Latein lernen. Für die Schule oder fürs Leben?


Facharbeit (Schule), 2015

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Lucius Annaeus Seneca

Seneca - Epistulae morales
Originaltext
Arbeitsübersetzung
Interpretation Senecas Ansichten

FAZ: Lateinkenntnisse – Für die Schule, nicht fürs Leben
Heutige Sichtweisen
Fazit des FAZ-Artikels

Kernlehrplan - Latein

Warum heute noch Latein lernen? Gründe für das Erlernen der lateinischen Sprache

Mit dem Latein am Ende?

Zusammenfassendes Ergebnis

Literaturverzeichnis

Anhang
FAZ: Lateinkenntnisse – Für die Schule, nicht fürs Leben
ZEIT Online – Fürs Leben (Stimmt’s Seneca?) news4teachers.de

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW

Einleitung

Es stellt sich immer wieder die Frage, ob die Unterrichtsinhalte, die den Schülerinnen und Schülern heutzutage vermittelt werden, im weiteren Leben überhaupt einen Nutzen bringen.[1] Genau diese Frage hat sich auch Christoph Drösser gestellt und in seinem Zeitungsartikel „Fürs Leben“ mit Blick auf die Hintergründe untersucht. Ich möchte seinen Lösungsansatz aufgreifen und diese Frage tiefgehender anhand eines Beispiels, des Lateinunterrichts, weiter untersuchen.

Das Beispiel Latein ist hier sehr passend, da schon der römische Politiker und Schriftsteller Lucius Annaeus Seneca, welcher von 4 vor Christus bis 65 nach Christus gelebt hat, die Erziehung und den schulischen Unterricht kritisiert hat.[2] Von ihm stammt auch das Zitat „Nicht fürs Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ („Non vitae, sed scholae discimus.“). Es wird also deutlich, dass diese Position schon damals diskutiert wurde und schon damals der schulische Unterricht kritisch hinterfragt wurde. Der heutige Lateinunterricht bietet sich als interessantes Untersuchungsobjekt an, da Latein von einigen Professoren und Philosophen als „tote Sprache“ bezeichnet wird und sich demzufolge auch die Frage nach dem Sinn der weiteren Lehre der lateinischen Sprache stellt. Auch von Seiten des Schulministeriums kamen zuletzt einige Signale, die als Herabstufung des Faches Latein gedeutet werden können. Zum Beispiel wird in der zukünftigen Lehrerausbildung für Gymnasien und Gesamtschulen das Latinum keine zwingende Voraussetzung mehr sein[3]. Die Facharbeit soll herausstellen, ob die Schüler, die ein Latinum vorweisen können, im Leben Vorteile haben und nachweisen, inwiefern der Lateinunterricht für die Schüler sinnvoll ist. Dies erfolgt durch den Vergleich verschiedener Sichtweisen sowohl von Seneca aus der Antike, als auch von heutigen Professoren und Philosophen, die sich mit diesem Thema auseinander gesetzt haben. Des Weiteren soll der Kernlernplan für das Fach Latein, sowie eine Infobroschüre, die die Schüler und Eltern vor der Wahl der zweiten Fremdsprache zu überzeugen versucht, zeigen, welche Ziele und welche Erkenntnisse und Fortschritte durch den Lateinunterricht erlangt werden. Zusammengefasst wird sich also zeigen, ob eine Entwicklung und Veränderung der Sichtweisen im Laufe der Jahrhunderte zu verzeichnen ist und ob es heute noch sinnvoll ist Latein anstelle von anderen moderneren Fremdsprachen als zweite oder weitere Fremdsprache zu wählen.

Lucius Annaeus Seneca

Biographie und Philosophie

Lucius Annaeus Seneca, geboren im Jahre 4 vor Christus in Cordoba, Spanien, war von Beruf Politiker und hatte eine Ausbildung in Rhetorik und Philosophie erhalten. Aufgrund seiner politischen Ämter (Quästor und Senator) wurde Seneca Opfer kaiserlicher Machtpolitik und wurde demzufolge auf Korsika verbannt. Nach acht Jahren ist Seneca 49 nach Christus zurückgekehrt und bekam nun die neue Aufgabe Nero zu erziehen. Nero ist 54 nach Christus, nach Ermordung des Claudius, Kaiser geworden. Infolgedessen hat Seneca mit seinem Kollegen, dem Prätorianer-Präfekten Burrus, die wiederrum neue Aufgabe bekommen das römische Reich zu verwalten. Im Jahre 62 nach Christus hat sich Seneca aufgrund von Enttäuschung gegenüber Nero, der seine Mutter hatte ermorden lassen, aus der Politik zurückgezogen. Im Anschluss ist Seneca von Nero angeklagt worden, an der Verschwörung des C. Calpurnius Piso gegen ihn teilgenommen zu haben und wurde aufgrund dessen zum Tode verurteilt.

In seinen philosophischen Werken orientiert sich Seneca stark an der stoischen Lehre und wendet diese auf das alltägliche Leben an. In seinem Hauptwerk, den Epistulae morales ad Lucilium, welche zwischen 62 und 64 nach Christus entstanden sind, berichtet Seneca über eigene Erfahrungen, die ihm zu einer sittlichen und strengen Lebensweise verholfen haben. Jedoch zeigt Seneca Verständnis und Einsicht für menschliche Schwächen und stellt heraus, dass der Mensch durch die Vernunft versuchen soll, sich in den verschiedensten Lebenssituationen möglichst passend und angemessen zu verhalten.[4]

Seneca - Epistulae morales 106

Originaltext

„Quoniam, ut voluisti, morem gessi tibi, nunc ipse dicam mihi quod dicturum esse te video: latrunculis ludimus. In supervacuis subtitilitas teritur: non faciunt bonos ista sed doctos. Apertior res est sapere, immo simplicior: paucis (satis) est ad mentem bonam uti litteris, sed nos ut cetera in supervacuum diffundimus, ita philosophiam ipsam. Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: Non vitae sed scholae discimus. Vale.“[5]

Arbeitsübersetzung

Weil ich, wie du gewollt hast, mich Dir gefügt habe, werde ich nun selbst sagen, was ich sehe, dass du es mir sagen wirst. Wir spielen mit Steinen. Die Genauigkeit wird auf den überflüssigen Dingen abgerieben. Diese da machen nicht zu tüchtigen Menschen, sondern höchstens zu gelehrten Menschen. Eine klarere Sache ist es zu verstehen, keineswegs eine einfachere: Es ist genügend gemäß gutem Verstand wenige Werke zu gebrauchen, aber wir breiten so die Philosophie selbst wie das Übrige bis in das Überflüssige hinein aus. Wir leiden wie an der Unmäßigkeit an allen Dingen auch an der Unmäßigkeit der Werke: Nicht fürs Leben, sondern für die Schule lernen wir. Leb wohl.

Interpretation Senecas Ansichten

Zunächst erklärt Seneca, dass er zuvor überlegt hatte, ob er zuerst Lucilius hätte antworten oder warten lassen sollen, da er Lucilius Frage in seinem Hauptwerk der Moralphilosophie ausführlich und detailliert behandeln wollte. Schließlich hat er sich dazu entschlossen, Lucilius nicht länger warten zu lassen und seine Frage, wie in seinem Werk, ausführlich mit zusätzlichen Informationen zu beantworten. Er deutet hierbei schon darauf hin, dass die ausführliche Beantwortung lediglich der Bereicherung des Wissens dient, jedoch nicht von größerem Nutzen ist. Die Frage, die Seneca im Folgenden beantworten möchte, lautet: „Ist ein Gut etwas Körperliches?“

Seneca nutzt zur Beantwortung der Frage vier verschiedene Lösungsansätze und beginnt damit zu erklären, dass ein Gut von einem Körper ein Körper ist, da es den Körper beeinflusst. Demzufolge kann er schlussfolgern, dass auch Güter der Seele körperlich sein müssen, da auch Regungen der Seele den Körper beeinflussen. Zur Verdeutlichung nennt Seneca an dieser Stelle die Affekte und Leidenschaften des Menschen, die den Körper beeinflussen, da sie den Menschen zu gewissem Handeln und Reagieren veranlassen. Im Anschluss formuliert er nun als Zwischenfazit, dass alle Dinge, die einen Körper verändern und beeinflussen, körperlich sein müssen. Im Anschluss daran bezieht sich Seneca bei seiner Antwort nun auf Lucretius, indem er das Zitat „Nur der Körper berührt, und läßt sich wieder berühren“ [6] anführt und ihm aufgrund seiner bisherigen Lösungsansätze zustimmen kann. Somit kommt er zu der Aussage, dass Dinge, die einen Körper nicht verändern, den Körper demzufolge auch nicht berühren. Abschließend dazu kann er wieder bestätigen, dass ein Gut etwas Körperliches ist. In seiner letzten Teilantwort beschreibt Seneca, dass das Tun und Handeln des Menschen auf Befehle und innere Regungen zurückzuführen ist, sodass der Mensch auf Dinge, die den Körper belasten, und auf Dinge, die sich dem Körper entgegenstellen, reagiert und dementsprechend anders handelt.[7]

Hieraus ergibt sich ebenfalls, dass ein Gut des Menschen gleichzeitig ein Gut eines Körpers ist, da der Mensch durch bestimmte Abläufe und Impulse beeinflusst wird.[8]

Im Schlussteil seiner Beantwortung versucht Seneca Lucilius zu verdeutlichen, dass er nun seine anfängliche Frage beantwortet habe, jedoch versucht er herauszustellen, dass die ausführlichere Beantwortung keinen größeren Nutzen hat als die ausreichende Beantwortung. So kommt Seneca zu der Annahme, dass man durch die Genauigkeit seine Zeit mit unwichtigeren Dingen verschwendet, da die genauere Betrachtung lediglich zu größerem Wissen, aber nicht zu größerem Nutzen verhilft. Es lässt sich somit schlussfolgern, dass jede ausführliche Beantwortung die anfängliche Fragestellung detaillierter beantwortet, jedoch die detailliertere Beantwortung nicht am leichtesten zu verstehen ist. An dieser Stelle weist Seneca darauf hin, dass der Gebrauch von weniger literarischen Werken oftmals zu einem größeren Erfolg führt, als die Verwendung von vielen literarischen Werken, da die Philosophie nur verbreitet, aber nicht vereinfacht dargestellt wird. Zusammengefasst schlussfolgert er hier, dass jeder selbst an der hohen Verfügbarkeit der Literatur leidet. Ein Übermaß an Informationsaufnahme führt also nur dazu, dass man für die Schule, nicht aber fürs Leben lernt.[9]

Anhand der Sichtweise Senecas wird bezüglich der Leitfrage deutlich, dass er den schulischen Unterricht in der Antike kritisiert hat, da den Schülern zu viel Wissen vermittelt wird, welches sie jedoch im Leben niemals alles gebrauchen können. Seneca ist also der Meinung, dass es ausreichend ist, alle Fragen und Problemstellungen hinreichend und verständlich zu beantworten und darauf zu achten, dass man das Thema beziehungsweise die Beantwortung nicht zu umfangreich gestaltet, damit die Zuhörer nicht durch zu viele Daten und Fakten verwirrt und belastet werden.

FAZ: Lateinkenntnisse – Für die Schule, nicht fürs Leben

Heutige Sichtweisen

In der heutigen Zeit stellt sich in Bezug auf die Nützlichkeit von Unterricht häufig die Frage, ob Lateinunterricht und das damit vermittelte Wissen im Leben sinnvoll und nutzbringend ist. Dieses Problem wird auch im Zeitungsartikel „Lateinkenntnisse – Für die Schule, nicht fürs Leben“, geschrieben von Nadine Bös und veröffentlicht am 24.06.2010 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, thematisiert.

Laut Bös gewinnt der Lateinunterricht an Beliebtheit, da die Anzahl der in Latein unterrichteten Schüler vom Schuljahr 2004/2005 von 7,7% bis zum Schuljahr 2008/2009 auf 9,3% angestiegen ist. Nichtsdestotrotz schreibt Bös, dass die Nützlichkeit des Latinums weiterhin umstritten ist und 95% aller befragten Konzerne, bis auf Bayer Leverkusen, Lateinkenntnisse in der Bewerbung nicht als notwendig ansehen. Im Folgenden führt Bös Argumente für und gegen den Lateinunterricht an und versucht so das Problem dem Leser näher zu bringen.

Bei einer weiteren Umfrage hat sich gezeigt, dass der Lateinunterricht einige positive Auswirkungen in Schlüsselqualifikationen, insbesondere in der Ausprägung von kognitiver Leistungsfähigkeit, hat. Diese positiven Auswirkungen können 59 % der Konzerne bestätigen. Latein gilt als Denkschule und man lernt das Erlernen sowie argumentative Fähigkeiten und die Kommunikation mit anderen. Wenn ein Schüler Latein gelernt hat, kann man im Allgemeinen über ihn aussagen, dass er über Lerndisziplin und eine humanistische Allgemeinbildung verfügt.

Im Gegensatz hierzu haben laut Nadine Bös universitäre Forschungen ergeben, dass der Lateinunterricht keine Vorteile für das logische Denken oder das Erlernen moderner Fremdsprachen mit sich bringt. Dieses hat laut Bös auch eine Studie gezeigt, wobei Schüler mit oder ohne Lateinkenntnisse spanisch gelernt und eine Prüfung absolviert haben. Das Ergebnis der Studie hat deutlich gezeigt, dass die Schüler, die zuvor Latein gelernt hatten, klar schlechter abgeschnitten haben und somit die Aussage, dass Latein Vorteile für das Erlernen moderner Fremdsprachen bringt, widerlegt ist.10

[...]


[1] siehe dazu: Drösser, C. (2. August 2001). www.zeit.de. (Z. Online, Hrsg.) Abgerufen am 01. September 2015 von http://www.zeit.de/2001/32/200132_stimmts_seneca.xml

[2] siehe dazu: Drösser, C. (2. August 2001). www.zeit.de. (Z. Online, Hrsg.) Abgerufen am 01. September 2015 von http://www.zeit.de/2001/32/200132_stimmts_seneca.xml

[3] siehe dazu: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfahlen. www.schulministerium.nrw.de. Abgerufen am 20. November 2015 von http://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Unterricht/Lernbereiche-und-Faecher/Fremdsprachen/Latein/#A_1;
www.news4teachers.de. (6. Oktober 2015). Abgerufen am 20. November 2015 von http://www.news4teachers.de/2015/10/altphilologen-sind-empoert-latein-verliert-in-der-lehrerausbildung-an-bedeutung/

[4] Vgl.: Res Romanae compact (1. Ausg.). (2010). Berlin: Cornelsen Verlag, Seite 144ff.

[5] Reynolds, L. D. (1965). L. Annaei Senecae ad Lucilium Epistulae Morales (Bd. 2). Oxford: Oxford University Press, Seite 447

[6] Vgl.: Apelt, O. (1993). Seneca Philosophische Schriften IV (Bd. 4). (Meiner, Hrsg.) Hamburg: Felix Meiner Verlag,

Seite 231

[7] Vgl.: Apelt, O. (1993). Seneca Philosophische Schriften IV (Bd. 4). (Meiner, Hrsg.) Hamburg: Felix Meiner Verlag

Seite 229ff.

[8] Vgl.: Apelt, O. (1993). Seneca Philosophische Schriften IV (Bd. 4). (Meiner, Hrsg.) Hamburg: Felix Meiner Verlag,

Seite 229 bis Seite 231

[9] Vgl.: Apelt, O. (1993). Seneca Philosophische Schriften IV (Bd. 4). (Meiner, Hrsg.) Hamburg: Felix Meiner Verlag, Seite 231f.; Vgl.: Arbeitsübersetzung

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Latein lernen. Für die Schule oder fürs Leben?
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V355175
ISBN (eBook)
9783668415829
ISBN (Buch)
9783668415836
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Latein lernen, Schule, Fremdsprache, Latein, Lateinkenntnisse, Seneca, Lucius Annaeus Seneca, epistulae morales 106, Mit dem Latein am Ende, Warum heute noch Latein?
Arbeit zitieren
Stephan Nabbefeld (Autor), 2015, Latein lernen. Für die Schule oder fürs Leben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355175

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