Ästhetische Bildung als mögliche Bedingung für Soft-Skills


Bachelorarbeit, 2016

39 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Bildung als Investition

2. Soft-Skills
2.1. Der Begriff der Soft-Skills
2.2. Der Wandel in der Arbeitswelt
2.3. Qualifikationen von ArbeitnehmerInnen
2.4. Kategorisierung von Soft-Skills
2.5. Begriffsbestimmungen der ausgewählten Soft-Skills
2.5.1. Soft-Skill: Innovationsfahigkeit
2.5.2. Soft-Skill: Kommunikationsfahigkeit
2.5.3. Soft-Skill: Eigenstandigkeit
2.6. Schlussfolgerungen

3. Bildung
3.1. Der Begriff der Bildung
3.2. Bildung in der Wissensgesellschaft

4. Diskurse des Asthetischen
4.1. Die begrifflichen Ebenen
4.2. Asthetik und Bildung
4.3. Asthetik zwischen Ratio und Sinnlichkeit
4.3.1. Kant
4.3.2. Baumgarten
4.4. Asthetik und Aisthesis

5. Asthetische Bildung
5.1. Anthropologische Grundlagen der Asthetischen Bildung
5.2. Rationalitat und Sinnlichkeit als Einheit
5.3. Asthetische Bildung nach Mollenhauer
5.4. Asthetische Bildung und Kunst
5.5. Zusammenfassung
5.6. Ziele und Moglichkeiten Asthetischer Bildung

6. Kompetenzorientierung im Fach Kunst

7. Legitimationen fur Asthetische Bildungsprozesse
7.1. Neurowissenschaften und nachhaltiges Lernen
7.2. Evaluation und Messproblematiken

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1. Einleitung: Bildung als Investition

Diskussionen rund um das Thema Bildung und ihrer Inhalte haben in Politik und Gesellschaft permanente Aktualitat. Bildung ist konstitutiv fur die Zukunft eines Landes, da es einen Zusammenhang von Bildungsqualitat und internationaler Wettbewerbsfahigkeit gibt.[1] Die wirtschaftliche Entwicklung und das Bildungswesen beeinflussen sich gegenseitig. Humanressourcen sind in einer Wissensgesellschaft konstitutiv fur die wirtschaftliche Entwicklung. „Insbesondere durch Bildung werden die Schlusselkompetenzen erworben, die in einer internationalisierten und globalisierten Dienstleistungsund Wissensgesellschaft benotigt werden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.“[2] Zudem wirkt sich eine positive wirtschaftliche Entwicklung auf die Rahmenbedingungen fur das Bildungswesen aus. Dies hat Einfluss auf das Ausbildungsplatzangebot, die Steuereinnahmen des Staates und somit direkt auf die finanzielle Lage des Bildungswesens.[3] Dadurch bedingen sich Bildung und okonomische Interessen.

Es stellt sich aus okonomischer Sicht die Frage, welche technischen und personlichen Qualifikationen gebraucht werden, damit die Wirtschaft nachhaltig wettbewerbsfahig bleibt? Wie können diese durch Bildung vermittelt werden? Organisatorische und technische Veranderungen pragen die Arbeitswelt enorm. Eine These dieser Arbeit ist, dass sogenannte Soft-Skills immer mehr an Bedeutung gewinnen und Bildungsinhalte und Methoden dementsprechend angepasst werden mussen.

Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, eine Argumentation zu fuhren, die aufzeigt, dass in der Asthetischen Bildung eine mogliche Bedingung fur den Erwerb von Soft-Skills liegt. Unter einer moglichen Bedingung wird hier eine realisierbare Bedingung verstanden. Es soll gezeigt werden, dass Soft-Skills, wie soziale Kommunikationsfahigkeit, Innovationsfahigkeit, und Selbststandigkeit durch asthetische Bildung gefordert werden können. Im Schlussbericht der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“ wird postuliert, dass die Asthetische Bildung das Potenzial hat, „hohere Kreativitat, bessere soziale Ausgeglichenheit, hohere soziale KommunikationsfahigkeiL[4] zu entfalten. Zudem haufen sich, angestoBen durch neurowissenschaftliche Untersuchungen, Argumente, weshalb die Auseinandersetzung mit Kunsten, gerade durch Rezeption und Produktion einen sehr groBen Einfluss auf den Menschen und seine Entwicklung hat.[5]

Es soil eine Verschrankung aufgezeigt werden, die okonomische Interessen, durch den Erwerb von benotigten Soft-Skills, mit den Ideen der Asthetischen Bildung in Verbindung bringt. In dieser Arbeit wird zuerst eine okonomische bzw. soziologische Perspektive aufge­zeigt, die den Wandel in der Arbeitswelt skizziert, um zu verdeutlichen, wie sich Anforderungen und Qualifikationen in ihr verandert haben. Daraus werden Schlussfolgerungen gezogen, welche Fahigkeiten auf dem jetzigen und zukunftigen Arbeitsmarkt gebraucht werden. In einem weiteren Schritt soll sich der Asthetischen Bildung genahert werden, indem zuerst der Bildungsbegriff naher erlautert wird und welchen Stellungswert Wissen im 21. Jahrhundert einnimmt. Danach wird auf den Diskurs von Asthetik eingegangen, um herauszustellen, inwiefern in Asthetik Bildungspotenzial steckt. Es werden theoretische Gedanken aus Anthropologie, Philosophie, Padagogik und bildungstheoretischen Ansatzen gesammelt, die sich mit asthetischer Bildung auseinandersetzen. Drittens wird eine neurowissenschaftliche Perspekti­ve aufgezeigt, um die Wirkung von asthetischen Bildungsprozessen durch neueste Erkenntnisse in der Hirnforschung zu untermauern und zusatzlich zu legitimieren.

Die Methode dieser Arbeit ist explorativ und interdisziplinär. Die Interdisziplinaritat hat Vor-, wie auch Nachteile. Vorteilhaft sind die vielen Perspektiven der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen auf einen Sachverhalt. Dadurch kann dieser umfassender aufgezeigt werden, um breitere Zusammenhange zu verdeutlichen. Der Nachteil ist, dass es durch den komplexen Umfang schwer ist, der Tiefe der unterschiedlichen Theorien und Begriffe und deren Historizitat im vorliegenden Rahmen gerecht zu werden. Erschwerend kommt die unterschiedliche Verwendung von Begrifflichkeiten in den verschiedenen Disziplinen hinzu. Viele der genannten Theorien und verwendeten Begriffe, besonders der Begriff der Asthetik, haben eine weitreichende und umfassende Theoriegeschichte, auf die in dieser Arbeit nur teilweise eingegangen werden kann.

2. Soft-Skills

2.1. Der Begriff der Soft-Skills

Der Begriff der Soft-Skills ist aus dem englischsprachigen Raum ubernommen. Skill bedeutet „Fahigkeit“. Speziell sind damit die „weichen Fahigkeiten“ gemeint. Soft Skills beschreiben gegenuber den Hard-Skills, die auf fachliche und berufliche Qualifikationen aufbauen, auBerfachliche oder fachunspezifische Kompetenzen, die sich auf die Personlichkeit beziehen. Inhaltlich hangen Soft-Skills engt mit dem Begriff der Kompetenz zusammen.

„Kompetenzen beschreiben nichts anderes, als solche Fahigkeiten der Subjekte, die auch der Bildungsbegriff gemeint und unterstellt hatte: Erworbene, also nicht von Natur aus gegebene Fahigkeiten, die an und in bestimmten Dimensionen der gesellschaftlichen Wirklichkeit erfahren würden und zu ihrer Gestaltung geeignet sind, Fahigkei­ten zudem, die der lebenslangen Kultivierung, Steigerung und Verfeinerung zuganglich sind.“[6]

So wird, wenn im Folgenden von Soft-Skills gesprochen wird, auch der Kompetenzbegriff verwendet. Soft-Skills sind hier zu verstehen als Methoden-, Sozialund Selbstkompetenzen. Um die wachsende Bedeutung von Soft-Skills zu erklaren, wird im Folgenden der Wandel der Arbeitswelt skizziert.

2.2. Der Wandel in der Arbeitswelt

Schon 1956 stellte Dahrendorf die These auf, wie durch den technologischen Fortschritt extrafunktionale Fertigkeiten (Soft-Skills), im Gegensatz zu funktionalen Fertigkeiten (technische n unabdingbare Fertigkeiten), immer mehr an Bedeutung zunehmen werden.[7] Ein halbes Jahrhundert spater stellt Salvisberg empirisch heraus, dass die Grunde fur die wachsende Bedeu­tung von Soft-Skills im neuen Einsatz von Technologie und durch die Etablierung neuer Formen von Arbeitsorganisation liegen und sich dadurch die Qualifikationsanforderungen geandert haben. Dieser rasante Wandel hat sich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt und wird, so seine Diagnose, weiter fortschreiten.[8]

Der Wandel in der Arbeitswelt ist gepragt durch den Ubergang von einer industriellen Gesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Nicht mehr nur die Guterproduktionen, sondern vielmehr Dienstleistungen pragen die Wirtschaft, sowie den Arbeitsmarkt.[9] Zudem befinden wir uns in einem neoliberal gepragten Wirtschaftsumfeld, in dem eine globalisierte Konkurrenzsituation die Okonomie bestimmt. Die Informationsund Kommunikationstechnologien ermoglichen die stetig wachsende international Arbeitsteilung, eine Globalisierung von Finanzmarkten und somit eine Steigerung von Effizienz und Qualitat von Produktion. Daraus entsteht eine Differenzierung von Produkten und gleichsam eine wachsende Flexibilisierung, denn die Marktbedingungen andern sich permanent. Diese wirtschaftsstrukturellen Veranderungen fuhren zu einer generellen Flexibilisierung auf der betrieblichen Ebene. Voraussetzung dafur ist eine wandlungsund reaktionsfahige Organisation der Unternehmen. Der verscharfte Wettbewerb fuhrt dazu, dass Unternehmen flexibel und innovativ sein mussen, um andere Strategien zu entwickeln, mit denen sie sich der Konkurrenz gegenuber einen Vorteil verschaffen.[10] Dadurch verandern sich die Handlungsbedingungen fur Arbeitgeber und Arbeitnehmer und fuhren zu anderen Formen von Arbeitsund Betriebsorganisation. Aber nicht nur die wirtschaftstrukturellen Entwicklungen, sondern auch kulturelle Verschiebungen im Selbstverstandnis des Arbeitnehmers haben Auswirkungen auf die verlangten Qualifikationen im Bereich der Soft-Skills. Das Selbstverstandnis des Arbeitsnehmers entwickelt sich in eine Richtung der subjektbezogenen Arbeitsorganisation, in den Selbstverwirklichungschancen, sowie eigene Gestaltungsspielraume wichtig werden.[11] Insgesamt entstehen neue Prinzipien in der Unternehmensorganisation, um die geforderte und steigende Flexibilitat zu gewahrleisten. Einer dieser Prinzipien[12], auf das sich im nachsten Kapitel fokussiert wird, ist die Qualifikation von Arbeitnehmern.

2.3. Qualifikationen von ArbeitnehmerInnen

Eine steigende Bedeutung hat die „Aufwertung der Qualifikation der MitarbeiterInnen“. Es ist zu erkennen, dass durch den expandierenden Dienstleistungssektor die Anforderungen in der Arbeitswelt steigen. Da die Technologie viele einfache Tatigkeiten ersetzt hat, steigt die Be­deutung von intellektuellen, abstrahierenden Tatigkeiten und zudem findet eine Aufwertung von personlichen Kompetenzen statt.[13]

Entscheidend fur den Aufstieg der Soft-Skills ist die Informatisierung der Arbeitswelt, sowie eine Expansion kommunikativer Tatigkeiten. Umgang mit Wissen und Informationen sind Grundvoraussetzung geworden.[14] Diese Komplexitatssteigerung „konzentriert die menschliche Arbeitskraft vermehrt auf anspruchsvollere, wenig standardisierte, entscheidungsund abstimmungsintensive Tatigkeiten.“[15] Es würden mehrere Forschungen, besonders in den USA, daruber gefuhrt und bestatigt, dass die Soft-Skills Anforderungen, sich durch die komplexer werdenden Aufgabenstellung, die durch den Einsatz neuer Technologien und den damit verbundenden organisatorischen Veranderungen, erweitert haben. Vor allem werden Fahigkeiten benotigt, wie bspw. Flexibilitat, Kreativitat und Problemlosungsfahigkeiten.[16] Der Anteil von schlecht qualifizierten Arbeitern schwindet und wird durch eine Nachfrage von gut ausgebildeten Arbeitnehmern ersetzt.[17]

Aus okonomischer Sicht mussen sich die Individuen diesem Wandel anpassen und dazu brauchen sie entsprechende Kompetenzen. Zusammenfassend stellt Salvisberg heraus:

„Soft-Skills sind wichtig. Soft-Skills, Personlichkeitseigenschaften, nicht-kognitive Kompetenzen etc. sind zentrale GroBen auf dem Arbeitsmarkt und in Ausbildungsgangen. Als individuelle Fahigkeiten und Qualitaten sind sie mitentscheidend fur die Chance, einen guten Ausbildungsabschluss zu erzielen, sowie eine attraktive Stelle zu erhalten und pragen auch den langerfristigen Erfolg im Berufsleben“[18]

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Bildungsqualitat und wirtschaftlichem Wachstum und es wurde gezeigt, dass Soft-Skills dabei eine zunehmende Bedeutung haben. Im nachsten Schritt soll eine Kategorisierung vorgestellt werden, die zeigt, welche Soft-Skills konkret in Stellenanzeigen gefordert werden. Die untersuchten Stellenausschreibungen bestatigen den Wandel der Anforderungen.[19]

2.4. Kategorisierung von Soft-Skills

Salvisberg erforschte aus 40 000 Stelleninseraten[20] von 1950 bis 2006, die Kompetenzen bzw. Soft-Skills, die ArbeitgeberInnen vom ArbeitnehmerInnen voraussetzt. Die Informationen fur die empirische Grundlage stammen aus den Stellenanzeigen des Arbeitsmarktes. Diese Quelle wurde ausgewählt, weil es erstens wenig empirische Studien uber diese Thematik gibt und zweitens die Sammlung des Datenmaterials und die empirische Analyse vielversprechend scheinen. Da es darum geht, eine mogliche Bedingung von Soft-Skills zu untersuchen, stellt diese Grafik einen Uberblick der geforderten Soft-Skills dar. Naturlich variieren Anforderungen, je nach Berufsparte und auch ist diese Grafik nicht vollends reprasentativ, dennoch liegt hier eine solide Datenquelle vor. Fur das Einsehen der Grafik siehe im Anhang Abb. 1.

Erstens weist die Grafik eine Unterscheidung zwischen „statisch“ und „dynamisch“ auf. Die Trennung von statischen und dynamischen Arbeitstugenden ist dem theoretischen Modell der „alten“ und „neuen“ Arbeitswelt entnommen.[21] Denn Soft-Skills, in der Grafik als Kompetenz und Arbeitstugenden verstanden, waren schon immer vorhanden. Bei den klassischen Arbeitstugenden andert sich die Haltung von statisch: Fremdverpflichtung, Befolgen von Regeln und Anfoderungen, hin zu dem dynamischen Modus, der Selbstverpflichtung, das eher Regelfindung und situatives Losen von Problemen beinhaltet.[22]

Zweitens ist eine Kategorisierung von drei Kompetenzbereichen vorgenommen worden, die Sachund Methodenkompetenz, die materiale und formale Fahigkeiten und Kenntnisse bein­haltet, die Sozialkompetenz, die die Fahigkeiten und Verhaltensweisen in der zwischenmenschlichen Dimension fokussiert und die Selbstkompetenz, die Verhaltensweisen, Wertehaltungen und Charaktereigenschaften betont. Dieses Modell baut auf den Theorien von Heinrich Roth auf.[23]

Drittens sind die Haufigkeiten der angeforderten Soft-Skills in den Stellenanzeigen aufgelistet. Wenn man sich die Zahlen der Haufigkeit anschaut, dann wird deutlich: klassische Ar­beitstugenden sind immer noch von groBer Bedeutung, aber gleichzeitig stellt Salvisberg fest, dass es in kurzer Zeit einen enormen Anstieg der dynamischen Arbeitstugenden gab. Nach seiner Schlussfolgerung werden die dynamischen Arbeitstugenden in Zukunft noch mehr Aufschwung erfahren werden.[24]

Die Anforderungen steigen und „das Ideal der spatmodernen Arbeitskraft [entspricht] mehr als je zuvor dem einer umfassenden handlungsfahigen Personlichkeit“.[25]

Der Anspruch, Asthetische Bildung konnte eine Voraussetzung fur eine umfassende Personlichkeitsentwicklung bieten, ware zu weit gegriffen. Deswegen wird sich in dieser Arbeit auf drei spezifische Soft-Skills konzentriert. Der Fokus soll sich nicht auf die statischen, sondern auf die dynamischen Soft-Skills richten, denn diese sind es, die in dem Wandel der Arbeitswelt relevanter werden. Aus der Kategorie Sachund Methodenkomptenz soll die Innovati­onsfahigkeit untersucht werden, aus der Sozialkompetenz wird die Kommunikationsfahigkeit als Soft-Skill ausgewählt und aus der Selbstkompetenz der innere Antrieb, die in der Grafik jeweils rot markiert sind. Es folgt im nachten Kapitel eine Begriffsbestimmung, um zu prazisieren, was genau unter den drei ausgewählten Soft-Skills zu verstehen ist.

2.5. Begriffsbestimmungen der ausgewählten Soft-Skills

2.5.1. Soft-Skill: Innovationsfahigkeit

Aus dem Kompetenzbereich der Sachund Methodenkompetenz wird die Innovationsfahig­keit naher untersucht. Weitere Synonyme sind in der Grafik: kreativ, phantasievoll, innovativ und modern. Laut dem Duden ist die Innovationsfahigkeit eine Fahigkeit, Innovationen herbeizufuhren, hervorzubringen, einzufuhren und zu schaffen. Unter einer Fahigkeit wird eine geistige und praktische Anlage und ein Vermogen verstanden, durch die ein Mensch befahigt ist, etwas zu wissen, zu tun und zu leisten. Der Begriff Innovation hat seine Wurzeln im lateinisch „innovare“, und bedeutet als Verb erneuern und verandern. Somit wird hier die Fahig­keit verstanden, Veranderungen und Neuerungen durch Ideen oder Losungen herbei zu fuhren.

2.5.2. Soft-Skill: Kommunikationsfahigkeit

Aus dem Bereich der Sozialkompetenz wurde die Kommunikationsfahigkeit ausgewählt. Hier wird vom Arbeitnehmer erwartet, kontaktfreudig, aufgeschlossen, aufmerksam und kommunikativ zu sein. Unter dem Begriff der Kommunikation, aus dem lateinischen von „communicatio“ = Mitteilung, versteht man die Verstandigung, untereinander bzw. zwischenmenschlicher Austausch, meist durch Sprache und Zeichen. Kommunikationsfahigkeit ist dann die innere Bereitschaft, mit anderen in Kommunikation zu treten.

In der Arbeitswelt ist diese Bedeutung meist noch weiter gefasst. Das Startup Plakos, das sich auf berufliche und personliche Entwicklung spezialisiert hat, konstatiert, dass es geht darum, erfolgreich in einen Austausch von Informationen zu treten. „Das heiBt Informationen zu verstehen und richtig zu interpretieren, aber auch verstandlich darauf zu reagieren. Jemand, der eine ausgepragte Kommunikationsfahigkeit besitzt, kann sein Wissen, seine Erkenntnisse oder Erfahrungen anderen gegenuber verstandlich mitteilen, aber auch die Mitteilungen anderer richtig interpretieren“[26]

2.5.3. Soft-Skill: Eigenstandigkeit

Bei der Selbstkompetenz soll der sogenannte innere Antrieb als Soft-Skill betrachtet werden. Unter diesem Begriff fallen vom Arbeitgeber gewunschte Fahigkeiten wie: initiativ, strebsam, dynamisch, motiviert, engagiert, selbstsicher, begeisterungsfahig, leistungsorientiert, aktiv etc. Bei diesem Soft-Skill ist es schwer, eine prazise Begriffsbestimmung zu erarbeiten, da dieser Skill sehr umfangreich ist. Es fallt auf, dass hier eher eine gewisse Selbst bzw. Eigens­tandigkeit gefordert wird, also die Fahigkeit, sich selbst zu kennen, in sich zu vertrauen, um dadurch Eigenverantwortung, fur sich und seine Leistungen, zu ubernehmen. Aus diesem Grunde wird im Folgenden von dem Soft-Skill Eigenstandigkeit gesprochen werden.

2.6. Schlussfolgerungen

Soft-Skills ersetzen keine Hard-Skills und klassische Arbeitstugenden haben immer noch Relevanz. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Bedeutung der Soft-Skills. Es wird aufgezeigt, dass „formale Ausbildungsgange, die sich ausschlieBlich auf die Vermittlung von Sachund Fachwissen beschranken, den Anspruchen der Arbeitswelt nicht gerecht werden.“[27] Aus der Arbeitsmarktperspektive mussen alle Kompetenzbereiche gefordert werden. Daraus ergeben sich padagogische Fragen, die den Zusammenhang, sowie die Vermittlung und Messung von Soft-Skills betreffen. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit sollen die drei ausgewählten Soft- Skills mit Asthetischer Bildung in einen Zusammenhang gebracht werden, um mogliche Bedingungen herauszuarbeiten, wie diese drei Soft-Skills durch asthetische Bildung vermittelt werden können. Der Asthetischen Bildung soll sich in mehreren Schritten genahert werden. Als erstes wird der Begriff der Bildung naher erlautert und welche Bedeutung Wissen im 21. Jahrhundert einnehmen wird. Zweitens wird versucht, den umfangreichen Diskurs der Asthetik vorzustellen, um aufzuzeigen, wo und wie in der Asthetik Moglichkeiten fur Bildungsprozesse liegen. Darauf folgt eine Zusammenfuhrung, die die Moglichkeiten asthetischer Bildung aufzeigt.

3. Bildung

3.1. Der Begriff der Bildung

Bildung ist ein historisch gewachsenes Konstrukt, das aber eine Notwenigkeit darstellt, um Wissensvermittlung oder Bildungsprozesse gestalten zu können. Jede zeitliche Epoche hat seine eigenen Ideale, Wertvorstellungen und Anforderungen mit dem Bildungsbegriff aufgeladen. Und so verwundert die herrschende Unklarheit um den Bildungsbegriff nicht.

Es folgt an dieser Stelle ein kurzer historischer Exkurs, um zu verdeutlichen, dass eine klare Definition schwer zu formulieren ist. Dennoch soll eine Aufzahlung der wichtigsten Grundlagen erfolgen, von welchem Bildungsbegriff wir heutzutage ausgehen. Sprachgeschichtlich entstand der Begriff aus dem mittelhochdeutsch als „bildunge“ und aus dem althochdeutschen aus „bildunga“ und bedeutet Schopfung, Bildnis, Gestalt. Hier sei darauf hingewiesen, dass in dieser Bedeutung das Kunstformige enthalten ist. Auf das Kunstformige und seine Bedeutung wird im Kapitel !!!!!! eingegangen. Im 18. Jahrhundert bis in die Zeit des 19. Jahrhunderts ist der Bildungsbegriff von dem deutschen Humanismus gepragt. Gerade in Deutschland wurde der Bildungsbegriff mit dem Allgemeinbildungsprinzip von Humboldt verbunden, der das Wechselverhaltnis vom Selbst und der Welt aufgezeigt hat. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Ansicht, dass Bildung immer nur vom Subjekt selbst ausgehen kann und Bildung somit gleich Selbstbildung ist.[28] Auch lasst sich Bildung anthropologisch und padagogisch bestimmen, indem Bildung aus einem Verhaltnis besteht, dass einerseits die Voraussetzung der Bildsamkeit des Menschen erfasst und andererseits auch die padagogische Aufgabe beinhaltet. Dies schlieBt die padagogische Interaktion ein, die Vorstellungen, Anspruche, Ziele beinhaltet, die das Verhaltnis in der Bildung pragen.[29] Eine klare und eingrenzende De­finition kann es somit nicht geben, da sich dieses Verhaltnis mit den unterschiedlichen Geisteshaltungen verandert.

[...]


[1] Vgl. Prechtl, Christof; Dettling, Daniel (Hg.) (2005): Fur eine neue Bildungsfinanzierung. Perspektiven fur Vorschule, Schule und Hochschule. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag fur Sozialwissenschaften, S. 9.

[2] Bildungsfinanzbericht (2015): Im Auftrag des Bundesministeriums fur Bildung und Forschung und der Standigen Konferenz der Kultusminister der Lander in der Bundesrepublik Deutschland. 1. Aufl., S. 22.

[3] Vgl. Bildungsfinanzbericht 2015, S. 22.

[4] Deutscher Bundestag (2007): Schlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland". Berlin: Drucksache 16/7000. S. 379.

[5] Vgl. Rittelmeyer, Christian (2010): Warum und wozu asthetische Bildung? Uber Transferwirkungen kunstlerischer Tatigkeiten. Ein Forschungsuberblick. Oberhausen: Athena, S. 7-8.

[6] Klieme, Eckhard, Hermann Avenrarius, Werner Blum, Peter Dobrich, Hans Gruber, Mandfred Prenzel, Kristina Reiss, Kurt Riquarts, Jurgen Rost, Tenorth, Heinz-Elmar & Helmuth J. Vollmer. 2003. Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandarts: Eine Expertise. Bonn: BMBF., S. 65.

[7] Vgl. Dahrendorf, Ralf (1956): Industrielle Fertigkeiten und soziale Schichtung: Kolner Zeitschrift fur Soziologie und Sozialpsychologie (8), S. 540-568.

[8] Vgl. Salvisberg, Alexander (2010): Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt. Bedeutung und Wandel. Zurich: Seismo, S. 97.

[9] Vgl. Salvisberg 2010, S. 65.

[10] Vgl. Salvisberg 2010, S. 84.

[11] Vgl. Salvisberg 2010, S. 74.

[12] Fur eine genaue Auflistung und Beschreibung der Prinzipien Vgl. Salvisberg. Salvisberg, Alexander (2010): Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt. Bedeutung und Wandel. Zurich: Seismo, S. 21.

[13] Vgl. Murnane, Richard J.; Levy, Frank (1996): Teaching the new basic skills. Principles for educating children to thrive in a changing economy. New York: Free Press., S.146.

[14] Vgl. Salvisberg 2010, S. 75.

[15] Salvisberg 2010, S. 94.

[16] Vgl. Caroli, Eve. 2001. “New Technologies, Organisational Change and the Skill Bias: What do we know”, in: Petit, Pas­cal & Luc Soete (Hg.), Technology and the Future of European Employment. Cheltenham: Edward Elgar.

[17] Vgl. Gerlach, Knut & Uwe Jirhan. (19989: „Technischer Fortschritt, Arbeitsorganisation und Qualifikation: Eine empirische Analyse fur das verarbeitende Gewerbe Niedersachsens“, Mitteilungen aus der Arbeitsmarktund Berufsforschung, 3: S. 426-437.

[18] Salvisberg 2010, S. 59.

[19] Vgl. Salvisberg 2010, S. 196.

[20] Die Datenerfassung wurde mithilfe des Stellenmarkt Monitoring Schweiz realisiert. Weitere Daten, sowie Prasentationen von Forschungsergebnissen steht die Seite www.stellenmarktmonitor.uzh.ch zur Verfugung.

[21] Vgl. Salvisberg 2010, S. 95.

[22] Vgl. Hammer, Michael;Champy, James (1996):Business Reengineering. Die Radikalkur fur das Unternehmen, Frankfurt, M. Campus, S. 90ff.

[23] Vgl. Roth, Heinrich (1971): Padagogische Anthropologie. Band 2: Entwicklung und Erziehung. Hannover. Schroedel, S. 388-400.

[24] Vgl. Salvisberg 2010, S. 198.

[25] Salvisberg 2010, S. 213.

[26] https://kommunikationsfaehigkeit.plakos.de/ Aufgerufen am 02.06.2016 10:30 Uhr.

[27] Salvisberg 2010, S. 212.

[28] Vgl. Menze, Clemes (1970): Bildung. In: Josef Speck und Gerhard Wehle (Hg.): Handbuch padagogischer Grundbegriffe. Band 1. Munchen: Koselverlag, S. 138.

[29] Vgl. Wulf, Christoph; Zirfas, Jorg (2014): Homo educandus. Eine Einleitung in die Padagogische Anthropologie. In: Christoph Wulf und Jorg Zirfas (Hg.): Handbuch Padagogische Anthropologie. Wiesbaden: Imprint: Springer VS (Springer- Link : Bucher), S. 18.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Bildung als mögliche Bedingung für Soft-Skills
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
39
Katalognummer
V356567
ISBN (eBook)
9783668429703
ISBN (Buch)
9783668429710
Dateigröße
1043 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung Wirtschaft
Arbeit zitieren
Florine Kohlmayr (Autor), 2016, Ästhetische Bildung als mögliche Bedingung für Soft-Skills, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356567

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ästhetische Bildung als mögliche Bedingung für Soft-Skills



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden