Diese Hausarbeit greift den Konflikt zwischen Boulevardisierung und Sensationalisierung, dem sich der Qualitätsjournalismus immer wieder ausgesetzt sieht, auf und stellt Maßnahmen dar, die ZDFInfo als öffentlich-rechtlicher Sender einbauen kann, um dem Qualitätsanspruch um so mehr gerecht zu werden. Dementsprechend wird die Hausarbeit in zwei Teile gegliedert.
Der erste Teil zeigt in Kapitel 2 den aktuellen Forschungsstand zur Qualität im Journalismus, Qualitätsprobleme und widmet sich ebenfalls der Qualität von Informationsangeboten. Im zweiten Teil (Kapitel 3 und 4) wird auf die Sicherung und Messung von Qualität eingegangen, verschiedene Maßnahmen werden vorgestellt und erläutert. Sinnvoll ist dabei die Einteilung in eine Publikumsebene, eine Inhaltsebene und eine Mitarbeiter/Innen-Ebene, auf die sich die Maßnahmen jeweils beziehen. Abschließend soll in einem Fazit eine Gesamtabwägung sowie ein Ausblick gegeben werden.
Wenn über mangelnden Qualitätsgehalt in Informationsangeboten nachgedacht wird, rückt besonders das Fernsehen in den Fokus. Als Mitte der 80er Jahre das duale Rundfunksystem entstand, verstärkte sich die Diskussion um Qualität im Journalismus und besonders im Informations- und Nachrichtenjournalismus. Damals befürchtete man die Verbreitung von anspruchslosen Unterhaltungsangeboten, aber auch besonders die Boulevardisierung und Sensationalisierung zu Lasten von Fakten. Die Medien und besonders die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben grundlegende Funktionen für die Demokratie, indem sie informieren, orientieren, kritisieren und damit zur Meinungs- und Willensbildung beitragen. Der Strukturwandel der Öffentlichkeit ließ allerdings eine Konkurrenzsituation entstehen, wodurch der Legitimationsdruck auf die öffentlich-rechtlichen Sender stieg. In Anlehnung an Försters Beschreibung, dass sich der deutsche Medienmarkt durch einen hohen Wettbewerbsdruck auszeichnet, wird das duale Rundfunksystem als eine Art Rosenkrieg des Rundfunks bezeichnet, in dem Qualität einen besonderen Stellenwert einnimmt. Dieser basiert auf Grundkonflikten, die sich nicht nur innerhalb des Mediums im Gegensatz von Information und Unterhaltung äußern, sondern auch strukturell als Schizophrenie von Qualität und Quote. Die konfligierenden Ansichten gilt es zur Einigung zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung: „There's a load of rubbish on the T.V. again“
3 Qualitätsforschung
3.1 Forschungstradition
3.2 Qualitätsprobleme und Ansätze
3.3 Qualität bei Informationsangeboten im Fernsehen
4 Qualitätssicherung, -messung und -management
5 Maßnahmen zur Qualitätssicherung am Beispiel vom Spartensender ZDFInfo
5.1 Zuschauerebene
5.2 Inhaltsebene
5.3 Ebene der Mitarbeiter/Innen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Konflikt zwischen Qualitätsanspruch und Quote im dualen Rundfunksystem mit Fokus auf den öffentlich-rechtlichen Sender ZDFInfo und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur Qualitätssicherung.
- Strukturelle Herausforderungen im dualen Rundfunksystem
- Theoretische Grundlagen und Messbarkeit journalistischer Qualität
- Publikumsorientierte Qualitätssicherung (Social-TV Konzepte)
- Implementierung von Qualitätskomitees auf Redaktionsebene
- Professionalisierung durch gezielte Bildungsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
3.1 Forschungstradition
Qualität ist komplex und besonders im publizistischen Kontext auch stark diskussionswürdig. Die Wurzeln der Qualitätsforschung können im Allgemeinen schon zu Beginn der periodischen Presse gesetzt werden. Hagemann kritisierte Ende der 50er Jahre als einer der Ersten die Presse, wenn noch an eine elitäre Vorstellung vom Journalismus gebunden (Arnold, 2009: 127). Zunächst galt es auch lediglich zu Prüfen, ob Medien ihren verfassungsrechtlichen Auftrag erfüllten (Weischenberg, 2006: 666).
Erst in den 1990er Jahren erlebte die Qualitätsforschung in Deutschland durch einen umfangreichen, öffentlichen Qualitätsdiskurs eine Renaissance. Die Auseinandersetzung umfasste sowohl Wissenschaft, als auch Medienpraxis, wobei die kritische Leistungsbeurteilung der publizistischen Medien insgesamt Gegenstand war und nicht mehr einzelne Qualitätsaspekte (Arnold, 2009: 128). Durch die Zulassung privater Rundfunkanbieter wurde die Forschung verstärkt (Arnold, 2008: 489). Nicht nur die fragwürdigen Programmformate wie Infotainment wurden im Qualitätsdiskurs thematisiert und kritisiert, hinzu kamen auch gravierende Medienskandale, sowie zeitnahe wirtschaftliche Probleme oder die Konkurrenz durch „neue Medien“ die einen Anstoß gaben. Durch einen Trialog von Vorgängern wurde die Forschung geprägt: Dazu zählt die Medienkritik, die in Deutschland erst Ende der 60er Jahre, in Folge der Analyse der Pressekonzentration und nach dem Abkehren vom „Postultat der Werturteilsfreiheit“ entstand. Außerdem die Objektivitäts- Vielfalts- und Verständlichkeitsforschung, aus der viele Grundlagen genutzt werden konnten, sowie der Ethikdiskurs, der sich mit Moralaspekten, sowie der Reflexion von journalistischen Handlungen und besonders Fehlleistungen beschäftigt (ebd.: 127-128).
Zusammenfassung der Kapitel
2 Einleitung: „There's a load of rubbish on the T.V. again“: Die Einleitung beleuchtet den strukturellen Konflikt zwischen Information und Unterhaltung im dualen Rundfunksystem und definiert das Ziel der Arbeit, Maßnahmen zur Qualitätssicherung für ZDFInfo zu erarbeiten.
3 Qualitätsforschung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Qualitätsforschung nach und erläutert die Schwierigkeiten bei der Definition und Messbarkeit journalistischer Qualität.
4 Qualitätssicherung, -messung und -management: Hier wird der theoretische Rahmen zur praktischen Umsetzung von Qualitätssicherung erläutert, wobei verschiedene Bewertungsverfahren und die Notwendigkeit eines Methoden-Mixes betont werden.
5 Maßnahmen zur Qualitätssicherung am Beispiel vom Spartensender ZDFInfo: In diesem Hauptteil werden konkrete, unterteilte Maßnahmen auf Publikums-, Inhalts- und Mitarbeiterebene vorgeschlagen, um den Qualitätsanspruch des Senders zu stärken.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Qualitätsjournalismus als demokratisches Fundament sowie die Relevanz der vorgeschlagenen Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Qualitätsjournalismus, ZDFInfo, Qualitätssicherung, Rundfunksystem, Medienforschung, Journalistische Standards, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Medienethik, Programmqualität, Qualitätsmanagement, Publikumsbeteiligung, Professionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Problematik der Qualitätssicherung im Journalismus unter den Bedingungen des dualen Rundfunksystems, mit besonderem Fokus auf den öffentlich-rechtlichen Spartensender ZDFInfo.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Qualitätsforschung, der Konflikt zwischen Quote und Qualität sowie praktische Strategien zur Qualitätssicherung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, konkrete Maßnahmen für ZDFInfo zu identifizieren und zu entwerfen, mit denen der Sender seine journalistische Qualität nachhaltig sichern und ausbauen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes, um daraus in einem konzeptionellen Teil praxisorientierte Lösungsansätze (Publikums-, Inhalts- und Mitarbeiterebene) abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Einordnung der Qualitätsprobleme konkrete Vorschläge gemacht, wie etwa Social-TV Formate, interne Qualitätskomitees und Bildungsreisen für Mitarbeiter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Qualitätsjournalismus, Qualitätssicherung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Medienqualität und Redaktionsmanagement.
Welche Rolle spielt die "Publikumsebene" bei der Qualitätssicherung?
Der Autor schlägt vor, Zuschauer stärker zu partizipativen Teilnehmern zu machen, um durch ein „Fernsehen zum Mitreden“ die Qualität und Glaubwürdigkeit des Senders zu erhöhen.
Was ist die Kernaufgabe eines "Qualitätskomitees" auf der Inhaltsebene?
Es soll als parlamentarisches Gremium auf Redaktionsebene fungieren, das präventiv agiert, politische Einflussnahme verhindert und die Einhaltung festgelegter Qualitätskriterien wie Vielfalt und Professionalität überwacht.
Warum hält der Autor Bildungsreisen für sinnvoll?
Bildungsreisen dienen als Instrument der Personalentwicklung, um durch den Austausch mit anderen Redaktionen und das Kennenlernen von "Best Practice"-Beispielen die Professionalisierung und das Betriebsklima zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2013, Qualität im Informationsjournalismus. Bedeutung, Probleme und Maßnahmen unter Berücksichtigung von ZDFInfo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355973