Die Diskussion um die Entstehung und Verbreitung von Anglizismen ist sicher nicht nur im Bezug auf die französische Sprache ein Thema. Auch die deutsche Sprache hat mit diesem Phänomen zu „kämpfen“ und sie steht nicht allein.
Die Provinz Québec befindet sich aber anders als Deutschland oder Frankreich in einer besonderen geographischen und sprachlichen Situation. Der anglophone Einfluss stammt nicht nur vom Nachbarland her, nein, Québec stellt sozusagen eine frankophone Insel in einem anglophonen Meer dar. Dementsprechend größer ist der Einfluss des Englischen, der auf das Französische in Québec einwirkt.
Obwohl mit der „Loi 101“, der „Charte de la Langue Française“, Québec seit 1977 offiziell zu einem einsprachig französischen Territorium erklärt worden ist, fordert die in der Provinz lebende anglophone Minderheit mehr sprachliche Rechte.
Im ersten Teil meiner Hausarbeit möchte ich klären, wie in Québec mit dem Englischen umgegangen wird. Dazu werde ich exemplarisch auf einige Punkte in der „Charte de la Langue française“ eingehen und überprüfen, welche sprachlichen Rechte die Anglophonen haben. Ich stelle ebenso einige sprachliche Rechte der Anglophonen vor, um diskutieren zu können, ob sie benachteiligt werden, vor allem wenn man ihre Rechte als Minderheit in Québec mit den Rechten der frankophonen Minderheit außerhalb Québecs vergleicht.
Im zweiten Teil der Arbeit beschäftige ich mich mit den Anglizismen, die im Français québécois entstanden sind. Zunächst gehe ich auf ihre Frequenz und ihr Vorkommen ein, um zu prüfen, ob die Angst vor der Anglisierung des Français québécois begründet ist. Danach folgt ein Kapitel zur phonologischen Integration und Akzeptanz von Anglizismen. Werden die Anglizismen in erster Linie von den frankophonen Sprechern oder dem Office de la langue française (OLF) abgelehnt? Steht man den Anglizismen in Québec grundsätzlich negativ gegenüber oder gibt es Ausnahmen?
Die verschiedenen Typen von Anglizismen möchte ich daran im Anschluss vorstellen, denn zu den Anglizismen zählen nicht nur die einfach zu erkennenden lexikalischen, sondern gerade die strukturellen Anglizismen, welche oftmals noch nicht einmal von den frankophonen Sprechern als solche erkannt werden, sind eine genauere Betrachtung wert. Ich hoffe, mit dieser Arbeit einen verständlichen Überblick über den Sprachenstreit in Québec und den Einfluss der englischen Sprache auf das Français québécois geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Umgang mit dem Englischen
2.1. Die Charte de la Langue Française
2.1.1. Französisch als die offizielle Sprache
2.1.2. Unterrichtssprache
2.1.3. Sprache auf Plakaten, Schildern und Aushängen
2.1.4. Arbeitssprache
2.2. Werden die Anglophonen sprachlich unterdrückt?
2.2.1. In der Verfassung festgeschriebene Rechte
2.2.2. Schulwesen
2.2.3. Die Rechte in der Administration
2.2.4. Sanitätswesen
2.2.5. Arbeitssprache
3. Anglizismen
3.1. Definition
3.2. Vorkommen und Frequenz von Anglizismen
3.3. Kurze Testreihe zum Vorkommen von Anglizismen
3.4. Aussprache von Anglizismen
3.5. Akzeptanz von Anglizismen
3.5.1. vom OLF
3.5.2. von den Sprechern
3.6. Typisierung von Anglizismen
3.6.1. Orthographische Anglizismen
3.6.2. Typographische Anglizismen
3.6.3. Lexikalische Anglizismen
3.6.4. Semantische Anglizismen
3.6.5. Morphologische Anglizismen
3.6.6. Kulturanglizismen
3.6.7. Syntagmatische Anglizismen
3.6.8. Syntaktische Anglizismen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die sprachpolitische Situation in Québec im Kontext des Verhältnisses zwischen der französischsprachigen Mehrheit und der anglophonen Minderheit sowie die Auswirkungen des englischen Einflusses auf das Français québécois durch die Verbreitung von Anglizismen.
- Rechtlicher Status des Englischen und Schutzmaßnahmen durch die "Charte de la langue française"
- Analyse der sprachlichen Rechte der anglophonen Minderheit in Québec
- Quantitative Untersuchung der Frequenz und Akzeptanz von Anglizismen im Québecer Französisch
- Systematische Typisierung verschiedener Kategorien von Anglizismen (orthographisch, lexikalisch, syntaktisch etc.)
- Diskussion über die Rolle des "Office de la langue française" (OLF) bei der Sprachregulierung
Auszug aus dem Buch
3.5.3. Lexikalische Anglizismen
Lexikalische Anglizismen sind Lexien, die mit Inhalts- und Ausdrucksseite (signifié und signifiant) aus dem Englischen übernommen worden sind. Sie haben oft einen vollkommen adäquaten französischen Ausdruck verdrängt.
Den Sprechern ist bei dem Gebrauch dieses Anglizismus voll bewusst, dass sie sich gerade nicht eines französischen Wortes bedienen. „C’est parler de ses propres objets en ayant recours aux signifiants des autres.“
Es gibt jedoch eine Kategorie Anglizismen, die man zwar zu den lexikalischen Anglizismen zählt, allerdings ist bei diesen den Sprechern der Ursprung des Wortes meist unbekannt. Das Äußere des Anglizismus wurde so verändert, dass es einem französischen Wort gleicht. JEAN FOREST bezeichnet diese Kategorie als „anglicismes d’attraction“.
Un anglicisme d’attraction doit avoir perdu toute trace, pour l’œil profane s’entend, de ses origines. [...] Il s’agit donc bel et bien d’un anglicisme lexical, mais travaillé par nous, modifié de telle sorte qu’il acquiert l’apparence parfaite d’un mot français. Il nous trompe magnifiquement là, où l’anglicisme lexical ne trompe pas.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die besondere geographische und sprachliche Situation Québecs als frankophone Insel in einem anglophonen Meer ein und skizziert das Ziel der Arbeit.
2. Der Umgang mit dem Englischen: Dieses Kapitel behandelt die rechtliche Lage der Sprache durch die "Charte de la langue française" und diskutiert die Frage einer möglichen Unterdrückung der anglophonen Minderheit.
3. Anglizismen: Dieser Hauptteil analysiert die Definition, Frequenz, Aussprache, Akzeptanz und eine detaillierte Typisierung der Anglizismen im Français québécois.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über das Spannungsfeld zwischen sprachlichem Schutz durch Gesetze und dem natürlichen Einfluss des Englischen.
Schlüsselwörter
Québec, Français québécois, Anglizismen, Charte de la langue française, Sprachpolitik, Office de la langue française, Minderheitenrechte, Sprachkontakt, Anglophonie, Frankophonie, Sprachwandel, linguistische Integration, Gesetzgebung, Sprachschutz, Kalque.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die sprachliche Dynamik in der kanadischen Provinz Québec, insbesondere das Verhältnis zwischen dem Französischen als offizieller Sprache und dem Einfluss des Englischen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die gesetzliche Sprachregelung (Loi 101), die Situation der anglophonen Minderheit sowie die Integration und Typisierung von Anglizismen im lokalen Französisch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie in Québec mit dem Englischen umgegangen wird, ob Anglophone tatsächlich unterdrückt werden und ob die Sorge vor einer Anglisierung des Français québécois wissenschaftlich begründet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer eigenen Korpusrecherche in der "Presse canadienne française", um das Vorkommen und die Frequenz von Anglizismen exemplarisch zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zum einen die rechtlichen Bestimmungen für Anglophone in verschiedenen Lebensbereichen wie Schul- und Sanitätswesen und zum anderen eine linguistische Kategorisierung von Anglizismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Québec, Anglizismen, Sprachpolitik, "Charte de la langue française" sowie das Verhältnis von frankophoner Mehrheit und anglophoner Minderheit.
Was ist die Rolle des "Office de la langue française" (OLF)?
Das OLF dient als regulierende Institution, die einerseits den Gebrauch von Anglizismen überwacht und diese bei Bedarf durch französische Begriffe ersetzt, andererseits aber auch notwendige Entlehnungen akzeptiert.
Warum wird zwischen "lexikalischen Anglizismen" und "anglicismes d'attraction" unterschieden?
Während bei lexikalischen Anglizismen der fremde Ursprung meist bewusst ist, zeichnen sich "anglicismes d'attraction" dadurch aus, dass sie so stark an das französische Sprachsystem angepasst wurden, dass ihre Herkunft von den Sprechern oft nicht mehr erkannt wird.
- Quote paper
- Vanessa Schweppe (Author), 2004, Englisch und Anglizismen in Quebec, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35551