Auch wenn die Schulbuchforschung ein zentrales Feld der Geschichtsdidaktik ist, ist es das Feld, das die meisten Defizite aufweist. So soll in dieser Hausarbeit die Forschung ergänzt werden und der Wandel vom Schulbuchaufbau und der damit zusammenhängenden Didaktik in den letzten Jahren untersucht werden. Dazu werden zwei Schulbücher für die Sekundarstufe I beleuchtet, nämlich einmal das Geschichtslehrbuch „Rückspiegel“ des Schöningh Verlags aus dem Jahr 1996 und einmal das Buch „Zeitreise“ des Klett Verlags aus dem Jahr 2012.
Interessant ist hier also, zu beobachten, wie sich das Geschichtslehrbuch seit den 90er Jahren verändert hat und ob dies zum Besseren – oder zum Schlechteren. Dazu wird zuerst die generelle historische Entwicklung des Schulgeschichtsbuches dargestellt. Anschließend wird erläutert, wie ein ideales Buch auszusehen hat, welche Bestandteile für welche Funktion wichtig sind, wie und unter welchen Aspekten man diese analysiert. Daraufhin werden die beiden genannten Bücher unter den aufgelisteten Aspekten analysiert, um anschließend ein Resümee zu ziehen, wo die grundlegenden Unterschiede liegen und welches Buch sich schließlich als geeigneter für den Schulunterricht erweist.
Als Hypothese lässt sich an dieser Stelle aufstellen, dass das neuere Buch „Zeitreise“ wahrscheinlich neuere Aspekte der Geschichtsforschung wie die Alltags- und Geschlechtergeschichte enthält und das Buch der 90er Jahre eventuell noch nicht. Insgesamt wird sich das neuere Buch wahrscheinlich für die heutigen didaktischen Ansprüche des Geschichtsunterrichts mehr eignen und mehr Wert auf die Dreiteilung Analyse – Sachurteil – Werturteil legen.
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung verschiedener Typen des Schulgeschichtsbuchs
3. Das ideale Schulgeschichtsbuch
3.1 Verschiedene Bestandteile eines Kapitels
3.1.1 Die Auftaktseite
3.1.2 Der Autorentext
3.1.3 Der Arbeitsteil
3.1.4 Paratextuelle Elemente
3.2 Verschiedene Bestandteile der Schulbuchanalyse
3.2.1 Die „formal-gestalterische Ebene“
3.2.2 Die „fachwissenschaftlich-inhaltliche Ebene“
3.2.3 Die „fachdidaktisch-funktionale Ebene“
3.2.4 Die wissenschaftliche Orientierung
3.2.5 Der Adressatenbezug
4. Analyse zweier Kapitel der Schulgeschichtsbücher „Rückspiegel“ und „Zeitreise“
4.1 Analyse des „Rückspiegel“ Kapitels zum Imperialismus
4.1.1 Die „formal-gestalterische Ebene“
4.1.2 Die „fachwissenschaftlich-inhaltliche Ebene“
4.1.3 Die „fachdidaktisch-funktionale Ebene“
4.1.4 Die wissenschaftliche Orientierung
4.1.5 Der Adressatenbezug
4.2 Analyse des „Zeitreise“ Kapitels zum Imperialismus
4.2.1 Die „formal-gestalterische Ebene“
4.2.2 Die „fachwissenschaftlich-inhaltliche Ebene“
4.2.3 Die „fachdidaktisch-funktionale Ebene“
4.2.4 Die wissenschaftliche Orientierung
4.2.5 Der Adressatenbezug
5. Resümee: Vergleich der beiden Kapitel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel in der Konzeption und Struktur von Geschichtslehrbüchern der Sekundarstufe I über einen Zeitraum von 16 Jahren anhand einer vergleichenden Analyse der Werke „Rückspiegel“ (1996) und „Zeitreise“ (2012). Ziel ist es zu bewerten, inwiefern neuere fachdidaktische Anforderungen, wie die Integration von Alltags- und Geschlechtergeschichte sowie das methodische Vorgehen nach der Dreiteilung Analyse, Sachurteil und Werturteil, in den Werken umgesetzt wurden.
- Historische Evolution verschiedener Schulbuchtypen
- Kriterien für ein ideales Geschichtslehrbuch
- Vergleichende Analyse der formalen und inhaltlichen Struktur
- Bewertung der fachdidaktischen Qualität und Multiperspektivität
- Adressatenbezug und Unterrichtstauglichkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Auftaktseite
In fast allen modernen Geschichtslehrbüchern beginnt ein neues Kapitel mit einer Auftaktdoppelseite, die idealerweise zu folgenden vier Zwecken dient: Erstens zur groben historischen Orientierung. Dieser Punkt wird entweder durch kurze Texte abgedeckt, oder – wie es neuerdings modern ist – durch eine Zeitleiste. Zweitens zur Motivation der Schüler. Die Motivation wird meist durch eine Vielfalt von dargestellten visuellen Medien hervorgebracht, oder, indem das Material mit einer „Aura des Rätselhaften“ präsentiert wird. Drittens sollte die Auftaktdoppelseite Gegenwartsbezüge andeuten, was oft durch aktuelle Fotos erzeugt wird und viertens sollte sie durch gezieltes Arrangement von Materialien historische Fragen aufwerfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Schulbuchforschung ein und stellt die Untersuchung der Schulbücher „Rückspiegel“ und „Zeitreise“ im Hinblick auf ihre didaktische Entwicklung vor.
2. Historische Entwicklung verschiedener Typen des Schulgeschichtsbuchs: Dieses Kapitel skizziert die chronologische Entwicklung vom katechetischen Schulbuch über den klassischen Leitfaden bis hin zum reinen Arbeitsbuch und dem modernen kombinierten Lern- und Arbeitsbuch.
3. Das ideale Schulgeschichtsbuch: Hier werden theoretische Standards für die Gestaltung von Kapiteln (Auftakt, Texte, Arbeitsteil) sowie Kriterien für eine fundierte Schulbuchanalyse definiert.
4. Analyse zweier Kapitel der Schulgeschichtsbücher „Rückspiegel“ und „Zeitreise“: Es folgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Kapitel zum Imperialismus in den beiden gewählten Schulbüchern anhand der zuvor erarbeiteten Kriterien.
5. Resümee: Vergleich der beiden Kapitel: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass trotz des Alters des „Rückspiegel“ dessen klare Trennung von Darstellung und Material didaktisch überzeugender wirkt als die Vermischung im „Zeitreise“.
Schlüsselwörter
Geschichtsdidaktik, Schulbuchforschung, Imperialismus, Geschichtslehrbuch, Sekundarstufe I, Rückspiegel, Zeitreise, Schulbuchanalyse, Multiperspektivität, Fachwissenschaft, Fachdidaktik, historische Orientierung, Lern- und Arbeitsbuch, Materialanalyse, Geschichtsbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung und dem Vergleich von Geschichtslehrbüchern für die Sekundarstufe I aus verschiedenen Jahrzehnten, um didaktische Veränderungen aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Struktur des Schulbuchaufbaus, die didaktische Aufbereitung von historischen Themen sowie die Anwendung von Analysemethoden zur Bewertung der Unterrichtstauglichkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, zu beobachten, wie sich Geschichtslehrbücher seit den 90er Jahren verändert haben und ob neuere Konzepte didaktische Anforderungen besser erfüllen als ältere Publikationen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt die vergleichende Schulbuchanalyse, basierend auf Kriterien der formal-gestalterischen, fachwissenschaftlich-inhaltlichen und fachdidaktisch-funktionalen Ebene.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition des „idealen Schulbuchs“ und der systematischen Analyse der Imperialismus-Kapitel der Werke „Rückspiegel“ und „Zeitreise“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wesentlichen Begriffe umfassen Geschichtsdidaktik, Schulbuchanalyse, Imperialismus, Multiperspektivität und die Gegenüberstellung von Lehrwerkskonzeptionen.
Warum bevorzugt der Autor das ältere Buch „Rückspiegel“?
Der Autor argumentiert, dass die strikte Trennung von Darstellung und Material im „Rückspiegel“ die Quellenarbeit fördert, während das modernere „Zeitreise“ durch die Vermischung der Teile zu einer nur illustrativen Nutzung der Materialien verleitet.
Inwiefern hat sich die Darstellung der Geschichte der Frau verändert?
Eine zentrale Erkenntnis ist, dass das neuere Werk „Zeitreise“ die Rolle der Frau in den Kolonien thematisiert, ein Aspekt, der im älteren Werk „Rückspiegel“ keine Berücksichtigung findet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Der Wandel von Geschichtslehrbüchern in den letzten Jahrzehnten. Eine Gegenüberstellung der Bücher "Rückspiegel" und "Zeitreise", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356631