Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema des Metaphorischen Verstehens bei Kindern, wobei der Schwerpunkt auf die Frage nach dem Gleichnisverständnis gelegt wird, da dieser eine besondere Bedeutung im Religionsunterricht zukommt.
Durchgängig wird die religionspädagogische Diskussion referiert, bei der die Frage thematisiert wird, ob und inwiefern Kinder in der Lage sind, Metaphern und Gleichnisse zu verstehen.
Im folgenden Kapitel wird zunächst die Auffassung Anton A. BUCHERs, einem Professor für Religionspädagogik, der ein Plädoyer für die „Erste Naivität“ verfasst hat, erläutert, welche die Diskussionsgrundlage der gesamten Arbeit bildet. Anschließend werden die drei Eigenschaften des kindlichen Weltbildes nach BUCHER skizziert: Naiver Realismus, Artifizialismus und Animismus des kindlichen Denkens und im nachfolgenden Unterpunkt wird das Verhältnis zwischen „Erster“ und „Zweiter Naivität“ nach Rainer OBERTHÜR beschrieben. Das dritte Kapitel setzt sich mit der Kontroverse zwischen BUCHER und GROM auseinander, welche die Frage nach dem bereits erwähnten Problem des Metaphern- und Gleichnisverständnis thematisiert. Daraufhin werden einige Hypothesen zum Metaphernverständnis auf der Grundlage empirischer Untersuchungen dargelegt. Im fünften Kapitel werden die drei Entwicklungsstadien des Gleichnisverständnisses nach BUCHER umrissen, woraus im Anschluss didaktische Konsequenzen für die Praxis des Religionsunterrichtes gezogen werden.
Leitendes Interesse bei der Erstellung dieser Arbeit war, aus der komplexen Thematik des Metaphorischen Verstehens bei Kindern, die wichtigsten Inhalte darzustellen und ihre Bedeutung für den Religionsunterricht zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anton A. Bucher – „Erste“ und „Zweite Naivität“
2.1 Naiver Realismus
2.2 Artifizialismus
2.3 Animismus und Magie
2.4 Das Verhältnis zwischen „Erster“ und „Zweiter Naivität“ nach Rainer Oberthür
3. Kontroverse zwischen Bernhard Grom und Anton A. Bucher zum Plädoyer Buchers für die „Erste Naivität“
4. Hypothesen zum Metaphernverständnis auf der Grundlage empirischer Studien
5. Die drei Entwicklungsstadien des Gleichnisverständnisses nach Anton A. Bucher
5.1 Stadium 1
5.2 Stadium 2
5.3 Stadium 3
5.4 Didaktische Konsequenzen für die Praxis des Religionsunterrichtes
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das metaphorische Verständnis bei Kindern mit einem speziellen Fokus auf die Bedeutung und Entwicklung des Gleichnisverständnisses im Kontext des Religionsunterrichts. Ziel ist es, die kontroversen religionspädagogischen Positionen, insbesondere die Debatte um die „Erste Naivität“, kritisch zu beleuchten und daraus didaktische Schlussfolgerungen für die Grundschulpraxis abzuleiten.
- Entwicklung des kindlichen Weltbildes (Naiver Realismus, Artifizialismus, Animismus)
- Diskurs über die „Erste“ und „Zweite Naivität“ im religiösen Lernen
- Empirische Grundlagen und kognitive Voraussetzungen für das Verständnis von Metaphern
- Entwicklungsphasen des Gleichnisverständnisses
- Didaktische Strategien für den Umgang mit biblischen Gleichnissen im Grundschulalter
Auszug aus dem Buch
2.1 Naiver Realismus
Unter dem Naiven Realismus kindlichen Denkens versteht BUCHER, in Anlehnung an PIAGET, ein konkretes Denken mit der Zentrierung auf jeweils einen Aspekt, das den konkreten Weltbildvorstellungen entspricht. Dies bedeutet, dass Abstrakta und Analogien „konkret-handlungsbezogen“ oder „konkret-gegenständlich“ aufgefasst werden.
Das Abstraktum Mut bedeutet für Kinder beispielsweise „vom hohen Sprungturm springen, mit einem älteren Jungen raufen“ und der Begriff „Reich Gottes“ bezeichnet ein konkretes Herrschaftsterritorium, welches meist im Himmel lokalisiert wird. Vergleichbare konkrete Repräsentationen erfolgen ebenfalls bei abstrakten theologischen Begriffen, wie zum Beispiel bei „Gnade“, „Liebe“, „Freiheit“, „Sünde“, „Erbarmen“.
Vorgänge, die für Erwachsene psychischer Art sind, werden ebenfalls konkret aufgefasst. Kinder nehmen an, der Mensch denke „mit dem Mund“, „Namen (…) steckten in den bezeichneten Dingen selbst“ und „Träume (…) seien objektive Wirklichkeiten, die von außen kommen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des metaphorischen Verstehens bei Kindern ein und skizziert die methodische sowie inhaltliche Struktur der Arbeit.
2. Anton A. Bucher – „Erste“ und „Zweite Naivität“: Dieses Kapitel erläutert die Grundpositionen zum kindlichen Weltbild, insbesondere den Begriff der „Ersten Naivität“ als Stadium des wörtlichen Symbolverständnisses.
3. Kontroverse zwischen Bernhard Grom und Anton A. Bucher zum Plädoyer Buchers für die „Erste Naivität“: Hier wird der fachliche Disput über die Notwendigkeit der frühzeitigen Überwindung kindlicher Denkweisen zugunsten einer reifen Religiosität thematisiert.
4. Hypothesen zum Metaphernverständnis auf der Grundlage empirischer Studien: Dieses Kapitel setzt sich mit der entwicklungspsychologischen Forschung auseinander, welche die kognitiven Voraussetzungen für ein echtes Metaphernverständnis bei Kindern prüft.
5. Die drei Entwicklungsstadien des Gleichnisverständnisses nach Anton A. Bucher: Die verschiedenen Stufen, von der wörtlichen Interpretation bis hin zur gattungsgemäßen Auslegung, werden dargestellt und ihre Bedeutung für die Schule diskutiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Kinder nicht durch eine zu frühe Behandlung abstrakter Gleichnisse zu überfordern.
Schlüsselwörter
Metaphorisches Verstehen, Gleichnisverständnis, Erste Naivität, Zweite Naivität, Religionspädagogik, Naiver Realismus, Artifizialismus, Animismus, Kognitive Entwicklung, Bibeldidaktik, Kindliches Weltbild, Symbolverständnis, Religionsunterricht, Entwicklungsstadien, Anthropomorphismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Kinder Metaphern und Gleichnisse in religiösen Kontexten wahrnehmen und verstehen, und wie dies in der religionspädagogischen Praxis berücksichtigt werden sollte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Theorie des kindlichen Weltbildes, den Diskurs über die Bedeutung von "Naivität" und die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen für das Verstehen von Symbolsprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aus den komplexen Theorien zum kindlichen Denken begründete Empfehlungen für den Religionsunterricht in der Grundschule abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die religionspädagogische Fachdiskussionen und empirische Studien zur kognitiven Entwicklung von Kindern referiert und miteinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Konzepte von Anton A. Bucher, die kritische Gegenposition von Bernhard Grom und gliedert das Verständnis von Gleichnissen in drei aufeinanderfolgende Entwicklungsstadien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Metaphernverständnis, Erste Naivität, Gleichnisse, kindliche Religiosität und kognitive Entwicklung charakterisieren.
Warum ist der Begriff „Erste Naivität“ für diese Untersuchung so wichtig?
Er dient als theoretische Grundlage für die Debatte darüber, ob kindliches, wörtliches Glauben ein schützenswerter Zustand ist oder ob man Kinder frühzeitig zu einem reflektierten, symbolischen Verständnis führen muss.
Gibt es eine eindeutige Empfehlung für den Unterricht?
Ja, die Arbeit empfiehlt, Kinder behutsam an metaphorische Sprache heranzuführen und sie nicht durch eine zu frühe Konfrontation mit Inhalten zu überfordern, für die sie kognitiv noch nicht bereit sind.
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- Christina Weiser (Author), 2004, Metaphorisches Verstehen bei Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35567