In dieser Arbeit wird kurz und übersichtlich dargestellt, was in der Latinistik unter dem Begriff "Nullmorphem" verstanden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Nullmorphem oder Morphem mit Nullsignifikant
1.1 Definition:
1.2 Das Morphem mit Nullsignifikant im Lateinischen:
1.3 Gibt es überhaupt Nullmorpheme?:
1.4 Nicht alles ist ein „Nullmorphem“:
2. Zusammenfassung:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und Anwendung des Konzepts des Nullmorphems bzw. Morphems mit Nullsignifikant in der lateinischen Morphologie, um die Grenzen dieses analytischen Werkzeugs gegenüber dem bloßen Nichtvorhandensein von Morphemen abzugrenzen.
- Definition und theoretische Einordnung des Nullsignifikanten
- Analyse morphologischer Strukturen im lateinischen Deklinationssystem
- Untersuchung von Imperativformen als Anwendungsbeispiel
- Abgrenzung zwischen Nullmorphemen und grammatikalischen Nullstellen (z.B. im Präsens oder Singular)
Auszug aus dem Buch
Nicht alles ist ein „Nullmorphem“:
Die obigen Exempla konnten bisher sehr gut mithilfe des Morphems mit Nullsignifikant beschrieben werden, doch stellt sich dabei die Frage, ob die Erklärung auch bei anderen Paradigmen sinnvoll ist. Hierzu soll wiederum amare betrachtet werden, und zwar nun im Infectum: 3. P. Sg. Ind. Präs. Akt. (ama-t), 3. P. Sg. Ind. Impf. Akt. (amā-ba-t), 3. P. Sg. Ind. Fut. I Akt. (amā-bi-t).
Auf den ersten Blick würde man annehmen, dass das Präsensmorphem ein Morphem mit Nullsignifikant darstellt, doch dabei lässt man sich von der traditionellen grammatischen Bezeichnung „Präsens“ leiten. Die Schwierigkeit liegt nämlich darin, dass man für das ama-t mit angeblichen Nullsignifikant (ama-Ø-t) gegenüber dem Imperfekt und Futur I kein einziges Signifikat zuweisen kann, das sowohl die Gegenwart, als auch die Vergangenheit und Zukunft sowie Zeitlosigkeit, Ewigkeit und Allgemeingültigkeit ausdrückt, weil sich die temporalen Bedeutungen gegenseitig komplett ausschließen.
Daraus wird ersichtlich, dass es für das sogenannte „Präsens“ weder Signifikat noch Signifikant gibt. Demzufolge handelt es sich auch nicht um ein Morphem mit Nullsignifikant, sondern um das generelle Nichtvorhandensein eines Morphems, wodurch das „Präsens“ in Äußerungen mit Bezug zur Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft erst stehen kann. Anstatt des Begriffs „Präsens“ beschreibt daher die Bezeichnung „bloßes Infectum“ besser den zeitstufenlosen „Charakter“ von amat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Nullmorphem oder Morphem mit Nullsignifikant: In diesem Kapitel werden der Begriff definiert, das Phänomen anhand der lateinischen Deklination illustriert und die Grenzen der Anwendbarkeit bei Verben und Substantiven kritisch hinterfragt.
2. Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und stellt die Notwendigkeit heraus, zwischen funktionalen Nullallomorphen und dem bloßen Fehlen von Morphemen zu unterscheiden.
Schlüsselwörter
Nullmorphem, Nullsignifikant, Morphologie, Lateinisch, Sprachwissenschaft, Deklination, Imperativ, Infectum, Allomorph, Signifikat, Morphem, Grammatik, Linguistik, Präsens, Struktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der morphologischen Analyse des Nullmorphems und der Frage, wann ein fehlendes sprachliches Segment sinnvoll als Nullsignifikant bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die morphologische Theorie, die lateinische Grammatik und die Abgrenzung zwischen signifikanten Nullmorphemen und der bloßen Absenz von Morphemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gültigkeit des Konzepts „Morphem mit Nullsignifikant“ bei verschiedenen lateinischen Sprachphänomenen zu prüfen und dessen wissenschaftliche Anwendbarkeit zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die sprachwissenschaftliche Analyse von morphologischen Paradigmen, indem er Wortformen vergleicht und ihre Signifikate und Signifikanten zueinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit lateinischen Deklinationen, Imperativformen und der problematischen Zuordnung eines Nullmorphems zum sogenannten „Präsens“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nullmorphem, Nullsignifikant, Morphologie, Allomorph und die lateinische Sprachstruktur charakterisiert.
Warum lehnt der Autor die Bezeichnung „Präsensmorphem“ für „amat“ ab?
Da keine stabile semantische Einheit (Signifikat) für das Präsens gefunden werden kann, die sich von Vergangenheit und Zukunft abgrenzt, argumentiert der Autor, dass hier kein Nullmorphem vorliegt, sondern ein bloßes Fehlen einer morphologischen Markierung.
Inwiefern unterscheiden sich „Nullallomorph“ und „bloßes Nullmorphem“?
Ein Nullallomorph (wie im Nominativ Singular „vir-Ø“) ersetzt ein vorhandenes Morphem in einem Paradigma, während das „bloße Nullmorphem“ im Kontext der Arbeit den Fall beschreibt, in dem gar keine morphologische Kategorie existiert.
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- B. Ed. Marwin-Domingo Gorczak (Author), 2014, Das Nullmorphem oder Morphem mit Nullsignifikant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356490