In diesem Essay wird die Sprechakt-Theorie von John Austin insbesondere auf den Fehler "A.1" hin untersucht, in dem es um die Rolle gesellschaftlicher Konventionen bei der Formulierung von performativen Sprechakten geht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie der Sprechakte und das Problem der Umstände
2.1. Analyse der Unglücksfälle A.1 und A.2
2.2. Gesellschaftliche Konventionen und das Konzept des "Non-play"
3. Explizite versus implizite performative Äußerungen
3.1. Die Rolle der situativen Gegebenheiten
3.2. Höflichkeitsfloskeln und performative Wirkung
4. Kriterien für das Gelingen performativer Äußerungen
4.1. Lokution, Illokution und Perlokution
4.2. Die Verankerung des Sprechaktes in der Redesituation
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die Rolle gesellschaftlicher Konventionen innerhalb der Sprechakt-Theorie von John L. Austin zu untersuchen und zu analysieren, welche Kriterien bestimmen, ob eine performative Äußerung als "normal" gilt oder als "verunglückt" eingestuft werden muss.
- Analyse der Austin'schen Kategorisierung von "Unglücksfällen" (insbesondere A.1 und A.2).
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen situativen Umständen und konventionalem Erfolg.
- Differenzierung zwischen explizit und implizit performativen Äußerungen.
- Erörterung der Bedeutung von Sprechakt, Lokution, Illokution und Perlokution für das Verständnis gesellschaftlicher Normen.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle gesellschaftlicher Konventionen in der Sprechakt-Theorie von John L. Austin
Der Anspruch, den Austin zu Beginn der ersten Vorlesung an seine eigene Theorie hat, ist nicht sehr bescheiden: sie sei „nichts Schwieriges und schon gar nichts Anspruchsvolles“ (S. 25). Nur dass es stimmt, was er zu sagen hat, konstatiert er. Den zweiten Teil dieser Behauptung halte ich nicht für übertrieben, und sein weitreichender Einfluss in verschiedenen Bereichen der Philosophie und der Sprachwissenschaft gibt ihm wohl recht. Dass es sich bei seinen Erläuterungen allerdings um nichts Anspruchsvolles handelt, kann ich so nicht grundsätzlich unterschreiben und ist wohl auch ein wenig kokettierend seinerseits gemeint.
Austin befasst sich mit performatorischen oder auch performativen Äußerungen, durch die also etwas getan wird, das man „natürlich nur unter passenden Umständen“ (S. 29) nicht als „etwas sagen“ bezeichnen würde. Doch worum handelt es sich bei diesen passenden Umständen?
Es ist „immer nötig, daß die Umstände, unter denen die Worte geäußert werden, in bestimmter Hinsicht oder in mehreren Hinsichten passen“ (S. 31). Der deutsche Herausgeber des Werkes, Eike von Savigny, übernimmt die kursive Hervorhebung der Worte „Umstände“ und „passen“ nicht nur zufällig. Die kursive Druckschrift verdeutlicht, dass Umstände nicht objektiv passen oder nicht passen können, sondern dass sich hinter dieser Unterscheidung eine subjektive Einschätzung verbirgt, die gesellschaftlichen Konventionen unterliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema und die Zielsetzung der Analyse der Austin'schen Sprechakt-Theorie im Kontext gesellschaftlicher Konventionen.
2. Die Theorie der Sprechakte und das Problem der Umstände: Untersuchung der Grundlagen von Austins Theorie und der Definition von "Unglücksfällen" bei der Durchführung von Sprechakten.
3. Explizite versus implizite performative Äußerungen: Analyse der Unterschiede zwischen verschiedenen Äußerungstypen und der Bedeutung von Kontextfaktoren.
4. Kriterien für das Gelingen performativer Äußerungen: Synthese der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Verankerung von Sprechakten in der sozialen Realität.
Schlüsselwörter
Sprechakt-Theorie, John L. Austin, performative Äußerungen, gesellschaftliche Konventionen, Unglücksfälle, Fehlberufung, A.1-Fehler, Lokution, Illokution, Perlokution, Sprechsituation, Sprachphilosophie, Konventionalität, Kommunikation, Regelverstoß.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Sprechakt-Theorie von John L. Austin mit einem Fokus auf der Bedeutung gesellschaftlicher Konventionen für das Gelingen oder Misslingen von Äußerungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Sprechakt-Unglücksfällen, die Differenzierung zwischen expliziten und impliziten Performativen sowie die Rolle der sozialen Umgebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung der Frage, was eine Äußerung als "normal" im gesellschaftlichen Sinne qualifiziert und warum bestimmte Äußerungen als "verunglückt" gelten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine textanalytische Methode an, die primär auf der direkten Auseinandersetzung mit Austins Werk "Zur Theorie der Sprechakte" basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von "passenden Umständen", dem Vergleich von A.1- und A.2-Fehlern sowie der Rolle von Kontext und Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprechakt-Theorie, Performative, Konventionen, Fehlberufung und die Unterscheidung von lokutionären und illokutionären Akten.
Was versteht Austin unter dem Begriff "Non-play" im Kontext der Arbeit?
Der Begriff "Non-play" (Fehler A.1) bezeichnet Situationen, in denen der Sprecher das gesellschaftliche Spiel der Konvention nicht mitspielt, wodurch die Handlung scheitert.
Warum ist das Beispiel des Bauarbeiters für die Argumentation wichtig?
Das Beispiel illustriert, dass für das Gelingen einer Warnung ("Vorsicht!") nicht nur die Worte, sondern zwingend die spezifischen Umstände und die soziale Rolle der handelnden Personen erforderlich sind.
- Arbeit zitieren
- Sandra Lill (Autor:in), 2017, Was ist normal? Oder: Der Fehler A.1, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356360