Der Projektbericht zum Praxissemester beschäftigt sich mit einem Teilaspekt der fachgemäßen Arbeitsweisen des Biologieunterrichts, genauer mit dem Erkundungsverfahren Betrachten und dessen Einbindung in einen von Erkenntnisgewinnung bestimmten Fachunterricht. Das Betrachten steht neben dem Beobachten, dem Untersuchen und Experimentieren als eine der vier Erkundungsformen, die im modernen Biologieunterricht praktiziert werden. Um zu ergründen, welche Stellung die Erkundungsform des Betrachtens im Unterricht einnimmt, wird zunächst in Kapitel 2 ein allgemeiner und aktueller Forschungsstand dargelegt, der an die derzeit gültigen Kernlehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen und zeitgenössische Didaktiken angelehnt ist. Kapitel 3 widmet sich als Hauptteil dieser Arbeit dann dem Betrachten als konkretes Erkundungsverfahren in einer exemplarisch vorgestellten Unterrichtsstunde und stellt somit den Bezug zwischen Theorie und Praxis her. Ferner wird die betrachtete Unterrichtsstunde in Bezug auf ihre Planung einer methodisch-didaktischen Analyse unterzogen. Damit soll nachgewiesen werden, wie die Erkundungsform des Betrachtens sinnvoll und zielgerichtet im problemorientierten und durch eigenständiges Erkunden der Schüler geprägten Biologieunterricht angewendet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Erkundungsverfahren des Betrachtens in der Theorie
2.1 Naturwissenschaftliche Grundbildung
2.2 Naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung
2.3 Betrachten – eine Abgrenzung der Begrifflichkeit
2.4 Eine kontroverse didaktische Perspektive auf das Betrachten
3 Das Erkundungsverfahren des Betrachtens im Unterricht
3.1 Die Unterrichtsstunde
3.2 Methodisch-didaktische Analyse
3.2.1 Lernziele und Intention
3.2.2 Lerngruppenanalyse und Lernausgangslage
3.2.3 Kompetenzorientierte Zielsetzung
4 Reflexion
Zielsetzung & Themen
Der Projektbericht untersucht das Erkundungsverfahren des „Betrachtens“ im Biologieunterricht der Sekundarstufe I. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Methode sinnvoll in einen problemorientierten und schüleraktiven Unterricht eingebunden werden kann, um Erkenntnisgewinnung zu fördern.
- Einordnung des Betrachtens als fachgemäße Arbeitsweise im Biologieunterricht.
- Abgrenzung des wissenschaftlichen Betrachtens von alltagssprachlichen Wahrnehmungsprozessen.
- Verknüpfung von theoretischen didaktischen Modellen mit der praktischen Unterrichtsplanung.
- Analyse der Rolle von Beobachtung, Zeichnen und Verbalisierung für den Erkenntnisprozess.
- Reflexion über schülerorientierte Unterrichtsgestaltung und kognitive Aktivierung durch Problematisierung.
Auszug aus dem Buch
2.3 Betrachten – eine Abgrenzung der Begrifflichkeit
Die Erkundungsform des Betrachtens muss vor allem vor dem Hintergrund einer im allgemeinen Sprachgebrauch verankerten Vorstellung des Begriffes präzise abgegrenzt und als naturwissenschaftliche Arbeitsweise verstanden werden. Im Folgenden sollen die Gründe dafür angeführt werden.
„Das bloße Hinsehen vermittelt nur einen oberflächlichen Eindruck eines Objektes“ (Killermann 2013), leitet Killermann seine Definition der fachtypischen Arbeitsweise Betrachten ein. So erfordere es bei einem Spaziergang durch den Park mehr als das ungerichtete Wahrnehmen verschiedener Bäume, um anschließend genaue Eigenschaften oder Charakteristika dieser Vielfalt wiederzugeben (cf. ebd.). Somit werden ein „aufmerksames, bewusstes Erfassen von Erscheinungen [sowie] eine aktive Auseinandersetzung mit dem Gegenstand“ (ebd.) notwendig, um die Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeitsweise zu erfüllen. Erst dann würden die Eigenarten deutlich und die Einzelheiten erkennbar (cf. ebd.). Um sicherzustellen, dass die Lernenden während der Ausübung dieser Arbeitsweise das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren, bedürfen sie gerade bei anfänglichen Begegnungen mit dieser Erkundungsform – also vor allem in der Sekundarstufe I – einer Anleitung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, die Erkundungsform des Betrachtens im Biologieunterricht theoretisch zu fundieren und durch eine exemplarische Unterrichtsstunde praktisch zu veranschaulichen.
2 Das Erkundungsverfahren des Betrachtens in der Theorie: Dieses Kapitel erläutert den aktuellen Forschungsstand zur naturwissenschaftlichen Grundbildung und definiert das Betrachten als wissenschaftliche Arbeitsweise im Kontext der Erkenntnisgewinnung.
3 Das Erkundungsverfahren des Betrachtens im Unterricht: Der Hauptteil beschreibt eine durchgeführte Unterrichtsstunde zum Bauplan von Blütenpflanzen und analysiert diese unter methodisch-didaktischen Gesichtspunkten.
4 Reflexion: Der Autor bewertet den Einsatz des Betrachtens im Praxissemester und diskutiert dessen Potenzial sowie notwendige Voraussetzungen für einen forschenden Biologieunterricht.
Schlüsselwörter
Biologieunterricht, Erkenntnisgewinnung, Betrachten, Erkundungsverfahren, Naturwissenschaftliche Grundbildung, Fachgemäße Arbeitsweisen, Didaktik, Problemlösen, Blütenpflanzen, Unterrichtsplanung, Methodik, Kompetenzorientierung, Forschendes Lernen, Beobachten, Zeichnen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Einordnung und praktischen Umsetzung der Erkundungsform „Betrachten“ im modernen Biologieunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung, die didaktische Abgrenzung wissenschaftlicher Arbeitsweisen und deren Anwendung in einer konkreten Unterrichtsstunde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie das Betrachten als zielgerichtete Arbeitsweise genutzt werden kann, um bei Schülern selbstständiges Erkunden und Denken zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachdidaktik sowie die methodisch-didaktische Analyse einer selbst geplanten und durchgeführten Unterrichtsstunde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Entwurf einer Unterrichtsstunde für eine sechste Klasse zum Thema „Bauplan von Blütenpflanzen“ vorgestellt und analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Erkenntnisgewinnung“, „Betrachten“, „Fachgemäße Arbeitsweisen“ und „Problemorientierung“ geprägt.
Warum spielt die Problematisierung eine wichtige Rolle in der Unterrichtsstunde?
Die Problematisierung durch den Konflikt „Blumen vs. Bäume“ soll die Schüler kognitiv aktivieren und den natürlichen Forschungsdrang nutzen, um den gemeinsamen Bauplan von Blütenpflanzen selbstständig zu erarbeiten.
Welche Bedeutung hat das Zeichnen in diesem Kontext?
Das Zeichnen fungiert als Arbeitstechnik, die den Prozess des genauen Hinsehens strukturiert, die Abstraktionsfähigkeit der Schüler schult und die Ergebnisse für den anschließenden Vergleich fixiert.
- Arbeit zitieren
- Tim Hoffmann (Autor:in), 2016, Betrachten als Erkundungsverfahren des Biologieunterrichts (Biologie 6. Klasse Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356363