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Motivation von Selbstmordterroristen

Titre: Motivation von Selbstmordterroristen

Dossier / Travail de Séminaire , 2002 , 38 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Johannes Sassenroth (Auteur)

Sociologie - Droit et Délinquance
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Résumé Extrait Résumé des informations

Einleitung

Friedlich war der Mensch noch nie. Ganz im Gegenteil. Im Laufe der Geschichte hat er eine ungeahnte Kreativität an den Tag gelegt, wenn es darum ging, neue Formen der Gewalt hervorzubringen. Gerade gegenüber einer großen Masse scheint es dem Mensch nie an Möglichkeiten der Gewaltanwendung gefehlt zu haben: Minderheitenverfolgung, von der „ethnische Säuberung“ bis hin zum Ho-locaust, Staatsterror, Krieg, etc.. Doch wie unterschiedlich diese Gewalt gegenü-ber einer Masse in ihrer Form und dem Grad der Grausamkeit auch sein mag, eins ist ihnen doch fast allen gemein: Die Berechenbarkeit ihres Auftretens.
Aufgrund seiner Erfahrung mit diesen Phänomenen weiß der Einzelne in welcher Situation ihm von wem Gewalt droht, und welches Ausmaß sie annehmen wird. Jene Ordnung im Chaos macht es dem betroffenen Menschen sicherlich etwas einfacher mit der Massengewalt umzugehen.
Bei terroristischer Gewalt fehlt dieses beruhigende Merkmal jedoch völlig. Terrorismus kann im Prinzip jederzeit alle Mitglieder der betroffenen Gesellschaft erfassen. Keine persönlichen Merkmale, Handlungen oder Schutzmaßnahmen kann den Einzelnen vor den Terrorismus bewahren. Das Erscheinen dieser Ge-waltform ist nicht mehr antizipierbar! Diese Tatsache stellt somit die Quelle der schockierenden Wirkung des Terrorismus dar.
Verbinden wir dieses gesellschaftliche Tabu der Gewaltanwendung, in ihrer ex-tremsten Ausprägung also Mord, mit dem Tabu des Suizids, so ergibt sich die „Faszination“ und außerordentliche Wirkung, die von den Selbstmordattentaten ausgeht.
Auch büßte der moderne Selbstmordterrorismus bisher in seiner Geschichte nichts an Aktualität ein. Orientierungslose Menschen, Rettungshelfer, zerfetzte Körper und Häuser - mittlerweile sind die Bilder der Folgen eines Selbstmordattentats jedem vertraut. Fast im wöchentlichen Rhythmus werden sie in den Nachrichtenmedien gezeigt. Insbesondere im Konflikt mit dem Staat Israel sind Selbstmord-anschläge für die Palästinenser scheinbar die Terrorismusform Nummer eins.
[...]
______
1 In dieser Arbeit wird der Terrorismus-Begriff von Peter Waldmann benutzt: „Terrorismus sind planmäßig vorbereitete, schockierende Gewalt gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund. Sie sollen allgemeine Unsicherheit und Schrecken, daneben aber auch Sym-pathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen.“ (Waldmann (1998), S. 10)

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Gesicht des Todes: Wer wird zum Selbstmordattentäter?

2. Der Weg in den Tod: Rekrutierung von Selbstmordattentätern

3. Das Leben mit dem Tod: Vorbereitung auf den Selbstmord

3.1 Märtyrertum: Ein Leben nach dem Tod

3.2 Abspaltung

3.3 Der Feind: Die Opfer als Täter

3.4 Point of no Return

Exkurs: Verehrung der Märtyrer

3.5 Die Nähe zu Gott: Umbau der Denkprozesse

4. Das Leben vor dem Tod: Die letzten Momente

5. Strategie der Selbstmordanschläge

6. Gegenmaßnahmen

Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Hintergründe, die zur Motivation von Selbstmordattentätern führen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Rekrutierungs-, Indoktrinations- und Vorbereitungsprozesse, die den Attentäter von der Entscheidung zum Suizid bis hin zur tatsächlichen Durchführung der Tat begleiten.

  • Soziologische und psychologische Merkmale des Selbstmordattentäters
  • Die Rolle der Märtyrerverehrung und religiöse Legitimation
  • Psychologische Mechanismen wie Abspaltung und Gruppendruck
  • Strategische Vorteile und Ziele von Selbstmordanschlägen

Auszug aus dem Buch

Die Abspaltung

Ein wichtiges Merkmal, das die potentiellen Selbstmordterroristen aufweisen sollten, ist die Fähigkeit zur Abspaltung. Als Abspaltung bezeichnet man das Vermögen, zwischen mehreren Persönlichkeitsanteilen sprunghaft zu wechseln. Somit kann das eigene Verhalten jeweils nach der entsprechenden Bezugsgruppe in der man sich gerade aufhält ausgerichtet werden. Als extremes Beispiel hierfür dient ein KZ-Wächter. Zuhause ist er der liebende Familienvater, der sorgsam mit seinen Kindern spielt, und im KZ-Lager ist er das schreiende Monstrum, das auf Gefangene einschlägt.

Das Abspaltungsvermögen ist für Selbstmordattentäter ein wichtiger Selbstschutz, da sie unausweichlich irgendwann einmal mit der Bombe am Körper feindlichen Boden betreten werden. In dieser Schlußphase vor dem Attentat muß der Selbstmordterrorist völlig natürlich wirken und darf nicht auffallen. Dazu muß er praktisch die Identität des Feindes annehmen. Nichts anderes als ein Prozeß der Abspaltung.

Die extreme Ausbildung, die Selbstmordattentäter durchlaufen führt dabei zu der Perfektionierung des Abspaltungsvermögens. Die Ausbildung erfolgt über einen längeren Zeitraum an verschiedenen Orten und nicht zwingend an einem Stück. Um ihre Mission nicht zu gefährden, führen die Attentäter dazwischen ein normales Fassadenleben.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Phänomen des Terrorismus und die spezifische, schockierende Wirkung von Selbstmordanschlägen.

1. Das Gesicht des Todes: Wer wird zum Selbstmordattentäter?: Analyse der soziologischen und psychologischen Merkmale, wobei die Abwesenheit eines einheitlichen Täterprofils hervorgehoben wird.

2. Der Weg in den Tod: Rekrutierung von Selbstmordattentätern: Erörterung der gezielten Anwerbung von Individuen durch Terrororganisationen in spezifischen sozialen Umfeldern wie Flüchtlingslagern.

3. Das Leben mit dem Tod: Vorbereitung auf den Selbstmord: Untersuchung der Indoktrination, des Konzepts des Märtyrertums und der psychologischen Vorbereitung auf die Tat.

4. Das Leben vor dem Tod: Die letzten Momente: Beschreibung der finalen Phase der Vorbereitung, in der die Attentäter in Kleingruppen isoliert werden und sich auf den Anschlag fokussieren.

5. Strategie der Selbstmordanschläge: Analyse der taktischen Vorteile, wie der hohen Präzision, der symbolischen Wirkung und der Schwierigkeit, diese Form des Terrorismus zu stoppen.

6. Gegenmaßnahmen: Kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit staatlicher Schutzmaßnahmen und der Notwendigkeit, strukturelle Ursachen für den Terrorismus zu bekämpfen.

Schlüsselwörter

Selbstmordterrorismus, Märtyrertum, Rekrutierung, psychologische Abspaltung, Radikalisierung, Indoktrination, Naher Osten, Selbstmordattentäter, Terrororganisation, politischer Widerstand, gesellschaftliches Klima, Gewaltanwendung, Islamismus, Identitätsbedrohung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Motivation von Selbstmordattentätern und den Hintergründen, warum Menschen bereit sind, ihr Leben für ein politisches oder religiöses Ziel zu opfern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die soziale Sozialisation, psychologische Anpassungsprozesse der Täter, die Rolle von Terrororganisationen bei der Indoktrination sowie die strategische Logik des Selbstmordterrors.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Beweggründe der Attentäter zu verstehen und zu analysieren, wie der psychische Prozess von der normalen Lebensführung bis hin zur Ausführung eines Selbstmordattentats abläuft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse soziologischer und psychologischer Studien zum Phänomen des Terrorismus, um ein systematisches Erklärungsmodell zu entwickeln.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rekrutierungswegen, der mentalen Programmierung durch Märtyrerkulte, die Rolle von Gruppendruck und die strategische Bedeutung von Anschlägen für die Terrorgruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Selbstmordterrorismus, Indoktrination, Märtyrertum, psychologische Abspaltung, soziale Isolation und das Spannungsfeld zwischen individuellem Handeln und organisationaler Steuerung.

Wie spielt das Konzept der "Abspaltung" bei der Vorbereitung eine Rolle?

Die Abspaltung ermöglicht es den Attentätern, ihre Identität so zu wechseln, dass sie sich in der unmittelbaren Vorbereitung des Anschlags in einer "feindlichen" Umgebung unauffällig bewegen können, während sie mental in ihrer eigenen Welt verbleiben.

Warum ist der militärische Gegenschlag laut Autor oft problematisch?

Der Autor argumentiert, dass militärische Mittel das terroristische Kalkül bestätigen können, da sie den Staat als Unterdrücker darstellen und somit das Klima schaffen, in dem neuer Terrorismus gedeihen kann.

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Résumé des informations

Titre
Motivation von Selbstmordterroristen
Université
University of Augsburg  (Lehrstuhl für Soziologie)
Cours
Seminar: Terrorismus. Hintergründe, Formen, neuere Entwicklungen
Note
1,0
Auteur
Johannes Sassenroth (Auteur)
Année de publication
2002
Pages
38
N° de catalogue
V3559
ISBN (ebook)
9783638121972
Langue
allemand
mots-clé
Motivation Selbstmordterroristen Seminar Terrorismus Hintergründe Formen Entwicklungen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Johannes Sassenroth (Auteur), 2002, Motivation von Selbstmordterroristen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3559
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Extrait de  38  pages
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