Eignung neuer Kommunikationsmedien für die Sicherung innovativer Ideen am Beispiel der Bewegten Schule Online


Magisterarbeit, 2004

116 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragestellung und Forschungsdesign

3. Das Projekt Bewegte Schule Niedersachsen
3.1 Begründung der Projektidee
3.2 Ebenen des Projektes
3.3 Ziele des Projektes
3.4 Nachhaltigkeit eines Projektgedankens
3.5 Das Projekt "Bewegte Schule Online"
3.6 Projektseminar "N21: Bewegte Schule ans Netz"

4. Gesellschaft und medienvermittelte Information
4.1 Die Idee der Wissensgesellschaft
4.1.1 Information
4.1.2 Wissen
4.1.3 Innovation
4.1.4 Innovationen in der Wissensgesellschaft
4.1.5 Innovationen in Deutschland
4.1.6 Das Versprechen der Neuen Medien
4.2 Entwicklung und Bedeutung des Internet
4.2.1 Definition – Was ist das Internet?
4.2.2 Technik und Entwicklung des Internet
4.2.3 Institutionalisierung
4.2.4 World Wide Web: Das Internet ist in der Normalität angekommen
4.2.5 Hypertext als Aufbruch in nicht-lineare Informationsverknüpfung

5. Systemtheoretische Perspektive
5.1 Begründungszusammenhang
5.2 Zur Funktion sozialwissenschaftlicher Theorie
5.3 Die Theorie sozialer Systeme von Niklas Luhmann
5.3.1 Was ist ein System?
5.3.2 Struktur und Komplexität
5.3.3 Das Verhältnis von Handlung und Kommunikation
5.3.4 Funktionale Analyse der Bewegten Schule Online
5.3.5 Kommunikation und Medien

6. Evaluation der Bewegten Schule im Internet
6.1 Nutzung von bewegteschule.de
6.1.1 Entwicklung der Zugriffszahlen seit dem Online-Start
6.1.2 Ergebnisse der Log-File-Analyse: Besucher
6.1.3 Ergebnisse der Log-File-Analyse: Download-Volumen
6.1.4 Bewertung und Einordnung der Zugriffszahlen
6.2 Inhaltsanalyse der Multimedia CD-ROM
6.2.1 Definitionen: CD-ROM, Multimedia und Digitalisierung
6.2.2 Methodik der Inhaltsanalyse
6.2.3 Aufbau und Struktur der CD-ROM
6.2.4 Zur Funktion der CD-ROM
6.2.5 Ausblick
6.3 Inhaltsanalyse der Newsletter
6.3.1 Newsletter und Mailinglisten
6.3.2 Der Newsletter von Bewegte Schule Online
6.3.3 Funktion der Newsletter
6.4 Klassifikation der E-Mail-Kontaktanfragen
6.5 Befragung der Newsletter-Abonnenten
6.5.1 Allgemeine Kennzeichen der Befragung
6.5.2 Technischer Hintergrund des Fragebogens
6.5.3 Einsatz des elektronischen Befragungsverfahrens
6.5.4 Konsequenzen für die Befragung der Newsletter-Abonnenten
6.5.5 Auswahlverfahren
6.5.6 Durchführung der empirischen Untersuchung
6.6 Ergebnisse der Befragung
6.6.1 Soziodemografische Merkmale der Nutzer von BSO
6.6.2 Medienausstattung
6.6.3 Einstellungen zu den Neuen Medien
6.6.4 Internetnutzung
6.6.5 Nutzung der Plattform Bewegte Schule Online
6.6.6 Bewertung der Nützlichkeit von bewegteschule.de
6.6.7 Potentiale neuer Medien zur nachhaltigen Projektsicherung

7. Strategien für eine nachhaltige Projektentwicklung

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
Anhang a: Anschreiben der Newsletterabonnenten per E-Mail vom 16.7.2004
Anhang b: Anschreiben der CD-Besteller per E-Mail vom 8.8.2004
Anhang c: Nachfassschreiben an die Newsletterabonnenten per E-Mail vom 7.9.2004
Anhang d: Nachfassschreiben an die CD-Besteller per E-Mail vom 8.9.2004
Anhang e: Der Newsletter von Bewegte Schule Online
Anhang f: Fragebogen
Anhang g: Randauszählung (Diagramme)
Anhang h: "Bewegte Schule Archiv-CD-ROM 2003/2004"
Anhang i: Erklärung

Index

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Informations- und Wissensgesellschaft im Google-Vergleich

Abb. 2: Wachstum der Internetrechner (hosts). (Slater 2002, Folie 42)

Abb. 3: Startseite von bewegteschule.de vom 15.2.2004

Abb. 4: Informationsbörse von bewegteschule.de (Ausschnitt)

Abb. 5: Linksammlung von bewegteschule.de (Kategorienübersicht)

Abb. 6: Kontaktformular von bewegteschule.de

Abb. 7: Formular zum Erfassen der E-Mail-Adresse für den Newsletter

Abb. 8: Bestellseite für die „Archiv-CD-ROM 2003/2004“

Abb. 9: Webserver-Statistik für bewegteschule.de in der Monatsübersicht

Abb. 10: Besucher: Juli 2003 bis Juli 2004 (für April 2003 liegen keine Daten vor)

Abb. 11: Durchschnittliche Anzahl Besucher/Tag

Abb. 12: Korrelation von Besuchern und Download-Volumen im März 2004

Abb. 13: Anzahl Links (Treffer) im Internet, die auf die Internetseite verweisen

Abb. 14: Das Hauptmenü der CD-ROM von Bewegte Schule Online

Abb. 15: Anzahl monatlich verkaufter Archiv-CD-ROMs (nur Internetbestellungen)

Abb. 16: Entwicklung der Newsletterabonnentenzahlen

Abb. 17: Inhaltsanalyse der Newsletterbeiträge nach Kategorien

Abb. 18: Klassifikation der eingegangen E-Mails an www.bewegteschule.de

Abb. 19: Art der Kontaktaufnahme mit bewegteschule.de

Abb. 20: Bewertung der Nützlichkeit von bewegteschule.de

Abb. 21: Bewertung der Nützlichkeit von BSO: Bewegtes Lernen im Unterricht

Abb. 22: Bewertung der Nützlichkeit von BSO: Pressemitteilungen

Abb. 23: Internetplattform und Newsletter im Vergleich

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Ansicht von Soziologen leben wir heute in einer ausdifferenzierten Gesellschaft mit hoch spezialisierten Subsystemen, die jeweils einen spezifischen Beitrag zum Gelingen von Gesellschaft beisteuern. Das Hauptproblem ist dabei die Reduktion von Komplexität und das Gelingen von relativ unwahrscheinlicher Kommunikation. Wenn wir morgens aufstehen und die Vielfalt an Handlungs-möglichkeiten betrachten (liegen bleiben, aufstehen, Kaffee kochen,

beten, duschen, lesen ...), bekommen wir einen ersten Eindruck dieser These.

Sind die Dienste des Internet eine Antwort auf die „alten Fragen“ nach einer besseren und effizienteren Kommunikation? Im Cartoon trägt der eigenwillige Lösungsvorschlag des Schülers nicht gerade zur Reduktion von Komplexität bei. Es zeigt sich, dass auch beim Einsatz von neuer Technologie (z.B. Internet, CD-ROM) neben Problemlösungsstrategien auch Fragen entstehen, die sich aus der Qualität des Mediums ergeben. Man fühlt sich an die Heisenberg’sche Unschärferelation erinnert: Beim Aufbau einer Internetseite werden einerseits Hoffnungen auf einen effizienten Umgang mit einer Projektidee verbunden, gleichzeitig erhöht sich durch den Einsatz der neuen Technik die Binnenkomplexität des neu etablierten Kommunikationssystems.

In der gegenwärtigen Diskussion um die sogenannten Neuen Medien (neu waren auch schon der Videorekorder oder das Kabelfernsehen) fällt auf, dass Veröffentlichungen, die den Novitätscharakter des Mediums „Internet“ herausstellen, zunehmend durch Beschreibungen konkreter Anwendungsfälle ersetzt werden. Die Zeiten des Staunens ob der neuen Möglichkeiten (E-Mail, Internet, Multimedia) scheinen durch einen veralltaglichten Einsatz abgelöst worden zu sein. Die Magie des Internet ist der Entzauberung durch elegante Benutzeroberflächen, kommerzialisierte Dienste und Zweckmäßigkeit gewichen – die Faszination bleibt. Durch die Leistungsversprechungen des Internet werden zunehmend mehr Anwendungskontexte erschlossen und gesellschaftliche Funktionsbereiche in das digitale Format übertragen. Der kommerzielle Sektor bleibt der entscheidende Innovationsmotor, dessen Entwicklungen auch auf andere Bereiche ausstrahlen. Die „alten Fragen“ nach einer besseren Organisation des Wissens werden durch die „neuen“ Medien zugleich neu und anders beantwortet.

Neue Formen der Kommunikation und Rezeptionsmöglichkeiten von Informationen werden in dieser Arbeit am Beispiel der Internetseite www.bewegteschule.de herausgearbeitet.

Dabei begegnen uns die „alten Medien“ in Form von digitalisierten PDF-Dokumenten und Literaturhinweisen, die über das Internet vorgestellt werden. Anstatt einer separaten Betrachtung des Internet fordert Nicola Döring (2003) das Einnehmen eine medienökologischen Perspektive, um Aneignung und Gebrauch des neuen Mediums in Handlungskontexten zu beschreiben. Der Handlungskontext, der dieser Arbeit zu Grunde liegt, ist ein pädagogischer, da die Nutzerinnen und Nutzer der Internetplattform vornehmlich an Schulen tätig sind. Die konkrete Bezugnahme auf den Anwendungskontext der Bewegten Schule im Internet soll es ermöglichen, Strukturen des Online-Projekts herauszuarbeiten, die in Form von Handlungsempfehlungen auch für ähnliche Projektvorhaben nutzbar gemacht werden können.

2. Fragestellung und Forschungsdesign

In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, inwieweit sich die neuen Kommunikationsmedien – repräsentiert durch Internet und Multimedia-CD-ROM – für die Sicherung eines innovativen Projektgedankens eignen. Dazu sollen theoretische Überlegungen zur medienvermittelten Information (Kapitel 4) und die empirischen Ergebnisse aus der Evaluation der Internetplattform bewegteschule.de (Kapitel 6) zu einer hinreichenden Klärung der Fragestellung führen.

Die Idee für dieses Forschungsthema entwickelte sich im Laufe meiner redaktionellen Arbeit an der Internetplattform Bewegte Schule Niedersachsen. Diese Tätigkeit wird ständig von der Frage begleitet, wie ein nachhaltiger Aufbau einer Internetplattform gelingen kann und welche Bausteine (z.B. Newsletter oder CD-ROM) sich als nützlich erweisen.

Die Evaluation der Internetplattform ist als eine Wirkungskontrolle zu verstehen. Die bisher ergriffenen Maßnahmen zum Aufbau der Internetplattform Bewegte Schule Online (bewegteschule.de) sollen auf Wirkung und Nachhaltigkeit überprüft werden. Aus den erhaltenen Daten werden Empfehlungen entwickelt, die im Kontext der Internetplattform Bewegte Schule Online handlungsleitend relevant sind. Gleichzeitig sollen auf allgemeiner Ebene Perspektiven für eine effizientere Nutzung der neuen Kommunikationsmedien aufgezeigt werden. Zielgruppe für diese Empfehlungen sind Planungsgruppen für Online-Projekte, Webmaster und Redakteure, die sich mit der Übertragung einer Projektidee auseinandersetzen.

Vorteil dieser Untersuchung ist der direkte Praxisbezug. Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen stammen aus der konkreten Arbeit mit der Internetplattform bewegteschule.de und wirken wiederum auf diese zurück. Gleichzeitig liegen hier auch die Grenzen der Untersuchung. Die Fragestellung dieser Arbeit ist nach dem Kenntnisstand des Verfassers in der Literatur bisher nicht behandelt worden.

3. Das Projekt Bewegte Schule Niedersachsen

Vorausgeschickt werden soll an dieser Stelle eine einführende Projekt-beschreibung zum Zweck der Einordnung des Untersuchungsgegenstandes (der Internetplattform „Bewegte Schule Online“) in den Kontext des Projektes "Niedersachsen macht Schule durch Bewegte Schule".

Das Projekt "Niedersachsen macht Schule durch Bewegte Schule" wurde 1998 durch das Niedersächsische Kultusministerium für drei Schuljahre (1998-2001) ins Leben gerufen und durch verschiedene Kooperationspartner[1] und Förderer unterstützt.[2] Das Sportdezernat der Bezirksregierung Braunschweig hat für das Land Niedersachsen die Leitung und Koordinierung übernommen. Zur Umsetzung des Projektvorhabens wurden zwei Lehrkräfte an das Sportdezernat delegiert, die als mobiles Team[3] die Aufgabe übernommen haben, das Projekt zu koordinieren. Im Verbund mit Unterstützern sollten bei den Kooperationspartnern und im Schulsystem Strukturen gestaltet werden, um die Ziele des Projektes (Kapitel 3.2) zu erreichen.[4] In der Praxis bedeutet dies aber nicht, dass mit Hilfe des mobilen Teams die Leitideen unreflektiert und in allen Punkten auf die Bildungseinrichtungen übertragen werden sollten, sondern das Lehrkräfte oder Schulen „diejenige Leitidee als Einstieg auswählen, durch die sie sich am meisten angezogen fühlen“[5].

3.1 Begründung der Projektidee

In dem Beitrag „Veränderte Kindheit – veränderte Schule“ aus der ersten Handreichung zur Bewegten Schule in Niedersachsen gibt Zimmer (1999) begründete Argumente für bewegten Unterricht und ein neues didaktisches Konzept: „Leben und Lernen mit allen Sinnen“. Insbesondere werden die Veränderungen in der Lebenswelt von Kindern – unter anderem der stark zunehmende Medieneinsatz (Kapitel 3.1.1) – für verschiedene Auffälligkeiten und Krankheitsbilder bei Kindern verantwortlich gemacht.[6] Daraus ergibt sich nach Zimmer notwendigerweise die Forderung nach einem neuen pädagogischen Leitbild:

„Lernen mit allen Sinnen muß zur didaktischen Forderung für alle Institutionen werden, die sich die Bildung und Erziehung von Kindern zur Aufgabe machen.“[7]

Die zunehmende Mediennutzung als freizeitgestaltendes Element bei Kindern und Jugendlichen führt nach Zimmer zu einer zunehmenden Verarmung an Erfahrungen:

„Eine besondere Rolle spielen in dieser sinnenarmen Welt die Medien. Sie drohen zu Ersatzdrogen für vorenthaltene Primärerfahrungen zu werden, Drogen, die dazu verführen, gelebt zu werden, anstatt selber zu leben.“[8]

Medien sind nach der KIM-Studie (2002) wichtiger Bestandteil in der Freizeitgestaltung von Kindern.[9] Neben den klassischen Massenmedien wie Fernsehen, Radio, Tageszeitung, Fachzeitschriften haben besonders das Internet und das Handy an Bedeutung gewonnen. Während im Jahr 2000 nur sechs Prozent der 6 bis 13-Jährigen ein eigenes Handy besaßen, waren es 2002 schon 16% (KIM-Studie 2002, 18). Einen eigenen Internetanschluss hatten 2002 nur 5% der Kinder, wobei berücksichtigt werden muss, dass in 47% der Haushalte ein Internetanschluss zur Verfügung stand und der Zuwachs gegenüber 2000 (27% der Haushalte mit Internetanschluss) bemerkenswert ist. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt die persönliche Medienausstattung stark zu.[10] Im Jahr 2002 verfügten 82% der 12- bis 19Jährigen über ein eigenes Handy. Die enorme Dynamik, mit der das Handy als neues Kommunikationsmedium Einzug in die Jugendzimmer gehalten hat wird deutlich, wenn man bedenkt, dass 1998 nur 8% der Jugendlichen ein eigenes Handy besaßen.[11]

Laut einer repräsentativen Studie (n=1.718) des Instituts für Jugendforschung (IFS[12] ) nimmt nicht nur die Zahl der Handynutzer zu, sie werden gleichzeitig auch immer jünger: 2004 telefoniert bereits jedes zweite Kind zwischen 11 und 12 Jahren mit dem eigenen Handy.[13] Die häufigsten Aktivitäten sind neben dem Telefonieren das Verschicken von SMS-Nachrichten und Handy-Spiele. Da sich das Verhältnis von Minuten, die über das Festnetz telefoniert werden, immer weiter zu Gunsten des Handys verschiebt, muss der Handynutzung unter dem Gesichtspunkt der Mobilität in den nächsten Jahren große Bedeutung zugestanden werden. Durch den Einsatz dieser portablen Endgeräte kann auch die Internet-Nutzung in anderen Kontexten (unterwegs im Zug, in der Schule etc.) erfolgen.[14] Angesichts dieser rasanten Entwicklung ist es nicht verwunderlich, dass aussagekräftige Studien zur Nutzung von Handys bislang nicht vorliegen. Dagegen ist die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen besser erforscht. Hier ist eine Veränderung der Nutzungsmuster bei den Kindern zu beobachten. Das Internet hat in den Jahren 2000-2003 an Bedeutung gewonnen: 52% der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren nutzten 2002 das Internet. Die am häufigsten genutzten Dienste waren dabei E-Mail (39%) und die themenspezifische Informationsbeschaffung (74%)[15]. Von den 14- bis 19Jährigen nutzten 2003 schon 81% das Internet.[16] Auch hier lässt sich ein deutlicher Anstieg der Nutzerzahlen in den letzten Jahren feststellen.

Diese Entwicklungen können als Indiz für eine Prioritätenverschiebung in der Mediennutzung und der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen gedeutet werden. Wenn davon ausgegangen wird, dass jedem Kind ein individuelles Zeitbudget zur Verfügung steht, so wird sich die vermehrte Nutzung des Internet oder des Handys zu Lasten der Nutzungsdauer der traditionellen Medien (TV, Radio, Buch, Zeitung etc.) verschieben. Dieser Effekt verstärkt sich, da das Internet sämtliche Dienste der alten Medien in Verbindung mit seinen spezifischen Vorteilen zur Verfügung stellt:

„In den nächsten Jahren wird das besondere Augenmerk auf der Frage liegen (müssen), wie sich „alte“ und „neue“ Medien längerfristig zueinander positionieren – insbesondere auch, inwieweit aus den neuen Konstellationen strategische Allianzen entstehen werden.“[17]

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Erfahrungen in zunehmendem Maße über das Medien „Bildschirm“ gemacht werden. Wie aber kann nun ein Medium, das für eine Verarmung an Wahrnehmung und Bewegung mitverantwortlich gemacht wird, durch einen Projektgedanken für mehr Bewegung in den Schulen sorgen? Diese Einsicht können wir nur erhalten, wenn wir uns von den kausalen Ursache-Wirkungsschemata (nach dem Muster: „Kinder, die vermehrt die Neuen Medien nutzen, bewegen sich weniger.“) verabschieden und scheinbar paradoxe Eigenheiten von Gesellschaft akzeptieren. Die Neuen Medien können, je nach Kontext, positiv wie negativ auf die Entwicklung von Kindern wirken.

3.2 Ebenen des Projektes

Kleine-Huster und Pilz-Aden (2000) unterscheiden zu Beginn der Planungsphase (Oktober 1998) verschiedenen Projektebenen:[18]

1. Ebene: Die konkrete Aufgabe [ Handlungsebene ]
2. Ebene: Operationaler Ablauf des Projektes [ Operation ]
3. Ebene: Vermittlung zwischen Projekt und Gesamtbetrieb
[ Kommunikation ]
4. Ebene: Rückkopplungsfolgen im Gesamtbetrieb [ Rückkopplung ]
5. Ebene: Psychosoziales und emotionales Geschehen [ Personen (Psychische Systeme) ]

Diese in der zweiten Handreichung zur Bewegten Schule Niedersachsen veröffentlichten Planungsschritte sollen nach Angaben der Autoren dazu dienen, den Prozess für den externen Beobachter nachvollziehbar zu machen. Zu beobachten ist dabei ein systemisch angelegtes Projektmanagement, das zwischen Handlungsebene, Operation, Kommunikation, Rückkopplung und den Personen unterscheidet. Ich habe diese Begrifflichkeiten den Planungsebenen zugeordnet, da es sich dabei um zentrale Kategorien der Theorie sozialer Systeme handelt, die im Zuge dieser Arbeit sowohl theoretisch (Kapitel 5) als auch hinsichtlich ihres Stellenwertes für das Projekt Bewegte Schule untersucht werden.

Die Handlungsebene beschreibt die praktische Projektebene, wie sie sich beispielsweise für die zwei Lehrkräfte des mobilen Teams mit Kindern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und Kooperationspartnern an den Schulen in Niedersachsen darstellt.

Unter Operation kann man die inneren Prozesse (z.B. Arbeitsabläufe) des Projektes verstehen. Die Identität des Projektes rückt in das Zentrum der Betrachtung, wenn von den Autoren nach den Systemgrenzen und den Strukturen des Projektes gefragt wird, also in welchen Rahmen und nach welchem Selbstverständnis „operiert“ wird. Ebene 3 fasse ich unter dem Aspekt der Kommunikation zusammen, da eine Vermittlung eng mit dem Begriff des Mediums verknüpft ist, über das die Vermittlung abläuft.

Rückkoppellungen oder Rückmeldungen entstehen wiederum als kommunikative Akte, die auf das Projekt zurückwirken und dort möglicherweise Anpassungen der Struktur hervorrufen. Mit der psychosozialen bzw. emotionalen Ebene sollen ganzheitliche Perspektive des Projektgedankens vervollständigt werden. Wichtig ist hier die Frage, inwieweit die durch das Projekt angestrebten Veränderungen auf Widerstände stoßen.

Dieser Prozess der Selbstreflexion ist sehr nützlich, da es dem Beobachter ermöglicht, die Entwicklungsschritte des Projekts zu verfolgen und dadurch frühzeitig auf konzeptionelle Probleme aufmerksam zu werden.

3.3 Ziele des Projektes

In der Veröffentlichung zur Bewegten Schule Niedersachsen fasst Kleine-Huster (2000) die Ziele des Projektvorhabens zusammen:

„Zentrale Leitidee des Projektes ist es, dass die Bewegung und die Wahrnehmung der Kinder für eine gesundheitsfördernde Persönlichkeits-entwicklung wertzuschätzen ist. Lehrkräfte können die Bedeutung von Bewegung und Wahrnehmung als integralen Bestandteil des Lernens und zur Gestaltung des Schullebens in allen Bereichen erkennen und umsetzen.“[19]

Aus dieser Leitidee lassen sich Aufgaben ableiten, die durch das mobile Team gefördert werden sollen:[20]

- Lernen und Lehren mit allen Sinnen fördern.
- Innen- und Außenräume gestalten – vom Leerraum zum Lernraum.
- vielfältiges Schulleben gestalten.
- Schulprogramme entwickeln, die der Ausprägung der Schule entsprechen.
- Alltagstaugliche Konzepte für ganzheitliches Lernen und Lehren erarbeiten, zusammentragen und veröffentlichen.
- Interaktive Arbeits- und Kommunikationsstrukturen entwickeln und ausbauen, die über das Projektende hinauswirken.

Zur Zeit der Projektdurchführung gab es in Niedersachsen 2.400 Grundschulen und Orientierungsstufen, die als Kernzielgruppe ausgemacht wurden:

„Zielgruppe in dem Projekt Bewegte Schule sind die Kinder, die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern. Mit diesem Projekt werden besonders Schulen der ersten sechs Jahrgänge angesprochen (Grundschulen, Orientierungsstufen, Sonderschulen, Integrierte Gesamtschulen), die die oben genannten Leitideen für wichtig erachten und auch entsprechende Handlungsziele erreichen wollen. [...] In Niedersachsen sind demnach ca. 2400 Schulen angesprochen.“[21]

Eine vollständiger Erschließung sämtlicher Schulen war nicht möglich, jedoch ist die „Einbeziehung möglichst vieler Schulen in das Projekt und die Verwirklichung einer Bewegten Schule in möglichst vielen Fällen“ ein wichtiges Planungsziel.[22] Es sollten durch die Vor-Ort-Arbeiten des mobilen Beratungsteams Anregungen zu einem nachhaltigen Kommunikations- und Handlungsprozess übermittelt werden:

„[...] d.h. jetzt sind Weichen zu stellen, damit der handlungsleitende Grundgedanke des Projektes auch über diese Dauer hinaus wirkt und in den bestehenden Organisationen der Schule weiter getragen wird.“[23]

Die Beteiligung der Schulen war nach einjähriger Projektlaufzeit nach Angaben der Handreichung 1999 erfreulich. So haben sich nach Kück (1999) 1.000 niedersächsische Schulen zu dem Projekt informiert, wobei aus den Materialien nicht genau hervorgeht, inwieweit die Absicht der Schulen, sich zu einer Bewegten Schule zu entwickeln, auch umgesetzt wurde.

Nach dem Abschluss der Arbeit des mobilen Beratungsteams wurden Ziele formuliert, die sich insbesondere mit der Nachhaltigkeit des Projektgedankens der Bewegten Schule befassten. Da ein Projekt per Definition schon zeitlich begrenzt angelegt ist, mussten Strategien entwickelt werden, die den Projektgedanken über das Projektende hinaus wirksam werden lassen konnten. Nachhaltigkeit wurde als Planungsziel relevant:

„Dabei wird es auch darauf ankommen, dass ein Arbeits- und Kommunikationsnetz auf- und ausgebaut wird, das die im Zusammenhang mit dem Projekt gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse nach dessen Beendigung wirksam bleiben und werden lässt.“[24]

Im November 2001 wurde mit Beendigung der eigentlichen Projektphase diese Idee in Form der Internetplattform bewegteschule.de umgesetzt. Eine ausführliche Beschreibung der Website wird unter Kapitel 6. vorgenommen.

3.4 Nachhaltigkeit eines Projektgedankens

Seit der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (1992) wird nachhaltige Entwicklung vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten diskutiert.[25] Dabei soll das Wirtschaftswachstum mit einer ökologischen Tragfähigkeit und Verteilungsfairness für die nachfolgenden Generationen in Einklang gebracht werden:

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“[26]

Diese allgemeine Definition wurde in Rio de Janeiro um die soziale und ökonomische Dimension erweitert. Leben wir heute in einer Kultur der Nachhaltigkeit? In der wissenschaftlichen, politischen und öffentlichen Diskussion wird der Begriff in fast allen gesellschaftlichen Kontexten als handlungsleitendes Prinzip gebraucht. So wird in Szenarien zur Zukunft der Menschheit davon ausgegangen, dass „die Weltbevölkerung wahrscheinlich bereits um das Jahr 1978 die Kapazitätsgrenze der Erde für ein nachhaltiges Wachstum erreicht hatte“.[27] In der Forschung werden Preise für nachhaltige Konzepte vergeben (z.B. Braunschweig-Preis der Physiker 2001), Politiker aus allen Lagern sprechen sich für nachhaltige Konzepte aus, und Ökonomen versuchen, globalen Wohlstand durch nachhaltiges Wirtschaften zu erreichen.[28] Angesichts der Komplexität dieser globalen Debatte sieht Radermacher (1999) Problemlösungspotentiale bei den Neuen Medien:

„Das Potential des technischen Fortschritts ist enorm, und keine Technologie hat je so große Chancen eröffnet, wie die Informations- und Kommunikations-technik.“[29]

Radermacher bleibt mit seinen Aussagen allerdings vage. Potentiale sind selbst noch keine Lösungen und Chancen müssen erst ergriffen und umgesetzt werden. Er setzt seine Hoffnung auf die Dematerialisierung von Ressourcen, dass heißt, aus den vorhandenen Ressourcen bei geringerer Umweltbelastung mehr zu machen. Nach dem Prinzip „Bits statt Atome“ sollen unsere Bedürfnisse durch Telearbeitssysteme, Tele-Medizin und weltweite Ausbildungssysteme (digitale Bibliotheken) befriedigt werden. Wachstum soll dadurch bei schonendem Umgang mit den natürlichen Ressourcen gesichert werden.

Die Nachhaltigkeitsdiskussion hat sich heute stark ausdifferenziert und bezieht nahezu alle gesellschaftlichen Handlungsfelder mit ein. Während auf der Makroebene Probleme einer nachhaltigen Umwelt- und Bevölkerungs-entwicklung diskutiert werden, stehen auf der Mikroebene Fragen zur Sicherung von Nachhaltigkeit in Projekten im Vordergrund. Der Bereich der Bildungspolitik ist in Deutschland ein wichtiges Betätigungsfeld für innovative Projektarbeit. Nur wenig bleibt aber nach Projektende auch erhalten, so dass der Gedanke einer nachhaltigen Projektkonzeption und –praxis umgesetzt werden muss: Woran liegt es, dass viele Ideen zwar erfolgreich erprobt, aber dann keine Nachahmung finden?

In Bezug auf die Bewegte Schule im Internet soll Nachhaltigkeit zunächst als Kommunikationsproblem aufgefasst werden, um danach zu fragen, inwieweit es mit Hilfe neuer Medien möglich ist, diese Kommunikationsprozesse aufrechtzuerhalten, damit Erfahrungen und Erkenntnisse des Projektes nach dessen Beendigung wirksam bleiben.

Nachhaltigkeit kann erst durch Fortführung von Kommunikation erreicht werden. Kommunikation geht wiederum der Handlung voraus. Die Systemtheorie wird für diese Zusammenhänge einige interessante Perspektiven an die Hand geben (Kapitel 5). In welchem Maße das Internet (Kapitel 4.2) als Träger von Informationen und Kommunikationen für eine zukunftsfähige Sicherung eines Projektgedankens dienen kann, gilt es im Zuge dieser Arbeit anhand der Erfahrungen mit der Internetplattform bewegteschule.de zu untersuchen.

3.5 Das Projekt "Bewegte Schule Online"

Die „Bewegte Schule im Internet“, im folgenden auch Bewegte Schule Online oder bewegteschule.de, ist hervorgegangen aus dem Projekt „Niedersachsen macht Schule durch Bewegte Schule“ (Kapitel 3).

Der Antrag der Fridtjof-Nansen-Schule (Hannover), die virtuelle Plattform bewegteschule.de zu entwickeln, wurde beim Niedersächsischen Kultus-ministerium 2001 genehmigt. Die Ziele des Aktionsprogramms n-21 (www.n-21.de) und des Projektes „Niedersachsen macht Schule durch Bewegte Schule“ sollten miteinander verbunden und die praktische Nutzung von Multimedia und Internet erprobt werden.

In einem Anschreiben an die Schulen Niedersachsens stellt Hermann Städtler (Fridtjof-Nansen-Schule) in Abstimmung mit Insa Abeling (Gemeinde Unfallversicherungs-verband Hannover) Ziele des Online-Projekts vor:

„Motiviert hat uns bei unserer Arbeit die Vorstellung, dass Bewegte Schulen durch eine virtuelle Plattform zum Austausch von Informationen über Möglichkeiten und Grenzen ihrer oft sehr unterschiedlichen Arbeit gestärkt werden können. [...] Es eröffnet die Möglichkeit, dass mehrere Redakteure in ganz Niedersachsen über bewegteschule.de schnell und einfach Informationen bereitstellen können.“[30]

Mit dem Ausbau der Internetplattform soll einerseits die Nachhaltigkeit des Projektgedankens gesichert und zugleich die Eignung der neuen Kommunikationsmedien überprüft werden. Im Vordergrund steht dabei der an den Bedürfnissen der Lehrer/Innen orientierte Aufbau der Internetseite:

„Durch den bedarfsgerechten Auf- und Ausbau der multimedialen Arbeitsumgebung sollen das Lernen voneinander und das Lernen miteinander gefördert und vertieft, sowie die zukunftsweisenden Möglichkeiten der praktischen Nutzung von Multimedia und Internet erprobt werden.“[31]

Die technische Realisierung des Basisinternetauftritts wurde von einer Hannoveraner Medienagentur (SL-Media GmbH) übernommen, die den weiteren Ausbau der Plattform begleitend betreut.

3.6 Projektseminar "N21: Bewegte Schule ans Netz"

Zur Unterstützung konnte im Frühjahr 2002 Prof. Dr. Christian Wopp als Dekan des Fachbereichs Erziehungswissenschaften an der Universität Osnabrück für die Projektbegleitung gewonnen werden. Im Rahmen der zweisemestrig angelegten projektorientierten Lehrveranstaltung "N21: Bewegte Schule ans Netz", an der sich 28 Sportstudierende beteiligten, wurde die Internetplattform beginnend mit dem Wintersemester 2002/2003 betreut, ausgestaltet und evaluiert. Die Projektgruppe der Universität Osnabrück verstand sich dabei als Serviceeinrichtung. Eingehende Anfragen (per E-Mail) sollten von den Studierenden durch eine Informationsmanagement-Gruppe aufgenommen und an die zuständigen Redaktionsgruppen weitergeleitet und bearbeitet werden. Die Redaktionsgruppen wurden zusätzlich mit der Erstellung von Beiträgen für den Newsletter und der Erarbeitung innovativer Ideen zur Weiterentwicklung von bewegteschule.de beauftragt.

Aus dieser Projektarbeit ist der „Evaluationsbericht www.bewegteschule.de“ hervorgegangen. Inhalt der Ausarbeitung ist eine qualitative Evaluation über den Zeitraum Juli 2002 bis Juni 2003 und eine quantitative Evaluation auf der Basis der eingegangenen E-Mails. Daraus wurden Strategien für die Fortsetzung des Internetauftritts abgeleitet. Der Bericht zeigt, dass durch die universitäre Projektbearbeitung ein Erfolg in Bezug auf eine positive Entwicklung der Besucherzahlen erreicht werden konnte: Von Juli 2002 bis März 2003 wurde jeden Monat ein Besucherzahlenzuwachs von durchschnittlich 13,5% registriert.

„Werden die Daten über die Gesamtzahl der Besucher sowie jene über die durchschnittliche Besucherzahl pro Tag betrachtet, kann der Arbeit des Seminars ein Erfolg zugeschrieben werden.“[32]

Als problematisch erwiesen sich im Zuge der Seminararbeit neben technischen Schwierigkeiten bei der Einrichtung der notwendigen Kommunikationsstrukturen (E-Mail-Konten, Internetzugang etc.) in erster Linie die Bearbeitung der eingehenden E-Mails von den Besuchern der Internetplattform Bewegte Schule Online. Die Beantwortung der eingegangen Anfragen musste zum Großteil an die Steuerungsgruppe in Hannover übergeben werden, da es sich häufig um allgemeine Material- oder unterrichtsspezifische Anfragen handelte. Insgesamt wurde die Zahl der eintreffenden E-Mails im Vorfeld überschätzt. Im Verlauf der gesamten Seminarzeit (bis Juni 2003) sind rund 30 themenrelevante Mails eingegangen.[33] Dies ist meiner Auffassung nach allerdings nicht als Indikator für ein mangelndes Interesse der Lehrerinnen und Lehrer am Projekt der Bewegten Schule zu werten, sondern eher als ein normales Phänomen angesichts der Besucherzahlen der Internetplattform und des relativ geringen Aufforderungscharakters der Kontaktaufnahme mittels eines Kontaktformulars anzusehen. Die These, dass die Besucher der Plattform tendenziell eine Konsumentenhaltung einnehmen, wird auch durch eine Klassifikation der eingegangen E-Mails bestätigt (Kapitel 6.4).

Das Projekt der Bewegten Schule Online gilt es im nächsten Kapitel in Bezug auf den gesellschaftlichen Diskurs um die Neuen Medien zu besprechen. Im Zuge dieser Analyse werde ich Begriffe erläutern, die im Zuge der Diskussion um die Wissensgesellschaft von hoher Relevanz sind (Kapitel 4.1) sowie den besonderen Charakter des Internet analysieren (Kapitel 4.2). Durch die systemtheoretische Perspektive (Kapitel 5) werde ich versuchen, die Strukturen des Kommunikationssystems Bewege Schule Online herauszuarbeiten.

4. Gesellschaft und medienvermittelte Information

Während Internet-Analysen – bedingt durch die Geschwindigkeit und Dynamik dieses Mediums – eine sehr geringe Haltbarkeitsdauer aufweisen,[34] bestehen einige sozialwissenschaftliche Zeitdiagnosen – wie zum Beispiel die der Wissensgesellschaft (Kapitel 4.1) – seit vielen Jahrzehnten.

Ich möchte an dieser Stelle wichtige Begriffe nicht einfach übernehmen, sondern diese auf Gehalt und Aussagekraft hin überprüfen und zur Aufklärung in der Informationsgesellschaft beitragen.

Die Bewertung der sozialwissenschaftlichen Diagnose soll unter Rückgriff auf die Systemtheorie erfolgen. Es kann geprüft werden, ob sich die Lebensbedingungen von Individuen und gesellschaftliche Wirklichkeit besser erfassen lassen, wenn wir von der Wissensgesellschaft sprechen.[35] Inzwischen konkurriert das Konzept der Wissensgesellschaft neben anderen: zum Beispiel Kommunikationsgesellschaft (z.B. Münch, 2001), Informationsgesellschaft (z.B. Gates, 1995) oder digitale Gesellschaft (z.B. Glotz, 2000).[36] Ob angesichts der neuen Handlungs- und Kommunikationsformen, die sich aus den Strukturen des Internet ergeben, bestehende Theorieentwürfe modifiziert werden müssen, ist dabei eine interessante Forschungsperspektive.

4.1 Die Idee der Wissensgesellschaft

Der Begriff der Wissensgesellschaft wurde erstmals 1966 von dem amerikanischen Soziologen Robert E. Lane in Zusammenhang mit seinen Überlegungen zu Politik und Ideologie eingeführt. Danach war es vor allem Daniel Bell (1973), der den Ausdruck in seinem Werk über die postindustrielle Gesellschaft popularisierte.[37] Darin kommt bereits zum Ausdruck, dass das Wissen als gesellschaftlich relevantes Gut den Materialismus der Industriegesellschaft abgelöst oder ihn zumindest an Bedeutsamkeit überboten haben musste (vgl. Kapitel 3.2.1).

Worin liegt aber die besondere Bedeutsamkeit von Wissen? Leidhold (2001) bemerkt, dass das Wissen „immer schon ein wesentliches Merkmal menschlicher Lebensformen“ gewesen ist.[38] Seine tragende Rolle für die Gesellschaft ergibt sich heute aus der ökonomischen Verwertung des Wissens, seiner Abgrenzung vom Informationsbegriff und seiner Einbettung in völlig neue Kommunikationsverhältnisse durch den Einsatz der Neuen Medien, die in diesem Zusammenhang neue Problemlösungskonzepte versprechen. In diesem komplexen Kontext gilt es den Fokus der Betrachtung auf die Vermittlung von Wissen (als operationalisierte Information) mittels des Internet zu legen.

[...]


[1] Insbesondere die Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Niedersachsen.

[2] Vgl. Kück u.a. (1999), 2

[3] Im Niedersächsischen Kultusministerium ist ab dem 1. September 2003 ein "Mobiles Beratungsteam Neue Schulstruktur" (MBNS) eingerichtet worden, welches die Aufgaben hat, den Aufbau und die Umsetzung der Schulstrukturreform in Niedersachsen zu unterstützen: http://www.mk.niedersachsen.de/master/C2129532_N2129464_L20_D0_I579.html

[4] Vgl. Kleine-Huster (1999), 10

[5] Vgl. Kück u.a. (2000), 48

[6] Vgl. Zimmer (1999), 8

[7] Zimmer (1999), 8

[8] Zimmer (1999), 4

[9] vgl. Feierabend u.a. (2002), 60

[10] Ein eigenes Handy haben nach der JIM-Studie im Jahr 2002 schon 69% der 12- bis 13-Jährigen.

[11] Feierabend u.a. (2003), 17

[12] http://www.institut-fuer-jugendforschung.de/

[13] Diese Ergebnisse ermittelte das IJF Institut für Jugendforschung in einer repräsentativen Umfrage bei 6- bis 22-Jährigen (Basis: n = 1.718 Kinder und Jugendliche).

[14] Vgl. Döring (2003), 557

[15] Hier entfallen 37% auf das Item "Informationen für Schule suchen"

[16] Fluck u.a. (2003), 10

[17] Feierabend u.a. (2003), 72

[18] Vgl. Kleine-Huster u.a. (2000), 13

[19] Kleine-Huster (1999), 8

[20] Vgl. Kleine-Huster (1999), 8

[21] Kleine-Huster (1999), 13

[22] Vgl. Kleine-Huster (1999), 5

[23] Kleine-Huster u.a. (2000), 25

[24] Jürgens-Pieper (2000), 5

[25] Vgl. Huber (2001), 375

[26] Arbeitsgruppe „Informationsgesellschaft und nachhaltige Entwicklung“ (2002), 7

[27] Spektrum der Wissenschaft, März 2002, 73

[28] Zum Beispiel in: Becker-Boost, E. &Fiala, E. (2001). Wachstum ohne Grenzen. Globaler Wohlstand durch nachhaltiges Wirtschaften. Wien: Springer.

[29] Radermacher (1999)

[30] Hermann Städtler (Fridtjof-Nansen-Schule Hannover) in einem Anschreiben an die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung des Projekts Bewegte Schule Niedersachsen. Veröffentlichungsdatum unbekannt.

[31] Infobroschüre „Bewegte Schule auf neuen Wegen - ein Qualitätsnetzwerk“.

[32] Vgl. Walle u.a. (2003), 5

[33] Vgl. Walle u.a. (2003), 10

[34] Vgl. Döring (2003), 1

[35] Vgl. Döring (2003), 35

[36] Autoren für Zeitdiagnosen nach nach Döring, 35

[37] Vgl. Leidhold (2001), 429

[38] Leidhold (2001), 429

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Eignung neuer Kommunikationsmedien für die Sicherung innovativer Ideen am Beispiel der Bewegten Schule Online
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Projektseminar "N21: Bewegte Schule ans Netz"
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
116
Katalognummer
V35627
ISBN (eBook)
9783638354837
ISBN (Buch)
9783638810036
Dateigröße
1870 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und ist sowohl für Soziologen (Systemtheoretische Perspektive), Sportwissenschaftler und Informatiker hilfreich.
Schlagworte
Eignung, Kommunikationsmedien, Sicherung, Ideen, Beispiel, Bewegten, Schule, Online, Projektseminar, Bewegte, Netz
Arbeit zitieren
M.A. Andree Wippermann (Autor), 2004, Eignung neuer Kommunikationsmedien für die Sicherung innovativer Ideen am Beispiel der Bewegten Schule Online, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35627

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