Auschwitz als Instrument der totalen Herrschaft des NS-Regimes

Eine Analyse nach Hannah Arendt


Forschungsarbeit, 2017
18 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Vorstellung des Themas
Überblick über die Gliederung der Hausarbeit

Hannah Arendts Leben
Biographische Kurzvorstellung Arendts
Auswirkungen der Nazi-Herrschaft auf Arendts Leben

Arendt über Herrschaft und Macht
Totale Herrschaft in Nazi-Deutschland
Arendt über Konzentrationslager

KZ Auschwitz
Aufbau und Struktur des KZs Auschwitz
Analyse Auschwitzs mithilfe von Arendts Arbeiten

Fazit
Beantwortung der Leitfrage

Literaturverzeichnis

Einleitung

Vorstellung des Themas

Diese Hausarbeit wurde inspiriert durch Hannah Arendts Schriften über die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland in den dreißiger Jahren. Speziell geht es um die Durchsetzung der totalen Herrschaft mithilfe von Konzentrationslagern, und wie die Systematiken des Konzentrationslagers Auschwitz aus der Sicht von Hannah Arendt zu bewerten sind.

Die Fragestellung dieser Arbeit lautet: Wie sind die Struktur und Abläufe des KZs Auschwitz aus Sicht von Hannah Arendt zu bewerten und inwieweit fügt sich Auschwitz in das totalitäre Herrschaftssystem der Nationalsozialisten ein?

Überblick über die Gliederung der Hausarbeit

Um diesem Forschungsanspruch gerecht zu werden, wird der Hauptteil der vorliegenden Arbeit in mehrere Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt beschäftigt sich dann mit einer speziellen Facette des zugrunde liegenden Themas. Es liegen drei große gedankliche Abschnitte vor.

Das erste Kapitel befasst sich mit dem Leben von Hannah Arendt unter den Einflüssen der NS-Regierung. Ihr Leben wird im ersten Unterkapitel vorgestellt. Im zweiten Unterkapitel werden die Auswirkungen des NS-Regimes auf Arendts Leben und Denken beschrieben.

Im zweiten Kapitel wird die Durchsetzung eines totalen Herrschaftssystems in Deutschland beschrieben. So wird im ersten Unterkapitel untersucht, wie solche Systeme nach Arendts Meinung gestaltet sind. Das zweite Unterkapitel wirft Licht auf die Nutzung von Konzentrationslagern durch das NS-Regime.

Das Augenmerk des dritten Kapitels liegt auf dem Konzentrationslager Auschwitz. Im ersten Unterkapitel geschieht eine Untersuchung der Struktur und der Abläufe des Konzentrationslagers. Das zweite Unterkapitel befasst sich mit einer Analyse von dem Lager mithilfe der von Arendt erarbeiteten Eigenschaften von Konzentrationslagern.

Zum Ende der Arbeit findet sich das Fazit mit einer Beantwortung der Leitfrage.

Hannah Arendts Leben

Hannah Arendt wächst in den Unruhen des Zweiten Weltkrieges auf. Sie sieht sich selbst nicht als Philosophin an, sondern identifiziert sich mit der Rolle einer politischen Theoretikerin. Die genauen Umstände ihres Lebens und das Aufwachsen unter dem Einfluss des Naziregimes sollen in diesem Kapitel beleuchtet werden.

Biographische Kurzvorstellung Arendts

Johanna Arendt, genannt Hannah Arendt, wird 1906 in Linden in der Nähe des heutigen Hannover geboren und stirbt 1975 in New York. Ihre Familie ist jüdisch.

Arendt beginnt im Jahr 1924 das Studium der Philosophie und der Evangelischen Theologie, außerdem studiert sie Griechisch. Mit dem Machtergreifen der NSDAP im Jahr 1933 sieht sich Arendt aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Gefahr. Sie flüchtet deswegen zunächst nach Frankreich. Sie sieht sich jedoch aufgrund des Zweiten Weltkrieges, der sich immer weiter in Europa ausbreitet, gezwungen, im Jahr 1941 nach New York auszuwandern (vgl. Vowinckel 2004, S. 26ff.).

Arendt nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an und lebt bis zu ihrem Tod in den Vereinigten Staaten. Sie arbeitet für unterschiedliche Zeitungen und Verlage, welche hauptsächlich jüdische Interessen vertreten und sich mit der Verarbeitung der NS-Herrschaft auseinander setzen. Außerdem lehrt Arendt an Universitäten und veröffentlicht viele Werke mit Schwerpunkten in Politik, Geschichte und Gesellschaft. Auch die Themen Ethik, Recht und Zivilcourage beschäftigen sie (vgl. Vowinckel 2004, S. 51ff.).

Auswirkungen der Nazi-Herrschaft auf Arendts Leben

Die Machtergreifung und die Gräueltaten der NS-Regierung prägen Arendt sehr nachhaltig. Im Vorfeld der Machtergreifung durch die NSDAP beschäftigt sich Arendt im Rahmen ihres Studiums mit dem Judentum und setzt sich mit ihrer jüdischen Zugehörigkeit auseinander (vgl. Vowinckel 2004, S. 27). Arendt ist sich einer schleichenden Verbreitung des Antisemitismus in Deutschland sehr bewusst. Mit vielen Freunden, Kollegen und ehemaligen Kommilitonen bricht Arendt in den frühen dreißiger Jahren den Kontakt ab, da sie sich aus Sicht von Arendt nicht deutlich genug gegen den weit verbreiteten Antisemitismus positionieren oder da sie gar offensichtlich mit den Nationalsozialisten sympathisieren (vgl. Vowinckel 2004, S. 28f.).

Zunächst scheut sich Arendt, selbst politisch aktiv zu werden, bis sie schließlich im Jahr 1933 beginnt, zionistischen Widerstand zu unterstützen (vgl Vowinckel 2004, S. 30). Sie bietet Menschen Unterschlupf in ihrer Wohnung in Berlin, und beginnt mit der Sammlung von Beweismaterial betreffend antisemitischer Äußerungen von Politikern (vgl. Vowinckel 2004, S. 30).

Im Jahr 1933 werden Arendt und ihre Mutter für kurze Zeit von der Polizei festgehalten. Sie werden wieder auf freien Fuß gesetzt, jedoch überkommt Arendt ein stets schlechter werdendes Gefühl bezüglich ihrer Sicherheit im antisemitisch gestimmten Deutschland.

Unter anderem diese Akte der persönlichen Verfolgung führen letztendlich dazu, dass Arendt im Jahr 1933 mit ihrer Mutter nach Paris flüchtet. Arendt vollzieht diese Flucht mit bitterer Enttäuschung in ihre Mitmenschen. So sagt sie, dass nicht allein die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten für die gegenwärtige Lage in Deutschland verantwortlich gemacht werden kann (vgl. Gaus 1964, S. 22f). Entscheidend für die Zuspitzung der Situation ist das Heraushalten der breiten Bevölkerung. Arendt spricht davon, dass sich die meisten Menschen nicht gegen die Gleichschaltung wehren und deswegen für einen leeren Raum um diejenigen Individuen, die verfolgt werden sollen, sorgen (vgl. Gaus 1964, S. 22f.).

Im Jahr 1951 veröffentlich sie ihr bekanntes Werk The Origins of Totalitarianism, anhand welchem im Folgenden viele wichtige Erkenntnisse rund um die NS-Herrschaft und Konzentrationslager erarbeitet werden sollen (die deutsche Fassung Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft wird 1955 veröffentlicht).

Arendt über Herrschaft und Macht

In diesem Kapitel sollen Arendts Ansichten über totale Herrschaftssysteme und Terror-Regime dargelegt werden. Speziell werden ihre Äußerungen über das Regime der Nationalsozialisten in Deutschland beleuchtet. In einem zweiten Schritt werden Arendts Analysen über Konzentrationslager erläutert. Die Ziele und Zwecke der Lager werden hervorgehoben und die systematischen Abläufe innerhalb der Konzentrationslager erklärt.

Totale Herrschaft in Nazi-Deutschland

Arendt zufolge streben totalitäre Herrschaftssysteme an, die systematische politische Unterdrückung der Bevölkerung als allgemein zu akzeptierende Staatsform zu etablieren. Es sind dem Menschen durch Betrachtung der bisherigen politischen Geschichte einige Regierungsformen wie Diktaturen, Despotien und Tyrannis bereits bekannt und geläufig (vgl. Arendt 1986, S. 703).

Weiterhin beschreibt sie nun jedoch, wie die Herrscher in Deutschland es in den dreißiger Jahren schaffen, ein völlig neues System zu kreieren und zu etablieren. Dieses System hat seinen Ursprung in ideologischen Betrachtungen, welche immer weiter verbreitet und als allgemeine Richtlinien angesehen werden. Arendt sagt über die Ideologien aus, dass sich hierdurch eine Art zu denken ausdrückt, welche sich sämtlicher Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit entzieht (vgl. Schulze-Wessel 2006, S. 109). Gleichzeitig erheben ideologische Denkmuster und Weltansichten den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Andersdenkende werden als Feinde und Bedrohung identifiziert (vgl. Pohlmann 1995, S. 133). Eine scharfe Abgrenzung zu den Feinden wird gefordert, indem Hass und Angst geschürt werden und jegliche Interaktion mit diesen Menschen untersagt oder strengstens kontrolliert wird.

Eine Terrorherrschaft wird sodann durchgesetzt, indem diese Feindbilder deutlich herausgestellt, markiert und isoliert werden. Nach und nach werden diese Feinde dann vernichtet und unschädlich gemacht. Hierbei wird stets betont, welche Gefahr von diesen jeweiligen Menschengruppen für die restliche Bevölkerung ausgeht. Um die Herrschaft dauerhaft aufrechterhalten zu können, müssen immer wieder neue Feindbilder herausgestellt und bekämpft werden (vgl. Arendt 1986, S. 704f.).

Die Durchsetzung der von den Nationalsozialisten angestrebten Herrschaft gelingt ihnen durch eine maschinenhafte, gewissenlose und perfektionierte Ermordung vieler Menschen, die in den Augen des Naziregimes nicht lebenswert sind. Eine derart umfassende Vernichtung menschlichen Lebens aus politisch-ideologischen Gründen habe es laut Arendt zuvor nicht gegeben (vgl. Arendt 1986, S. 705f.).

Arendt formuliert weiterhin, dass die Grundzüge von Politik als solcher in einem totalen Herrschaftssystem völlig verschwinden können (vgl. Young-Bruehl 2004, ohne Seitenangaben). Die totale Herrschaft „sei die radikale Eliminierung der Politik, die sich durch die systematische Eliminierung der Humanität zunächst einer ausgesuchten Gruppe und schließlich jeder Gruppe vollziehe“ (Young-Bruehl 2004). Eigenschaften wie Rechtstaatlichkeit und Anstand verschwinden in totalitären Herrschaftssystemen völlig, und als Angehöriger eines solchen Staates dürfe man sich nicht auf eine gerechte Behandlung verlassen. Anstelle einer rechtmäßigen, vernünftigen und dem Volke zugewandten Politik herrschen in totalitären Herrschaftssystemen der Terror und die Angst vor (vgl. Young-Bruehl 2004).

Auch kann es niemals eine Kooperation von zwei totalen Herrschaftssystemen geben. Ein totalitärer Staat kann stets nur diese eine Staatsform verfolgen und kann auch kein dauerhaftes Bündnis mit anderen Staaten eingehen, da die Interessen der Machthaber sich nach gewisser Zeit widersprechen würden (vgl. Young-Bruehl 2004).

Für die Durchsetzung der barbarischen Ziele der totalen Herrscher sind völlig undenkbar gewesene Einrichtungen notwendig. Diese Einrichtungen sollen sowohl einer allgemeinen Anerkennung der Terrorherrschaft beitragen wie auch die systematische Vernichtung von Menschenleben leisten. Diese Terrorinstitutionen gelten als „Modell und richtungsgebendes Gesellschaftsideal“ (Pohlmann 1995, S. 161).

Ein weiteres Element der Terrorherrschaft in Deutschland stellt Arendt als die Zerstörung von Familienbanden dar (vgl. Young-Bruehl 2004). Eheschließungen werden in Deutschland nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten scharf überwacht. Verbindungen zwischen Deutschen und Ausländern werden unterbunden, und hohe Strafen werden verhängt, sobald ungewünschte Beziehungen bekannt werden. Zum Schutz von Angehörigen verstecken viele Betroffene ihre Beziehungen oder häufig auch ihre sexuellen Vorlieben und/oder Orientierung. Dies führt zu Entzweiungen innerhalb der Familien und zu einer allgemein angstvollen Atmosphäre im Angesicht der totalen Kontrolle durch das Regime (vgl. Young-Bruehl 2004).

Arendt attestiert den deutschen Nationalsozialisten außerdem einen besonders starken Hang zur Bürokratie (vgl. Young-Bruehl 2004). Sämtliche Prozesse des öffentlichen und auch privaten Lebens werden durch das Regime kontrolliert und gemaßregelt.

Die totale Terrorherrschaft übt das Naziregime in Deutschland außerdem über die Implementierung von Konzentrationslagern aus. Es findet massenhafte und systematische Verfolgung von Juden, Migranten, Homosexuellen und Behinderten statt, welche zu großen Teilen in diese Lager gebracht werden (vgl. Young-Bruehl 2004). Dass diese Lager zur Verwahrung der angefeindeten Volksgruppen existieren ist eine Tatsache, von denen vermutlich die meisten Menschen in Deutschland wissen. Welche Dinge sich jedoch genau in den Lagern zutragen, wird der breiten Bevölkerung erst im Nachhinein bewusst.

Arendts Ansichten und Analysen der Konzentrationslager in NS-Deutschland werden im nächsten Kapitel vorgestellt.

Arendt über Konzentrationslager

Laut Arendt sind die von den Nazis errichteten Konzentrationslager Laboratorien, welche die totalen Herrscher aus ideologisch-terroristischen Gründen errichten lassen (Arendt 1986, S. 676).

Die in den Lagern gefangenen Häftlinge sollen soweit umerzogen werden, dass sie auf äußere Reize immer vorhersehbar und gleichförmig reagieren (Arendt 1986, S. 676). Eine Spontaneität im Wesen des Menschen soll abgeschafft werden. Für die Ausübung totalitärer Systeme und für die Implementierung von Terror sind sämtliche spontanen Handlungen unerwünscht (Arendt, 1986, S. 698).

Das Ziel der Lager ist die totale Herrschaft über Menschen (Arendt, 1986, S. 676ff.). Diese absolute Macht über andere Menschen wird laut Arendt mittels Durchlaufen von drei Stufen vollstreckt.

Zunächst wird in der ersten Stufe erreicht, dass der Mensch sich nicht länger als juristische Person wahrnehmen kann (Arendt, 1986, S. 687ff.). Hierzu gehört, dass der Häftling keine Persönlichkeitsrechte mehr besitzt und es keine Richter und kein Gericht gibt, an welche er sich wenden kann. Eine gerechte Behandlung nach den eigentlich geltenden Gesetzen kann der Häftling im Konzentrationslager nicht erwarten. Auch eine Berufung auf allgemeine Menschenrechte oder das Einhalten von universellen Werten können die Häftlinge nicht von ihren Lagerwärtern erwarten. Treten im Lager Verbrechen gegen die Häftlinge auf, können sie sich auf keinerlei Rechte berufen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Auschwitz als Instrument der totalen Herrschaft des NS-Regimes
Untertitel
Eine Analyse nach Hannah Arendt
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V356275
ISBN (eBook)
9783668418066
ISBN (Buch)
9783668418073
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auschwitz, Konzentrationslager, Arendt, Hannah, Nationalsozialismus, Terror, Regime, Diktatur, Juden, Holocaust, Judenverfolgung, Nazi, NS
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Auschwitz als Instrument der totalen Herrschaft des NS-Regimes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356275

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