angreifen, [...], Sachen beschädigen/zerstören, Wutausbruch, Lehrer verbal angreifen, Lehrer körperlich angreifen)
- Geistige Abwesenheit (stofffremde Arbeiten erledigen, zum Fenster hinausschauen, Tagträumen, Schlafen)
- Verweigerung (fehlende Unterrichtsmaterialien, unerledigte Arbeitsaufträge, fehlende Hausaufgaben, Mitarbeitsverweigerung, Zuspätkommen)
- Verstöße gegen die Hausordnung (Essen, Trinken, Beschmutzen) (Keller 2014, S. 25ff.)

Die drei Kategorisierungen werden vom Allgemeinen (Nolting), immer spezieller (Keller). Noltings aktive Unterrichtsstörungen werden bei Lohmanns Zitat nach Mayr/Eder/Fartacek, in verbales Störverhalten und motorische Unruhe aufgeteilt. Beide führen jedoch passive Unterrichtsstörungen bzw. mangelnder Lerneifer auf. Während Nolting als weiteren Typ nur die Störung der Schüler-Schüler-Interaktion erwähnt, geht es bei Lohmann weiter. Dort wird sie als aggressives Verhalten betitelt, unter welche er auch Punkte, wie Wutausbrüche und Sachbeschädigung zählt. Keller fügt noch die Punkte der Verweigerung und die Verstöße gegen die Hausordnung hinzu. Somit werden die Grenzen weiter verschoben und abgesteckt. Als Einziger erwähnt er, dass auch Störungen auftreten können, die von außerhalb des Klassenzimmers auf den Unterricht einwirken. Als Beispiele zählt er Baulärm, Fluglärm, Lärm aus anderen Klassenzimmer, Sirenengeheul und Lautsprecherdurchsagen auf (vgl. Keller 2014, S. 27).

Im nächsten Schritt wird nun aufgezeigt, welche Ursachen es für Unterrichtsstörungen gibt.

4. Ursachen von Unterrichtsstörungen

Für Unterrichtsstörungen werden viele Ursachen genannt. Sie entstehen während des Schulalltages und können sowohl von Schüler-, als auch von Lehrerseite und von Seitens der Schule ausgehen

Nach Winkel sind die meisten Ursachen für Unterrichtsstörungen Signale des Schülers, der den Lehrkräften mitteilen will, was ihm am Unterricht oder daran beteiligten Faktoren missfällt. Vielleicht hat der Schüler zur Zeit Lern-, Lebens-oder Beziehungsprobleme oder er erkennt den Sinn des Unterrichtsstoffes etc. nicht. Manchmal zeigt der Schüler auch einfach, wie langweilig und desinteressiert er ist. Oft kommt es vor, dass der Schüler lernbereit, aber mit der Vermittlung der Lerninhalte nicht einverstanden ist (vgl. Winkel 2011, S. 31f.). Um den Unterricht für sich interessanter zu gestalten, da er sich langweilt, er geistig überansprucht ist oder er einfach nicht mehr still sitzen kann, kommuniziert er mit seinem Nachbarn oder fängt an im Klassenzimmer umher zu laufen. Lohmann sieht dies ähnlich. Er weißt darauf hin, dass Störverhalten das Handlungsziel haben kann, „die Aufmerksamkeit und Anerkennung durch Lehrer und Schüler zu gewinnen“ (Lohmann 2015, S. 21). Meist sind es Kinder, die ein niedriges Selbstkonzept haben und keine Aufmerksamkeit durch gute Noten erzielen können. Das Verlangen nach Anerkennung kann suchtartige Formen annehmen. Manche Schüler nehmen dazu viel Ärger in Kauf (vgl. ebd.). Es gibt auch Verhaltensstörungen die den Unterricht stören und aus seelischen Traumata entstanden sind. Keller zitiert Dreikurs, der als typische Traumen Ablehnung, Misshandlung und Verstoßung

aufzählt (vgl. Dreikurs 2009 zit. nach Keller 2014, S. 33). Um seine seelischen Probleme auszugleichen, bildet das Kind Fehlverhaltensweisen. So denkt es z.B. es müsse stören, um Aufmerksamkeit zu erhalten oder damit sich die Lehrperson nicht abwendet. Nach Winkel werden etwa 35-40% der Ehen von Krisen erfasst. Kinder entwickeln Verhaltens- und Entwicklungsstörungen, um ihre Eltern zusammenzuhalten oder um mit der Situation fertig zu werden, hauptsächlich nur mit einem Elternteil aufzuwachsen (vgl. Keller 2014, S. 36). Es gibt Kinder die stören oft und Kinder, die dies so gut wie nicht tun, deshalb scheint es ein individuelles Problem zu sein. Nolting weißt jedoch darauf hin, dass Störer nicht mit Störungen gleichzusetzen sind. Man sollte nie den Kontext aus den Augen verlieren, der zur Störung geführt hat. Zum Kontext gehören zum einen auch interpersonale Ursachen, die zum Teil auch vom Lehrer aus gehen (vgl. Nolting 2002, S. 18).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstörungen und Intervention durch die Trainingsraum-Methode
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V355158
ISBN (eBook)
9783668415867
ISBN (Buch)
9783668415874
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsstörungen, intervention, trainingsraum-methode
Arbeit zitieren
Marie-Claire Lahuerta Casañ (Autor), 2016, Unterrichtsstörungen und Intervention durch die Trainingsraum-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355158

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