Zum Verhältnis von Komik und Tragik in Roberto Benigni´s LA VITA É BELLA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
17 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

INHALT

0 Einführung

1 Funktionen des Lachens

2 Die Komödie und der Holocaust

3 Der erste Teil des Films

4 Einzelanalyse Teil 2
4.1 Vater und Sohn in der Stadt
4.2 Fahrt in das Konzentrationslager
4.3 Die Zustände innerhalb des Lagers
4.4 Schluss

5 Das Verhältnis von Komik und Tragik

6 Funktionsweise der Komik in „Das Leben ist schön“

0 Einführung

„Wir sehen also, daß derjenige, der das Leben am schwärzesten sieht, am herzlichsten zu lachen versteht.“[1]

Dieses oft als „Galgenhumor“[2] bezeichnete Phänomen, welches das Lachen in extremen, zum Teil lebensbedrohlichen Situationen meint, stellt das zentrale Gestaltungsmittel innerhalb von Roberto Benignis „La vita é bella“[3] (deutsch: „Das Leben ist schön“) dar. Vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus wird zunächst die märchenhafte Geschichte einer jungen Liebe erzählt, die durch die Deportation von Vater und Sohn in ein Konzentrationslager ein abruptes Ende findet. Im zweiten Teil wird der Versuch eines Vaters geschildert, sein Kind vor dem Schrecken des Konzentrationslager mit Hilfe eines Lügentheaters zu beschützen.

Der Inhalt des Films sowie die historischen Hintergründe werden im folgenden als bekannt vorausgesetzt.

Doch nicht erst seit Benigni wird eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust mit Hilfe von Mitteln der Komödie stark diskutiert. Die Vielzahl von Meinungen zeigt, dass ein endgültiges Urteil über die Angemessenheit einer solchen Darstellung nicht möglich ist. Aus diesem Grund soll hier keinesfalls das Gelingen einer komischen Umsetzung beurteilt werden, sondern lediglich eine Analyse des Films in Bezug auf die Verwendung komischer Elemente im Zusammenhang mit dem Schrecken des Holocaust erfolgen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem zweiten Teil des Films; Ziel ist es, einen möglichen Zusammenhang von Komik und Tragik herauszuarbeiten. Mit einbezogen werden neben den narrativen Elementen auch die filmästhetischen Aspekte.

1. Funktionen des Lachens

Die Versuche, den Humor zu beschreiben oder zu klassifizieren, sind so zahlreich, dass an dieser Stelle kein ausreichender Überblick gegeben werden kann.[4] Verschiedenste Arten der Komik, vom rein mechanischen Slapstick (wie beispielsweise in den Werken Chaplins) bis zum Witz auf der verbalen Ebene, und die dazugehörigen Funktionen, vom schadenfrohen Auslachen, das zur Ausgrenzung eines Einzelnen führen soll, bis zum gruppenbildenden, gemeinschaftlichen Lachen, welches diesem meist vorausgeht, machen allgemeingültige Aussagen über die Funktion des Komischen nahezu unmöglich.[5]

Im Falle von „Das Leben ist schön“ stellt sich die Frage, welche Art von Humor eingesetzt wurde und vor allem aus welchen Gründen beziehungsweise zu welchem Zweck. Viele widersprechen der Auffassung, dass eine Annäherung an diese Thematik mit trivialen Gestaltungsmustern überhaupt möglich sei. (Auf diese Diskussion werde ich im folgenden Abschnitt noch einmal genauer eingehen).

Im Hinblick auf die Schicksale der Juden im zweiten Weltkrieg erscheint es zunächst absurd, einen Zusammenhang zwischen der Judenverfolgung und dem Lachen zu sehen. Wie bereits angedeutet, geht die Mehrzahl der Komiktheorien von dem Begriff des Lachens im Sinne von „Auslachen“ aus, der – wie etwa von Bergson ausgeführt wurde – „eine zeitweilige Anästhesie des Herzens voraus[setzt]“[6]. Doch schon bei Bachtin zeigt sich eine andere Interpretation: Das Lachen muss nicht gegen einen Schwächeren gerichtet sein, auch eine Macht kann der komische Gegenstand sein. So empfanden innerhalb des historischen Diskurses vor allem die Menschen im Mittelalter das Lachen als „Sieg über die Furcht“[7] beziehungsweise als „Sieg über jede Gewalt“[8].

Ein Opfer des Holocaust beschreibt die Wirkungsweise der Komik innerhalb eines Konzentrationslagers wie folgt:

„Auch der Humor ist eine Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung. Ist es doch bekannt, dass der Humor wie kaum sonst etwas im menschlichen Dasein geeignet ist, Distanz zu schaffen und sich über die Situation zu stellen, wenn auch nur ... für Sekunden.“[9]

Besonders in der langen Tradition des (laut Benigni „unerschrockenen“[10] ) jüdischen Humors, in dem das Lachen vor allem als „Mittel zum Überleben“[11] instrumentalisiert wurde, dient dieser dazu, scheinbar Unerträgliches – wie beispielsweise die Verfolgung des eigenen Volkes – etwas Erträglicher zu machen. Die Tatsache, dass über das Leid – und sei es über das eigene – Witze gemacht werden, ist für viele nicht verständlich, sie befürchten eine Verletzung der Gefühle der Opfer.

2. Die Komödie und der Holocaust

Wie bereits zu Beginn erwähnt, ist aus diesem Grund die Bewältigung des Holocaust mit komischen Mitteln sehr kontrovers diskutiert worden[12], obwohl oder gerade weil es zahlreiche Beispiele für Filmkomödien dieser Art gibt. Chaplins „The Great Dictator“ (1942) oder „To be or not to be” (1945) von Ernst Lubitsch sind die populärsten unter ihnen

[...]


[1] Müller, Gottfried: Theorie der Komik. Über die komische Wirkung im Theater und im Film. Würzburg 1964, S. 4.

[2] Heinzelmann, Herbert: Das Leben ist schön. http://www.kinofenster.de/archiv/kf9811a.htm

[3] La vita é bella (Das Leben ist schön). Produktion: Melampo Cinematographica, Italien 1998. Laufzeit: 124 Min. Regie: Roberto Benigni. Drehbuch: Vincento Cerami, Roberto Benigni. Kamera: Tonino Delli Colli. Darsteller: Roberto Benigni, Nicoletta Braschi, Giorgio Cantarini, u.a. Verleih: Scotia.

[4] Vgl. dazu u.a. Freud, Sigmund: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten. Frankfurt am Main 41969.

[5] Vgl.: Bergson, Henri: Das Lachen. Darmstadt 1988

[6] Bergson, Henri: Das Lachen. Darmstadt 1988, S. 9.

[7] Bachtin, Michail: Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur. München 1985, S. 35.

[8] Ebd, S. 37.

[9] Frankl, Viktor E.: „...trotzdem Ja zum Leben sagen“ – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. München 2000.

[10] Hanck, Frauke: „Für die Liebe braucht man Mut – Lachen hilft“. Ein Gespräch mit Roberto Benigni. In: Das Leben ist schön. Drehbuch. Frankfurt am Main 1998, S. 195.

[11] Laster, Kathy/ Steinert, Heinz: Eine neue Moral in der Darstellung der Shoah? Zur Rezeption von LA VITA É BELLA. In: Lachen über Hitler – Auschwitz-Gelächter?, S. 182.

[12] Vgl. dazu v.a. Lachen über Hitler – Auschwitz –Gelächter?

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zum Verhältnis von Komik und Tragik in Roberto Benigni´s LA VITA É BELLA
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Neuere deutsche Literatur und Medien)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V35651
ISBN (eBook)
9783638354967
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Komik, Tragik, Roberto, Benigni´s, VITA, BELLA
Arbeit zitieren
Constanze Wellendorf (Autor), 2004, Zum Verhältnis von Komik und Tragik in Roberto Benigni´s LA VITA É BELLA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35651

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