Aschenputtel oder Cinderella? Die didaktischen und pädagogischen Möglichkeiten von Märchen. Ein Vergleich mit Walt Disney


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
24 Seiten, Note: 1,5
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Märchen
2.1 Eine Begriffsbestimmung
2.2 Klassische Merkmale

3. Didaktisches Potenzial von Märchen und ihre Kritik

4. Märchen der Gebrüder Grimm
4.1 Leben und Werke der Brüder
4.2 Das Aschenputtel
4.3 Begründung

5. Adaption Walt Disney
5.1 Klassische Walt Disney Merkmale
5.2 Allgemein
5.3 Die Handlung - größte Unterschiede
5.3.1 Das Vaterdilemma
5.3.2 Die gute Fee
5.3.3 Gewalt und Grausamkeit

6. Umsetzung im Unterricht
6.1 Voraussetzungen
6.2 Die Reihe
6.3 Die Stunde:

7. Fazit

8. Literatur und Anhang

1. Einleitung

Es gibt zahlreiche verschiedene Geschichten, die wir unseren Kindern vorlesen und erzählen können. Doch die Auswahl der passenden Texte fällt vielen Eltern nicht leicht. Märchen gehören seit Jahrhunderten dazu, doch sind sie auch sehr umstritten. Während die Gattung in manchen Haushalten schon immer dazu gehörte und geliebt wird, lehnen andere diese strikt ab. Märchen sind grausam, realitätsfern und beängstigend[1] behaupten die einen, die anderen sehen in Märchen ein „Ringen um den Sinn des Lebens“[2] und psychotherapeutische Möglichkeiten. Die Positionen könnten kaum unterschiedlicher sein.

Die aktuelle Kinder und Jugendliteratur weist laut Bruno Bettelheim nur einen geringen Anspruch auf. „Sie sind größtenteils inhaltlich so schal, dass sie kaum etwas vermitteln, was für das Kind von Bedeutung wäre.“[3] Sie sollen unterhalten und informieren, gehen aber nicht auf kindliche Fragen und Probleme ein. Das Lesenlernen wird so nicht zu einem spannenden Abenteuer, sondern nur zu einer anstrengenden, oft langweiligen Aufgabe. Lust auf Lesen wird so nicht gefördert und ein Interesse an Literatur wird nicht geweckt, da diese ja nichts mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Erschwerend kommt hier noch dazu, dass Film und Fernsehen einen immer größeren Stellenwert im Leben der Kinder einnehmen. Wir brauchen also Geschichten, die faszinieren und fesseln. Laut Bettelheim sind dies die Märchen, da sie einen tieferen Sinn enthalten und Ängste und Probleme direkt ansprechen. Die „Kinderund Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm zählen wohl zu den berühmtesten Märchensammlungen weltweit. Dornröschen, Schneewittchen, Hänsel und Gretel oder Aschenputtel sind da nur ein paar Beispiele. Nahezu jedes Kind hat davon schon einmal gehört. Meist jedoch eher aus den Walt Disney Adaptionen. Hier werden die Märchen in viel Kitsch und Romantik eingepackt und auch umgeschrieben. Im März 2015 erschien die neueste Verfilmung. Es handelt sich um eine Realverfilmung des Klassikers „Cinderella“ von 1950. In dieser Arbeit werde ich die Rolle des Märchens beim Erwachsenwerden beleuchten, die didaktischen und pädagogischen Möglichkeiten und ihre Kritik. Anhand des neuen Cinderella Films werde ich analysieren, wie viel klassisches Märchen in Walt Disney Filmen steckt. Abschließend werde ich eine didaktisch-methodische Möglichkeit zeigen, Märchen im Unterricht zu thematisieren.

2. Das Märchen

2.1 Eine Begriffsbestimmung

Erzähl mir doch keine Märchen!

Der Begriff des Märchens unterlag im Laufe der Zeit einem Wandel. Ursprünglich kommt der Name von dem mittelhochdeutschen Wort „Mär“, was so viel bedeutet wie Kunde, Bericht, Erzählung, aber auch Gerücht. So kam es nach und nach zu einer Bedeutungsverschlechterung, wie auch das Sprichwort zu Beginn zeigt. Nun stand es für eine Lügengeschichte. Gegen Ende des 18.Jahrhunderts wurde das Märchen unter französischem Einfluss wieder populärer. Hier war das Märchen, besonders durch Charles Perrault, bereits seit 1696/97 literaturfähig. Durch die Gebrüder Grimm steht es nun für eine phantastische Erzählung, welche mündlich überliefert wird. Eine genaue Begriffsbestimmung entstand in Deutschland vor allem durch ihre „Kinder-und Hausmärchen“. Sie unterschieden erstmals zwischen poetischen Märchen und historischen Sagen.

Man unterscheidet zudem zwischen zwei Arten von Märchen, den Volksund den Kunstmärchen. Das Volksmärchen ist die ursprüngliche Form. Diese Erzählungen kommen, wie der Name schon sagt, aus dem Volk. Durch die mündliche Überlieferung gab es keine feste Form und auch keine bekannten Autoren. Die Gebrüder Grimm waren die ersten, die diese Märchen in Deutschland gesammelt haben. Die Kunstmärchen hingegen würden bewusst von Autoren verfasst. Der berühmteste Vertreter ist hier sicherlich der Däne Hans Christian Andersen. Diese Märchen sind philosophischer und romantischer. Sie würden bewusster geschrieben und orientierten sich in ihren Grundzügen an den klassischen Volksmärchen.

2.2 Klassische Merkmale

Erst durch die Sammlung der Märchen durch die Gebrüder Grimm wurde über die genauen Merkmale eines Märchens nachgedacht, vor allem, um es von den Sagen und anderen Prosaerzählungen abzugrenzen.

Das wohl bekannteste Märchenmerkmal ist die Anfangsbeziehungsweise Endformel („Es war einmal...“ „und wenn sie nicht gestorben sind...“). Ortsund Zeitangaben fehlen, manchmal wird auf ein weit entferntes Land verwiesen. Sie sind abstrakt und reine Fiktion. „Das Märchen beschreibt nicht die äußere Wirklichkeit unserer Welt und unseres Lebens, sondern es erzählt von der inneren Wirklichkeit des Menschen.“[4] Im Zentrum der meisten Märchen steht eine Problemsituation, welche der Held oder die Heldin lösen muss. Dies gelingt auch in der Regel, trotz der vorhandenen Schwächen. Die Hauptperson erlebt im Laufe der Erzählung ein Wachstum und so triumphiert das Gute über das Böse. Alle Unterschiede werden durch extreme Kontraste verstärkt, was dem Hörer eine Einordnung der Figuren fast vollständig abnimmt. In der Welt der Märchen ist nichts unmöglich. Es gibt viele phantastische Elemente wie zum Beispiel sprechende Tiere, magische Gegenstände und Hexen. Auch Zahlen spielen eine besondere, magische Rolle. 3 und 7 sind hier besonders zu nennen. Oft werden Sprüche, Lieder oder Verse dreimal wiederholt, oder der Held muss drei Aufgaben bestehen, um zu der Prinzessin zu gelangen. Die Figuren sind eindimensional, stereotypisch und haben selten einen Namen. Wir hören, um welche Figur es sich handelt und wissen meistens sofort, wie wir diese einzuordnen haben. Sie werden auch nicht genauer beschrieben. Dies vereinfacht auch die Identifikation und der Charakterisierung der Figuren. Trotzdem erfahren wir meist nichts über die Gefühlwelt der Figuren. „Ja dieses innere Empfinden wird überhaupt nicht angedeutet; denn das Märchen zeigt uns flächenhafte Figuren, nicht Menschen mit lebendiger Innenwelt.“[5] Allgemein herrscht ein sehr abstrakter Stil vor. Gegenstände und Orte werden meist nur genannt, aber nicht näher beschrieben. Das Ausschmücken wird dem Hörer überlassen. Laut Lüthi handelt der Märchenheld isoliert und doch allverbunden. Er ist nach außen hin alleine und verlassen. Trotzdem ist er in ein übergeordnetes Lebenskonzept eingebunden, bekommt immer dann Hilfe, wenn er sie am meisten benötigt, von der Natur, von den Tieren oder von anderen magischen Figuren.

Natürlich treten nicht alle Merkmale in jedem Märchen auf.

3. Didaktisches Potenzial von Märchen und ihre Kritik

„In keiner anderen Erzählgattung wird so viel geköpft, zerhackt, gehängt, verbrannt oder ertränkt wie im Märchen“[6]

Dieses Zitat zeigt schon sehr deutlich, wieso viele Menschen Märchen so kritisch sehen. Gewalt wird in keiner anderen Gattung für Kinder so offen thematisiert. Themen, die aus Erwachsenensicht das Kind beunruhigen könnten, werden in den meisten Kinderund Jugendbüchern eliminiert. Kinder nehmen Grausamkeiten in Geschichten jedoch anders wahr, als Erwachsene. Für sie ist der Tod oder eine Verstümmelung des Bösen meist nichts Schlimmes und Endgültiges, sogar etwas Notwendiges. Sie können die Tragweite dieser Taten oft noch nicht vollständig erfassen, spielen sie doch für den eigentlichen Sinn des Märchens, auch kaum eine Rolle. Eine Vielzahl der Märchen beginnt mit dem Tod eines Elternteils. Dies beunruhigt viele Eltern, da sie ihre Kinder nicht verängstigen wollen. Wir können den Tod aus dem Leben der Kinder jedoch nicht herausstreichen. Er ist Bestandteil unseres Lebens und das ist auch ihnen schon bewusst. Diese Gedanken können sie aufwühlen. Sie brauchen einen Raum, in dem sie sich ihren Ängsten stellen können. Auch, dass die Helden ihre Familien verlassen müssen, hilft ihnen unbewusst, irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen, auch wenn es ein Thema ist, welches Erwachsene ungern thematisieren. Nicht zuletzt, da sie selbst an diese Zeit nicht denken möchten. Doch dieser Umgang mit Problemen und Ängsten hilft nicht bei der seelischen Entwicklung und Reifung des Nachwuchses. Sie wollen ernstgenommen werden und haben bereits früh innere Spannungen und Kämpfe auszutragen. Aus diesen Gründen sind Märchen so besonders. Sie spielen die Bedürfnisse, Fragen, Sehnsüchte und Verwirrungen der Kinder nicht herab, sondern sprechen sie versteckt und auch aktiv an. Sie beinhalten einen tieferen Sinn, vermitteln Botschaften auf „bewusster, vorbewusster und unbewusster Ebene entsprechend ihrer Entwicklungsstufe“[7] Wut, Zorn und sogar Hass und Rache stellen kein Tabu dar. „Märchen lösen Resonanz in uns aus. Sie klingen in uns nach oder wirken mit sich assoziativ einstellenden Bildern weiter, weil sie Gedanken und Gefühle darüber wecken, dass das Erzählte für uns -subjektivirgendwie schon einmal bedeutsam war oder uns zuraunt, dass es irgendetwas bedeuten könnte.“[8] Dies spricht auch gegen die Behauptung, Märchen wären veraltet und hätten mit der Lebenswelt der Kinder nichts mehr zu tun, sie zeigten „kein wahrhaftiges Bild des Lebens und seien deshalb ungesund”[9]. Gerade diese Phantasiewelt und Distanz zum realen Leben kann hilfreich sein. Fühlen sie sich zum Beispiel von der Mutter schlecht und unfair behandelt, können sie ihre Gefühle in dieser Welt bewältigen, ohne unter Schuldgefühlen leiden zu müssen. Das Kind spaltet die Mutter in zwei Persönlichkeiten, die liebe und perfekte Mutter und die böse Stiefmutter, die es quälen und demütigen will. Gibt es allerdings wirklich eine Stiefmutter in der Familie, kann sie sicherlich einen schweren Stand haben. Viele Forscher gingen bislang von dem sogenannten „Aschenputtel-Effekt“ aus. Dieser besagte, dass Stiefeltern ihre Stiefkinder schlechter behandeln als ihre eigenen. Eine Studie von Kai Willfu von der Universität Montreal wiederlegt diesen Effekt jedoch.[10] Trotzdem zeigt der Name „Aschenputtel-Effekt“ noch einmal deutlich, wie sehr wie Märchen sich auf unser Leben beziehen können. Auch den Begriff „Cinderella Story“ hat wohl jeder schon einmal gehört. Jemand aus ärmlichen Verhältnissen meistert einen märchenhaften Aufstieg, meist ohne selbst groß dazu beizutragen. In der Märchenwelt gibt es zahlreiche böse Stiefmütter, aber gerade mit Aschenputtel können sich viele Kinder besonders gut identifizieren. Im Rahmen der Psychotherapie ist es immer wieder zu erleben, dass Frauen sich innerhalb der Familie oder in ihrer sozialen Stellung, als Aschenputtel fühlen. Sie denken, dass sie immer nur die Drecksarbeit erledigen müssen und ihre Arbeit nicht gewürdigt wird. Sie suchen die Hoffnung des Märchens, aus dieser Situation zu entfliehen. „Märchen erzählen permanent davon, wie die Märchenhelden sich in Gefahr begeben, die Gefahr bestehen, Erfahrungen sammeln und reich daran werden“[11]. Genau daraus lernen die Kinder, ihre Ängste anzunehmen und zu überwinden. Sie werden zu Märchenhelden in ihrem eigenen Leben.

Märchen spielen auch schon immer eine große Rolle im Literaturunterricht. Sie können vielseitig eingesetzt werden und sind zeitlos. Die Sprachbilder sind stark, gesteigert und überspitzt, aufwühlend und manchmal beängstigend. So bleiben sie besonders gut im Gedächtnis. Wenn wir Märchen lesen haben wir eine positive Grundeinstellung. Wir sind zuversichtlich, dass unser Held seine Aufgaben besteht. Dies hilft, grausame Details zu vernachlässigen.

Besonders das Erzählen und Zuhören kann durch die didaktische Umsetzung im Unterricht gefördert werden. Dies liegt vor allem an seiner mündlichen Erzähltradition. Märchen geben Raum zum Nachdenken und Diskutieren. Sie haben zahlreiche Leerstellen, die die Schüler auf persönliche Art füllen und weiterstricken können. Jeder kann ein Märchen individuell deuten und sich zu Nutzen machen. Auch das eigene Erzählen und Schreiben von Märchen kann therapeutische Zwecke erfüllen. Zudem haben Märchen eine einfache Struktur und typische Merkmale. Dies regt die Kinder dazu an, ihre Phantasie spielen zu lassen und eigene Geschichten zu erfinden. Dabei können sie sich an dem immer sehr ähnlichen Aufbau orientieren, an ihrer Spannungsentwicklung und ihrer sprachlichen Gestaltung. Gerade in der Primarstufe erzählen die Schüler noch gerne von sich. Dies muss gefördert werden und die Kinder darin bestärkt werden, dass es andere interessiert, was sie zu sagen haben. Mit dem Held/der Heldin können die Kinder sich identifizieren und stärken ihre Empathiefähigkeit. Freies Erzählen und Sprechen kommt im Schulalltag oft zu kurz. Gerade aber für Grundschüler ist es oft einfacher, ihre Gedanken anderen frei mitzuteilen, anstatt sie aufzuschreiben. Dazu gehört auch das Zuhören. Eine Fähigkeit, die nicht automatisch gegeben ist.

4. Märchen der Gebrüder Grimm

4.1 Leben und Werke der Brüder

Die Brüder Jacob Ludwig Carl Grimm (1785-1863) und Wilhelm Carl Grimm (1786-1859) sind bis heute die berühmtesten Vertreter, wenn es um Märchen geht. Sie würden in Hanau bei Frankfurt geboren und siedelten 1792 nach Steinau um. Als Söhne eines reformierten und gebildeten Elternhauses wuchsen sie ernst und in äußerer Schlichtheit auf. Der Vater Philipp Wilhelm Grimm war Hofgerichtsadvokat, doch mit seinem Tod 1796 begann für die Familie eine harte Zeit. Jacob, der sich durch den Großvater bereits früh mit Politik beschäftigte, musste von nun an die Familie vertreten und sich um Geldangelegenheiten kümmern. 1798 besuchten die Brüder das Lyceum in Kassel und schlossen dieses in der Hälfte der vorgesehenen Zeit ab. Schon damals verbindet sie eine tiefe Liebe zur Literatur. Sie investieren viel Geld in Bücher, was sie nicht kaufen können schreiben sie ab. 1802/03 begannen sie ihr Jurastudium in Marburg. Durch ihren Professor Friedrich Carl von Savigny wurde ihr Interesse an alten Bräuchen, Sprachen, Traditionen und mittelalterlichen Manuskripten geweckt. Durch ihn knüpften sie auch wichtige gesellschaftliche Kontakte, wie zum Beispiel die Bekanntschaft mit Clemens Brentano. 1805 kehrten beide zurück nach Kassel. Zuvor arbeitete Jacob mit seinem Professor in Paris, doch beide litten unter der Trennung. 1807 begannen sie, Märchen zu sammeln und aufzuschreiben. 1812 veröffentlichten sie den ersten Band der „Kinderund Hausmärchen. 1815 und 1825 folgen die 2. Auflage der „Kinder und Hausmärchen“ und die sehr erfolgreiche „Kleine Ausgabe“. Ihre Geschichten haben sie, anders als oft behauptet, nicht aus vielen abgelegenen Dörfern. Der Kreis der Erzähler war nicht sehr groß und bestand vor allem aus gebildeten Personen.

Aber auch politisch waren die Gebrüder Grimm engagiert. 1837 gehörten sie der Protestbewegung „Göttinger Sieben“ an und würden letztlich aus dem Königreich Hannover ausgewiesen. Sie gingen nach Berlin und veröffentlichten 1854 den ersten Band des „Deutschen Wörterbuches“. Wilhelm starb 1859, sein Bruder folgte ihm 4 Jahre später. Ihr gesamtes Leben haben sie der Literatur gewidmet.

Das Märchen des Aschenputtels ist eines der berühmtesten und beliebtesten Märchen weltweit. Ursprünglich stammen die enthaltenen Motive aus China, wo etwa im 9.Jahrhundert die erste schriftliche Verfassung eines ähnlichen Märchens entstand. Von hier verbreitete sich das Märchen und gelangte so auch in die Hände der Grimms. Durch die vielen Überlieferungen entstanden zahlreiche verschiedene Variationen, jeweils mit neuen und veränderten kulturellen Aspekten. Erzählt wurde es ihnen vermutlich von Dorothea Viehmann. Als Tochter eines Gastwirts kannte sie über 40 Märchen, die sie immer wieder in den gleichen Worten wiedergeben konnte. Es handelte sich größtenteils um französische Märchen.[12]

4.2 Das Aschenputtel

Das Märchen „Aschenputtel“ beginnt mit dem Tod. Die Frau eines reichen Mannes stirbt an einer Krankheit und ruft ihr einziges Kind zu sich. Sie trägt dem Mädchen auf, „immer fromm und gut zu sein“[13], dann würde der liebe Gott immer auf es Acht geben. Durch den Tod der Mutter beginnt für das Mädchen der soziale und auch emotionale Abstieg. Der Vater heiratet eine neue Frau. Die Stiefmutter und die beiden Stiefschwestern nehmen ihm seine Kleider und Habseligkeiten ab. Von nun an trägt es den Namen „Aschenputtel“. Als der Vater auf eine Reise geht, fragt er seine Töchter nach ihren Wünschen. Die Stiefschwestern wünschen sich materielle Dinge, Aschenputtel wünscht sich nur das Reis, welches dem Vater an den Hut stößt. Sobald es das Reis bekommt, pflanzt es dies auf das Grab der Mutter, woraus ein Haselnussbaum wächst. Als der Prinz zu einem dreitägigen Ball lädt, um eine Braut zu finden, wünscht sich Aschenputtel hinzugehen. Die Stiefmutter möchte es jedoch nicht mitnehmen, da es zu schmutzig sei und gibt ihm eine Aufgabe. Sie hat Linsen in die Asche geschüttet, die Aschenputtel auslesen soll. Mithilfe von Vögelchen schafft sie es. Die Stiefmutter möchte es aber weiterhin nicht mitnehmen und schüttet erneut Linsen in die Asche. Aber auch nachdem Aschenputtel zum zweiten Mal fertig ist, darf es nicht mit. Traurig geht es zum Grab der Mutter, spricht eine Zauberformel, erhält ein wunderschönes Kleid und geht zum Ball. Dort hat der Prinz nur Augen für es. Doch als der Prinz es nach Hause geleiten möchte entwischt es ihm. Am nächsten Abend wiederholt sich dieser Ablauf. Am dritten Tag plant der Prinz eine List. Er schüttet Pech auf die Stufen und so verliert Aschenputtel einen Schuh. Mit Hilfe dieses Schuhs sucht der Prinz seine Braut. Als er zu Aschenputtels Haus kommt, will die Stiefmutter ihm lieber eine ihrer Töchter geben, doch der Schuh passt nicht. So schneiden sich die Stiefschwestern Zehe und Ferse ab. Doch immer wenn der Prinz mit einer falschen Braut an dem Haselbäumchen vorbei reitet, verraten die Täubchen die Schwestern. Schließlich findet der Prinz Aschenputtel und nimmt es zur Frau. Als die Stiefschwestern zur Hochzeit gehen, picken die Tauben ihnen die Augen aus.

4.3 Begründung

Das Märchen Aschenputtel war schon immer eines meiner Lieblingsmärchen. Als „kleine Schwester“ konnte ich mich gut mit ihm identifizieren. Allerdings war mir die Version der Gebrüder Grimm nicht mehr so präsent, wie verschiedene Adaptionen. Erst bei erneuter Lektüre wurde mir bewusst, dass ich eine Mischform unterschiedlicher Versionen im Kopf hatte. Gerade dies machte das Märchen für mich noch interessanter. Offensichtlich hatte ich die für mich prägnantesten und wichtigsten Stellen herausgesucht und zusammen gestellt. Auch die Cinderella Adaption von 2015 hat verschiedene Erzählstränge miteinander vermischt.

[...]


[1] Bruno Bettelheim et al. 1990, S. 111

[2] Bruno Bettelheim et al. 1990, S. 9

[3] Bruno Bettelheim et al. 1990, S. 10

[4] Knoch 2013, S. 18

[5] Lüthi 2005, S. 16

[6] Ranke und Brednich 1999, S. 98

[7] Bruno Bettelheim et al. 1990, S. 12

[8] Lange 2010, S. 136

[9] Bruno Bettelheim et al. 1990, S. 111

[10] http://www.psychologie-aktuell.com/index.php?id=23&type=123&tx_ttnews[tt_news]=3031&cHash=2181065715

[11] Lox und Vogt 2010

[12] Lange 2010, S. 33-50

[13] Märchen der Brüder Grimm

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Aschenputtel oder Cinderella? Die didaktischen und pädagogischen Möglichkeiten von Märchen. Ein Vergleich mit Walt Disney
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (Deutsch)
Veranstaltung
Märchen der Gebrüder Grimm
Note
1,5
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V356571
ISBN (eBook)
9783668429826
ISBN (Buch)
9783668429833
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märchen, Grimm, Unterrichtsentwurf, Walt Disney, Cinderella, Aschenputtel
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Aschenputtel oder Cinderella? Die didaktischen und pädagogischen Möglichkeiten von Märchen. Ein Vergleich mit Walt Disney, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356571

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