In dieser Arbeit wird der Forschungsstand zum Themengebiet des moral balancing-Prozesses unterteilt in moral licensing- und moral cleansing-Mechanismen betrachtet.
Diese selbstregulativen Prozesse werden durch eine Vielzahl unterschiedlicher psychischer, emotionaler und äußerer Faktoren ausgelöst. Durch die Betrachtung zahlreicher an moral licensing und moral cleansing ausgerichteter Literatur wird eigens für diese Arbeit ein Modell erstellt, das die Faktoren und die Entstehung solcher selbstregulativen Prozesse erklären soll.
Die ausgewählte Literatur wird im Hinblick auf ihre Erkenntnisse und experimentelle Forschungsansätze detailliert betrachtet und in einer schriftlichen Analyse, die den Hauptteil dieser Arbeit ausmacht, zusammengefasst. Durch diese Arbeit wird ein Überblick zum heutigen Forschungsstand im Bezug auf moral licensing und moral cleansing geboten, Forschungslücken gefunden und ein Anstoß für zukünftige Forschungsansätze gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehen
2. Grundlagen
2.1 Was bedeuten Moral und moralisches Verhalten?
2.2 Selbstregulierung
2.3 Moral balancing – moral licensing – moral cleansing
3. Modell
4. Erkenntnisse
4.1 Vorgehensweise
4.2 Einordnung
4.3 Faktoren der Wertung
4.4 Faktoren der Denkweise
4.5 Faktoren der physischen Empfindung
4.6 Faktoren der Schuldempfindung
4.7 Faktoren der umweltgebundenen Moral
4.8 Faktoren des Aufwands
5. Forschungslücken
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht die Mechanismen moralischer Selbstregulierung, insbesondere die Prozesse des "moral licensing" (moralische Lizenzierung) und "moral cleansing" (moralische Reinigung). Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das die psychologischen, emotionalen und äußeren Faktoren erklärt, die menschliches Verhalten nach moralischen oder unmoralischen Handlungen beeinflussen.
- Analyse des aktuellen Forschungsstands zu moral balancing.
- Systematische Einordnung von Einflussfaktoren wie Denkweise, Schuldgefühle und Aufwand.
- Untersuchung des Konsumverhaltens in Abhängigkeit von moralischen Selbstwahrnehmungen.
- Identifikation von Forschungslücken für zukünftige wissenschaftliche Ansätze.
Auszug aus dem Buch
4.5 Faktoren der physischen Empfindung
Eine weitere interessante Auswirkung der Selbstregulierung als Antwort auf moralische oder unmoralische Handlungen wurde in Bezug auf das physische Befinden und seine Folgen getestet. Besonders Zhong und Lilienquist (2006, S. 1451f.) leisteten in ihrer wissenschaftlichen Arbeit aus dem Jahr 2006 mithilfe mehrstufigen Experiments einen seltenen Beitrag zu dieser Thematik. In ihrem ersten Experiment zeigten sie den Bezug zwischen der Psyche und dem körperlichen Befinden auf, indem ihre Probanden rein aus einer Erinnerung an unethische Taten mehr reinheitsverwandte Worte in einem Lückentext generierten als Probanden mit Erinnerungen an ethische Taten. Das bedeutet: Menschen entwickeln möglicherweise nach moralisch unkorrekten Handlungen oder allein bei dem Gedanken an solche unter anderem auch den Drang nach physischer Reinigung. Diese Reinigung könnte als symbolische Abwaschen der empfundenen negativen Gefühlszustände verstanden werden und einer psychischen cleansig-Mechanismus als moralisch gut befundenen Handlung entsprechen.
Danach wird die gesellschaftsbezogene Wiedergutmachung durch moralische Taten oft als irrelevant oder für weniger nötig befunden. Dieser Effekt wird in der Wissenschaft auch als „Lady Macbeth-Effekt“ bezeichnet, da er an die Handlungsstränge in Shakespeares Werk erinnert. Nachdem Lady Macbeth die Ermordung des Königs von Schottland veranlasste, kommt sie das schlechte Gewissen. Darauf wäscht sie sich wie im Wahn die Hände. Dieses Muster zeichnet sich auch in dem Experiment von Zhong und Lilienquist ab. Ihre Probanden wählten beispielsweise nach dem Abschreiben einer unmoralischen Ich-Erzählung häufiger Reinigungsprodukte anstelle von Produkten für andere Zwecke. Das Abschreiben einer moralischen Ich-Erzählung führte hingegen nicht zu diesem Ergebnis. Die Erinnerung an eine unethische Tat löste ebenfalls eher die Präferenz für Reinigungsprodukte aus. Probanden, die ihre Hände reinigen konnten, stimmten danach seltener einer ehrenamtlichen Arbeit zu als Probanden, die ihre Hände nicht reinigen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der moralischen Selbstregulierung ein, definiert die Problemstellung sowie das Ziel der Arbeit und beschreibt das methodische Vorgehen.
2. Grundlagen: Hier werden die theoretischen Basisbegriffe der Moral, des moralischen Verhaltens und der Selbstregulierung sowie das Konzept des moral balancing (licensing und cleansing) dargelegt.
3. Modell: Dieses Kapitel präsentiert ein eigenes Modell, das die wesentlichen Einflussfaktoren und Mediatoren der moralischen Selbstregulierung aus der Literatur synthetisiert.
4. Erkenntnisse: Das Kernkapitel analysiert detailliert verschiedene Faktoren – wie Wertung, Denkart, physische Empfindungen, Schuld, umweltgebundene Aspekte und Aufwand – anhand bestehender Studien.
5. Forschungslücken: Dieses Kapitel identifiziert unzureichend untersuchte Aspekte und offene Fragen im aktuellen Forschungsfeld, um Anstöße für zukünftige Arbeiten zu geben.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Literaturanalyse zusammen und reflektiert die Mechanismen moralischer Selbstregulierung sowie deren Bedeutung für das menschliche Verhalten.
Schlüsselwörter
Moralische Selbstregulierung, Moral balancing, Moral licensing, Moral cleansing, Lady Macbeth-Effekt, Schuldgefühle, Konsumverhalten, Psychologie, Selbstbild, Altruismus, Ethisches Handeln, Forschungsstand, Identität, Selbstreflexion, Verhaltensökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie moralische oder unmoralische Handlungen unser nachfolgendes Verhalten beeinflussen und durch welche psychologischen Prozesse – wie das „moral balancing“ – wir unser moralisches Selbstbild regulieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Mechanismen des moral licensing und moral cleansing, die Analyse von Einflussfaktoren wie Denkweisen und Schuldgefühlen sowie deren Auswirkungen auf den Konsum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer Überblick über den aktuellen Forschungsstand, die Zusammenführung von Erkenntnissen in einem Modell und die Ableitung zukünftiger Forschungsansätze.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, bei der empirische Studien und Experimente aus den Bereichen Psychologie und Wirtschaft ausgewertet und in einem Modell gebündelt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Einflussfaktoren auf die Selbstregulierung analysiert, darunter Faktoren der Wertung, der Denkweise, physische Empfindungen, Schuldgefühle, umweltrelevante Aspekte und der investierte Aufwand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Moral balancing, moral licensing, moral cleansing, Selbstregulierung, moralische Identität, Schuldgefühle und Konsumverhalten.
Was ist unter dem „Lady Macbeth-Effekt“ zu verstehen?
Dies bezeichnet das Phänomen, dass Menschen nach einer moralischen Bedrohung oder unethischen Handlung einen erhöhten Drang nach physischer Reinigung verspüren, um ihre moralische Schuld symbolisch „abzuwaschen“.
Wie beeinflusst der Faktor „Aufwand“ das moralische Verhalten?
Die Arbeit zeigt, dass Menschen den Wert ihrer Handlungen am investierten Aufwand messen; ein hoher Aufwand kann nach einer moralischen Tat als Legitimation für eine darauffolgende Belohnung (auch unethischer Art) dienen.
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- Kheda Magamadova (Author), 2016, Prozesse moralischer Selbstregulierung. Eine systematische Literaturanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356396