Schon seit längerem befasse ich mich gerne mit lyrischen Texten und vor kurzem bin ich auf Johann Wolfgang von Goethes Werk „West-Östlicher Divan“ gestoßen. Es ist eine Gedichtsammlung, in der zahlreiche von ihm verfasste Gedichte über den Islam enthalten sind. Ich las es mit großer Neugier, da ich zuvor überhaupt kein Wissen über Goethes Auseinandersetzung mit der östlichen Welt hatte. Seine Ausdrucksweise, die Wortwahl und die Zusammensetzung der Gedichte haben mich sehr fasziniert. Zudem fühle ich mich mit diesen „verbunden“: Die Inhalte mancher Gedichte im West-Östlichen Divan sind meinem Alltag sehr nah. Er beschreibt an einigen Stellen muslimische Gedanken, mit denen ich mich identifizieren kann.
Ich habe mich mit mehreren Internetquellen befasst und habe diverse Ansichten und Meinungen gelesen, sowohl positive als auch negative. Es kam im Netz sogar bis zu Fragen, wie, ob Goethe Muslim war, worauf viele Antworten kamen, in denen die Personen versuchten so zu argumentieren, wie sie es lieber wahrhaben wollen. Ein Muslim, der Goethe zum Glaubensbruder, zum Muslim, ernennt, während ein Atheist und ein Christ das Ganze widerstreiten. Doch wie sieht die Wahrheit wirklich aus? Wie steht der Dichter Goethe zu Religionen? Zu welcher fühlte er sich hingezogen? Und was war überhaupt genau die Verbindung zwischen ihm und dem Osten? Was steckt hinter der Entstehungsgeschichte des West-Östlichen Divan und wen hat er damit noch zu neuen Werken und Gründungen inspiriert?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. 1. Darstellung des eigenen Interesses
1. 2. Entwicklung einer Forschungsfrage
2. Goethes Biografie
3. Goethes Bezug zu Religionen
3.1. Christentum
3.2. Islam
4. Hafis‘ Biografie
5. West-Östlicher Divan
5. 1. Entstehung
5. 2. Beschreibung und Interpretation des Buchcovers
6. Das Goethe-Hafis-Denkmal
7. Muhammed Iqbal: Botschaft des Ostens
8. Gründungen nach Goethe und Hafis
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Johann Wolfgang von Goethe zum Orient und zum Islam, insbesondere unter Berücksichtigung seines Werkes „West-Östlicher Divan“ und dessen Verbindung zur Dichtung des persischen Mystikers Hafis. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob Goethe zu seiner Lebzeit „zwischen zwei Welten“ schwebte und wie seine interkulturelle Offenheit literarisch sowie ideell Ausdruck fand.
- Die Biografie Goethes im Hinblick auf seine religiöse Entwicklung.
- Die Auseinandersetzung Goethes mit Christentum und Islam.
- Die literarische Bedeutung von Hafis und dessen Einfluss auf Goethe.
- Die Entstehungsgeschichte und Symbolik des „West-Östlichen Divan“.
- Die Rezeption durch Muhammad Iqbal und das Goethe-Hafis-Denkmal.
Auszug aus dem Buch
3. 2. Islam
Was eher weniger bekannt ist, dass Goethe ein positives Bild zum Islam hatte. Sein Interesse am Islam wurde wissenschaftlich dargestellt. Er schuf eine ideale Grundlage für einen Dialog zwischen dem Orient und dem Okzident. Es begann schon im Jahre 1772: Als 23-Jähriger schrieb Goethe ein Preislied für den Propheten Muhammed. Für diese Dichtung machte er von seinen eigenen Koranauszügen Gebrauch. Die nach seinem besonderen Interesse ausgewählten Auszüge entnahm er der deutschen Übersetzung des Korans von David Friedrich Megerlin, Frankfurter Gymnasialprofessor. Da Prophet Muhammed eben Prophet und nicht Poet war, nahm es Goethe als göttliches Gesetz und nicht etwa als menschliches Buch an. Der Koran lehrt, dass Menschen als Beweis göttlicher Gesetze die Natur in allen ihren Phänomenen betrachten sollen. Mit dieser Wahrnehmung sieht man das Reichtum der Natur und genau diese Vorstellung fand Goethe überzeugend, denn wie man zum Beispiel an seiner italienischen Reise oder seiner Reise nach Straßburg erkennt, offenbart sich auch für ihn das Göttliche in der Natur. „Ich möchte beten wie Moses im Koran. Herr mache mir Raum in meiner engen Brust“, notierte er noch im selben Jahr in einem Brief an Herder. Interessant ist hier, dass der zweite Satz ein Vers aus dem Koran ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das persönliche Interesse an Goethes Werk und entwickelt die zentrale Forschungsfrage nach Goethes Verbundenheit mit dem Orient.
2. Goethes Biografie: Ein biografischer Abriss des Lebens Johann Wolfgang von Goethes, von der Kindheit in Frankfurt bis hin zu seinem Wirken in Weimar.
3. Goethes Bezug zu Religionen: Untersuchung von Goethes religiöser Entwicklung, wobei die Auseinandersetzung mit dem Christentum und dem Islam im Zentrum steht.
4. Hafis‘ Biografie: Darstellung des Lebens und Schaffens des persischen Dichters und Mystikers Hafis als prägende Figur für das Werk Goethes.
5. West-Östlicher Divan: Analyse der Entstehung des Werkes sowie eine detaillierte Interpretation des Buchcovers unter Einbeziehung farbpsychologischer Aspekte.
6. Das Goethe-Hafis-Denkmal: Erläuterung der Bedeutung und Entstehung des Denkmals in Weimar als Symbol für den interkulturellen Dialog.
7. Muhammed Iqbal: Botschaft des Ostens: Beschreibung des Einflusses von Goethe und der deutschen Philosophie auf das Wirken des Philosophen Muhammad Iqbal.
8. Gründungen nach Goethe und Hafis: Aufzeigen, wie das Verhältnis von Goethe und Hafis auch in der Moderne in kulturellen Initiativen fortlebt.
9. Schluss: Fazit der Arbeit, das Goethes Offenheit bestätigt und die bleibende Relevanz seines interkulturellen Ansatzes betont.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Hafis, West-Östlicher Divan, Islam, Christentum, Orient, Okzident, interkultureller Dialog, Dichtung, Mystik, Weltliteratur, Muhammad Iqbal, Buchcover, Symbolik, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung Goethes mit der östlichen Kultur, insbesondere dem Islam, und seiner literarischen und persönlichen Verbindung zu dem persischen Dichter Hafis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die religiöse Entwicklung Goethes, die literarische Analyse des „West-Östlichen Divans“ sowie die kulturellen Brückenschläge zwischen Orient und Okzident.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob Goethe zu seiner Lebzeit „zwischen zwei Welten“ schwebte und wie er das Verhältnis zwischen Orient und Okzident in seinem Werk und Leben gestaltete.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Untersuchung von Biografien, Briefen und Gedichtinterpretationen, um Goethes Denkweise und kulturelle Offenheit nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt Goethes Biografie, seine Auseinandersetzung mit Religionen, das Leben des Dichters Hafis, die Entstehung des Divans und dessen Rezeption durch spätere Denker wie Muhammad Iqbal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Goethe, Hafis, West-Östlicher Divan, Islam, Interkulturalität und Weltliteratur charakterisiert.
Warum spielt der „West-Östliche Divan“ eine so zentrale Rolle?
Das Werk gilt als Paradebeispiel für die Vermittlung zwischen den Kulturen und zeigt Goethes Vertrautheit mit der östlichen Gedankenwelt, die er meisterhaft mit der abendländischen Literatur verknüpfte.
Wie interpretiert der Autor das Buchcover des Divans?
Das Cover wird als ein Rot-Grau-Kontrast gedeutet, wobei die Granatapfel-Symbolik für die Begegnung interkultureller Menschen und das „göttliche Feuer“ als Metapher für Toleranz und Erleuchtung steht.
Welchen Einfluss hatte Hafis konkret auf Goethe?
Hafis inspirierte Goethe maßgeblich, da dieser in ihm einen Seelenverwandten sah und sich durch die persische Poesie angeregt fühlte, sich intensiv mit dem Islam und der östlichen Kultur zu befassen.
- Arbeit zitieren
- Amine-Nur Yazici (Autor:in), 2016, "West-Östlicher Divan" von Johann Wolfgang von Goethe. Wie steht der Dichter zu Religionen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355385