Visitas Médicas, die Arztbesuche der Bevölkerung eines "Slums" in Buenos Aires, beschreiben die Gründe, warum die Menschen das Gesundheitszentrum vor Ort aufsuchen. Aus diesen lässt sich darauf schließen, welche Gesundheitsprobleme hauptsächlich vorherrschend sind und welche Art von Krankheitsprävention deswegen benötigt wird.
Im Zuge einer Feldforschung wurden mittels zielgerechten, planmäßigen Beobachtungen und Befragungen die Präventionsmaßnahmen, die vor Ort angeboten und durchgeführt werden, erhoben. Diese sind ausführlich in der ersten Arbeit "Villas Miserias" beschrieben, und fließen als Hintergrundwissen in diese Arbeit mit ein. Mit der Auswertung und Interpretation der Patientendaten, die in Form einer Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt worden sind, werden die Ursachen der Arztbesuche beschrieben, die dann mit den vor Ort durchgeführten Präventionsmaßnahmen in Verbindung gebracht werden.
Damit stellt sich heraus, ob der Bedarf der Bevölkerung bezüglich Krankheitsprävention gedeckt ist, oder ob es Handlungsbedarf gibt, beziehungsweise noch zusätzliche Maßnahmen erforderlich wären.
Zu fast allen diagnostizierten gesundheitlichen Defiziten ließ sich ein Workshop, ein Gesundheitsprogramm des Ministeriums für Gesundheit oder eine professionelle Informationsvermittlung vor Ort feststellen. Umfangreiche Maßnahmen zur Prävention übertragbarer Infektionskrankheiten, ungewollter Schwangerschaften und zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen werden geboten. Zu Versorgungslücken kommt es jedoch in Hinblick auf die Vermeidung von chronischen Erkrankungen.
Die BewohnerInnen nehmen präventive Leistungen in einem sehr hohen Ausmaß in Anspruch, und durch die Hingabe und den persönlichem Einsatz vom multidisziplinären Team im Gesundheitszentrum können sämtliche Präventionsmaßnahmen erfolgreich adaptiert und implementiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Beschreibung der erhobenen Daten
2.1 Methodisches Vorgehen
2.1.1 Die Daten für Arztbesuche
2.1.2 Die Daten für die Besuche bei den Psychologen
2.2 Ergebnisse
2.2.1 Ergebnisse aus der Altersgruppe von 0-5 Jahren
2.2.2 Ergebnisse aus der Altersgruppe von 6-11 Jahren
2.2.3 Ergebnisse aus der Altersgruppe von 12-18 Jahren
2.2.4 Ergebnisse aus der Altersgruppe von 19-99 Jahren
3 Dateninterpretation und angewandte Prävention
3.1 Die doppelte Krankheitslast
3.2 Hauptgründe für den Besuch des CeSACs für unter Zwölfjährige
3.2.1 Gesundenuntersuchungen nach dem Plan Nacer
3.2.2 Atemwegserkrankungen
3.2.3 Windpocken
3.2.4 Magen-Darm-Erkrankungen
3.2.5 Hauterkrankungen
3.3 Hauptgründe für den Besuch des CeSACs für über Zwölfjährige
3.3.1 Erweiterungen des Plan Nacer
3.3.2 Allgemeine Untersuchung
3.3.3 Beratung zur Empfängnisverhütung
3.3.4 Haut-, Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen
3.3.5 Überwachung der normalen Schwangerschaft
3.3.6 Hypertonie
3.3.7 Diabetes Mellitus
3.4 Hauptgründe für Konsultationen der PsychologInnen
3.4.1 Psychologische Diagnosen der PatientInnen des CeSAC
3.4.2 Angebotsinduzierte Nachfrage der Psychotherapie?
3.4.3 Workshops im CeSAC schaffen das Angebot
4 Dem Bedarf gerechte Krankheitsprävention
4.1 Schwerpunkte der präventiven Maßnahmen
4.2 Der Bedarf an weiteren Präventionsmaßnahmen
4.2.1 Prävention im Bezug auf Hypertonie und Diabetes Mellitus
4.2.2 Prävention im Bezug auf Übergewicht
4.3 Handlungsempfehlungen
4.3.1 Problemstellung
4.3.2 Ziel
4.3.3 Strategie
4.3.4 Evaluation
4.4 Aufgetretene Limitationen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Gründe für Behandlungen im Gesundheits- und Gemeinschaftszentrum "CeSAC" in der Villa 21-24 in Buenos Aires zu untersuchen und zu bewerten, ob die angebotenen Präventionsmaßnahmen den tatsächlichen gesundheitlichen Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung entsprechen.
- Krankheitsprävention in sozioökonomisch benachteiligten Lebenswelten (Slums)
- Analyse der doppelten Krankheitslast (Infektionskrankheiten versus chronisch-degenerative Erkrankungen)
- Evaluation des Bedarfs an vorsorglichen Programmen für verschiedene Altersgruppen
- Vergleich zwischen den tatsächlichen Diagnosen und den durchgeführten Präventionsworkshops
- Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung unter Ressourcenknappheit
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Gesundenuntersuchungen nach dem Plan Nacer
Gesundenuntersuchungen werden gerne in Anspruch genommen. Sie sind kostenlos. Zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung für Mütter und Kinder dient der auf nationaler Ebene vom Gesundheitsministerium erstellte „Plan Nacer“ (Plan für Geburten beziehungsweise für Geborene) als ultimative Grundlage für die Mittelbereitstellung im Gesundheitssektor vor allem in den benachteiligten Vierteln von Buenos Aires (den Villas Miserias). Er dient zur Bedarfsdeckung mit medizinischen Leistungen und sollte mit seiner Umsetzung 2005 in erster Linie die Kinder- und Müttersterblichkeit in Argentinien senken, sowie die sozialen Ungerechtigkeiten eindämmen. Der Plan gewährleist den Zugang zu einem adäquaten Gesundheitssystem für alle Menschen, vor allem für die mittellose, nicht versicherte Bevölkerungsschicht. Vorraussetzung für die Inanspruchnahme ist lediglich eine Registrierung im Gesundheits- und Gemeinschaftszentrum (Plan Nacer, 2009).
Der Plan Nacer soll auch die Qualität der primären medizinischen Grundversorgung gewährleisten und verbessern. Bezugsberechtigt sind im ursprünglichen Entwurf 2005 Mütter bis zu 45 Tagen nach der Entbindung und Kinder unter sechs Jahren. Das erklärt möglicherweise, warum die Gesundenuntersuchung und die Untersuchung für administrative Zwecke für Säuglinge und Kleinkinder zu einer weit höheren Anzahl (141 PatientInnen) in Anspruch genommen wurden, als die selben für über sechs Jährige (30 PatientInnen). Den Jüngsten stehen zur Erhaltung der Gesundheit rechtlich medizinische Leistungen kostenlos zu. Impfpässe werden regelmäßig kontrolliert und eine Behandlung im Krankheitsfall durchgeführt. Die Eltern erhalten eine adäquate Beratung und Informationen über die Entwicklung ihres Babys, die Grundlagen für gesunde Ernährung und das Stillen, einzuhaltende Hygienemaßnahmen und die Vermeidung von Unfällen im Haushalt und im Straßenverkehr. Alle Untersuchungen und Konsultationen werden in einem Mutter-Kind-Pass festgehalten (Plan Nacer, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des CeSAC als Einrichtung der primären Gesundheitsversorgung und Einführung in die Problematik der "doppelten Krankheitslast" in der Villa 21-24.
2 Beschreibung der erhobenen Daten: Erläuterung des methodischen Vorgehens zur Datenerfassung, Aufbereitung der Diagnosen in vier Altersgruppen und Darstellung der Ergebnisse aus dem Untersuchungsmonat.
3 Dateninterpretation und angewandte Prävention: Ausführliche Analyse der Behandlungsgründe, Interpretation der medizinischen Diagnosen nach Altersgruppen und Beschreibung der vor Ort implementierten Präventionsmaßnahmen.
4 Dem Bedarf gerechte Krankheitsprävention: Kritische Reflexion über die Angemessenheit der Vorsorgemaßnahmen, Identifikation von Versorgungslücken bei chronischen Leiden und Ableitung von Handlungsempfehlungen.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Kernerkenntnisse hinsichtlich der Übereinstimmung von Bedarf und Angebot sowie Ausblick auf notwendige Erweiterungen des Gesundheitssystems.
Schlüsselwörter
Präventionsmaßnahmen, doppelte Krankheitslast, Gesundheits- und Gemeinschaftszentrum, Villa 21-24, Buenos Aires, primäre Gesundheitsversorgung, medizinische Diagnosen, chronische Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Plan Nacer, psychologische Betreuung, gesundheitliche Bedürfnisse, soziale Ungerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht die häufigsten Behandlungsursachen von Patienten in einem Gesundheitszentrum innerhalb der Villa 21-24 in Buenos Aires, um deren Übereinstimmung mit den angebotenen Präventionsmaßnahmen zu prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die "doppelte Krankheitslast" – also die Kombination aus Infektionskrankheiten und chronischen Leiden – sowie auf die Rolle von Vorsorgeprogrammen in benachteiligten Stadtvierteln.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob die vom Zentrum durchgeführten Präventionsmaßnahmen den gesundheitlichen Problemen der Bevölkerung und deren medizinischen Diagnosen tatsächlich entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Verfasserin nutzte einen quantitativen Datensatz über einen Monat, ergänzt durch zielgerichtete Beobachtungen im Praktikum und sechs qualitative Experteninterviews mit dem Fachpersonal vor Ort.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erhebung und Interpretation der Behandlungsgründe nach Altersgruppen sowie die anschließende kritische Bewertung der existierenden Präventionsangebote hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Deckungsgleichheit mit dem tatsächlichen Bedarf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Präventionsmaßnahmen, doppelte Krankheitslast, primäre Gesundheitsversorgung, medizinische Diagnosen und soziale Ungerechtigkeit.
Warum ist die Unterscheidung der "doppelten Krankheitslast" für die Villa 21-24 wichtig?
Da das Gesundheitssystem in Schwellenländern wie Argentinien sowohl gegen Infektions- und Mangelkrankheiten als auch gegen zunehmende chronisch-degenerative Krankheiten ankämpfen muss, ist ein Paradigmenwechsel bei der Prävention erforderlich.
Welche spezifische Limitation wurde bei der Datenanalyse für Erwachsene festgestellt?
Ein wesentlicher Schwachpunkt ist das Fehlen von Vitalparametern wie BMI, Blutdruck und Blutzucker in den Datensätzen, was eine fundierte Beurteilung des Bedarfs an Adipositas-Prävention erschwert.
- Arbeit zitieren
- Sonja Datlinger-Kofler (Autor:in), 2014, Visitas Médicas. Die häufigsten Ursachen für Arztbesuche in der Villa 21-24 in Buenos Aires, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356095