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'Edle Wilde' und 'Barbaren'? Das Bild der indigenen Bevölkerung in den Reisebeschreibungen von James Cook und Georg Forster

Titel: 'Edle Wilde' und 'Barbaren'? Das Bild der indigenen Bevölkerung in den Reisebeschreibungen von James Cook und Georg Forster

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 24 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Simon Muss (Autor:in)

Geschichte - Australien, Ozeanien
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Zusammenfassung Leseprobe Details

James Cook unternahm in den Jahren zwischen 1668 und 1779 insgesamt drei Weltreisen. Diese Reisen im Auftrag der englischen Royal Society verfolgten sowohl politische als auch wissenschaftliche Ziele. Auf der ersten und zweiten Reise wurde die Mannschaft durch eine Gruppe von Wissenschaftlern ergänzt. So war auf der zweiten Reise war Georg Forster als Begleiter seines Vater Johann Forster mit an Bord. Die durch die Wissenschaftler vorgenommene 'Naturforschung', die nach heutigem Verständnis das gesamte Feld der Natur- und Geisteswissenschaften umfasste, schloss auch die Beobachtung der vor Ort lebenden Bevölkerung und ihrer Lebensumstände ein.

In diesem Zusammenhang sollen zwei Fragen im Mittelpunkt stehen: Welche Merkmale und grundlegenden Eigenschaften werden den Menschen, ihrer Gesellschaftsstruktur und ihrer natürlichen Umgebung in den Berichten zugeschrieben? Inwieweit werden die zugeschriebenen Eigenschaften und Merkmale im Zuge anthropologischer Überlegungen systematisiert und ins Verhältnis zu den Eigenschaften und Merkmalen des Europäers und der Struktur seiner Gesellschaft gesetzt?

Zur Beantwortung dieser Fragen soll einem ersten Schritt auf zwei zentrale Begriffe eingegangen werden. Für die Beschreibungen des Südseeinsulaners und deren Rezeption in Europa sind insbesondere der Begriff des 'Edlen Wilden' und der Begriff des 'Barbaren' von Bedeutung. Während insbesondere die Tahitianer seit Louis-Antoine de Bougainville als Verkörperung des 'Edlen Wilden' galten, etablierte sich durch die Berichte Cooks und Forsters das Bild des Neuseeländers, beziehungsweise des Maori, als Verkörperung des 'Barbaren'. Als "Archetypen der Charakterisierung" finden sie somit Berücksichtigung im Werk Cooks und Forsters. In einem zweiten Schritt soll anhand ihrer Aufzeichnungen über die Aufenthalte auf Tahiti und Neuseeland auf Georg Forsters und James Cooks ethnographische Untersuchungen eingegangen werden, um anschließend die Frage zu beantworten, inwiefern diese Überlegungen in allgemeinere anthropologische Überlegungen über die menschliche Natur, das Verhältnis der Kulturen zueinander und die Entstehung von Mensch, Gesellschaft und Zivilisation einfließen. Die verwendeten Quellen sowie die Sekundärliteratur sind in der Literaturliste vermerkt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zwei Archetypen der Charakterisierung: ‚Edle Wilde‘ und ‚Barbaren‘

1.1 Der Begriff des ‚Edlen Wilden‘

1.2 Der Begriff des ‚Barbaren‘

2 Das Bild der indigenen Bevölkerung bei Georg Forster

2.1 Tahiti

2.2 Neuseeland

3 Das Bild der indigenen Bevölkerung bei James Cook

3.1 Tahiti

3.2 Neuseeland

4 Georg Forster und James Cook – Eine Anthropologie der Aufklärung?

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das durch die Reiseberichte von James Cook und Georg Forster vermittelte Bild der indigenen Bevölkerung auf Tahiti und Neuseeland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Merkmale diesen Völkern zugeschrieben wurden, inwieweit diese in das anthropologische Denken der Aufklärung eingebettet sind und wie sie mit den zeitgenössischen Archetypen des ‚Edlen Wilden‘ und des ‚Barbaren‘ korrespondieren.

  • Analyse der Begriffe ‚Edler Wilder‘ und ‚Barbar‘ als zeitgenössische Charakterisierungsarchetypen.
  • Gegenüberstellung der ethnographischen Beobachtungen von Georg Forster und James Cook.
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen natürlicher Umgebung, Gesellschaftsstruktur und kultureller Entwicklung.
  • Reflexion der eurozentrischen Perspektive und der aufklärerischen Anthropologie.

Auszug aus dem Buch

1.2 Der Begriff des ‚Barbaren‘

Der Begriff des ‚Barbaren‘ existiert bereits seit der Antike. Er ist gewissermaßen das Spiegelbild des Begriffes des ‚Edlen Wilden‘. Die Attribute, welche den ‚wilden‘ Menschen als ‚Barbaren‘ charakterisieren, stehen dabei komplementär zu den Attributen des ‚Edlen Wilden‘. So wie der ‚Edle Wilde‘ anspruchslos ist, ist der ‚Barbar‘ primitiv. Daseinsharmonie steht gegen Gesetzlosigkeit, unbesorgte Lebensfreunde gegen Triebhaftigkeit. Es geht hierbei um die Bewertung der beobachteten Charaktermerkmale. Je nachdem, ob das Bobachtete oder Erfahrene in negativer oder positiver Weise beurteilt wird, ob etwa das Leben in der Natur oder eine bestimmte Verhaltensweise als schlecht oder gut gewertet wird, kennzeichnen die verwendeten Attribute den beobachteten Menschen als ‚Barbaren‘ oder ‚Edlen Wilden‘. Dieser Widerstreit spiegelte sich im 18. Jahrhundert – in Bezug auf die überseeische Bevölkerung – in der Auseinandersetzung zwischen ‚ferini‘ und ‚anti-ferini‘ wider. Die Zuschreibung negativer Wesensmerkmale wie ‚Gesetzlosigkeit‘, ‚Dumpfheit‘, ‚Triebhaftigkeit‘ sowie die angenommene mangelnde Befähigung des Naturmenschen zur vernünftigen Überlegung wurden hierbei in Bezug auf die Südseeinsulaner durch den Verweis auf zwei Verhaltensweisen gerechtfertigt. Zum einen wurde dem sogenannten ‚Naturmenschen‘ ein Hang zum Diebstahl vorgeworfen. Der zentrale Kritikpunkt der ‚ferini‘ war jedoch der Tatbestand des Kannibalismus, der seit jeher als Hauptcharakteristikum barbarischer Lebensform galt. Zur Verteidigung versuchten die Anhänger der ‚anti-ferini‘ den Tatbestand des Kannibalismus zu verschleiern oder zumindest zu relativieren, indem sie ihm die ‚Greueltaten‘ zivilisierter Nationen gegenüberstellten.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es werden die wissenschaftlichen Hintergründe der Weltreisen Cooks sowie die zentrale Fragestellung zur Konstruktion des Bildes der indigenen Bevölkerung im Kontext der Aufklärung dargelegt.

1 Zwei Archetypen der Charakterisierung: ‚Edle Wilde‘ und ‚Barbaren‘: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Begriffsdefinitionen und die geistesgeschichtliche Herkunft der Archetypen, die als Schablonen für die Wahrnehmung fremder Kulturen dienten.

2 Das Bild der indigenen Bevölkerung bei Georg Forster: Der Autor analysiert, wie Forster die Tahitianer und Neuseeländer beschreibt und welche Schlüsse er aus deren Lebensweise für seine anthropologischen Überlegungen zieht.

3 Das Bild der indigenen Bevölkerung bei James Cook: Dieses Kapitel untersucht Cooks Beobachtungen, die sich stärker auf sachliche Darstellungen konzentrieren und weniger interpretative aufklärerische Ideale enthalten.

4 Georg Forster und James Cook – Eine Anthropologie der Aufklärung?: Es erfolgt eine Synthese, in der Forsters anthropologische Theoriebildung mit Cooks Reiseberichten verglichen und deren Ambivalenz sowie eurozentrische Prägung reflektiert wird.

5 Fazit: Die wesentlichen Ergebnisse werden zusammengeführt und die Bedeutung der Reisebeschreibungen für die europäische Wahrnehmung der indigenen Bevölkerung resümiert.

Schlüsselwörter

James Cook, Georg Forster, Edler Wilder, Barbar, Aufklärung, Ethnologie, Anthropologie, Tahiti, Neuseeland, Reisebeschreibungen, Naturzustand, Kulturgeschichte, Südsee, Zivilisation, Europäisches Weltbild

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die Reiseberichte von James Cook und Georg Forster während der zweiten Weltreise das Bild der indigenen Völker in Tahiti und Neuseeland prägten und welche Rolle dabei philosophische Konzepte der Aufklärung spielten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die Konstruktion von Identität in Reiseberichten, die Einordnung fremder Kulturen in das Schema von ‚Edlen Wilden‘ und ‚Barbaren‘ sowie der Vergleich zwischen rein ethnographischer Beobachtung und anthropologischer Theoriebildung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, welche spezifischen Eigenschaften den indigenen Völkern in den Berichten zugeschrieben wurden und wie diese Zuschreibungen durch die aufklärerische Anthropologie systematisiert und ins Verhältnis zur europäischen Kultur gesetzt wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literatur- und geistesgeschichtliche Analyse der Original-Reiseberichte sowie einschlägiger Sekundärliteratur zur Anthropologie der Aufklärung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe ‚Edler Wilder‘ und ‚Barbar‘ definiert. Anschließend folgt eine detaillierte Analyse der Beobachtungen beider Autoren zu Tahiti und Neuseeland sowie eine abschließende Bewertung der unterschiedlichen Vorgehensweisen von Forster und Cook.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie James Cook, Georg Forster, Edler Wilder, Barbar, Aufklärung, Ethnologie und Anthropologie charakterisiert.

Warum unterscheidet der Autor zwischen der Darstellung Forsters und der Cooks?

Der Autor unterscheidet, weil Forster als ‚Naturforscher‘ und Philosoph explizite anthropologische Theorien entwickelte, während Cook als Seefahrer eher sachlich-deskriptiv blieb und das interpretative Bild des ‚Edlen Wilden‘ weniger bediente.

Welche Bedeutung kommt dem Kannibalismus in den Berichten zu?

Der Kannibalismus wird als zentraler Kritikpunkt der ‚ferini‘-Anhänger identifiziert, der den Neuseeländer in der zeitgenössischen Rezeption maßgeblich zur Verkörperung des ‚Barbaren‘ machte.

Wie wird das Tahitianer-Bild relativiert?

Der Autor zeigt auf, dass trotz der Idealisierung Tahitis als Paradies auch Aspekte wie soziale Hierarchien, Privateigentum und Kindstötung wahrgenommen wurden, die das Bild des ‚Edlen Wilden‘ brachen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
'Edle Wilde' und 'Barbaren'? Das Bild der indigenen Bevölkerung in den Reisebeschreibungen von James Cook und Georg Forster
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Die zweite Weltreise des Captain Cook
Note
2,3
Autor
Simon Muss (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V356035
ISBN (eBook)
9783668418561
ISBN (Buch)
9783668418578
Sprache
Deutsch
Schlagworte
James Cook Georg Forster Tahiti Neuseeland Maori Anthropologie Ethnologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simon Muss (Autor:in), 2010, 'Edle Wilde' und 'Barbaren'? Das Bild der indigenen Bevölkerung in den Reisebeschreibungen von James Cook und Georg Forster, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356035
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Leseprobe aus  24  Seiten
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