Seit Februar 1990 besteht das Notel – gegründet in dem ehemaligen Provinzialat der Spiritaner, einem weltweit agierenden katholischen Männer-Missionsorden. Eröffnet wurde die Einrichtung, um obdachlosen Drogenabhängigen die Möglichkeit zu einer Übernachtung und einer warmen Mahlzeit zu geben. Zudem besteht das Angebot zu duschen und Kleidung zu waschen.
Der Fokus dieses Praxisberichts gründet auf den Erfahrungen, die ich während meines viermonatigen Praxissemesters im "Notel" sammeln durfte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Praxissemester
2.1 Die Notschlafstelle
2.2 Die Krankenwohnung
2.3 Mein Tätigkeitsbereich
3. Das Projekt
3.1 Herangehensweise und Zielsetzung
3.2 Der theoretische Hintergrund
3.2.1 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
3.2.2 Akzeptierende Drogenarbeit
3.2.3 Die Theorien in Bezug auf die Notschlafstelle
4. Das Konzept der Notschlafstelle/ Krankenwohnung
5. Durchführung des Projekts
5.1 Evaluation
5.2 Fragebogenerstellung
5.3 Der Fragebogen
6. Ablauf der Untersuchung
6.1 Anmerkungen zur Teilnahme
7. Datenauswertung und Interpretation
7.1 Ergebnisse der Notschlafstelle
7.2 Ergebnisse der Krankenwohnung
7.3 Zusammenfassende Auswertung der Ergebnisse
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht durch eine empirische Erhebung mittels Fragebögen, inwiefern das Konzept der Notschlafstelle „Notel“ sowie der angeschlossenen Krankenwohnung „Kosmidion“ in der Praxis umgesetzt wird und wie zufrieden die Gäste mit den Angeboten sind.
- Praxisbezogene Evaluation einer Notschlafstelle für Drogenabhängige.
- Verknüpfung von Theorie (lebensweltorientierte Soziale Arbeit, akzeptierende Drogenarbeit) und Praxis.
- Analyse der Gästezufriedenheit hinsichtlich Räumlichkeiten, Betreuung und Regeln.
- Untersuchung der institutionellen Abläufe und Zielerreichung in der Krisenintervention.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
Der Begriff der „Lebenswelt“ wurde durch den Philosoph Edmund Husserl (1859-1938) in den 1930er Jahren in die Philosophie eingeführt. Hierbei stellt Husserl seine Meinung über eine Wissenschaft dar, die nicht mehr auf die Sinnfrage des menschlichen Daseins eingeht und somit in eine Krise gerät. Durch diese wissenschaftliche Abweichung verliert die „Lebenswelt“ ihren „Boden“. An diesen Aspekt des „Bodens“ knüpft auch Hans Thiersch an, der als Begründer des Konzeptes der Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit gilt. Er benennt hierbei eine antike Herkulessage. Die Sage um den Riesen Antheus, Sohn von Gaia und Neptun, der jeden Fremden zum Kampf herausfordert. Hierbei besiegt der sechzig Ellen lange Riese stets jeden, doch im Zweikampf mit Herkules wird er von diesem vom Boden hochgehoben und verliert die Kraft, die ihm seine Mutter gab, sobald er die Erde berührte. Diese Sage überträgt Thiersch auf die heutigen Nöte und Aufgaben im Alltag und betont, „[…]dass mit solchem Alltagsengagement der so bedrohliche Kampf um die Entwicklung unserer Gesellschaft nicht entschieden ist, ist evident; die Relativierung dieses Engagements aber ist kein Einwand gegen seine Notwendigkeit.“
Er bezeichnet zudem die Soziale Arbeit als ein schwieriges Unterfangen, das ganzheitlich und offen und somit entgrenzend und überfordernd wirkt. Seit der Methodenkritik in den 1970er Jahren erweiterte sich das Problem- und Aufgabenfeld der Sozialen Arbeit. Die bisher bekannten Methodenkonzepte wie beispielsweise „Case Work“ oder „Gemeinwesenarbeit“ reichten nicht aus, um das sozialpädagogische Handeln vollkommen zu stabilisieren und abzusichern. Aus diesem Kontext heraus entwickelte Hans Thiersch das lebensweltorientierte Konzept. Dessen Ziel ist es, eine Orientierung für die Soziale Arbeit zu schaffen, die es ihr ermöglicht, sich mit den aufkommenden Problemen der Adressatinnen und Adressaten in ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen. Zudem soll es eine unterstützende Wirkung auf die Bewältigungs- und Verarbeitungsformen bieten, die durch biographisch geprägten Lebenserfahrungen oder gesellschaftlichen Situation bzw. den normativen Ansprüchen der Gesellschaft auftreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Praxissemesters im „Notel“ und Definition der Fragestellung zur empirischen Untersuchung.
2. Das Praxissemester: Überblick über die Einrichtung, ihre Trägerschaft, Räumlichkeiten und den Tätigkeitsbereich des Autors.
3. Das Projekt: Darlegung der Herangehensweise und Einbettung in die Theorien der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und der akzeptierenden Drogenarbeit.
4. Das Konzept der Notschlafstelle/ Krankenwohnung: Detaillierte Ausarbeitung der Arbeitsschwerpunkte, Ziele und Grundsätze der beiden Einrichtungen.
5. Durchführung des Projekts: Beschreibung der Evaluationsmethode, der Fragebogenerstellung und der gewählten Fragetypen.
6. Ablauf der Untersuchung: Erläuterung des zeitlichen Rahmens, der Anonymität und der Herausforderungen bei der Befragung Drogenabhängiger.
7. Datenauswertung und Interpretation: Präsentation und Analyse der Ergebnisse der Notschlafstelle und der Krankenwohnung sowie zusammenfassende Auswertung.
8. Fazit: Reflexion des Praxissemesters und Bewertung der gemachten Erfahrungen im Hinblick auf die professionelle Zukunftsplanung.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Praxissemester, Notschlafstelle, Drogenhilfe, Lebensweltorientierung, Akzeptierende Drogenarbeit, Krisenintervention, Evaluation, Fragebogen, Obdachlosigkeit, Suchtprävention, Sozialpädagogik, Konzepte, Gästezufriedenheit, Notel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit reflektiert ein viermonatiges Praxissemester in der Kölner Notschlafstelle „Notel“ und führt eine begleitende empirische Studie zur Evaluation der dortigen Konzepte durch.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die Betreuung drogenabhängiger Obdachloser, die Prinzipien der akzeptierenden Drogenarbeit sowie die lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Hans Thiersch.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Es soll untersucht werden, ob die Konzepte der Notschlafstelle und der Krankenwohnung „Kosmidion“ in der Praxis umgesetzt werden und wie zufrieden die Gäste mit den verschiedenen Versorgungsleistungen sind.
Welche Methode wird für die Erhebung genutzt?
Der Autor wählte eine quantitative Befragung mittels eines eigens erstellten Fragebogens, der sowohl geschlossene Skalierungsfragen als auch halboffene Hybridfragen enthält.
Was behandelt der Hauptteil?
Neben der theoretischen Herleitung des Konzeptes beschreibt der Autor detailliert die Durchführung der Befragung, wertet die erhobenen Daten statistisch aus und interpretiert diese im Hinblick auf die Zielerreichung der Einrichtungen.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Soziale Arbeit, Notschlafstelle, akzeptierende Drogenarbeit, Lebensweltorientierung und Evaluation.
Wie unterscheidet sich die Krankenwohnung vom restlichen Angebot?
Während die Notschlafstelle primär der Krisenintervention dient, bietet die Krankenwohnung gezielt Raum zur Genesung für erkrankte Obdachlose, die nicht stationär aufgenommen werden müssen.
Welche Kritikpunkte äußerten die Gäste?
Die Kritik war gering, bezog sich jedoch vereinzelt auf die festen Aufnahme- und Verlassenszeiten sowie in Einzelfällen auf Lärmbelästigung durch schnarchende Mitbewohner in den Gemeinschaftsschlafräumen.
Was ist das zentrale Ergebnis der Arbeit?
Die befragten Gäste bewerten die Einrichtungen durchweg positiv und fühlen sich durch die Arbeit der Mitarbeiter wertgeschätzt, akzeptiert und in ihrem Bestreben, ihr Leben zu stabilisieren, unterstützt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Notschlafstelle "Notel" in Köln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356061