Bei einer Arbeit über die wohl bekanntesten journalistischen Produkte, die Nachrichten, ist es von Interesse zu erklären und zu definieren, was überhaupt Nachrichten sind.
Trotz der Umstände, daß uns Nachrichten jeden Tag umgeben, in den verschiedensten Formen auftreten, zum Motor der modernen Informationsgesellschaft geworden sind, die Wirtschaft prägen und viele tausende Arbeitsplätze schaffen, gibt es keine allgemeingültige Definition von Nachrichten.
John B. BOGART, Lokalredakteur der britischen Tageszeitung „Sun“, versuchte sich 1880 mit einer der ersten Definitionen:
„When an dog bites a man, that’s not news, but when a man bites a dog, that’s news.“ 1
Diese sehr anschauliche „man-bites-dog-Formel“ kann aber nicht als umfassende Definition gelten. Auf alle Fälle handelt es sich bei einer Nachricht immer um etwas nicht Alltägliches, etwas Ungewöhnliches. Nachrichten setzen immer ein Ereignis, das „berichtenswert“ ist, voraus.
Eine weitere Definition aus Großbritannien lieferte nach dem zweiten Weltkrieg die BBC 2 :
„Nachrichten sind neue, sowie wahrheitsgemäß wiedergegebene Informationen, die aktuelle Ereignisse überall in der Welt zum Gegenstand haben und in eine Nachrichtensendung aufgenommen werden, weil sie interessant, von allgemeiner Bedeutung, oder aber in den Augen der Journalisten für die Zuhörer von persönlichem Belang sind.“ 3
In dieser Definition findet sich zum ersten Male der gestalterische Einfluß des Journalisten wieder und die Definition macht auch darauf aufmerksam, daß Nachrichten und deren Auswahl abhängig sind. In diesem Falle von der Zielgruppe („die Zuhörer“) und den Journalisten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Was sind Nachrichten ?
2. Was macht eine Radionachricht aus ?
II. Hauptteil
1. Nachrichtenwerttheorie
2. Nachrichtenfaktoren
3. Gibt es objektive Nachrichten ?
3.1. Äußere Objektivität
3.2. Innere Objektivität
3.3. Keine Objektivität
4. Nachrichtenpraxis
4.1. Auswahl der Nachrichten
4.2. Nachrichtenformulierung
III. Schluss
IV. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Wesen journalistischer Nachrichten, wobei der Fokus insbesondere auf Radionachrichten sowie den Mechanismen der Nachrichtenselektion und -formulierung liegt. Es wird erörtert, wie Nachrichtenfaktoren die Auswahl von Informationen beeinflussen und inwieweit das journalistische Ideal der Objektivität in der Praxis realisierbar ist.
- Definition und Besonderheiten der Radionachricht
- Die Anwendung der Nachrichtenwerttheorie in der Praxis
- Diskurs über Objektivität und subjektive Wirklichkeitskonstruktion
- Methoden der Nachrichtenaufbereitung und -formulierung
- Kritische Analyse von Nachrichtenfaktoren im journalistischen Alltag
Auszug aus dem Buch
Nachrichtenfaktoren
Über Nachrichtenfaktoren gibt es in den USA schon seit LIPPMANN (1922) Forschungen, diese wurden unter anderem von WARREN (1934), MILLER (1940), CAMPBELL/WOLSELEY (1949), BUSH (1965) und vielen anderen mehr fortgesetzt, verworfen und umgestellt. In Europa wurde dieser Aspekt von ÖSTGAARD (1965), GALTUNG/RUGE (1965) und SCHULZ (1991) aufgenommen und weiterentwickelt. In der Nachrichtenforschung gibt es Modelle, in denen zwischen sechs bis 13 Faktoren vorkommen. Da sich das Modell von GALTUNG/RUGE durchgesetzt zu haben scheint, geht der Autor nur auf diese zwölf Faktoren ein und nimmt sie als Grundlage seiner späteren eigenen Auswahl.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung definiert das journalistische Produkt Nachricht und erörtert die spezifischen Anforderungen an Radionachrichten.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur Nachrichtenauswahl, diskutiert das Konzept der Objektivität und wendet diese Erkenntnisse in einem Praxisteil auf Ticker-Meldungen an.
III. Schluss: Das Fazit resümiert, dass Nachricht nicht gleich Nachricht ist und die Selektion durch subjektive Einflüsse sowie Nachrichtenfaktoren geprägt wird.
IV. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die für die Hausarbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen auf.
Schlüsselwörter
Nachricht, Journalismus, Radionachricht, Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenselektion, Nachrichtenwert, Gatekeeper, Objektivität, Wirklichkeitskonstruktion, Nachrichtenpraxis, Informationsmittel, Nachrichtenformulierung, Medientheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das journalistische Nachrichtengeschäft mit einem Schwerpunkt auf Theorie und praktischer Anwendung bei Radionachrichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Nachrichten, die Nachrichtenwerttheorie, das Konzept der journalistischen Objektivität und die praktische Selektion von Meldungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Nachrichten entstehen, welche Faktoren die Selektion beeinflussen und warum objektive Berichterstattung in der Praxis kaum möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse der Nachrichtenforschung durchgeführt, ergänzt durch eine praktische Anwendung (Praxisteil), in dem aktuelle Ticker-Meldungen nach den Kriterien der Nachrichtenwerttheorie bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Erörterung der Nachrichtenwerttheorie und der Objektivität sowie einen Praxisteil, in dem konkret nach Nachrichtenfaktoren ausgewählt und formuliert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Nachrichtenwert, Gatekeeper, Radionachricht, journalistische Objektivität und Nachrichtenfaktoren.
Wie definiert der Autor das Problem der „Objektivität“?
Der Autor unterscheidet zwischen äußerer Objektivität (handwerkliche Regeln) und innerer Objektivität (subjektive, unbewusste Beeinflussung) und kommt zu dem Schluss, dass es keine objektive Wirklichkeit im Journalismus gibt.
Warum wurde im Praxisteil die Nachricht über den Start des russischen Wohnmoduls „Swesda“ als „Aufmacher“ gewählt?
Sie wurde gewählt, da sie als „Spektakel“ fungiert, die Rezipienten sensibilisiert und mehrere Nachrichtenfaktoren wie Elite-Nation, Frequenz, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit und Überraschung vereint.
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- Christian Fuchs (Author), 2000, Die Nachricht in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35619