Die Niltheorien in der antiken Welt. Herodot und Gegenpositionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

18 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wer war Herodot?
2.1 Sein Leben
2.2 Sein Werk „Die Historien“

3. Die Niltheorien
3.1 Theorie der Nilschwemme bei Herodot
3.2 Die Nilquellen
3.2.1 Die Quellen des Nils bei Herodot
3.2.2 Die Quellen des Nils bei Eratosthenes und Strabon

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das heutige Interesse an der Kultur Altägyptens ist nicht erst durch die Napoleonexpedition nach Ägypten vor über 155 Jahren entstanden. Weit vor Napoleon hat sich die wissenschaftliche Welt des Abendlandes mit dem Land der Hieroglyphen und Pyramiden auseinandergesetzt.[1] Einer der ersten, welcher die Kultur, Geographie und Herrscher Ägyptens näher beleuchtet hat, war Herodot von Halikarnassos. Er bringt in seinem Werk (die „Historien“) jenes Land mit dieser unglaublichen Kultur und Faszination näher. Herodot soll um 450 v. Chr. Ägypten bereist haben. Seine wissenschaftliche Methode, also wie er uns von Ägypten berichtet, ist hierbei vor allem seine eigene Beobachtung. In der Fachliteratur meist als „Autopsie“ bezeichnet. Aber auch mündliche Quellen dienen als Werkzeug für die Darstellung Ägyptens. Dabei erzählt er die gehörten Geschichten von beispielsweise Gewährsmännern oder auch Priestern nach. Herodot lässt diese Darstellungen meist nicht einfach ohne Anmerkungen. Er kritisiert und gibt andere Ansichten auf jene Betrachtungsweisen. Im Fokus seiner Erzählungen über das altägyptische Land stehen die Herrscher, die Sitten und Bräuche aber auch geographische Beschreibungen. Ein Thema mit dem sich Herodot intensiv beschäftigt ist der Nil. Für ihn „[...]sind die Gebiete Ägyptens, die von Griechen zu Schiff besucht werden, Neuland und ein Geschenk des Stromes.[...]“[2] Lebensnotwendig war und ist der Nil für das Land. Er entscheidet über fruchtbare Jahre. Durch die jährlichen Überschwemmungen brachte der Nil fruchtbaren Nilschlamm, welcher das sonst trockene Land wirtschaftlich machte. Aber auch das Leben der alten Ägypter bestimmte der Nilus. Er wurde von den Menschen dieser Zeit untersucht und studiert. Viele Dörfer befanden sich am Nil, da die Wasserversorgung exzellent war. Aber auch als Hauptverkehrsader diente er. Man kann sagen, dass dieser Strom, den Lebensrhythmus der Menschen bestimmte und daher von enorm wichtiger Bedeutung für das Land war.[3]

Für Herodot waren insbesondere die Fragen nach den Quellen des Nils und die Klärung der jährlichen Überschwemmungen (auch Nilschwemme) von zentraler Bedeutung. Was erfahren wir über die Nilüberschwemmungen? Wo lokalisiert Herodot und andere Geographen die Quellen des Nils und welche Motivation hatten die Menschen damals diese Fragen zu beantworten? Diese Forschungsfragen sollen Kern dieser Arbeit sein. Weiterhin sollen die Aussagen Herodots gewertet werden und sein wissenschaftliches Vorgehen immer wieder aufgegriffen werden.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Person Herodotos von Halikarnassos vorgestellt, sein Leben und sein Werk die „Historien“ stehen dabei im Mittelpunkt. Dies dient dazu, die Thematik zu umreißen und einzuleiten. Im Hauptteil dieser Arbeit sind dann die Niltheorien Herodots und die Quellen des Nils bei Eratosthenes und Strabon von zentraler Bedeutung. Abschließend soll ein prägnantes Fazit gezogen werden, in dem die begleitenden Forschungsfragen noch einmal aufgegriffen werden.

Zur aktuellen Forschungssituation ist zu erwähnen, dass Herodot schon immer ein Teil historischer Diskussionen war. Nicht umsonst wird er als erster Geschichtsschreiber bezeichnet. Die Frage nach den Quellen des Nils und die Ursache der Überschwemmungen ist gewiss bis heute geklärt. Im Zuge dieser Arbeit ist es deshalb umso interessanter zu sehen, welche Theorien es im 5. Jahrhundert v. Chr. gab. Vor allem Reinhold Bichler hat sich mit den Quellen Herodots beschäftigt und dient in dieser Arbeit mit seinen Werken: „Herodot“ und „Herodots Welt“ dazu jene Fragen zu beantworten.

2. Wer war Herodot?

Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Person Herodot von Halikarnassos im Fokus stehen, insbesondere dessen Leben und sein Werk die „Historien“. Im Folgenden wird kurz auf sein Leben eingegangen. Wichtige Eckdaten, sowie von ihm vorgenommene Erkundungen sollen grob skizziert werden. Im zweiten Abschnitt gilt es, Herodots Lebenswerk vorzustellen. Motivation, grober Aufbau und Inhalte der „Historien“ werden hierbei angesprochen, welche Gegenstand dieses Passuses sind.

2.1 Sein Leben

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Person Herodots von Halikarnassos. Insbesondere liegt nun das Augenmerk auf seinem Leben und seinem Werk die „Historien“.

Herodotos, der „Vater der Geschichte“[4], lebte von circa 485 – 424 v. Chr.[5] und stammte aus Halikarnassos, heute unter dem Namen Bodrum bekannt, welches sich im Südwesten Kleinasiens befindet. Er war ein Halikarnassier dorischen Geblüts, seine Bildung jedoch war ionisch. Daraus resultierend, bekam er den Antrieb von seinen eigenen Augen und Ohren Gebrauch zu machen, um sich eine eigene Erkundung zu verschaffen.[6] Herodot wuchs in einer Landschaft auf, in welcher Orient und Occident aneinanderstießen, die Kulturen sich vermischten. Das Griechische stand neben dem Ägyptischen, Persischem und bylonischem. Er hat die Kulturen dieser Völker studiert und berichtet in seinem Werk darüber. Dies könnte ein Hinweis für seine orientalische Erzähllust sein, „denn durchweg ist er ebensosehr Fabulierer wie Wissenschaftler“[7].

Der Name seines Vaters war Lyxes und seines Onkels, Panyassis, welcher als berühmter Epiker bekannt war. Wegen des gescheiterten Versuchs Lygdamis, einen Tyrannen, zu stürzen, flüchtete Herodotos auf die griechische Insel Samos, auf der er einige Zeit verweilte. Nach Hause zurückgekehrt, war er maßgeblich 454 v. Chr. am endgültigen Sturz des erwähnten Tyrannen beteiligt. Aufgrund von Diskrepanzen mit seinen Mitbürgern, verließ er seine Heimat für immer und wanderte in die 444 v. Chr. gegründete panhellenische Kolonie Thurioi aus.[8] Herodot hielt in Athen öffentliche Vorlesungen aus seinem Werk. Weiterhin fand er dort auch Zutritt zum Kreis des Perikles und freundete sich mit Sophokles an. Dieser nahm mehrfach Bezug auf Herodots Werk.

Beim Ausbruch des Peloponnesischen Krieges war Herodot 53 Jahre alt. Er erlebte jedoch nur noch die ersten Jahre des Krieges. (Quelle)

Herodotos unternahm lange Reisen, wie ins Schwarzmeergebiet, das Stanquartier Olbia, von wo aus er weiter auf den Hypanis reiste, aufwärts ins Skythenland. Dabei lernte er insbesondere die südliche Schwarzmeerküste, Makedonien und Thrakien kennen. Eine weitere erwähnenswerte Reise, welche im Kontext dieser Arbeit steht, unternahm er nach Ägypten bis Elephantine und dem ersten Nilkatarakt. Von Ägypten aus ging es bis nach Kyrene. Ein Beweis für seinen Aufenthalt in Kyrene liefert Herodot selber:

„Von Männern aus Kyrene hörte ich noch folgendes: Sie kamen zum Orakel des Ammon und hatten mit Etearchos, dem König der Ammonier, ein Gespräch.[...]“[9].

Außerdem gelangte Herodot nach Tyros, in den vorderen Orient, zum Euphrat und nach Babylon. Das eigentliche Persien erreichte er jedoch nicht. In den gesamten griechischen Siedlungsraum (in das Mutterland selber, Kleinasien, die Magna Graecia und Sizilien) ist er vorgedrungen.[10]

2.2 Sein Werk „Die Historien“

Mit den Historien hat Herodot ein Werk von besonderer Wirkung und erstaunlicher Größe hinterlassen. Kein Autor des Altertums hat sich durch sein Werk so dem Auftrag verschrieben, der Nachwelt eine Sammlung von der Vorstellung der ganzen Welt in ihrer Vielfalt zu geben, als es Herodot getan hat. Sei es der Lebensraum der Völker, mit ihren eigenartigen Sitten und Kulturen, den Taten einzelner Personen und Gemeinschaften oder aber auch die Beschaffenheit der Umwelt, in denen sich diese Völker aufhielten und lebten.[11] Um die Motivation Herodots zu seinem Werk herauszufinden, gilt es den ersten Passus seiner Historien zu betrachten:

„Herodot aus Halikarnaß veröffentlicht hiermit seine Forschung, auf daß die menschlichen Werke bei der Nachwelt nicht in Vergessenheit geraten, und damit große und wunderbare Taten der Griechen und der Barbaren nicht ohne Gedenken bleiben. Vor allem aber soll man erfahren, warum sie gegeneinander zum Kriege schritten.“[12]

Also lag der Antrieb für sein Werk augenscheinlich darin, dass er der Nachwelt etwas hinterlassen wollte. Zukünftige Generationen sollten auch später noch an die Kriege und einzigartigen Völker aus der Vergangenheit erinnert werden. Sein Werk ist vollständig erhalten und ist in neun Bücher unterteilt. Diese Zahl soll angeblich auf die neun Musen verweisen und somit den poetischen Charakter des Werkes ausdrücken.[13] Neben einzelnen geschichtsträchtigen Personen, wie Kroisos oder Dareios, füllte Herodot seine Historien mit geographischem, ethnographischem und historischem Material in „Gestalt kleinerer und größerer Exkurse.“[14] Dabei stellte Herodotos einzelne Völker vor. Er erwähnt die Völker hierbei immer dann, wenn sie in Berührung mit der erobernden Macht Persiens in Berührung kamen. Dagegen schilderte er die Geschichte des griechischen Mutterlandes (insbesondere Athen und Sparta) in „aufeinander abgestimmten Partien“.[15] Ein weiterer Schwerpunkt, welchen Herodot setzt, ist die Schilderung des großen Perserkrieges, welcher in Form einer Parallelerzählung dargestellt wird. Darunter kann verstanden werden, dass er die Vorgänge auf der einen Seite, wie auf der anderen Seite im Wechsel erzählt, bis es zum Zusammenstoß beider Kriegsparteien kommt.[16] Weiterhin ist zu sagen, dass Herodot in seinen Erzählweisen literarische Quellen (z.B. Hekataios), Dichtungen, Inschriften aber auch Autopsien benutzt. Mit Autopsie ist die reine Beobachtung und das eigene Erleben gemeint. In historischen Abschnitten seines Werkes bezieht er sich auf „oral tradition“, was bedeutet, dass er auf Meinungen und Berichte anderer Leute vertraute, welche er als „kundig“ erachtete. Dies waren beispielsweise Priester, anonyme Bewohner von Ländern, wie die Ägypter, Karthager und Skythen. Herodot bedient sich außerdem von Aussagen gewisser Stadtbewohner (die Athener, die Kyrenaier und die Korinther).[17]

Demnach kann festgehalten werden, dass Herodot in seinen historischen Erzählweisen sehr variabel war und keine klare Linie verfolgte. Aufgrund seines Lebenswerkes ist es erforderlich, Herodot als ersten Geschichtsschreiber der Antike zu bezeichnen. Er gilt als Schöpfer des ersten zusammenhängenden Geschichtswerkes. Herodot hielt nicht nur die Vergangenheit in seinem Werk fest, sondern ließ auch philosophische und künstlerische Aspekte mit einfließen. Daher sind die Bücher weniger wissenschaftlicher Natur, sondern mehr philosophischer Beschaffenheit. Aus diesem Grund wird er oft in der Forschung kritisiert. Ihm wird vorgeworfen, dass er kein gesundes Maß zwischen Realität und Unwirklichkeit gefunden hat, also zwischen Wissenschaft und Mythen. Daher gibt es in der historischen Forschung oft widersprüchliche Meinungen, ob die Historien für uns wirklich wertvoll als Quelle sind. Jedoch muss die Leistung Herodots hoch anerkannt werden, da er ohne nennenswerte schriftliche Quellen, teils nur durch mündliche Überlieferungen so eine wissenschaftlich wertvolle Schrift geschaffen hat.[18] Sein methodisches Prinzip lautet daher, dass er Erzähltes wiedergeben will, jedoch muss Herodot nicht alles für die Wahrheit befinden, dies zeigt folgende Textstelle:

„Doch es ist meine Pflicht, alles wiederzugeben, was erzählt wird. Freilich brauche ich nicht alles zu glauben. Die hier geäußerte Auffassung gilt für mein ganzes Geschichtswerk. [...]“[19]

Dies soll zunächst einmal zum Leben und Herodots Werk genügen. Das Ziel war eine kurze Übersicht und einen passenden Übergang zum Kern dieser Arbeit zu schaffen.

[...]


[1] Vgl. Lüdeckens, Erich, Herodot in Ägypten, in: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Bd. 104 (1954), Leipzig 1847, S. 330.

[2] Herodot, Historien, II, 5.

[3] Vgl. Gall, Kirsten, Ägypten. Geschenk des Nils, in: <<http://www.aegypteninfo.de/>>, aufgerufen am 07.09.2016.

[4] Cicero, De legibus I, 1, 5.

[5] Cancik, Hubert/ Schneider, Helmuth (Hrsg.), Der Neue Pauly. Einzyklopädie der Antike, Bd. 5, Stuttgart 1999, S. 469.

[6] Vgl. Schadewaldt, Wolfgang, Herodot als erster Historiker, in: Marg, Walter (Hrsg.), Herodot. Eine Auswahl aus der neueren Forschung, Darmstadt 1962, S. 109.

[7] Herodot, Historien I-V, übersetzt von Walter Marg, München 1991, S. 3.

[8] Vgl. Cancik, Der Neue Pauly, S. 469.

[9] Herodotus, Historien, II, 32.

[10] Vgl. Cancik, Der Neue Pauly S. 470.

[11] Vgl. Bichler, Reinhold/ Rollinger, Robert, Herodot, Hildesheim 2001, S. 11.

[12] Herodotus, Hist, I, Vorwort.

[13] Vgl. Bichler, Herodot, S. 13.

[14] Cancik, Der Neue Pauly, S. 471.

[15] Ebd..

[16] Vgl. Ebd..

[17] Vgl. Ebd..

[18] Vgl. Ebd..

[19] Hdt, Hist, VII, 152.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Niltheorien in der antiken Welt. Herodot und Gegenpositionen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V355194
ISBN (eBook)
9783668423619
ISBN (Buch)
9783668423626
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
niltheorien, welt, herodot, gegenpositionen
Arbeit zitieren
Sascha Weidenbach (Autor), 2016, Die Niltheorien in der antiken Welt. Herodot und Gegenpositionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355194

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