Unterrichtskonzeption zum Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun für eine Altenpflegeschule


Unterrichtsentwurf, 2017
16 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Bedingungsanalyse

2. Sachanalyse

3. Didaktische Analyse
3.1 Gegenwartsbedeutung
3.2 Zukunftsbedeutung
3.3 Exemplarische Bedeutung
3.4 Strukturanalyse
3.5 Bezug zum Lehrplan
3.6 Zugänglichkeit

4. Kompetenzen

5. Lehrziele

6. Makrosequenz

7. Mikrosequenz
7.1 Einstieg
7.2 Erarbeitungsphase
7.3 Ergebnissicherung
7.4 Transfer
7.5 Stundenschluss

8. Mikrosequenz in tabellarischer Form

9. Quellen

1. Bedingungsanalyse

Die Klasse besteht aus 16 Lernenden. Sie setzt sich aus 3 jungen Männern und 13 jungen Frauen zusammen. Das Alter der Gruppe bewegt sich zwischen 18 und 53 Jahren. Ausländische Schülerinnen oder Schüler sind in dieser Klasse nicht vertreten.

Die recht lebhafte Klasse befindet sich im ersten Ausbildungsjahr. Die Ausbildung hat für diese Gruppe am 01.09.2016 begonnen.. Die Lernenden sitzen in einer U-Form und haben feste Sitzplätze.

Die Lerngruppe ist Gruppen-, Text- und Partnerarbeit gewöhnt. Auch Rollenspiele wurden in der Klasse in der Vergangenheit bereits gut umgesetzt.

Das Klassenklima scheint zunächst positiv - auf den zweiten Blick jedoch nicht ganz unproblematisch. Zwei Schülerinnen der Klasse sind auffällig still und nehmen offensichtlich die Außenseiterrolle ein. Sie beteiligen sich nicht an Diskussionen und fragen im Unterricht nie etwas nach (Dies wurde auch von den Kollegen bestätigt). Man erkennt, dass die beiden einen eher schweren Stand in der Klasse haben. Diese beiden Schülerinnen ins Unterrichtsgeschehen aktiv mit einzubeziehen, stellt eine nicht leichte Herausforderung dar.

Der Klassenraum ist mit Whiteboard und einem Overhead Projektor ausgestattet. Neben dem Klassenraum befindet sich ein so genannter Demo-Raum mit zwei Pflegepuppen und zwei Pflegebetten – dieser bietet auch Gelegenheit für Rollenspiele, die etwas mehr Platz beanspruchen.

Die Lehrkraft ist selbst examinierte Altenpflegerin und kann sich daher gut in die berufliche Lebenswelt der Lernenden hineinversetzen. Sie steht kurz davor, ihr Medizinpädagogik Studium mit dem Bachelor abzuschließen. Sie hat in dieser Klasse bereits vorangehende Themen des Lernfeldes unterrichtet, s. Makrosequenz.

2. Sachanalyse

Friedemann Schulz von Thun ist deutscher Psychologe und Kommunikations-wissenschaftler. Er gründete das „Schulz von Thun-Institut für Kommunikation“. Er wurde am 6. August 1944 in Soltau geboren. (vgl. Wikipedia 2017) Das Vier-Ohren-Modell ist das bekannteste Modell von Friedemann Schulz von Thun. Es ist mittlerweile auch international verbreitet. Bekannt wurde das Modell auch als “Nachrichtenquadrat”. Jede Äußerung enthält gewollt oder ungewollt vier Botschaften zugleich:

- die Sachebene (worüber ich informieren will)
- die Selbstoffenbarungsebene (was ich von mir selbst zeige)
- die Beziehungsebene (was ich vom anderen halte/ wie ich zu ihm stehe)
- die Appellebene (was ich beim anderen erreichen will)

(vgl. Schulz von Thun, Institut für Kommunikation: 2017)

Basierend auf dieser Annahme hat Friedemann Schulz von Thun 1981 die vier Ebenen einer Nachricht als Quadrat dargestellt. Die aus den “vier Schnäbeln” des Senders kommende Nachricht trifft auf die “vier Ohren” des Empfängers. (vgl. Schulz von Thun, Institut für Kommunikation: 2017) Missverständnisse können auftreten, wenn der Empfänger die vier Ebenen einer Nachricht weder heraushören kann noch kennt.

3. Didaktische Analyse

„Der Erziehungswissenschaftler und Bildungstheoretiker Wolfgang Klafki verlangt von jedem Lehrer, der eine Unterrichtsstunde vorbereitet, die Beschäftigung mit der Frage, ob sich das Unterrichtsthema für die Schüler überhaupt lohnt. Die Frage nach einer fruchtbaren Begegnung zwischen Lernenden und Lerngegenstand zielt auf die Legitimation des letzteren. Hierbei ist Klafkis Begriff der „Bedeutung“ zentral: die Gegenwartsbedeutung, die Zukunftsbedeutung und die exemplarische Bedeutung. Sie sind in den fünf Grundfragen enthalten, die für Klafki die didaktische Analyse im Sinne einer Unterrichtsvorbereitung ausmachen:“ (Wolfgang Klafki: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik, Basel/Weinheim (Beltz), 2. Aufl. 1991, S. 270 ff., zitiert aus Dr. Vornbaum, Fachdidaktik Deutsch, 2017)

3.1 Gegenwartsbedeutung

Da die private als auch die berufliche Lebenswelt der Lernenden stark im Kontext mit Kommunikation und damit verbundenen Missverständnissen steht, ist das Vier Ohren Modell nach Friedemann Schulz von Thun ein wichtiger Unterrichtsinhalt. Die Lernenden werden hinsichtlich der zwischenmenschlichen Kommunikation dahingehend sensibilisiert, dass sie die Dimension der vier Ebenen einer Nachricht in den Fokus nehmen können und eine diesbezügliche Zuordnung vornehmen können. Dies erleichtert ihnen die zwischenmenschliche Kommunikation im privaten ebenso wie im beruflichen Kontext.

3.2 Zukunftsbedeutung

Da die Auszubildenden der Altenpflegeschule sich in Zukunft nicht nur im Verlauf ihrer Ausbildung, sondern auch im späteren Berufsleben in vielfältigen Situationen mit unterschiedlichen kommunikationsbezogenen Anforderungen wiederfinden werden, ist die Beschäftigung mit der vorliegenden Materie als obligatorischer Bestandteil der Ausbildung zu betrachten. Gerade auch im Hinblick auf die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner und die Patientinnen und Patienten in der ambulanten Pflege ist das sensible Hinhören in Verbindung mit dem Heraushören der verschiedenen Ebenen ein wichtiges und nützliches Thema.

3.3 Exemplarische Bedeutung

Durch das Verständnis für die vier Ebenen einer Nachricht werden die Lernenden befähigt auch andere komplexe Sachverhalte mit ähnlicher Struktur zu verstehen, zu verinnerlichen und praktisch umzusetzen. Sie können die in dieser Sequenz angebahnte Methoden- und Selbstkompetenz (s. 4. Kompetenzen) auf andere Unterrichtsinhalte und Thematiken übertragen.

3.4 Strukturanalyse

Der vorliegende Unterrichtsstoff weist bereits von vornherein eine gute und übersichtliche Struktur auf. Das Modell ist überschaubar und in vier Ebenen untergliedert. Jede Ebene steht für sich. Das Kommunikationsmodell ist bildlich gut darstellbar (Kopf mit vier Ohren und ggf. zusätzlich Kopf mit vier Schnäbeln) und lässt sich plausibel und gut nachvollziehbar erläutern. Die von Friedemann Schulz von Thun verwendete Metapher Symbolik zur Veranschaulichung des Modells kann von der Lehrkraft quasi 1:1 übernommen und in den Unterricht integriert werden.

3.5 Bezug zum Lehrplan

Der vorliegende Unterricht bettet sich in das Lernfeld: „Anleiten, Beraten und Gespräche führen“ ein. Das Lernfeld ist im Niedersächsisches Curriculum für Altenpflege aufgeführt und inhaltlich gegliedert. Es ist für 80 Unterrichtseinheiten anberaumt. Ein relevanter Auszug aus der im Curriculum Beschreibung des Lernfeldes lautet wörtlich: „Die Schülerinnen und Schüler begegnen allen am Pflegeprozess Beteiligten mit

Wertschätzung. Sie gestalten die Beziehungen zum alten Menschen situationsangemessen und beachten Nähe und Distanz. Die Schülerinnen und Schüler führen strukturierte Gespräche im unterschiedlichen beruflichen Kontext, dazu setzen sie verschiedene Gesprächsformen und -techniken ein. Sie zeigen Verantwortungsbereitschaft, Kreativität und Kritikfähigkeit. In Gesprächen mit Fachkräften bearbeiten sie mögliche eigene Unsicherheiten, Ängste

und Rollenkonflikte. Die Schülerinnen und Schüler motivieren, beraten und leiten den alten Menschen und seine Bezugspersonen an. Dabei unterstützen sie Einstellungs- und Verhaltensänderungen. Gesprächs-, Beratungs- und Anleitungsprozesse vergleichen und beurteilen die Schülerinnen und Schüler situationsbezogen.“

Die im Curriculum unter der Lernfeldbeschreibung aufgeführten Inhalte zum Thema Kommunikation sind diese:

„Kommunikation und Gesprächsführung

- Kommunikationsformen
- Kommunikationsmodelle, u. a: Themenzentrierte Interaktion, Schulz v. Thun, Rogers, Watzlawick
- Gesprächstechniken, u. a.: Rahmenbedingungen, Störungen, Nachbereitung, Reflexion, Nähe-Distanz-Verhalten
- Gesprächssituationen, u. a.: Alltagsgespräch, Beratungsgespräch, Krisengespräch, helfendes Gespräch, Übergabegespräch
- Interaktion mit Institutionen“

3.6 Zugänglichkeit

Die Zugänglichkeit des vorliegenden Themas ist besonders durch die der privaten Lebenswelt entnommenen Beispiele gegeben. Hier können die Lernenden sich mit dem Lerngegenstand identifizieren, weil sie sich in alltäglichen Situationen selbst wiederfinden können. Die Inhalte des Themas wurden von der Lehrkraft auf das Wesentliche beschränkt und in gut verständlichen Worten dargestellt.

4. Kompetenzen

Die im vorliegenden Unterricht anzubahnenden Kompetenzen sind nach dem KMK Kompetenzbegriff ausgerichtet. Der KMK Kompetenzbegriff eignet sich für die vorliegende Unterrichtskonzeption, da er die unterschiedlichen Kompetenzdimensionen beinhaltet. Alle Kompetenzdimensionen des KMK Begriffs werden abgebildet. In der untenstehenden Tabelle ist aus Gründen der übersichtlichen Veranschaulichung außer der Kompetenz die jeweilige im Verlauf des Unterrichts stattfindende Handlung der Schülerinnen und Schüler aufgeführt. „Handlungskompetenz entfaltet sich in den Dimensionen von Fachkompetenz, Humankompetenz und Sozialkompetenz.

(Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe, 2017)

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

[...]

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Details

Titel
Unterrichtskonzeption zum Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun für eine Altenpflegeschule
Hochschule
Medical School Hamburg
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V356480
ISBN (eBook)
9783668473430
ISBN (Buch)
9783668473447
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: "Umfassender Bericht mit einer guten Unterrichtskonzeption und kritischen Reflexion."
Schlagworte
Kommunikation, Vier Ohren, Schulz von Thun
Arbeit zitieren
Henrike Weber (Autor), 2017, Unterrichtskonzeption zum Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun für eine Altenpflegeschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356480

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