Stilanalyse des ersten Textausschnittes aus "Die Harzreise" von Heinrich Heine und Textproduktion des Textes "Burg Falkenstein" von Sabine Lavid


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
14 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Strukturanalyse
1.1 Texteinordnung, Textsorte, Haupt- und Unterthemen, Entfaltung 4 und Perspektive
1.2 Kohäsion und Kohärenz

2 Stilanalyse
2.1 Stilzug, Sprachebene und Sprachauffälligkeiten
2.2 Satzgliedstellung; Hypotaxen, Parataxen, Inversion, 7 Parallelismus, Anapher und Epipher
2.3 Satz- und Wortfiguren; Akkumulation, Hyperbel, Litotes, 8 Anaklouth und Antithese
2.4 Bilder; Personifikation und Symbol
2.5 Rhetorische Strategien; Ironie, Spott und Sarkasmus

3 Textproduktion "Burg Falkenstein"

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

Der zu analysierende Textausschnitt Nr. 2 wurde von Heinrich Heine verfasst und, laut Textunterschrift, im 3. Band ab der Seite 22 der Textsammlung "Werke und Briefe in zehn Bänden" im Jahre 1972 veröffentlicht.

Heine wurde als Hary Heine im Jahre 1797 in Düsseldorf als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren und konvertierte später zum Christlichen Glauben. Er studierte Jura in Bonn und Göttingen und arbeitete als Schriftsteller und politisch aktiver Journalist. Heine starb im Jahre 1856 in Paris.

Bei dem zu analysierenden Basistext handelt es sich um den Anfang von Heines Reisebericht "Die Harzreise" aus dem Jahre 1824. Der Text wurde in der Epoche der Spätromantik geschrieben, die etwa den Zeitraum von 1816 bis 1848 umfasst. Historisch belegt ist, dass Heines Wanderung von Göttingen über den Harz nach Ilseburg in die Zeit fällt, in der Heine von der Georg-August Universität, konsiliiert[1] war. Somit ist es wahrscheinlich, dass die Erfahrungen, die Heine in Göttingen machte, in den Text eingeflossen sind.

In meinem Assignment werde ich jedoch weder auf die persönlichen Hinter-gründe des Text-Urhebers noch auf die zeitpolitischen Gegebenheiten weiter eingehen können, sondern eine textimmanente Stilanalyse durchführen.

Zunächst werde ich eine Strukturanalyse des Textes durchführen, um im Hauptteil die verwendeten rhetorischen Mittel aufzudecken. Bei besonders auffälligen oder häufig verwendeten Elementen werde ich diese auf ihre Unterstützung des Textinhaltes überprüfen.

Im Anschluss erfolgt die Übertragung der von Heine verwendeten Stilmerkmale auf den von mir verfassten Text, „Burg Falkenstein“. Im Fazit fasse ich meine Ergebnisse kurz zusammen und setze mich kritisch mit meiner Analysemethode auseinander.

1 Strukturanalyse

1.1 Texteinordnung, Textsorte, Haupt- und Unterthemen, Entfaltung und Perspektive

Es handelt sich bei dem Basistext um einen, in seinem Inhalt und seiner Form gestaltet, also literarischen und fiktionalen Bericht. Der Text gliedert sich in fünf Abschnitte, die jeweils eigene Unterthemen – hier kursiv hervorgehoben - darstellen.

Das Hauptthema kann als Abschied von der Stadt Göttingen bezeichnet werden. Der erste Abschnitt markiert den Ausgangspunkt der Reise, indem die Stadt Göttingen beschrieben wird[2]. Im zweiten Abschnitt wird die Herkunft der Bewohner Göttingens erklärt[3], im dritten Abschnitt werden die vier Stände Göttingens vorgestellt[4] und im vierten Abschnitt wird der Widerlegungsversuch eines lokalen Vorurteils unternommen[5]. Der fünfte Abschnitt beginnt mit dem Aufbruch aus Göttingen [6] .

Indem der Protagonist mitteilt, "ich erinnere mich, als ich vor fünf Jahren dort immatrikuliert und bald darauf konsiliiert wurde..."[7], und im Anschluss einen vergangenen Zeitraum dort beschreibt, um schließlich seine Reise mit den Worten "Es war noch sehr früh, als ich Göttingen verließ...“[8] anzutreten, wird das Hauptthema in narrativer Form entfaltet. Der unterhaltende Charakter kann z.B. durch die Aussage, dass das Bier im Ratskeller sehr gut ist[9], belegt werden, zudem sorgen die bildhaften Beschreibungen und Personenangaben wie „Lüder, K.F.H.Marx, Ullrich, der gelehrte **…“[10] für einen erzählerischen Hintergrund. Die Teilung des Textes in verschiedene Erzählabschnitte wird durch den Wechsel des Terminus deutlich. In den ersten Abschnitten wird Präsens verwendet, der Aufbruch aus Göttingen wird im letzten Abschnitt im Präteritum beschrieben.

Die Perspektive wechselt ebenfalls vom Berichterstatter[11], zum Betroffenen[12] und bezieht auch die Sicht des Augenzeugen mit ein, als der Protagonist seine Vermutung, dass „der gelehrte ** gewiß [sic!] noch im Bette lag und träumte wie gewöhnlich…“[13]. Klassische Leseransprachen wie offene Fragen oder die Wir-Form fehlen im Text.

1.2 Kohäsion und Kohärenz

Die Kohäsion, also der Sinnzusammenhang des Textes wird auf syntaktischer Ebene, durch Satzverknüpfungen mit Pro-Formen sowie Ellipsen und Junktoren hergestellt.

Die Pro-Formen finden sich am Häufigsten. Das zu Beginn des Textes erwähnte Subjekt, „Die Stadt Göttingen“, wird durch „Die Stadt“, oder das Personal-pronomen, „Sie“ bzw. „Bewohner Göttingens“ oder „Göttinger Phillister“, wiederholt[14].

Ellipsen werden am Anfang des zweiten und des fünften Satzes verwendet, Der Leser muss kombinieren dass, „Der vorbeifließende Bach heißt >>Die Leine<<…“[15], an der Stadt Göttingen entlangläuft, und aus dem Satzanfang „Einige behaupten sogar…“[16] muss kombiniert werden, dass „einige Personen“ gemeint sind, die eine Behauptung aufstellen.

Die Kohärenz wird auf semantischer Basis hergestellt. Da der Satz mit „Der Viehstand…“[17] beginnt, muss der Leser aus dem vorherigen Satz die Worte „Vieh“ und „Stand“ als eine Wortkombination erkennen. Dieser Neologismus dient somit als neues Pronomen zur Satzverknüpfung. Ein Junktor wird dagegen zur Hauptsatzverknüpfung nur einmal verwendet, da der Konjunktor „Obzwar“[18] den Satzanfang bildet.

Zur Verbindung von Nebensätzen, werden jedoch vorherrschend Junktoren eingesetzt. Am häufigsten werden die kopulativen Subjuktoren „und“ sowie „auch“, die kausalen Subjunktoren „denn“, „wenn“ sowie die temporären Subkonjunktoren „als“ und „während“ verwendet.[19]

2 Stilanalyse

2.1 Stilzug, Sprachebene und Sprachauffälligkeiten

Der Text wurde in einem ungezwungenen, informellen Stil mit einer natürlichen, anschaulichen und prägnanten Ausdrucksweise verfasst. Es werden hauptsächlich umgangssprachliche Worte benutzt, die zur Zeit der Textabfassung alltäglich waren.

Einige Begriffe sind heutzutage jedoch nicht mehr gebräuchlich, wie „Karzer“ für Kerker[20], also Gefängnis. Mit „Schnurren“ könnten Katzen oder Dirnen gemeint sein. „Guelfenorden“ waren Auszeichnungen des Königreiches von Hannover. Für den Begriff „Teedansants“ konnte keine Entsprechung gefunden werden, und „Promotionskutschen“ sind in unserer Zeit nicht mehr bekannt. Der Begriff „Faksimile“, also die originalgetreue Wiedergabe einer Vorlage, ist im Zuge der elektronischen Kopie aus dem heutigen Sprachgebrauch fast verschwunden.

Studentensprache oder wissenschaftliche Begriffe fließen durch die Worte „immatrikuliert“ und „konsiliiert“, „Dissertation“ und „Kompendien“ in den Text ein. Der lateinische Begriff “legibus barbarorum“ bezeichnet die Volksrechte der fränkischen und germanischen Stämme.

2.2 Satzgliedstellung; Hypotaxen, Parataxen, Inversion, Parallelismus, Anapher und Epipher

Der Text besteht aus 13 Aussagesätzen, die sich über 41 Zeilen erstrecken. Zwei Sätze sind parataktisch konstruiert[21], der kürzeste Satz besteht aus nur fünf Worten.[22] Die restlichen zehn Sätze sind hypotaktisch aufgebaut. Eine besonders lange Hypotaxe erstreckt sich über zehn Zeilen.[23] Die Dynamik entsteht jedoch nicht nur durch den Wechsel der Parataxen und Hypotaxen sondern durch die Ver-wendung der drei Inversionen. Hier wird der betonte Satzteil „Im allgemeinen werden die Bewohner der Stadt eingeteilt in…“[24], „Ausführliches über die Stadt…“[25], und „Es war noch sehr früh…“[26] an den Satzanfang gestellt.

Der Text enthält zwei Parallelismen, da hier die gleichen Nebensatzstellungen verwendet werden. Das Satzkonstrukt des fünften Satzes enthält zudem zwei Anaphern, da die Wortgruppen „teils durch“ sowie „welche …heißen“[27] in den aufeinander folgenden Satzteilen wiederholt werden. Der zweite Parallelismus enthält die zweifache Wortgruppenwiederholungen „ich habe“ und die vierfache Wiederholung „von den Füßen“[28] und verstärkt die Parallelstellung des Satzbaus.

Epiphern werden durch die wiederholte Wortendung „Räte“ in einer formell klingenden Aufzählung der Beamtenlaufbahnen „…Hofräten, Justizräten, Relegationsräten“[29] verwendet. Hierdurch wird dieser Berufstand besonders hervorgehoben. Durch die anschließende Epipher in dieser Aufzählung, die auch der rhetorischen Figur der Paronomesie entspricht, wird das Formelle in das Gegenteil umgekehrt. Da “Profaxen[30] und andere Faxen“[31] in einem Zug genannt werden, werden die Beamten verspottet.

[...]


[1] Eine Konsiliierung ist eine, wegen Fehlverhaltens eines Studenten ausgesprochene, unfreiwillige Beurlaubung. Heine wurde wegen eines Duells von der Universität Göttingen konsiliiert. Duellanlass war die gesellschaftliche Ausgrenzung, die Heine wegen seiner jüdischen Herkunft durch seine Kommilitonen erfahren hat.

[2] Vgl. Heine (1972), Z. 01-12.

[3] Vgl. Heine (1972), Z. 12-21.

[4] Vgl. Heine (1972), Z. 22-31.

[5] Vgl. Heine (1972), Z. 32-46.

[6] Vgl. Heine (1972), Z. 47-51.

[7] Heine (1972), Z. 07-08.

[8] Heine (1972), Z. 47.

[9] Vgl. Heine (1972), Z. 03.

[10] Vgl. Heine (1972), Z. 05, 33, 43, 47.

[11] Vgl. Heine (1972), Z. 01-06.

[12] Vgl. Heine (1972), Z. 06-46.

[13] Vgl. Heine (1972), Z. 47-51.

[14] Vgl. Heine (1972), Z. 06, 07, 22, 27, 32.

[15] Heine (1972), Z.03.

[16] Heine (1972), Z.12.

[17] Heine (1972), Z. 23.

[18] Heine (1972), Z. 33.

[19] Vgl. Heine (1972), Z. 06, 07, 08, 14, 19, 25, 26, 28, 45, 47, 48, 50, 51.

[20] Folz (1987), S. 264.

[21] Vgl. Heine (1972), Z. 23-24, 32-33.

[22] Vgl. Heine (1972), Z. 23.

[23] Vgl. Heine (1972), Z. 36-46.

[24] Heine (1972), Z. 22.

[25] Heine (1972), Z. 32.

[26] Heine (1972), Z. 47.

[27] Vgl. Heine (1972), Z. 19-20.

[28] Vgl. Heine (1972), Z. 37-46.

[29] Heine (1972), Z. 11-12.

[30] Als Profaxen wurden Beamtensöhne bezeichnet, die an einer akademischen Ausbildung scheiterten.

[31] Das Wort Faxen stammt aus dem 18. Jahrhundert und bedeutet Streiche oder Unsinn. Vgl. Folz (1987), S. 198.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Stilanalyse des ersten Textausschnittes aus "Die Harzreise" von Heinrich Heine und Textproduktion des Textes "Burg Falkenstein" von Sabine Lavid
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
DGL03
Note
1.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V355808
ISBN (eBook)
9783668417076
ISBN (Buch)
9783668417083
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine, Textanalyse, Textproduktion, Die Harzreise, Strukturanalyse, Stilanalyse, Stilmittel
Arbeit zitieren
Sabine Lavid (Autor), 2014, Stilanalyse des ersten Textausschnittes aus "Die Harzreise" von Heinrich Heine und Textproduktion des Textes "Burg Falkenstein" von Sabine Lavid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355808

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