Bildwissenschaftliche Untersuchung des Gemäldes "Dame mit dem Hermelin" von Leonardo da Vinci


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Leonaro da Vinci

Cecilia und Ludovico

Die Beseelung der Figur

Das Hermelin

Die Bekleidung

Das Bild und seine Geschichte

Vergleichbare Gemälde

Literaturverzeichnis

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci (1452-1519) war nicht nur der bedeutendste Renaissancekünstler, sondern auch ein Universalgenie. Seine Forschungen hatten einen großen Einfluß auf die Mathemathik und die Wissenschaft. Mit seiner Neugierde, seinem Tatendrang und seinem unvergleichlich vielfältigem Wissen war er seiner Zeit weit voraus. Sei¬ne Studien umfassen vor allem naturwis¬senschaftliche, sowie anatomische Themen. Was seine großen Meisterwerke kennzeich¬net sind nicht nur die naturgetreuen drei¬dimensionalen Figuren, sondern auch ihr vielschichtiger Ausdruck.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lconardoda Vinci: so genanntes Sclbstporlrait. Rötclzcichnung, ca. 1516

Nach der „Mona Lisa" gilt „Die Dame mit dem Hermelin"(siehe Abbildung rechts) als Leonardo da Vincis schönstes und kost¬barstes Portrait. „Es ist das erste moderne Porträt der Kunstgeschichte, weil es über die Natur hinausgeht, sich eine Interpreta¬tion erlaubt"1, sagt Kurator Stefan Weppel- mann. Das Ich, das Individuum gewinnt in der Renaissance („Wiedergeburt") zu¬nehmend an Bedeutung. Die „Dame mit dem Hermelin" oder auch „La dama con l'ermelino" genannt, ist ein Beispiel dafür. Der Berliner Kunsthistoriker Weppelmann sagt weiterhin, dass die „Dame mit dem Hermelin" ein Wendepunkt des Quatt¬rocento-Porträts ist und es da Vinci nicht mehr um die reine Naturnachahmung gin¬ge. Weppelmann spricht von Seelenkunst, von einem Kunstwerk auf der Schwelle von Abbild zum menschlichen Ausdruck. „Er eröffnet die Möglichkeit, das Wesenshafte, das Unbestimmte ins Bild zu setzen."2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dame mit dcm Hermelin (La dama con l'erme lino) Künstler Leonardo da Vinci Format: ca. 40 X 55 cm Öl auf Holz entstanden um 1489/1490 Czartoryski-Museum, Krakau

Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Form des Portraits, mit Leonardo da Vincis inno¬vativen Techniken, Vorbild für viele andere künstlerische Darstellungen von Persön¬lichkeiten der damaligen Zeit war.

Cecilia und Ludovico

Leonardo da Vinci hat die Dame mit dem Hermelin, die schöne Cecilia Gallerani (1473-1536) um etwa 1489/1490 am Hofe des Ludovico il Moro porträtiert. Nur wenige Jahre später arbeitete er auch am berühmten „Abendmahl", welches vom gleichen Auftraggeber kam, nämlich von dem Mailänder Herzog Ludovico Sforza (1452-1508), auch il Moro „der Dunkle" genannt(ein Spitzname aus seiner Kindheit, wegen seinem schwarzen Haar und seiner dunklen Haut). Ludovico Sforza war un¬ter anderem als großer Förderer Leonardo da Vincis und anderer Künstler bekannt.

Er zählt zu den mächtigsten und einfluss-reichsten Persönlichkeiten der italienischen Renaissance.

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Portrait von Ludov ico „il Moro" Sforza ( 1452-1508)

Zur Zeit der Portraitierung war Cecilia Gal¬lerani etwa 16 oder 17 Jahre alt und die Ge¬liebte des Herzogs von Mailand. 1489 kam sie nach Monastero Nuovo, wo sie schnell das Interesse von Ludovico Sforza weckte. Kurator Stefan Weppelmann ist überzeugt, dass Cecilia weit mehr als nur eine Mätres¬se Ludovicos war. Cecilia durfte wohl ein ganz besonderes Ehrgefühl empfinden, bei Hofe die Geliebte Ludovico Sforzas zu sein. Und auch viele andere, wie der Literat Matteo Bandello, schienen begeistert zu sein von der schönen Cecilia. Sie wurde als gebildete und gelehrte Frau gelobt, sprach fließend Lateinisch und schrieb Poesie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Portrait einer Dame, um ca. 1490 entstanden, zeigt vermutlich Beatrice ď Este ( 147S-1497),

Geheiratet hat Ludovico Sforza sie trotz¬dem nicht. Am 18. Januar 1491 heiratete er, vermutlich vorwiegend aus dynastischem und politischem Interesse, Beatrice d'Este (1475-1497), Tochter des Herzogs von Fera- ra, mit welcher er später zwei Kinder hatte. Cecilia aber blieb selbst nach Ludovicos Vermählung am Hofe, ganz zur Verärge¬rung von Beatrice, welche an körperlichen Reizen nicht mit ihr wetteifern konnte. Nachdem Cecilia am 3. Mai 1491 Ludovi¬cos Sohn Cesare zur Welt brachte, musste sie schließlich auf das beständige Drängen von Ludovicos Gemahlin, doch die herzog¬liche Residenz verlassen, zusammen mit ihrem Kind und ihrem Portrait im Gepäck.

Ludovico sorgte sich trotzdem um Cecili¬as Unterhalt und dem ihres gemeinsamen Kindes. Er verheiratete Cecilia mit einem Mailänder Adligen, dem Grafen Ludovico Carminati de Brambilla, genannt „Il Berga¬mino" und schenkte seinem Sohn Cesare das Castello Sforzesco.

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Portrait von Cecilia (ìallcrani

Trotz der langen Zeit als Geliebte Ludovico Sforzas blieb Cecilias Ruf unbeschadet, ihr Palast wurde zu einem Mittelpunkt gesell-schaftlichen und intellektuellen Lebens.

Quellen zufolge schrieb Isabella d'Este, die Herzogin von Mantua und Schwester von Beatrice d'Este, 1498 (nach dem Tod von Beatrice) einen Brief an Cecilia, in wel¬chem sie um das Portrait von ihr („Dame mit dem Hermelin") gebeten hatte, um es mit Portraits von Giovanni Bellini zu ver¬gleichen. Cecilia willigte ein, schrieb aber zugleich, dass das Portrait nicht mehr ihre wahre Erscheinung zeige, da sie sich seit der Portraitierung doch wesentlich verändert hätte(„per esser fatto esso ritratto in una età sì imperfecta che io ho poi cambi¬ata tutta quella effigie"3 ). Da Cecilia nach ihrer Portraitierung, fünf Kinder zur Welt brachte(ihr erstes Kind Cesare aus ihrer Liebschaft mit Ludovico Sforza und vier weitere Kinder aus ihrer Ehe mit Ludovico Carminati de Brambilla), ist durchaus an¬zunehmen, dass Cecilia während der acht, neun Jahre etwas an Fülle zugelegt hat.

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Portrait von Cecilia (ìallcrani mit Kind

Die Beseelung der Figur

„Jeder der sie sieht, auch wenn es zu spät ist, um sie lebendig zu sehen, wird sagen, das reicht für uns, um zu verstehen, was Natur ist und was Kunst."4

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"Jene Figur, deren Haltung die Leidenschaft am besten ausdrückt, von der sie beseelt wird, ist besonders lobenswert." Leonardo da Vinci

Bernardo Bellincioni, Poet am Hofe Ludovico Sforzas schrieb diese Zeilen um 1493 in Flo¬renz über das außergewöhnliche Portrait der Cecilia Gallerani. Weiterhin schrieb er, sie sei so lebendig, dass die Dargestellte zu lauschen scheine.5

Und tatsächlich wirkt die Dame mit dem Hermelin sehr lebendig, und das obwohl alles konstruiert und nichts zufällig ent¬standen ist. Das Portrait wirkt wie aus dem Leben gegriffen, fast wie ein Schnapp¬schuss. Cecilias Körper ist nach rechts gedreht und sie sieht über die Schulter, als hätte soeben jemand nach ihr gerufen. Auf ihren Lippen, ein geheimnisvolles Lächeln. Von der zarten Hand führt uns das Licht auf den hell leuchtenden Winterpelz des Hermelins, welchen sie zärtlich im Arm hält. Und auch das Hermelin, blickt in die selbe Richtung wie die Dame. Man wird durch das Verhalten der Frau und auch des Hermelins angezogen, man möchte selbst wissen, wem ihre Blicke gelten. „Leonardo nutzte dabei ein Phänomen für die Male¬rei, das schon Aristoteles in seiner Poetik benannt hatte: den angeborenen Hang zur Nachahmung."6

In beiden Gattungen der Malerei, dem Por¬trät und dem Historienbild, ist nach Mei¬nung Leonardos die Beseelung der Figur entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Dargestellten. Damit geht Leonardo weit über die Forderung Albertis hinaus, der den handelnden Menschen nur im Zusam¬menhang mit dem Historienbild vorgestellt hatte. „Wenn die Figuren nicht lebendige und derartige Gebärden machen, dass sie damit in ihren Gliedern die Absichten der Seele ausdrücken, so sind sie doppelt tot.

[...]


1 http ://www.stern.de/kultur/kunst/gesichter- dcr-rcraissance-die-dame-mrt-dem-hermelin- reist-nach-bcrlin-1720474.html

2 http ://www.stern.de/kultur/kunst/gesichter- dcr-rcnaissance-die-dame-mit-dem-hermelin- reist-nach-bcrlin-1720474.html

3 http://www.creval.it/gallerie_en/eventi/ cecilia.htm

4 http://www.dame-mit-hermelin.de/

5 „minikunstfiiihrer Leonardo da Vinci“. Elke Linda Buchholz, 1999, S.29

6 http://lco.skyar.com/hcrmcl.htm

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bildwissenschaftliche Untersuchung des Gemäldes "Dame mit dem Hermelin" von Leonardo da Vinci
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V356238
ISBN (eBook)
9783668417885
ISBN (Buch)
9783668417892
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit Bildern, Zitaten, Fakten, Theorien und Literaturverzeichnis
Schlagworte
Dame mit dem Hermelin, Leonardo da Vinci, Bildwissenschaften, Kunstgeschichte, Faltenwurf, Tierdarstellungen, Portrait, La dama con l ́ermelino, Seelenkunst, Cecilia Gallerani, Ludovico Sforza, Beatrice d’Este, Beseelung der Figur, Hermelin, Reiterstandbild, Bekleidung, Kunstraub, Retusche, La Bele Feroniere / Leo- nard d‘awinci
Arbeit zitieren
Mila Vie (Autor), 2013, Bildwissenschaftliche Untersuchung des Gemäldes "Dame mit dem Hermelin" von Leonardo da Vinci, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356238

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