Im Rahmen des Seminars „Zeichengebrauch im Erwerb: litrarisches Lernen“ wurde unter anderem auf den Text von Anja Wildemann „Das ist der Daumen…“ Kinderreime als intermediärer Raum ästhetischer und literaler Erfahrungen eingegangen. Angeregt durch diesen Text, entwickelte sich bei mir stärkeres Interesse mich mit dem Zusammenhang von Phantasiereisen und literarischem Lernen intensiver zu beschäftigen. Da ich Phantasiereisen als eine äußerst gute Methode des Kreativen Schreibens erachte, stellte sich mir die Frage inwieweit sie Funktionen für das literarische Lernen aufweisen.
Im Vorfeld ist zu beantworten, wie die Fragestellung bearbeitet bzw. untersucht werden könnte. Um diese Fragestellung zu klären, werden im ersten Teil meiner Arbeit die wesentlichen Aspekte von Phantasiereisen dargestellt. Da eine Vielzahl von Phantasiereisen angeboten wird, beschränke ich mich auf die ausführliche Darstellung einer Phantasiereise und beleuchte sie hinsichtlich der Lernziele und der zu erlangenden Fähigkeiten.
Da bei der ausgewählten Phantasiereise sehr stark die Funktion der rechten Hemisphäre berücksichtigt wird, gehe ich im nächsten Abschnitt auf die Hemisphärenforschung und auf die Funktionen der rechten und linken Hemisphäre ein.
Die Imagination spielt sowohl bei Phantasiereisen als auch für das literarische Lernen eine zentrale Rolle. Deshalb wird im folgenden Kapitel zunächst eine Begriffsbestimmung formuliert. Im Anschluss daran versuche ich eine Verbindung zwischen Sprache und Imagination aufzuzeigen.
Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit dem literarischen Lernen, zuerst jedoch wird die Begriffsbestimmung geklärt. Da es u.a. durch Phantasiereisen zu einem Text zwischen Texten kommt gehe ich im weiteren Verlauf näher auf die Literarität ein. Im Anschluss daran, versuche ich die vier Perspektiven von Anja Wildemann auf die ausgewählte Phantasiereise zu beziehen, um herauszufinden ob eine Verbindung besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zu Phantasiereisen
2.1 Wesentliche Aspekte der Phantasiereisen
2.2 Zielsetzung der ausgewählten Phantasiereise
2.3 Die Phantasiereise „Ein schöner Augenblick“
2.4 Förderung der Sinneswahrnehmung
3. Die Bedeutung der rechten und linken Hemisphäre
3.1 Die Split-Brain-Forschung
3.2 Die rechte und linke Hemisphäre
3.2.1 Die linke Hemisphäre
3.2.3 Die rechte Hemisphäre
3.3 Das Zusammenwirken der Hemisphärenhälften
4. Imagination
4.1 Definition und Begriffsbestimmungen
4.2 Auffassungen bezüglich der Imagination
4.3 Spontane und geleitete Imagination
4.4 Die Verbindung von Sprache und Imagination
5. Das Literarische Lernen
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Literarität
5.3 Die Schnittfläche von ästhetischer Erfahrung und Schriftsprachlichkeit
5.4 Der Zusammenhang von literarischem Lernen und Imagination
6. Schluss
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale Bedeutung von Phantasiereisen im Kontext des literarischen Lernens. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie gezielte Imaginationsübungen den Prozess des literarischen Lernens unterstützen, die Vorstellungskraft schulen und den Zugang zu Textwelten erleichtern können.
- Grundlagen und Einsatzmöglichkeiten von Phantasiereisen
- Neurologische Aspekte der Hemisphärenforschung
- Theoretische Bestimmung und Ebenen der Imagination
- Definition des literarischen Lernens und der Literarität
- Schnittstellen zwischen ästhetischer Erfahrung und Sprache
Auszug aus dem Buch
Die Phantasiereise „Ein schöner Augenblick“
Die Phantasiereise „Ein schöner Augenblick“ wurde aus dem Buch „Phantasiereisen“ (Teil 3 der Reihe: Wege des Staunens, Übungen für die rechte Hemisphäre) von Miriam Ehrlich und Klaus W. Vopel entnommen. Die Zielsetzung beinhaltet die volle Ausschöpfung der Imagination mit Hilfe aller Sinne. Diese Phantasiereise bezieht sich nicht nur auf das Sehen und Hören, sondern es werden noch andere Modalitäten hinzugezogen. Den Teilnehmern soll ein angenehmes Erlebnis vermittelt werden. Kehren sie aus ihrer Phantasie zurück, so tritt ein Gefühl der Ausgeruhtheit in ihnen auf. Die Teilnehmer sollen das Alter von zehn Jahren nicht unterschreiten.
„In unserer Phantasie können wir Bilder sehen und Worte hören. Wir können aber auch berühren, schmecken und riechen. Und wenn wir irgendwo sind, wo es uns nicht gefällt, wenn wir uns erschöpft und leer fühlen, können wir uns in unserer Phantasie eine angenehme und erfrischende Umgebung schaffen, indem wir alle Sinne benutzen. Nimm eine bequeme Position ein und schließe die Augen… Stell dir irgendeinen Platz vor, an dem du dich stark, glücklich und behaglich gefühlt hast… Vielleicht fällt dir ein Aufenthalt im Gebirge oder an der See ein. Oder du erinnerst dich an eine besonders schöne und ruhige Zeit zu Hause. Wähle eine Situation aus, die besonders schön war, eine Gelegenheit, bei der du dich so richtig gut gefühlt hast… Bemerke deine Umgebung – wenn du am Meer bist, bemerke die besondere Art des Uferstreifens, das Wasser, den Himmel. Wenn du im Gebirge bist, bemerke die Felsen, die Pflanzen, den Himmel. Wo immer du bist, bemerke alle Einzelheiten deiner Umgebung, wie das Licht auf dem Wasser tanzt, durch die Bäume oder Fenster fällt…Bemerke die Temperatur der Luft, die Festigkeit oder Weichheit des Bodens…“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Funktion von Phantasiereisen für das literarische Lernen.
2. Allgemeines zu Phantasiereisen: Einführung in das Konzept der Phantasiereise als Methode des Kreativen Schreibens und Erläuterung der verschiedenen Durchführungsphasen.
3. Die Bedeutung der rechten und linken Hemisphäre: Überblick über die Gehirnforschung und die notwendige Zusammenarbeit beider Hemisphären für eine optimale Informationsverarbeitung.
4. Imagination: Detaillierte Begriffsbestimmung der Imagination als kognitive Fähigkeit und Abgrenzung zwischen spontanen und geleiteten Vorstellungsformen.
5. Das Literarische Lernen: Theoretische Herleitung des literarischen Lernens, der Literarität und deren enge Verknüpfung mit der menschlichen Imaginationsfähigkeit.
6. Schluss: Zusammenfassendes Fazit über die Notwendigkeit der Förderung von Imagination im Deutschunterricht zur Erleichterung literarischer Verstehensprozesse.
Schlüsselwörter
Phantasiereisen, Literarisches Lernen, Imagination, Kreatives Schreiben, Hemisphärenforschung, Sinneswahrnehmung, Vorstellungsvermögen, Literarität, Ästhetische Erfahrung, Schriftsprachlichkeit, Intertextualität, Sprachverstehen, Kognition, Literaturdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Phantasiereisen und dem literarischen Lernen von Kindern, insbesondere in Bezug auf die Aktivierung der Vorstellungskraft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Praxis des Kreativen Schreibens, neurologische Grundlagen der Gehirnaktivität, die Theorie der Imagination sowie didaktische Ansätze zum literarischen Lernen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob und wie Phantasiereisen eine unterstützende Funktion für den Erwerb literarischer Kompetenzen und das Verstehen von Texten erfüllen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse fachdidaktischer Literatur, ergänzt durch die exemplarische Untersuchung einer ausgewählten Phantasiereise nach Ehrlich und Vopel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Phantasiereise-Methodik, die Erläuterung der Hemisphärenfunktionen, eine tiefgehende Begriffsdefinition der Imagination und die theoretische Verknüpfung mit literarischem Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Phantasiereisen, literarisches Lernen, Imagination, Kreatives Schreiben, Hemisphärenforschung und ästhetische Erfahrung.
Warum ist die rechte Gehirnhälfte laut der Arbeit für Phantasiereisen so relevant?
Die rechte Hemisphäre ist primär für die bildhafte, ganzheitliche und intuitive Verarbeitung zuständig, was die Voraussetzung für die produktive Entfaltung von Imaginationen in Phantasiereisen bildet.
Welche Rolle spielt die „Schnittfläche von ästhetischer Erfahrung und Schriftsprachlichkeit“?
Diese Schnittfläche markiert den intermediären Raum, in dem spielerische Sprachverwendung und kognitive Wissensstrukturen zusammenfinden und somit den Grundstein für literarische Bildung legen.
- Quote paper
- Nicole Witzig (Author), 2004, Haben Phantsiereisen eine Funktion für das literarische Lernen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35516