Die Rolle der adeligen Frau im Vormärz. Annette Droste-Hülshoffs "Am Turme"


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die adelige Frau des Vormärz - Rollenverständnis

3. „Am Turme“ - Analyse

4. Emanzipation und die Droste

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

1. Einleitung

„Das Staatsgesetz, das allgemeine Recht erklären die Frau ein für allemal als unmündig, wie sollte der Einzelne nicht geneigt sein, ein Gleiches zu tun. Wenn es einem Mädchen so gut wird, einen verständigen Vater zu haben, und von diesem einem verständigen Manne zur Frau gegeben zu werden, der ihr ihre Söhne und Töchter gut versorgt und gut erzieht, so mag sie ihr Leben hindurch in sanfter Abhängigkeit sich glücklich fühlen. Es mag dann sehr anmutig sein, sie sagen zu hören, daß sie von den Welthändeln nichts verstehe, daß sie von Geld und Erwerb nichts wisse, … daß es ihr weh getan, ihr Auge auf die Nacht- und Schattenseiten des Lebens zu richten … Der Prediger, der ihr die Leichenrede hält, mag von ihr sagen, sie habe sich das reine, sanfte, gehorsame Herz eines Kindes bewahrt.“1

Es handelt sich bei der zeitlichen Einordnung dieses Zitates um die Epoche des Biedermeier, oder, wie sie in der heutigen Zeit bevorzugt genannt wird, um die Epoche des Vormärz. Diese Epoche steht für politische, soziale, ökonomische und kulturelle Gegensätze. Annette von Droste-Hülshoff, geboren als Anna Elisabeth Freiin, bekam als Adelige natürlich ihr ganzes Leben hindurch Zugang zu Privilegien, die der normalen Bauerstochter oder Frauen aus dem Mittelstand nicht Zuteil wurden, unterlag aber trotzdem den gesellschaftlichen Zwängen, Verpflichtungen und Verhaltensregeln der Frauen dieser Zeit. An dieser Stelle stellt man sich die Frage: Frauenemanzipation im deutschen Vormärz - gab es das? Und wenn ja - welchen Standpunkt vertrat die Droste? Natürlich gab es sicher noch andere wichtige Literaten dieser Zeit die kleinere und größere Schritte in Richtung Gleichstellung und Höherstellung der Frauen taten. In dieser Hausarbeit soll die Rolle der adeligen Frau im Vormärz untersucht werden, jedoch mit einem Augenmerk auf Annette von Droste-Hülshoffs Rezeption ihres Lebens als adelige Frau und die Möglichkeiten der individuellen Entfaltung der Frauen in dieser Epoche. Dies wird am Beispiel ihres bekannten Gedichtes „Am Turme“ geschehen, welches uns emanzipatorisch wichtige Aussagen bietet.

2. Die adelige Frau des Vormärz - Rollenverständnis

Zu einer allgemeineren Darstellung kann gesagt werden, dass von der adeligen Frau im Vormärz vielfältige geistige und ästhetische Fähigkeiten gefordert werden. Das Äußere sollte sich stets durch Anmut, Schönheit, gutes Benehmen und aparte Frisuren, Kleider und Schmuck auszeichnen. Besonders aufwendig gestaltete Frisuren galten als wichtiges Zeichen des Adels. Adelige Frauen trugen stets ebenfalls aufwendig geschnürte und genähte Kleider, bodenlang. Ungeeignet für anstrengende Unternehmungen oder gar körperliche Arbeit. Oder wie es die Fachliteratur darstellt: „Unmöglich, in solch einer Kleidung etwas anderes zu tun als schön zu sitzen, zu träumen oder zu tanzen.“2 Wichtig zu erwähnen ist außerdem die mangelnde Mädchenerziehung, woran viele Erforscher der Geschichte der Emanzipation die eigentliche Unterdrückung der Frau ausmachen. Normalerweise bekamen Mädchen wie Jungen der höhergestellten Klassen Unterricht von einem Hauslehrer. Die Mädchen jedoch nur kurze Zeit, es wurde als unnötig angesehen sie weiter zu unterrichten, da sie sowieso niemals einen ernsthaften Beitrag zur arbeitenden Gesellschaft beitragen sollten.

„Einzelne herausragende Gestalten ändern nichts an der Tatsache, daß der überwiegende Teil selbst der Frau aus gehobenen Kreisen bis weit in das 18. Jahrhundert hinein von jeglicher Bildung ausgeschlossen war und sich folglich gar nicht äußern konnte. Nur wenige Gelehrtentöchter und Adelsfrauen besaßen anderes Geschriebenes als Bibel, Gesang- und Erbauungsbuch oder vielleicht noch den Hauskalender.[…] Hier wird auf unverblümte Weise deutlich, daß die Vermittlung und Vertiefung von Bildung und damit die Tradierung und Produktion von Kultur auch weiterhin nicht als etwas der gesamten Menschheit Aufgegebenes verstanden wird, sondern lediglich als Verbindlichkeit für den Mann gilt.“3

Deutlich gesagt: Frauenbildung war überflüssig. Eine Frau sollte schön sein, von der Art her still, zurückhaltend, freundlich und edel - aber gerne kindlich naiv bleiben. Häufig wurden deshalb bereits 16-jährige Mädchen mit beinahe doppelt so alten Männern verheiratet. Die Männer dieser Zeit wollten Frauen die bewundernd, aber unwissend zu ihnen aufsehen.4 Unverheiratete, individuelle Frauen die obendrein noch einen Beruf ausübten, Schriftstellerin waren wie die Droste es war, das waren Raritäten.

„Man weiß: keine leichte Aufgabe war es für eine Frau, die obendrein dem katholischen Landadel angehörte, im Westfalen der Restauration Bücher zu schreiben. Innerhalb dieser historischen und gesellschaftlichen Koordinaten war doch für die Frau nur eine einzige Möglichkeit der sogenannten Selbstverwirklichung vorgesehen: die schöne Heirat, die gute Ehe, die willige Übernahme der herkömmlichen weiblichen Rolle. Daß eine solche Übernahme von einer Frau wie Annette von Droste-Hülshoff nicht nur als mittelmäßig und unbefriedigend, sondern regelrecht als Bedrohung ihrer Persönlichkeit und ihres doch selbstbewußten Talents empfunden wurde, zeigen recht einerseits deutlich sprechende Texte wie Ledwina.“5

Wichtig hinzuzufügen ist jedoch, dass selbst unter den damaligen „emanzipierten“ Frauen, unter jenen, die als Schriftstellerin arbeiteten, eine Zweiteilung statt fand. Auf der einen Seite Frauen, die die Ehe auch weiterhin als eigentliche wahre Erfüllung im Leben einer Frau sahen und nur im Falle einer Nicht-Verheiratung für eine Berufstätigkeit plädierten und eben jene, die autonom sein wollten und die Ehe als Unterdrückung der weiblichen Individualität sahen.6 Dies zeigt dass konventionelle Rollenbilder nicht nur in den Köpfen der männlichen Gesellschaftsmitglieder dieser Epoche tief verankert waren, sondern sich ein Großteil der Frauen auch in das vorgegebene Rollenbild fügte und nicht nach einer Gleichstellung zu streben schien, für die eine Arbeit auszuüben nicht Unabhängigkeit bedeutete, sondern nur eine Sicherung des Lebensunterhaltes, wenn sich kein „richtiger“ Versorger finden lassen sollte.

3. „Am Turme“ - Analyse

Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Am Turme“ entstand in Meersburg am Bodensee im Jahr 1842. Man sollte nicht versuchen das lyrische Ich eines Gedichtes dem oder der Verfasserin des Gedichtes gleichzusetzen, jedoch liegt hier die Verbindung zur Droste als adelige Dichterin in einer Zeit der Konformität und einem eingeschränkten Rollenbild sehr nahe. Denn: das lyrische Ich der Droste befasst sich in vielen ihrer Gedichte, wie auch in diesem, mit dem Problem der Grenze und Grenzüberschreitung. Jedoch bleibt es passiv in dieser, hier, gesellschaftlichen Grenze bestehen, auch wenn es den Wunsch verspürt diese zu überschreiten.

„Damit aber ein solcher Wunsch überhaupt entstehen kann, muss das Subjekt freie Sicht von oben genießen dürfen, muß ihm der fernste Horizont seines Lebens wenigstens sichtbar werden: Das Subjekt dieser Gedichte hat deshalb auf dem Turme seinen notwendigen Ort. […] Es handelt sich um die im eigentlichen Sinne visionären Gedichte, wobei zu beachten bleibt, daß auch die „Turm-Gedichte“ in den dem Wunsch gewidmeten Partien visionär zu nennen sind.“7

Genauer: Vom einem Turm aus sieht man mehr als im normalen Leben, auf ebener Erde. Andererseits ist der Turm auch ein Symbol der Gefangenschaft und drückt die große Distanz des lyrischen Ichs zur Außenwelt aus.

Zu einer eingehenderen Analyse werden wir nun einen Einblick auf die jeweiligen 8 Verse der 4 Strophen wagen. In der ersten Strophe8 werden einige wichtige Schlüsselwörter verwendet, wie „schreiender Star“ - ein Vogel, das Symbol der Freiheit, „Mänade“- laut Duden eine wilde Frau9, „flatternde Haare“- hier ein besonders wichtiges Zeichen, denn wie bereits zu Beginn erwähnt waren aufwendig frisierte Haare ein Zeichen von gutem Hause und es wäre unschicklich gewesen diese offen vom Wind zerzausen zu lassen. Somit bildet die Vorstellung offener Haare ein Bild der klaren

[...]


1 Lewald, Fanny: Meine Lebensgeschichte. In: Frauenleben im 19. Jahrhundert. Hrsg. von C.H.Beck. München 1983, S. 44.

2 Frauenleben im 19. Jahrhundert, S. 48.

3 Frauenemanzipation im deutschen Vormärz: Texte und Dokumente. Hrsg. von Renate Mörmann. Stuttgart 1978, S. 8-9.

4 vgl. Frauenleben im 19. Jahrhundert, S. 56.

5 Bianchi, Bruna: Verhinderte Überschreitung. Phänomenologie der „Grenze“ in der Lyrik der Annette von Droste-Hülshoff. In: Ein Gitter von Musik und Sprache. Feministische Analysen zu Annette von Droste-Hülshoff. Hrsg. von Ortrun Niethammer, Paderborn 1992, S. 27.

6 Frauenemanzipation im deutschen Vormärz, S. 11.

7 Brianchi, Bruna: Verhinderte Überschreitung, S.24.

8 vgl. Von Droste-Hülshoff, Annette: Am Turme. In: Annette von Droste-Hülshoff. Gedichte und Prosa. Hrsg. von Email Staiger, Zürich 1949, S.35, V. 1-8.

9 vgl. www.duden.de, 20.12.15.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der adeligen Frau im Vormärz. Annette Droste-Hülshoffs "Am Turme"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V356661
ISBN (eBook)
9783668425040
ISBN (Buch)
9783668425057
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vormärz, Droste, Frauenbild, Adelig, Frau, Turme, Gedicht, Annette
Arbeit zitieren
Laura Hirschberg (Autor), 2015, Die Rolle der adeligen Frau im Vormärz. Annette Droste-Hülshoffs "Am Turme", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356661

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