Das Genderverständnis in muslimischen Familien. Geschlechterrollen im Kulturvergleich


Essay, 2015

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Allgemeine Hintergrundinformationen über Nation, Kultur und Gender

2. Muslimische Kindererziehung unabhängig vom Geschlecht

3. Die Bedeutung von Ehe und Kindern im Islam

4. Spielt das Geschlecht eine Rolle?

5. Geschlechtsspezifische Erziehung

6. Mädchen und Frauen im Islam (in religiösen Familien)

7. Einschränkungen bei muslimischen Frauen

8. Jungen und Männer im Islam

9. Literaturverzeichnis

1. Allgemeine Hintergrundinformationen über Nation, Kultur und Gender

Die Nation gilt heutzutage als politische Einheit und enthält üblicherweise soziale und kulturelle Konstruktionen. Das moderne Verständnis von Nation hat sich im Umkreis der französischen Revolution entwickelt. Hierbei gilt sie als oberster handlungsleitender Wert in der Gesellschaft. Sie wird ebenfalls verstanden als politische Handlungs- und Willenseinheit. Bereits Olymp de Gouges versuchte sich an einer passenden Definition. Er definiert Nation als „ die Vereinigung von Frauen und Männern“. Laut Max Weber ist sie eine „gedachte Ordnung“. Dabei galt das damalige Frauenwahlrecht als wichtiger Ausdruck von Nationszugehörigkeit. In vielen Ländern erlangten die Frauen erst nach dem zweiten Weltkrieg das Wahlrecht. Beispielsweise in den südeuropäischen Ländern, sowie Frankreich und Japan war dies der Fall. Im Land Schweiz sogar erst im Jahr 1970. Frauen konnten sich endlich in der Gesellschaft identifizieren. Das Mutter sein galt somit als nationale Einsatzbereitschaft und die geschlechtliche Arbeitsteilung galt hierbei als wichtiges Strukturprinzip. So entwickelte sich die moderne Genderidentität als auch kulturelle Identität im Nationsbildungsprozess. (Becker.& Kortendiek, 2010)

2. Muslimische Kindererziehung unabhängig vom Geschlecht

In vielen Hinsichten gibt es keine Unterschiede zur deutschen Erziehung. Die Familien wollen, dass ihre Kinder eine gesicherte Zukunft haben und in Schule und Gesellschaft sowie auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sind. Ebenso wollen sie genauso wie deutsche Familien, die besten Partner bzw. Ehepartner für ihre Kinder finden, damit sie ein zukünftiges glückliches Familienleben anstreben dürfen. Bei den deutschen Familien ist die Ehe jedoch weniger wichtig geworden. Bei muslimischen Familien ist das anders. Doch alle Eltern unabhängig von Kultur und Geschlecht möchten das Beste für ihr eigenes Kind. Sie sollen meistens eine bessere Zukunft haben als die älteren Generationen. Dabei hoffen sie meistens auf gehobenere Positionen beispielsweise Ärzte, Ingenieure oder auch Dozenten. Dieser Wunsch besteht unabhängig davon, ob die Familien religiös sind oder nicht. Der Wesentliche Unterschied bestehtj edoch, dass die Chancen im Herkunftsland für viele Menschen sehr gering sind. Muslimische Familien sind geteilter Meinung, ob der deutsche Schulabschluss und die westliche Gesellschaft erstrebenswert ist. Es gibt viele Familien, die sich lieber die islamische Lebensordnung als Ziel setzen. Die westliche Gesellschaft gilt teilweise als zu sexistisch und legt in den Augen der Muslime weniger Wert auf Ehe und ein traditionelles Familienleben. Die westliche Gesellschaft schau sich vieles von der amerikanischen Gesellschaft ab. Das finden Muslime weniger wertvoll. Im Islam gelten klassische Rollenverteilungen und die Inhalte des Korans. Beide Geschlechter besuchen meistens die Koranschule und lernen das Geschriebene auswendig. Hierbei wird mehr Wert darauf gelegt, die Sätze wortwörtlich wieder zu geben als sie zu verstehen. Die Schüler wiederholen das Gesagte sehr oft, bis sie es auswendig können. Über den Inhalt wird dabei weniger nachgedacht.

3. Die Bedeutung von Ehe und Kindern im Islam

In islamischen Ländern hat die Ehe eine enorme Bedeutung. Sie wird in allen Hinsichten beschützt. Zu einer Ehe gehören üblicherweise Kinder. Je mehr Kinder in einer Familie sind, desto besser. Eine selbstgewählte Kinderlosigkeit ist kaum eine Option in den Familien. Die Zahl der Kinder in Migrantenfamilien nimmtjedoch stets ab, was für traditionelle Familien ein Problem darstellt. Heutzutage sind da nur noch zwei bis drei Kinder üblich. Kinder gelten in islamischen Ländern immer als Symbol einer guten Ehe. Wenn sich über eine längere Zeit jedoch keine Kinder einstellen, wird die Schuld meistens bei der Frau gesucht. Der Mann ist in der Regel nicht verantwortlich für die herrschende Kinderlosigkeit und darf aus dem Grund die Frau sogar verlassen. Viele Paare suchen daher in der westlichen Gesellschaft medizinische Hilfe. In den sehr traditionellen Familien wird eine Wunderheilerin aufgesucht. Die Familien sind der Meinung, dass eine höhere Macht ihnen ein Kind beschert. Andere Familien haben wiederum keine anderen Alternativen und Möglichkeiten und sind deshalb auf eine Wunderheilerin angewiesen. Islamische Kinder wachsen typischerweise in einer sehr liebevollen Umgebung auf, denn sie sind meistens in ihrem späteren Leben für den Lebensunterhalt der Familie zuständig.

4. Spielt das Geschlecht eine Rolle?

Vor Gott haben beide Geschlechter eine Gleichberechtigung. Daher ist die Freude da, egal ob ein Mädchen oder ein Junge in eine muslimische Familie hineingeboren wird. In traditionellen Familien verbessert jedoch ein Junge das Ansehen der Frau sehr. Laut dem Koran sind Vermögen und Söhne Schmuck des diesseitigen Lebens. (Arbeitskreis im Islam, 2012) Dafür genießen Kleinkinder unabhängig vom Geschlecht viele Freiheiten. Säuglinge und Kinder gelten in muslimischen Ländern als unwissend und unschuldig. Gewisse Schutzpraktiken kommen ab und zu zum Einsatz wie beispielsweise ein Amulette, welches das Böse abwehren soll. Im späteren Alter muss sich der Mann von der Frau in vielen Hinsichten grundsätzlich nichts sagen lassen. In der Schule müssen die Jungen nicht auf „Lehrerinnen“ hören. Für beide Geschlechter gilt aber das respektvolle Verhalten gegenüber Eltern und älteren Menschen. Grundlegend sollen beide Geschlechter gleichermaßen nach dem traditionell­islamischem Erziehungsideal leben. Das bedeutet, dass Frauen und Männer zugewiesene Aufgaben in der islamischen Gesellschaft haben und diese dementsprechend erfüllen sollen. Kinder haben sich unterzuordnen. Die Eltern gelten als Vorbilder.

5. Geschlechtsspezifische Erziehung

Die Geschlechtertrennung zwischen Männern und Frauen im Islam wird als Teil der Religion betrachtet. Begründet wird es mit dem Koran und dem islamischen Eherecht. Wer in eine muslimische Familie hineingeboren wird, gilt automatisch als Muslim und wird als solcher erzogen. Für beide Geschlechter gelten jedoch die gleichen Rituale und Gebetsvorschriften. Ebenso fasten alle Personen gleichermaßen und gehen nach Möglichkeit in eine Koranschule. Die Fastenzeit beträgt 30 Tage. Meistens wird der Sohn sehr stark von seinem Vater beeinflusst und die Tochter von ihrer Mutter. Es gilt für beide Geschlechter die Zurückhaltung gegenüber dem anderen Geschlecht. Das Geschlecht hat enormen Einfluss auf die weitere Erziehung des jeweiligen Kindes vor allem ab der Pubertätszeit. Bis zur Pubertät wachsen alle Kinder meistens frei und unbeschwert auf. Erst dann beginnt die fühlbare strenge geschlechtsspezifische

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Das Genderverständnis in muslimischen Familien. Geschlechterrollen im Kulturvergleich
Hochschule
SRH Hochschule Heidelberg  (Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaft)
Veranstaltung
Genderpädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
8
Katalognummer
V356654
ISBN (eBook)
9783668427563
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Genderpädagogik, Muslim, Islam, Rollenbild
Arbeit zitieren
Nadja Ksiazek (Autor:in), 2015, Das Genderverständnis in muslimischen Familien. Geschlechterrollen im Kulturvergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356654

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