Vertraut man der medialen Berichterstattung sieht die Prognose für die produzierenden Industrieunternehmen in Hochpreisländern trübe aus. Die Schweizer Industrie steht unter Druck.
Ein starker internationaler Konkurrenzkampf sowie die anhaltende Wechselkursproblematik machen ihr seit Jahren zu schaffen. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Gründen für den Verbleib oder Wegzug der hier ansässigen Unternehmen ist daher unumgänglich.
Es gibt Güter, die dem Preisdruck in der Schweiz standhalten, und jene, deren Produktion in der Schweiz undenkbar ist.
Während sich beispielsweise die Lastwagen‐ und Textilproduktion immer stärker ins Ausland verlagert hat, blieben die Uhrenhersteller dem schweizerischen Produktionsstandort in bedeutenden Umfang erhalten.
Hinzu kommt der stetig wachsende Druck aus Asien. Der Erfolg asiatischer Produkte in Europa beruht nicht nur auf tiefen Preisen, sondern auch auf Qualität und Innovation. Diese Faktoren machen unter anderem den Erfolg multinational tätiger Unternehmen aus.
Wesentliche Erfolgsfaktoren sind folgende:
- Multiple Differenzierungsfaktoren und gleichzeitige Umsetzung verschiedener Strategien
- Trade‐off zwischen hoher Qualität, hoher Zuverlässigkeit, hohem Innovationspotential und hoher Flexibilität
- Transparente Definition und konsequente Umsetzung strategischer Ziele – nicht das Was, sondern das Wie ist der entscheidende Erfolgsfaktor
- Gezielter Einbezug der Mitarbeiter in die Weiterentwicklung der Produktion
- Einsatz von Technologie als zukünftig wesentlichem Erfolgsfaktor
Das allein genügt jedoch nicht. Je mehr Förderprogramme, umso höher sind die Innovationsmöglichkeiten. Je besser die Produktionsprozesse, desto tiefer sind die Kosten, ergo umso höher ist die Produktivität. Und der Arbeitsmarkt muss weiterhin in bester sozialpartnerschaftlicher Zusammenarbeit flexibel gehalten werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Zielsetzung
1.3 Forschungsfrage und Ergänzungsfragen
1.4 Inhaltliche Abgrenzung
2 Theoretischer Teil
2.1 Produktionsstandort Schweiz
2.1.1 Allgemeine Daten
2.2 Globalisierung der Unternehmen
2.2.1 Globalisierungsmotive für Unternehmen
2.2.2 Strategische Aufgaben der Produktion
2.2.3 Strategische Bedeutung Der Produktion
2.3 Erfolgsfaktoren für in der Schweiz produzierende Unternehmen
2.3.1 Harte Standortfaktoren
2.3.2 Weiche Standortfaktoren
3 Methodische Vorgehensweise
3.1 Forschungsfrage/Untersuchungsziel
3.2 Methodenwahl
3.3 Datenerhebung
3.3.1 Auswahl der Interviewpartner
3.4 Konzeption und Auswertung der Befragungen
4 Empirischer Teil
4.1 Ergebnisse der Befragung
4.1.1 Multiple Differenzierungsfaktoren
4.1.2 Trade-off unter den stärksten erfolgsfaktoren in der Produktion
4.1.3 Umsetzung strategischer Ziele in der Produktion
4.1.4 Gezielter Einbezug von Mitarbeitern in der Produktion
4.1.5 Einsatz von neuen Technologien in der Produktion
5 Schlussfolgerungen
5.1 Beantwortung der Forschungsfrage
5.2 Diskussion
5.3 Ausblick
6 Anhang
6.1 Quellenverzeichnis
6.2 Abkürzungsverzeichnis
6.3 Abbildungsverzeichnis
6.4 Tabellenverzeichnis
6.5 Leitfaden für die Befragungen
6.6 Kodierleitfaden mit Ankerbeispielen
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor Thesis untersucht die kritischen Erfolgsfaktoren für Industrieunternehmen am Produktionsstandort Schweiz. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, welche Strategien und Faktoren es Unternehmen ermöglichen, trotz hohem Kostendruck erfolgreich in der Schweiz zu produzieren, anstatt ihre Standorte ins Ausland zu verlagern.
- Analyse von Globalisierungsmotiven und deren Einfluss auf Produktionsstandorte.
- Identifikation und Gewichtung harter und weicher Standortfaktoren.
- Untersuchung der strategischen Rolle der Produktion sowie des Technologiemanagements.
- Bedeutung der Mitarbeiterführung, Qualifikation und Unternehmenskultur für den langfristigen Erfolg.
- Erkenntnisse aus Experteninterviews mit Führungskräften der Schweizer MEM-Branche.
Auszug aus dem Buch
2.3.1.1 MULTIPLE DIFFERENZIERUNGSFAKTOREN
Unternehmen differenzieren sich über multiple Faktoren. Wie bereits im vorangehenden Kapitel erwähnt, sind das vorwiegend harte Faktoren:
• Qualität/Zuverlässigkeit
• Verfügbarkeit/Lieferzeit
• Preis
• Application Engineering/Customizing
• Innovation
• Marke
• Marktzugang
• After Sales Management/Total Life-Cycle Management
• Beherrschung der Wertschöpfungskette
Unter diesen Kriterien versuchen sich die Unternehmen ihren Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Nicht erstaunlich ist, dass westeuropäische Unternehmen sich von einer kürzlich durchgeführten Benchmarkstudie zum Thema „Erfolgreich Produzieren in Hochlohnstandorten“ durch ihre Qualität, Verfügbarkeit/Lieferzeit auszeichnen konnten. (P. Deflorin, T. Friedli, 2007) Eine weitere interessante Feststellung der Studie war, dass sich rund ein Drittel durch den Preis im Wettbewerb differenzieren und durch ihre Flexibilität bzw. Application Engineering/Customizing. Die Studie hat festgestellt, dass praktisch alle ein bis mehrere Produktionskonzepte im Einsatz haben. 37 Prozent der befragten Unternehmen haben sogar fünf Konzepte gleichzeitig im Einsatz. Am häufigsten wurde das Produktionskonzept Total Quality Management genannt. Das Just-in-Time Konzept wenden 75 Prozent der Befragten an, 61 Prozent Kanban, während Total Preventive Maintenance (55 %) und KAIZEN (55 %) weniger häufig im Einsatz sind. (P. Deflorin, T. Friedli, 2007) Das Management dieser multiplen Differenzierungsfaktoren ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor geworden, um einen Wettbewerbsvorteil nachhaltig und effizient zu gestalten. Die Evaluation und Implementierung der zielgerichteten Produktionskonzepte trägt massgeblich dazu bei. In einer Region wie Westeuropa besteht wenig Spielraum innerhalb der harten Standortfaktoren. Umso wichtiger ist, dass zusammenhängende Faktoren gekoppelt und gemeinsam als Differenzierungsmerkmal erkennbar werden. Diese sind für Mitbewerber äusserst schwer zu kopieren, welche dabei viel Kosten und Zeit benötigen. Hat man diese Differenzierungsfaktoren gebildet und erfolgreich im Markt implementiert, gilt es den kontinuierlichen Verbesserungsprozess voranzutreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Produktionsstandortes Schweiz ein, definiert die Zielsetzung der Arbeit und steckt den inhaltlichen Rahmen sowie die Forschungsfrage ab.
2 Theoretischer Teil: Hier werden die Grundlagen zu Globalisierung, Standortfaktoren und der strategischen Bedeutung der Produktion auf Basis existierender Literatur erarbeitet.
3 Methodische Vorgehensweise: Dieses Kapitel erläutert das Forschungsdesign, die Methode der qualitativen Experteninterviews sowie die Vorgehensweise bei der Datenerhebung und Auswertung.
4 Empirischer Teil: Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Interviews mit Führungskräften der MEM-Branche werden hier präsentiert, analysiert und diskutiert.
5 Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel beantwortet die Forschungsfrage und die Nebenfragen, diskutiert die Ergebnisse im Vergleich zur Theorie und gibt einen Ausblick.
6 Anhang: Enthält das Quellenverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis, Abbildungs- und Tabellenverzeichnisse sowie die verwendeten Interviewleitfäden.
Schlüsselwörter
Produktionsstandort Schweiz, Erfolgsfaktoren, Globalisierung, MEM-Branche, Wettbewerbsvorteil, Standortfaktoren, Produktion, Automatisierung, Mitarbeiterqualifikation, Prozessoptimierung, Unternehmensstrategie, Innovationskraft, Industrie 4.0, Swissness, Technologiemanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelor Thesis untersucht die Faktoren, die für produzierende Industrieunternehmen in einem Hochlohnland wie der Schweiz entscheidend sind, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit Strategien zur Differenzierung, dem Umgang mit dem Produktionsstandort Schweiz, der Rolle der Mitarbeiterführung und dem Einsatz moderner Technologien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, neue und bestehende Erfolgsfaktoren zu identifizieren, um Unternehmen Entscheidungshilfen zu bieten, die über die reine Kostenbetrachtung bei Standortentscheidungen hinausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine qualitative Forschungsweise gewählt, konkret teilstrukturierte Leitfadengespräche mit Führungskräften aus fünf verschiedenen Unternehmen der Schweizer MEM-Branche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Literaturanalyse sowie einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Experteninterviews zu Strategien, Qualität, Mitarbeiterführung und Technologie diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Produktionsstandort Schweiz, Wettbewerbsvorteil, multiple Differenzierungsfaktoren, Prozessoptimierung und technologische Transformation beschreiben.
Welche Rolle spielen Mitarbeiter in diesem Kontext?
Mitarbeiter werden als zentraler Erfolgsfaktor und wichtigstes Know-how-Träger identifiziert, insbesondere durch ihre Fähigkeit, Flexibilität und Innovation in der Produktion zu sichern.
Wie bewerten die Unternehmen den Standort Schweiz angesichts der hohen Kosten?
Die befragten Unternehmen sehen den Standort Schweiz nicht nur als Kostenfaktor, sondern nutzen ihn durch hohe Produktivität, Innovationskraft und maßgeschneiderte (customized) Lösungen als wettbewerbsfähigen Standort.
- Arbeit zitieren
- Toni Maric (Autor:in), 2017, "Made in Switzerland". Welche Erfolgsfaktoren beeinflussen den Produktionsstandort Schweiz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356665