Seit nunmehr fast sechs Jahren fordert der syrische Bürgerkrieg täglich neue Opfer. Dabei ist bis heute die Frage der Ursache nur selten Gegenstand der Diskussionen. Diese Seminararbeit konzentriert sich auf die Verantwortung von Baschar al-Assad und seinem Regime. Inwiefern hat er - gewollt oder ungewollt - die heutige Situation verursacht? Auf Grundlage vor und nach Beginn des Krieges verfasster Literatur gibt diese Arbeit auf solche Fragen eine prägnante, wissenschaftlich fundierte Antwort.
Syrien – ein Land dessen Bild im Westen heute von brachialer Gewalt, Terrorismus und Chaos geprägt ist. Die Regierung unter Baschar al-Assad hat in einem Großteil des Staatsgebietes die Kontrolle verloren und das Land ist in einen Bürgerkrieg abgerutscht, dessen Folgen in Form von Anschlägen und Flüchtlingen auch in Europa zu spüren sind. Im Machtvakuum des Krieges hat sich in vielen Regionen mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ eine der schlimmsten terroristischen Vereinigungen der Geschichte etabliert.
Rückblick: Begonnen hatte alles mit dem Widerstand der syrischen Bevölkerung gegen das Regime des Präsidenten Assad. „Baschar, Armee, Mörder“, hörten internationale Beobachter die Demonstranten 2011 auf den Straßen von Deraa rufen. Der Arabische Frühling hatte Syrien erreicht. Schnell eskalierte der zunächst friedliche Aufstand in scheinbar grenzenlose Gewalt und endete in einem Blutvergießen, für das bis heute 220 000 Menschen mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Diese Seminararbeit behandelt die Frage, welche Rolle Baschar al-Assad als syrisches Staatsoberhaupt und die Politik seines repressiven Systems auf dem Weg in den Staatszerfall spielten. Inwiefern führten die Handlungen seines Regimes das Land an den Rand der Anarchie? An welchen Stellen hätte er die Katastrophe verhindern können und hat es gewollt oder ungewollt unterlassen?
Dazu sollen die Rahmenbedingungen und politischen Handlungen in den wichtigsten Bereichen in dem Jahrzehnt unter Baschar al-Assad näher unter die Lupe genommen werden. Inwiefern führten sie zu einer Revolution mit resultierendem Bürgerkrieg?
Gliederung
1. Einleitung
2. Syrien – künstlicher Staat, keine Nation
3. Das Regime Assad – Architektur einer Diktatur
3.1. Die Regierenden - Wer kontrolliert Syrien?
3.2. Die Ausführenden – Armee, Polizei, Geheimdienste
4. Die Politik des Regimes – Weg in den Kollaps?
4.1. Wirtschaftspolitik
4.2. Einfluss auf die Gesellschaft
4.3. Rolle der Medien
4.4. Der Umgang mit dem Aufstand
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Baschar al-Assad und seines repressiven Herrschaftssystems bei der Entstehung des Staatszerfalls in Syrien. Ziel ist es, die politischen Rahmenbedingungen und Handlungen des Regimes in den zentralen Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Medien und Umgang mit dem Aufstand zu analysieren, um zu klären, wie diese Faktoren zum Ausbruch der Revolution und dem nachfolgenden Bürgerkrieg beigetragen haben.
- Historische und gesellschaftliche Genese des syrischen Staates
- Strukturen und Mechanismen der Assad-Diktatur
- Auswirkungen der Wirtschaftspolitik und soziale Folgen
- Rolle von Medien und staatlicher Repression bei der Eskalation
Auszug aus dem Buch
3. Das Regime Assad – Architektur einer Diktatur
Die Frage nach Syriens Staatsform ist nicht mit einem einzigen Begriff zu beantworten. Grundsätzlich kann das System jedoch als Mischung aus autoritärer Diktatur und einem Ein-Parteien-System gesehen werden. Die Politik wird von dem in der Verfassung festgeschrieben Machtanspruch der sozialistischen, panarabischen Baath-Partei dominiert, der syrische Präsident ist stets auch ihr Generalsekretär. Die Arbeit des „Rat des Volkes“ gleicht zwar dem eines Parlamentes, wird jedoch zum Treppenwitz, da es auf die vom Präsidenten erlassenen Gesetze aufgrund des seit 1963 geltenden Notstandsrechts faktisch keinen Einfluss hat. Des Weiteren ist die Mehrheit seiner Sitze ohnehin für die Baath-Partei reserviert.
Grundsätzlich hat Hafiz al-Assad also ein System eingeführt, das die Macht sehr stark in der Person des Präsidenten monopolisiert. Der Präsident ist in Syrien der zentrale Akteur, der über weitreichende, teilweise nahezu unbegrenzte Befugnisse verfügt. Er allein kann Minister ernennen und Gesetze erlassen, ist der Oberbefehlshaber über die Streitkräfte und kann den Krieg erklären. Meistens gab es bei den fragwürdigen Präsidentschaftswahlen für den Kandidaten der Baath-Partei keinen Gegenkandidaten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des syrischen Bürgerkriegs ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Verantwortung Baschar al-Assads für den Staatszerfall.
2. Syrien – künstlicher Staat, keine Nation: Das Kapitel beleuchtet die historische Entstehung Syriens als koloniales Konstrukt und die daraus resultierende Problematik einer fehlenden, einheitlichen nationalen Identität.
3. Das Regime Assad – Architektur einer Diktatur: Hier wird der Aufbau des Machtapparates analysiert, wobei sowohl die personelle Machtkonzentration als auch die Rolle der Sicherheitsorgane wie Armee und Geheimdienste im Fokus stehen.
4. Die Politik des Regimes – Weg in den Kollaps?: Dieses Kapitel untersucht, wie wirtschaftliche Fehlentwicklungen, gesellschaftliche Spannungen, mediale Instrumentalisierung und die gewaltsame Reaktion auf Proteste den Zusammenbruch staatlicher Ordnung beförderten.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Diese abschließende Betrachtung fasst die Erkenntnisse über Assads Mitverantwortung zusammen und diskutiert die schwierige Rolle internationaler Akteure angesichts des andauernden Konflikts.
Schlüsselwörter
Baschar al-Assad, Syrien, Staatszerfall, Diktatur, Baath-Partei, Bürgerkrieg, arabischer Frühling, Repression, Geheimdienste, Wirtschaftspolitik, Korruption, Minderheiten, Medienkontrolle, Islamischer Staat, Machtpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Rolle von Baschar al-Assad und dessen Herrschaftssystem bei der Eskalation der Lage in Syrien, die letztlich zum Zusammenbruch staatlicher Strukturen führte.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die historische Einordnung des syrischen Staates, die autoritäre Architektur der Diktatur, die wirtschaftliche Lage, die gesellschaftliche Struktur sowie die mediale und militärische Reaktion des Regimes auf den Aufstand.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Handlungen des Assad-Regimes das Land an den Rand der Anarchie führten und ob die Katastrophe durch ein anderes politisches Vorgehen hätte verhindert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Analyse politischer und sozioökonomischer Rahmenbedingungen basierend auf einer Auswertung von Fachliteratur und Dokumentationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die internen Strukturen der Machtausübung, die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen, der Umgang mit ethnischen und religiösen Minderheiten sowie die Rolle der Medien bei der Auslösung und Eskalation des Bürgerkriegs detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Baschar al-Assad, Staatszerfall, Diktatur, Bürgerkrieg, arabischer Frühling, Korruption und Repression.
Inwiefern spielten wirtschaftliche Faktoren eine Rolle für den Staatszerfall?
Die Arbeit argumentiert, dass Wirtschaftsreformen unter Assad zu einer ungleichen Verteilung des Wohlstands führten und eine kleine, regierungsnahe Elite begünstigten, was die Unzufriedenheit der breiten Bevölkerung massiv verstärkte.
Warum konnte das Militär den Aufstand nicht wirksam unterdrücken?
Der Autor führt aus, dass Assad aus Paranoia vor Putschversuchen Schlüsselpositionen mit regimetreuen statt fachlich kompetenten Offizieren besetzte, was die militärische Effektivität im Krisenfall entscheidend schwächte.
- Arbeit zitieren
- Fabian Barth (Autor:in), 2016, „Baschar, Armee, Mörder“. Inwiefern hat Assads Politik zum Staatszerfall in Syrien beigetragen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355710