Die Versorgung des römischen Heeres. Das Kastell Vindolanda


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,3
Julia Sonne (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundstrukturen der Heeresversorgung
2.1 Der Lebensmittelbedarf einer Legion
2.2 Wege der Nahrungsmittelbeschaffung

3. Das Kastell Vindolanda
3.1 Die Schreibtäfelchen über die verzehrten Nahrungsmittel in Vindolanda
3.2 Die Schreibtäfelchen über die Herkunft der Nahrungsmittel

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Überlegenheit des römischen Heeres beruhte nicht zuletzt auf der Fähigkeit, dieses auch über weite Distanzen mit ausreichend Nachschubgütern zu versorgen. Neben Gebrauchsgütern wie Rüstungsmaterial oder Waffen beinhaltete diese Versorgung auch Lebensmittel. Die Abdeckung des Bedarfs an Lebensmitteln beeinflusste nicht nur empfindlich die Stimmung unter den Soldaten, sie war auch entscheidend für die Leistungsfähigkeit dieser. Damit stellte die Lebensmittelversorgung einen Schlüsselfaktor für den militärischen Erfolg einer Legion dar.

Diese Arbeit soll zunächst darlegen wie die Lebensmittelversorgung des Heeres während des Prinzipats (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.) im Allgemeinen bewerkstelligt worden ist. Neben einem grundlegenden Überblick über die Art und Menge der verzehrten Lebensmittel interessieren vor allem die personellen und logistischen Strukturen, die die Verfügbarkeit der wichtigsten Nahrungsmittel auch in entfernten Regionen sicherstellen sollten. Möglichkeiten, Lebensmittel vor Ort zu beziehen und damit lange Transporte zu umgehen, existierten ebenfalls. Hierunter fielen wirtschaftliche Tätigkeiten der Soldaten auf Nutzflächen der Legionslager, der eigenständige Erwerb von Lebensmitteln mit dem Sold und Plünderungen. Der jeweilige Stellenwert dieser Möglichkeiten sowie diesen beeinflussende Faktoren sollen aufgezeigt werden.

Der allgemein gehaltenen Darstellung der Heeresversorgung während des Prinzipats soll im zweiten Teil dieser Arbeit vergleichend das besondere Beispiel Vindolandas gegenübergestellt werden. Besonders, weil die günstigen Witterungsbedingungen hier den Erhalt zahlreichen organischen Materials aus dieser Zeit ermöglicht haben. Darunter fallen auch dünne, mit Tinte beschriebene Holztäfelchen, die einen bemerkenswerten Einblick geben in das Leben in dem Kastell. Alan K. Bowman gibt in seinem Werk „Life and Letters Letters on the Roman Frontier“ einen Überblick über die interessantesten Holztäfelchen. Hauptsächlich diese ausgewählten Funde sollen als Quelle für den zweiten Teil dieser Arbeit dienen. Die englischen Übersetzungen der Quellen von Alan K. Bowman wie auch der aufwändigen Online-Ausgabe1 werden dabei das Verständnis der Quellen ermöglichen. Da der Großteil von ihnen auf einen Zeitraum zwischen 85 bis 122 n. Chr. datiert werden kann, ist dies auch der Zeitraum für den die Lebensmittelversorgung Vindolandas untersucht werden soll.

Das Kastell Vindolanda befand sich an der Nordgrenze des römischen Reiches in England, also abseits des europäischen Festlandes. Ziel der Arbeit ist es zu beurteilen, inwiefern auch für dieses sehr speziell gelegene Kastell die allgemeinen Versorgungsstrukturen galten und wodurch mögliche Abweichungen von diesen bedingt wurden.

2. Grundstrukturen der Heeresversorgung

23 v Chr. erhielt Augustus ein erweitertes imperium proconsulare und damit die Befehlsgewalt über das römische Militär. Damit fiel auch die Heeresversorgung in den Aufgabenbereich des Princeps2. Dass diese nicht vom Princeps allein bewältigt wurde ist sicher. Die Tatsache jedoch, dass herausragende Leistungen in diesem Bereich Anerkennung finden konnten3, zeigt gleichfalls, dass eine Beteiligung des Princeps an der Heeresversorgung stattgefunden hat und deswegen beurteilt werden konnte. Desweiteren gab es einen großen Verwaltungsapparat, der an der Heeresversorgung beteiligt war. Die genauen Strukturen dessen lassen sich aktuell für den betrachteten Zeitraum noch ungenügend rekonstruieren und werden stark diskutiert. Es kann allerdings eine zunehmende Ausdifferenzierung für den Verlauf der Kaiserzeit beobachtet werden. Auch einige wichtige Instanzen können bereits benannt werden. Zu der Aufgabe des praefectus annonae gehörte nicht allein die Versorgung Roms, sondern auch die Überwachung und Delegierung von Lebensmitteltransporten für die Legionen im gesamten römischen Reich4. In dieser Funktion überstand er weiteren an der Heeresversorgung beteiligten Kompetenzen5. Besonders in Bezug auf die procuratores Augusti sind seine Einflussmöglichkeiten allerdings umstritten6. In den Provinzen waren die procuratores Augusti für die Eintreibung von Naturalabgaben und gegebenenfalls deren Transport zu dort stationierten Legionen zuständig7. In diesen erfolgte die Verteilung zentral und häufig über die primi pili 8.

Ob dieser Verwaltungspparat bereits Teil einer durchorganisierten, etablierten annona militaris war, ist unsicher. Gewiss hingegen ist, dass hinter der Heeresversorgung kein starres System steckte. Politische wie auch wirtschaftliche Erfordernisse haben immer wieder Umstrukturierungen verursacht. Die Reformen des Diocletianus schließlich stellten einen entscheidenden Wendepunkt in der Heeresversorgung dar. Erst mit ihnen nämlich wurde die durchorganisierte Bezahlung und Versorgung der Soldaten mit Naturalien, also die annona militaris, fester Bestandteil der Heeresversorgung9.

2.1 Der Lebensmittelbedarf einer Legion

Getreide war das wichtigste Grundnahrungsmittel in der antiken Ernährung. Ein Soldat verzehrte 316 kg jährlich10. Zumeist wurde es zu einem Brei verarbeitet, wobei der Verzehr in Form von Brot auch nicht unüblich war11. Weizen stellte dabei die deutlich bevorzugte Getreidesorte dar12. Ergänzt wurde der Getreidekonsum durch den von Olivenöl und Wein. Diese drei wichtigsten Nahrungsmittel wurden durch die staatliche Heeresversorgung gestellt, was ihren Stellenwert nochmals unterstreicht. Zukost gab es ebenfalls13. Ihr Stellenwert nahm im Lauf der Zeit zwar zu, war im Vergleich zu den drei Hauptnahrungsmitteln jedoch so gering, dass sie nicht oder nur kaum gestellt wurde.

Der tatsächliche Bedarf und inwiefern er gedeckt werden konnte hing von verschiedenen Faktoren, etwa der aktuellen Tätigkeit der Legion, ab. Geographische und wirtschaftliche Gegebenheiten konnten sich auf den Umfang der staatlichen Heeresversorgung auswirken. Besonders die Art und Menge der Zukost wurde hierdurch auch beeinflusst. Letztlich finden sich auch in der Forschungsliteratur teilweise verschiedene Annahmen über die Nahrungsmittelmenge, die den Soldaten zur Verfügung gestanden haben muss14.

2.2 Wege der Nahrungsmittelbeschaffung

Die staatliche Heeresversorgung wurde von dem beschriebenen Verwaltungsapparat organisiert. Der praefectus annonae wusste um die Ernteausfälle im römischen Reich und konnte Überschüsse gezielt zur Versorgung Roms und der Legionen einsetzen15. Klimabedingt war vor allem der Anbau von Olivenbäumen nur in bestimmten Regionen möglich. Zu den wichtigsten Anbaugebieten gehörten der Ort Venafrum, Istrien und die Baetica16. Im Weinbau hingegen gelang es im Laufe der Zeit die Anbaugrenze immer weiter nach Norden auszudehnen. Getreideanbau war weiträumig möglich. Große Überschüsse, insbesondere des beliebten Weizens, konnten jedoch auch hier nur unter optimalen Witterungsbedingungen erzielt werden. Hauptgetreidelieferant war damit Ägypten. In solchen Überschussgebieten stationierte Legionen konnten aus diesen heraus versorgt werden. Legionen in Provinzen mit geringen Ernten mussten zusätzlich mit Nahrungsmitteln beliefert werden. Der Transport der Nahrungsmittel fand bevorzugt über Wasser statt. Instandhaltungs- und Ausbaumaßnahmen sollten zusätzlich den Transport über Straßen erleichtern17. Das Ziel dieser Transporte war abhängig von der aktuellen Tätigkeit einer Legion. Befand sie sich gerade auf dem Marsch, so wurden entlang der Marschroute Lebensmitteldepots eingerichtet18. Zusätzlich konnten auf der Route liegende Gemeinden zur Versorgung der Soldaten verpflichtet werden19. Große Mengen Proviant wurden ebenfalls mitgeführt. Stand die Legion über einen längeren Zeitraum, so gelangten die Nahrungsmittel zu zentralen Sammelstellen. Verrechnet wurden Nachschubgüter mit dem Sold der Soldaten.

[...]


1 Online unter: http://vindolanda.csad.ox.ac.uk/index.shtml (Zugriff am 23.2.2012).

2 B. Onken, Wirtschaft an der Grenze. Studien zum Wirtschaftsleben in den römischen Militärlagern im Norden Britanniens, Kassel 2003, S. 33 (Zugriff am 29.2.2012) https://kobra.bibliothek.uni- kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-1061/1/dis2710_05.pdf.

3 Vgl. ebd., S. 33.

4 T. K. Kissel, Untersuchungen zur Logistik des römischen Heeres in den Provinzen des griechischen Ostens: (27 v. Chr. - 235 n. Chr.), St. Katharinen 1995, S. 124 ff.

5 Vgl. ebd., S. 142.

6 Vgl. Onken, Wirtschaft an der Grenze, S. 51.

7 Vgl. Kissel, Untersuchungen zur Logistik, S. 142 ff.

8 Vgl. ebd., S. 164.

9 H.-J. Gehrke/H. Schneider (Hrsg.), Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, 3., erweiterte Aufl., Stuttgart (u.a.) 2010, S. 430.

10 L. Wierschowski, DNP 5, 1998, 222-225, s.v. Heeresversorgung.

11 Onken, Wirtschaft an der Grenze, S. 53 f.

12 Ebd, S. 53.

13 Kissel, Untersuchungen zur Logistik, S. 35.

14 Ebd, S. 35.

15 Vgl. Kissel, Untersuchungen zur Logistik, S. 132 f.

16 H. Schneider, DNP 12/2, 2003, 1118-1122, s.v. Speiseöle.

17 Vgl. Kissel, Untersuchungen zur Logistik, S. 110.

18 Ebd., S. 80.

19 Vgl. ebd., S. 88-95.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Versorgung des römischen Heeres. Das Kastell Vindolanda
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Einführungsseminar "Alte Geschichte" mit dem Thema "Augustus und seine Erben - das julisch-claudische Kaiserhaus"
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V356609
ISBN (eBook)
9783668423770
ISBN (Buch)
9783668423787
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römisches Reich, Rom, Römer, Heeresversorgung, Kastell, Vindolanda, Versorgung des römischen Heeres, Kastell Vindolanda, England, Großbritannien, Britannia, Hadrianswall, Augustus
Arbeit zitieren
Julia Sonne (Autor), 2012, Die Versorgung des römischen Heeres. Das Kastell Vindolanda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356609

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