US-Amerikanische Serien als Exportgut. Wie amerikanische Serien die deutsche Prime Time erobern


Projektarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. US-Amerikanische Serien - ein Medienphänomen

2. Die TV-Serie - ein beliebtes fiktionales TV-Format
2.1 Definition und Formen von fiktiven Fernsehserien
2.2 Programmbeschaffungsarten

3. Vergleich der amerikanischen und deutschen Serienproduktion
3.1 Amerikanische Serien
3.1.1 Serienentwicklungs-und Herstellungsprozess
3.1.2 Inhalt, StilundDramaturgie
3.2 Deutsche Serien
3.2.1 Serienentwicklungs- und Herstellungsprozess
3.2.2 Inhalt, Stil und Dramaturgie
3.3 Wesentliche Unterschiede

4. Exporterfolg von US-Serien: die Eroberung der deutschen Prime Time
4.1 Vorteile für die deutsche Medienwirtschaft
4.2 Nachteile und Gefahren für die deutsche Medienwirtschaft

5. Ansätze für die deutsche Medienwirtschaft

Quellenverzeichnis

1 US-Amerikanische Serien - ein Medienphänomen

Schlägt man eine aktuelle deutsche Fernsehprogrammzeitschrift auf, wirkt der deutsche TV-Produktionsmarkt auf den ersten Blick sehr eigenständig: Man findet sehr viele Nachrichten-, Magazin- und Showformate, sowie eine Vielzahl an Doku-Soaps, die offensichtlich deutsche Produktionen sind. Auch Reportagen und einige Fernsehfilme lassen sich schnell als deutsches Kulturgut identifizieren.

Wirft man einen etwas spezielleren Blick auf fiktionale Fernsehserien1, lässt sich nicht nur etwa die Hälfte der Serien als amerikanische Produktionen benennen, sondern es findet sich zudem eine sehr interessante Trennung zwischen deutschen und amerikanischen Produktionen in der Anordnung der Sendeplätze wieder. Während das Vorabendprogramm bis 20:15 Uhr mit vielen deutschen Produktionen in Form von Daily Soaps wie „Verbotene Liebe“ und „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ gefüllt ist, finden in der Primetime2 wöchentliche Serien wie „Desperate Housewives“, „Dr. House“ oder „Lost“ einen festen Sendeplatz. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich dabei ausschließlich um amerikanische Produktionen. Hinsichtlich dieser Beobachtung lassen sich amerikanischen Serien als ein Medienphänomen der USA identifizieren, welches in dieser Arbeit genauer untersucht wird. Woher kommt die Exportfähigkeit amerikanischer Serien? Was machen die amerikanischen Produzenten anders? Warum lassen die deutschen Sendeanstalten die Amerikanisierung unserer Primetime zu? Welche Vorteile und Nachteile ergeben sich daraus für die deutsche Medienwirtschaft?

Es wird zunächst ein differenzierter Blick auf amerikanische und deutsche Serienproduktionen im fiktionalen Bereich geworfen, um die wesentlichen Unterschiede herauszuarbeiten und den Erfolgsfaktor von amerikanischen Serien zu erkennen. Anschließend wird die internationale Auswirkung der Exportfähigkeit der amerikanischen Serien beispielhaft an Deutschland erarbeitet und Vor- sowie Nachteile[1] [2] herausgestellt. Der Vergleich und die Analyse versprechen wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Entwicklungen der deutschen Medienwirtschaft.

Für die folgenden Erarbeitungen waren vor allem zwei sehr praxisorientierte Bücher über die Fernsehbranche hilfreich: Während „das Praxishandbuch Fernsehen - wie TV-Sender arbeiten“[3] von Eric Karstens und Jörg Schütte einen guten Überblick über die aktuellen Strukturen in der Fernsehbranche sowohl in Deutschland als auch international gegeben hat, haben die sehr beispielorientierten Schilderungen in „Die TV-Falle“[4] vom ehemaligen Sat1 Senderchef Roger Schawinski die Informationen praxisnah ergänzt. Zum Hintergrundwissen über das Mediensystem der USA hat vor allem das Buch „Das Mediensystem der USA“[5] von Björn Erichsen und die Ausführungen auf der Internetseite der U.S. Diplomatic Mission to Germany[6] beigetragen.

2 Die TV-Serie - ein beliebtes fiktionales TV-Format

Ein Fernsehprogramm muss vielfältig sein. Nachrichten liefern dem Zuschauer die gewünschten Informationen. Reportagen und Wissenssendungen geben die Möglichkeit zur Weiterbildung. Showformate dienen dem Entertainment. Fiktionale Stoffe, wie sie in Filmen und Serien angeboten werden, bieten dem Zuschauer ein Szenarium zum Abschalten und zur Entspannung. Wie in Abb. 1 zusehen ist, füllen aber vor allem fiktionale Formate wie Filme und Serien die deutschen Programme.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Informations- und Unterhaltungsangebote in den deutschen Vollprogrammen laut ALM-Programmbericht 2008, S. 44

Sowohl in Filmen, als auch in Serien wird man als Zuschauer mit fiktionalen Konflikten konfrontiert und bekommt im Laufe der Serie oder des Films die Lösung präsentiert. Je mehr man sich mit den Protagonisten und den Problemen identifizieren kann, desto größer ist die Entspannung beim Zusehen der Konfliktlösung.[7] Serien haben die Besonderheit, dass sie unter Anwendung der richtigen Dramaturgie wie eine Droge wirken können. Die Konfliktlösungen ziehen sich über mehrere Folgen, was den Zuschauer dazu bewegt, bei der nächsten Folge wieder einzuschalten.[8]

Während das Zuschauerbedürfnis also durch eine Serie befriedigt werden kann, bringt sie durch ihre Möglichkeit der starken Publikumsbindung noch einen ganz besonderen Reiz für die Programmplanung der Sendeanstalten mit sich: Sie schafft es, langfristig ein kalkulierbares Publikum zu binden und konstante und gute Einschaltquoten zu liefern.

2.1 Definition und Formen von fiktiven Fernsehserien

Grundsätzlich lassen sich zwei Formen von fiktiven Fernsehserien unterscheiden. Zum einen gibt es Serials, die Geschichten mit fortlaufenden Handlungen erzählen. Wie beispielsweise in Lost oder Desperate Housewives baut jede Folge auf die vorherige auf. Zum anderen gibt es die sogenannten Procedurals. Bei dieser Gattung der Serie werden in jeder Folge in sich abgeschlossene Geschichten erzählt. Dennoch bleiben die Charaktere durchgehend gleich und es können kleine horizontale Erzählstränge über die Entwicklung der Hauptpersonen eingebaut werden, die die einzelnen Episoden miteinander verbinden. Ein klassisches Beispiel ist ,,Dr. House“ oder „CSI“. Während der Zuschauer nicht gezwungen ist, jede einzelne Folge zu sehen, um der Handlung folgen zu können, bietet die Charakterwicklung im Laufe der Staffel einen Anreiz immer wieder einzuschalten.[9] Beide Gattungen breiten sich auf eine Vielzahl von Genres wie z.B. Arzt-, Familien-, Krimi-, Drama- oder Fantasyserien aus.[10] Sowohl bei den Serials als auch bei den Procedurals handelt es sich in der Regel um einstündige Serien, die wöchentlich ausgestrahlt werden.

Obwohl die wöchentlichen Serien Hauptgegenstand dieser Arbeit sind, soll auch die Sonderform der etwa 25 minütigen Daily Soaps erwähnt werden. Diese finden die einen festen täglichen Sendeplatz, meist im Vorabendprogramm, und erzählen mit Hilfe eines speziellen Drei­Strang-Schemas verschiedene Fortsetzungsgeschichten mit gleich bleibenden Charakteren.[11]

2.2 Programmbeschaffungsarten

Wie herausgestellt wurde, sind Serien ein wichtiger Programm­bestandteil. Um diesem nachzukommen, werden die Sendeanstalten regelmäßig vor einer Make-or-Buy-Entscheidung gestellt. Sie haben entweder die Möglichkeit die Serien in Eigen-, Auftrags- oder Koproduktion zu erstellen, oder Lizenzen für fertig produzierte Serien zu erwerben.

3 Vergleich der amerikanischen und deutschen Serienproduktion

Der Unterschied von amerikanischen und deutschen Serien wird im Folgenden an zwei verschiedenen Ansätzen untersucht. Zum Einen anhand der Produktionsmöglichkeiten und den damit verbundenen Entwicklungs- und Herstellungsprozess, und zum Andern anhand des landestypischen Inhalts, Stils sowie der angewandten Dramaturgie.

3.1 Amerikanische Serien

3.1.1 Serienentwicklungs-und Herstellungsprozess

Der Serienentwicklungs- und Herstellungsprozess in den USA ist sehr schnelllebig und gut organisiert, was nicht zuletzt auf die geregelte Taktung eines amerikanischen Fernsehjahres zurückzuführen ist. Die Fernsehsaison der USA beginnt jedes Jahr im September. Dies gilt als Komponente für den Start eines aktualisierten Programmschemas und ist damit auch der generelle Zeitpunkt für den Start neuer TV-Serien. Der Entwicklungs- und Herstellungsprozess wird an diesem Rhythmus angepasst. Sobald die Saison startet und die fertig produzierten Serien laufen, beginnen die Networks[12] neue Stoffe zu sichten. Jährlich werden ihnen etwa 350 - 400 Serienkonzepte von Produktionsfirmen und Autoren gepitcht.[13] Innerhalb kurzer Zeit werden 25 % der Konzepte ausgewählt und ab Winter für eine Pilotenfilmproduktion in Auftrag gegeben.[14] In der dritten Maiwoche finden dann die sogenannten Upfronts ins New York statt, bei denen der werbetreibenden Industrie das vorläufige Programmschema für die kommende Saison vorab (,,up front“) präsentiert wird und die Pilotenfilme zum Einsatz kommen. Die Reaktionen der Werbetreibenden und die parallel durchgeführten Zuschauertests bilden die Entscheidungsgrundlage, ob es zu einem sogenannten „Pick up“ kommt und die Serie in Auftrag gegeben wird, oder ob das Serienkonzept verworfen wird.[15]

Der Druck der Networks, auf den Upfronts Eindruck zu hinterlassen, hat über die Jahre zu immer aufwendiger produzierten Piloten geführt, die laut Ben Silverman, dem Programmchef von NBC, bis zu 10 Millionen Dollar kosten. Das Produktionsbudget für jede spätere Folge liegt mit etwa zwei bis drei Millionen Dollar deutlich darunter und beeinträchtigt damit die Aussagekraft der Bewertungen der Pilotenfolge.[16] Doch da sich dieser hohe Standard der Piloten etabliert hat, sind die Versuche, den Prozess realistischer zu gestalten, gescheitert[17] und es werden auch dieses Jahr wieder teure und aufwendige Pilotenfilme auf den Upfronts präsentiert.

Sobald nach den Upfronts entschieden wurde, welche Serie angemessenes Potential mitbringt, werden zunächst acht bis dreizehn Folgen in Auftrag gegeben.[18] Ab dann beginnt die sehr knappe Phase für den Herstellungsprozess. Dieser muss sehr gut organisiert sein, um eine Ausstrahlung der ersten Folgen pünktlich zum Saisonstart in nur vier Monaten zu garantieren. Im Mittelpunkt steht jeweils der Ideenfinder, der das Serienkonzept im Herbst gepicht hat. Als sogenannter Showrunner ist er für alle wesentlichen Aspekte der Serie verantwortlich: er leitet den Writers Room, in dem zusammen mit bis zu zehn Autoren pro Woche ein weiteres Drehbuch erstellt wird, und er definiert den genauen Look der Serie, dem die Regisseure der einzelnen Folgen explizit folgen müssen.

Wenn im September die ersten Folgen auf Sendung gehen, wird anhand der Quotenerfolge entschieden, ob die Serie ein „full-Season- Pick-up“ erhält und die vollen 22 Folgen für das komplette amerikanische Fernsehjahr produziert werden.

Die Organisationsstruktur, die eine schnelle Nachproduktion der restlichen Folgen ermöglicht, bring eine große Flexibilität und damit die Möglichkeit einer schnellen Schadensminimierung, falls die Serie nicht gut läuft und abgesetzt werden muss, mit sich. Doch nicht nur dies fördert die Risikobereitschaft der Auftragsgeber. In den USA werden die Produktionskosten vom Sender und der beauftragten Produktionsfirma geteilt. Während der Sender 60% bis 80% bezahlt, beteiligt sich die Produktionsfirma mit 40% - 20% an den Produktionskosten. Da die Produktion meist von den großen und finanzkräftigen Studios wie Disney, FOX, Paramount oder Warner ausgeführt wird, haben die Sender einen starken Rückhalt.[19] Im Gegenzug behalten die Produzenten einen Teil der Rechte, welche Ihnen eine Mehrfachverwertung bei anderen Sendern oder im Ausland ermöglicht. Durch diese aufgebaute Finanzkraft, ist es ausreichend, wenn nur einige der Serien erfolgreich sind. Die Kosten der Serien, die nicht funktionieren, können ausgeglichen werden und die Experimentierfreudigkeit wird sowohl bei den Sendern als auch bei den Produzenten maximiert.

3.1.2 Inhalt, Stil und Dramaturgie

Abgesehen davon, wie der Herstellungsprozess einer Serie organisiert ist, hängt das Endprodukt von drei wesentlichen Faktoren ab: dem Inhalt, dem Stil, und der Dramaturgie.

Wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, sind an dem Ideenfindungsprozess für Serien in den USA jegliche Produktionsfirmen und freien Autoren beteiligt. Jeder kann ohne Vorgaben seine Idee entwickeln und der Sendeanstalt im Herbst pitchen. Dies bietet einen großen Spielraum, um originelle neue Serieninhalte zu finden. Dabei entstehen alltagsferne und spannende Serien wie „Lost“.

Die Serie „CSI“, dessen Crimegenre derzeit die deutsche Primetime am stärksten prägt, ist ein herausragendes Beispiel für einen innovativen Stil einer Serie. Mit einem opulenten Lichtkonzept hat es die Serie geschafft, einen ganz besonderen Look zu schaffen, den die Zuschauer bis dahin nicht kannten. Bei Desperate Housewives wurde die „Off­Stimme“ als wiedererkennbares Stilelement eingesetzt. Dies sind Markenzeichen, die eine Serie besonders machen.

Amerikanische Fernsehserien sind von herausragender Dramaturgie geprägt. Eine eingehende Analyse der eingesetzten dramaturgischen Gestaltungsmittel von der amerikanischen Primetime Serial „Grey's Anatomy“, hat gezeigt, dass die amerikanischen Autoren die Kunst der Dramaturgie wie aus dem Lehrbuch angewandt haben.[20] Oft weisen amerikanische Serien eine dramaturgische Gestaltung auf, die an erstklassige Kinofilme erinnern.[21]

[...]


[1] Definition „Fernsehserie“ siehe im 2. Kapitel

[2] Die Primetime ist „jener Zeitraum (ca. 20-23 Uhr), in dem die meisten Fernsehempfänger eingeschaltet sind, d.h. Für Werbekunden potentiell das größte Publikum erreichbar ist“ Monaco 2003, S. 132

[3] Karstens, Eric / Schütte, Jörg: „Praxishandbuch Fernsehen - Wie TV-Sender arbeiten“, Wiesbaden 2005

[4] Schawinski, Roger: „Die TV-Falle - Vom Sendungsbewusstsein zum Fernsehgeschäft, Zürich 2007

[5] Erichsen, Björn: „Das Mediensystem der USA“, Kiel 1999

[6] URL: http://usa.usembassv.de/medien.htm. Abrufdatum: 08.02.2010

[7] vgl. Badanjak 2005, S. 19

[8] vgl. Badanjak 2005, S. 13

[9] vgl. Schawinski 2007, S. 79f.

[10] vgl. Badanjak 2005, S. 17

[11] vgl. Karstens/Schütte 2005, S.197

[12] Als Networks bezeichnet man in den USA mehrere zusammengeschlossene Rundfunkstationen. Die derzeit größten sind FOX, NBC, ABC und CBS (vgl. http://usa.usembassy.de/medienfensehen.htm, Abrufdatum: 08.02.2010)

[13] gepicht (von engl. to pitch = werfen) - eine Idee wird verbal vorgestellt

[14] vgl. Boll 1994, S.19

[15] vgl. Schawinski 2007, S. 80

[16] vgl. http://www.dwdl.de/article/news_15757,00.html (Abrufdatum: 08.02.2010)

[17] vgl. Schawinski 2007, S. 81

[18] vgl. Schawinski 2007, S. 82

[19] vgl. Schawinski 2007, S. 84

[20] vgl. Nelskamp 2009, Projektarbeit im Fach Dramaturgie

[21] vgl. Schawinski 2007, S. 85

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
US-Amerikanische Serien als Exportgut. Wie amerikanische Serien die deutsche Prime Time erobern
Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V355962
ISBN (eBook)
9783668416956
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
us-amerikanische, serien, exportgut, prime, time
Arbeit zitieren
Katrin Nelskamp (Autor), 2010, US-Amerikanische Serien als Exportgut. Wie amerikanische Serien die deutsche Prime Time erobern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355962

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