Eine linguistische Analyse des Français Québécois


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Geschichte Québecs
2.1 Erste Aufzeichnungen Québecs
2.2 Kolonialzeit unter den Briten
2.3 Beginnende Umstrukturierung Kanadas
2.4 Das heutige Québec

3. Qualität des Français Quebecois

4. Linguistische Analyse des Français Québécois
4.1 Syntax
4.2 Morphologie
4.3 Phonetik
4.3.1 Vokale
4.3.2 Konsonanten
4.4 Lexikologie
4.4.1 Archaismen
4.4.2 Lehnwörter durch indigene Bevölkerungen Nordamerikas
4.4.3 Anglizismen

5. Schlussteil

Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Als frankophoner Mensch ermöglicht mir die französische Sprache die Verständigung in einer Vielzahl an Ländern und Orten der Erde, da sie eine sehr weit verbreitete Sprache ist. Sie wird nicht nur in ihrem Mutterland Frankreich gesprochen, sondern auch in vielen seiner Departements. Zählt man die Varietäten des Französischen dazu, so wird es sogar über diese Grenzen hinaus gesprochen. Eine dieser französischsprachigen Regionen ist die Provinz Québec in Kanada. Durch eine Reise, welche ich kürzlich nach Québec unternommen habe, kam ich in den direkten Kontakt mit dem Français Québécois. Unterschiede in der Phonetik und Lexik gegenüber dem Standardfranzösischen führten während meines Aufenthalts wiederholt zu unerwarteten Verständnisproblemen. Inspiriert durch diese Erfahrung, möchte ich mich mit dem Français Québécois verstärkt auseinandersetzen und mich in der vorliegenden Hausarbeit näher mit dem gesprochenen Französisch in dieser Region beschäftigen.

Québec ist eine Region im Osten Kanadas, welche den größten frankophonen Bevölkerungsanteil des Landes hat und in der Französisch die Amtssprache ist. Sie hat eine Fläche von 1,5 Millionen km², mehr als doppelt so groß wie Frankreich, und ist mit nur 7,5 Millionen Menschen im Vergleich zu Frankreich (65 Millionen Einwohner) sehr dünn besiedelt (Hansmeier & Hoffmeister, 2006, S. 346-347). Interessant ist, dass die Region seit Jahrhunderten von anglophonen Gebieten umringt ist und allerlei politische Veränderungen überstanden hat. Trotz alledem hat sich in ihr, sowie in Ontario und einigen anderen westlichen Provinzen Kanadas, die französische Sprache bewahren können.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich das Français Québécois analysieren, seine Besonderheiten darstellen und Unterschiede zum Standardfranzösisch aufzeigen. Dafür werde ich zuerst die geschichtliche Entwicklung Québecs erzählen, um aufzuzeigen wie viele unterschiedliche Einflüsse in den letzten Jahrhunderten auf die Sprache und Kultur Québecs gewirkt haben und damit ihre Spuren im Français Québécois hinterlassen haben. Anschließend möchte ich auf Besonderheiten in den Bereichen der Morphologie, Lexikologie, Syntax und Phonetik des Français Québécois eingehen.

2. GESCHICHTE QUÉBECS

2.1 ERSTE AUFZEICHNUNGEN QUÉBECS

Historiker sind sich heute einig, dass die Wikinger die ersten Entdecker Nord-Amerikas waren. Nach Ihnen setzten einige Europäer, wie Giovanni Verrazano und Giovanni Caboto, ihre Füße auf den damals unbekannten neuen Kontinent (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 17). Doch erste Aufzeichnungen über die Region des heutigen Québecs finden sich erst in den Annalen von Francois I (1515-1559), der eine Expedition in diese Region veranlasste. Er schickte Jacques Cartier um für ihn Reichtümer im Norden Amerikas zu finden. Dies führte jedoch zu keiner Besiedlung, sondern lediglich zur ersten Entwicklung des Pelzhandels (Wolf, 1987, S. 1).

Erst unter König Henri IV (1589-1610) gelangte erneut ein französischer Forschungsreisender nach Kanada. Samuel de Champlain gilt als der Begründer Neufrankreichs, denn er erreichte 1603 das heutige Kanada und gründete 1608 die Stadt Québec, welche die Hauptstadt der Kolonie Neufrankreichs ist (Wolf, 1987, S. 2). Einblick in die zur damaligen Zeit in Neufrankreich gesprochene Sprache erhält man durch einige Missionsgeschichten der Kirche, welche damals missionarische Tätigkeiten verübte, und durch einen lateinischen Brief aus dem Jahre 1651 von Simon Denys. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht handelt es sich dabei nicht um einen Dialekt des französischen, sondern um die "Pariser Koiné" des 17. und 18. Jahrhunderts (Hoerkens, 1998, S. 8).

Doch Neufrankreich wurde nicht von kriegerischen Konflikten verschont. So gab es Kampfhandlungen mit den Irokesen (einem Indianerstamm) und den Engländern. Die Engländer besetzten Québec zwischen 1629 und 1632. Die Irokesen wurden endgültig durch die Hilfe französischer Truppen 1665 besiegt. Ein Waffenstillstand wurde jedoch erst 1701 erreicht (Wolf, 1987, S. 2-3).

Im Laufe der Zeit breiteten sich die Grenzen von Neufrankreich weiter aus. Der Vertrag von Utrecht im Jahre 1713 setzte dem allerdings ein Ende, da einige Gebiete wie die Hudsonbai, Neuschottland und die Neufundlandinseln an England abgegeben wurden (Corbett, 1993, S. 129).

Da die englischen Atlantikprovinzen Neufrankreich demographisch überlegen waren, schafften es die Engländer mithilfe einer starken Seemacht Québec 1759 einzunehmen. Im Jahre 1763 wurde der Pariser Frieden beschlossen, in Folge dessen Québec an Großbritannien übergeben wurde (Wolf, 1987, S. 5-6). Alle Franzosen hatten jedoch das Recht, das Land zu verlassen und dies führte zur Auswanderung eines großen Teiles der frankophonen Bevölkerung (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 20)

2.2 KOLONIALZEIT UNTER DEN BRITEN

Québec wurde in den darauffolgenden Jahren von Großbritannien regiert und war dementsprechend von seinem Mutterland Frankreich isoliert. Großbritannien versuchte die französischsprachige Bevölkerung zu assimilieren, scheiterte jedoch an diesem Versuch. Um Aufstände der Quebecer zu verhindern, verabschiedete das britische Parlament im Jahr 1774 den Québecer Act. Dieser garantierte den Quebecern eine freie Ausübung ihrer Religion und Sprache (Sautter, 2000, S. 28).

Doch die Provinzgrenzen hatten sich stark verändert, was zu einem Aufstand der 13 Atlantikkolonien führte und 1775 letztendlich in einer Revolution endete. Die Invasion Québecs konnte 1776 jedoch zurückgeschlagen werden. Dies führte zur dauerhaften Vertreibung der Amerikaner (Sautter, 2000, S. 29-30).

In Folge dessen flohen viele Loyalisten aus Groß Britannien, jedoch nicht nach Québec, sondern ins britische Nordamerika. Dieser Zuwandererstrom blieb über viele Jahre erhalten, sodass sich im Norden die Englischsprachigen Loyalisten niederließen und im Süden die frankophone Bevölkerung (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 21). Deshalb verabschiedete das britische Parlament im Jahr 1791 den Constitutional Act, der die Region Québec in das englischsprachige Upper Canada und das französischsprachige Lower Canada unterteilte (Sautter, 2000, S. 31). Zwei Jahre später im Jahr 1793 wurde Englisch als einzige offizielle Sprache des Parlaments festgelegt. Letztendlich hat diese Veränderung, sowie die Einführung des Constitutional Acts, zur Folge, dass die frankophone Bevölkerung Kanadas angefangen hat, sich als unterschiedlich zu den anglophonen Kanadiern zu fühlen (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 22).

2.3 BEGINNENDE UMSTRUKTURIERUNG KANADAS

Die Unterteilung in Upper und Lower Canada wurde mit dem Acte d'Union im Jahr 1840 wieder aufgehoben. Zeitgleich wurde Englisch verbindlich als Amtssprache festgelegt (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 22). Dieser Umstand war jedoch nur bis 1848 gültig, als der Artikel 41 aufgehoben wurde und damit der Bilingualismus wieder gefördert wurde (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 23).

Die Umstrukturierung Kanadas ging kontinuierlich weiter, sodass im Jahr 1867 der British Northern America Act beschlossen wurde. Dieser unterteilte den Staat Kanada in mehrere Provinzen. So wurde aus Upper Canada die Provinz Ontario und aus Lower Canada Québec (Sautter, 2000, S. 62). Die Stadt Ontario wurde zur Hauptstadt und konzentrierte die Staatsmacht (Hamelin & Provencher, 1997, S. 71). Doch für die Sprachentwicklung in Kanada gab es noch eine weitere sehr wichtige Änderung. Québec wurde zu einem bilingualen Staat. Offizielle Regierungsdokumente mussten von nun an in Englisch, sowie in Französisch verfasst werden (Hamelin & Provencher, 1997, S. 71). Dies repräsentierte wieder vermehrt die demographische Beschaffenheit Québecs, da von den 1,1 Millionen Einwohnern 75% frankophon waren (Hamelin & Provencher, 1997, S. 73).

Im weiteren Verlauf der Geschichte annektierte Kanada weitere Territorien, wodurch sich die Fläche Québecs weiter vergrößerte (Sautter, 2000, S. 65-66). Unter der Führung von Maurice Duplessis formierte sich die Partei Union Nationale. Diese kämpfte für die frankokanadische Bevölkerung und deren Souveränität (Sautter, 2000, S. 84-85). Nach seinem Tod, wurde dieser Kampf wurde von Jean Lasage und der Partei Parti libéral du Québec fortgeführt. 1960 kam sie an die Macht und es wurden erste Reformen eingeführt (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 24). Es folgte die Modernisierung des Landes welche in den Geschichtsbüchern als die Stille Revolution verewigt ist (Reinke & Ostiguy, 2016, S. 25).

2.4 DAS HEUTIGE QUÉBEC

Mit der Stillen Revolution kam auch der nationalistisch geprägte Aufstieg der Region Québecs. Vermehrt kam der Wunsch einer Abtrennung Québecs vom restlichen Kanada. Radikalisten formierten sich unter dem Banner von René Lévesque und seiner Parti Québécois und es gab vereinzelte Bombenanschläge, um die Abspaltung Québecs als autonome Region zu einzufordern (Sautter, 2000, S. 100). Um der Forderung entgegenzukommen wurde 1969 der Official Languages Act verabschiedet. Dieser forderte unter Anderem englische und französische Sprachkenntnisse für Bundesbedienstete (Sautter, 2000, S. 102).

Die Etablierung der französischen Sprache in Québec wurde immer weiter vorangetrieben. Im Jahr 1974 wurde das Lois sur la langue officielle verabschiedet. Dieses machte Französische zur offiziellen Sprache der Administration und Arbeit, auch wenn offiziell immer noch Bilingualität herrschte (Sautter, 2000, S. 104).

Der letzte Schritt zur Etablierung der französischen Sprache und Aufhebung der Bilingualität in Québec erfolgte kurze Zeit später im Jahr 1977. Das Gesetz 101 mit dem Namen Charte de la langue française wurde eingeführt. Dieses machte Französisch zur alleinigen Amtssprache. Desweiteren wurde der englischsprachige Unterricht fast abgeschafft. Kinder dürfen nur noch englischsprachigen Unterricht erhalten, wenn schon die Eltern anglophon in Québec erzogen wurden (Sautter, 2000, S. 104).

3. QUALITÄT DES FRANÇAIS QUEBECOIS

Erste Zeugnisse über die Qualität des gesprochenen und geschriebenen Französischs in Québec finden sich in den Briefen von Simon Denys. Dieser vermerkte, dass es sich um eine elegante Sprache handelt und diese der Qualität des Französischs in Paris gleichkommt (Wolf, 1987, S. 8). Dieser Eindruck wird durch Louis Franquet gestärkt, welcher dem Français Québécois eine Reinheit attestiert und es sogar als noch freundlicher als das Standardfranzösisch beschreibt. Desweiteren vermerkt er, dass die Aussprache ohne hörbaren Akzent ist (Wolf, 1987, S. 8).

In Bezug auf eine Akzentfreie Sprache lassen sich noch weitere Quellen finden, die dies bestätigen, wie zum Beispiel Xavier de Charlevoix oder Claude Charles Le Roy (Wolf, 1987, S. 9-10).

Es existieren demnach Zeugnisse aus dem 17. Jahrhundert, die belegen, dass es sich im Français Québécois nicht um einen Dialekt oder eine Mundart handelt, sondern um ein Französisch, welches dem in Paris zur gleichen Zeit in nichts nach steht (Wolf, 1987, S. 12).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Eine linguistische Analyse des Français Québécois
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für romanische Philologie)
Veranstaltung
Varietätenlinguistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V355450
ISBN (eBook)
9783668413313
ISBN (Buch)
9783668413320
Dateigröße
1201 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
quebec, canada, kanada, francais, quebecois, varietäten, linguistik, französisch, france, vergleich, analyse, montreal, geschichte, qualität, syntax, morphologie, phonetik, vokale, konsonanten, lexikologie, archaismen, lehnwort, lehnwörter, anglizismen, frankreich
Arbeit zitieren
Benjamin Dorschel (Autor), 2017, Eine linguistische Analyse des Français Québécois, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355450

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