Der Beginn der katholischen Emanzipation in Irland von 1778 bis 1829. Von den Catholic Relief Acts zum Catholic Emancipation Act


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Kontext zur Unterdrückung der Katholiken

3. Die Catholic Relief Acts von 1778 und 1792/93
3.1 Der Catholic Relief Act von
3.2 Der Catholic Relief Act von 1792/93

4. Das 19. Jahrhundert: Vom Act of Union zur katholischen Emanzipation
4.1 Act of Union
4.2 Die Gründung der Catholic Association
4.3 Das Britische Parlament und die Katholikenemanzipation

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellenverzeichnis
6.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie in vielen anderen Ländern Europas sollte auch in England und Irland im 16. Jahrhundert die Reformation Einzug halten, wodurch der Protestantismus in die Region einfloss. Maßgeblich bedingt wurde der zunehmende Einfluss des Protestantismus durch den Bruch König Heinrich VIII. von England mit der römisch-katholischen Kirche in Rom im Jahr 1536. Besonders in Irland stieß diese religiöse Strömung auf großen Widerstand, da der Großteil der Iren zu diesem Zeitpunkt der katholischen Religion angehörte. In den darauffolgenden Jahrzehnten begann die Enteignung der Katholiken sowie die zunehmende Repression des Katholizismus. Daraufhin fielen nach und nach immer mehr irische Kirchen in den Besitz der neugegründeten Church of Ireland, die die Schwesterkirche der Church of England war. Dies war der Beginn eines lang andauernden konfessionellen Konflikts in Großbritannien, dessen Auswirkungen noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Nordirland spürbar waren.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der katholischen Emanzipation in Irland von 1778 bis 1829, das heißt mit der politischen Gleichstellung der Katholiken – in Form von freier Religionsausübung und Zugang zu öffentlichen Ämtern. Im Zentrum steht dabei der Weg zur katholischen Emanzipation mit folgenden Leitfragen: Wie kam es zur Unterdrückung der Katholiken? Was waren die entscheidenden Schritte auf dem Weg zur katholischen Emanzipation und wie lief diese ab? Wie sah der politische Diskurs innerhalb des Parlaments zu diesem Thema aus?

Zunächst wird der ereignishistorische Kontext der Geschichte Irlands dargestellt, um aufzuzeigen, wie es zur Unterdrückung der Katholiken kam – selbstverständlich nur als kurzer historischer Ausschnitt. Durch die sogenannten Catholic Relief Acts wurde bereits 1778 der erste entscheidende Schritt auf dem Weg zur katholischen Emanzipation eingeleitet. Auf diese wird im Rahmen dieser Hausarbeit auch eingegangen. Im nächsten Kapitel wird die Bedeutung der Gründung der Catholic Association für die katholische Emanzipation in Irland erörtert. Auch der Act of Union, der Großbritannien und Irland 1801 vereinte, soll im Rahmen dieser Ausarbeitung auf seine Bedeutung für die katholische Emanzipation erörtert werden. Als Grundlage der politischen Diskussion rund um die katholische Emanzipation dienen die parlamentarischen Debatten im House of Lords und House of Commons vom 5. und 6. Februar 1828. Diese soll den zu dieser Zeit vorherrschenden politischen Diskurs innerhalb der politischen Elite Großbritanniens aufzeigen. Danach wird noch kurz auf die Folgen der Gesetzgebung von 1829 eingegangen. Zum Schluss fasst die Hausarbeit die Ergebnisse im Fazit zusammen.

2. Historische Kontext zur Unterdrückung der Katholiken

Schon lange vor dem 19. Jahrhundert versuchten die englischen Könige Einfluss auf ihre westliche Nachbarinsel zu nehmen, meist jedoch erfolglos. Zwar nannten sie sich Lords of Ireland, ihre Herrschaftsansprüche wurden dennoch mehr und mehr zurückgedrängt.[1] Ein Grund hierfür war unter anderem der Einfluss des normannischen Adels:

Seit der Invasion der Normannen 1171/72 lebte eine kleine englische Herrenschicht im östlichen und südlichen Küstengebiet, v.a. im sog. Pale um Dublin. Im Landesinneren und im Westen herrschten die irischen Clans mit ihren Führern. Die politische Zersplitterung und permanente Konflikte machten das Land unregierbar.[2]

Die normannische Oberschicht sah sich keineswegs als Vertreter des englischen Königs, sondern stellte im Zusammenspiel mit der irischen Oberschicht eine Konkurrenz für die Macht Heinrichs II. und dessen Nachfolger dar.[3] Der irische und normannische Adel näherten sich kulturell und politisch einander an und drängten somit unter Führung der Earls of Kildare auf wachsende Autonomie von der Krone.

Heinrich VII. bestieg 1485 als erster Tudor den Thron und auch er sah sich mit Irland einer unabhängigen und selbstbewussten anglo-irischen Oberschicht gegenüber.[4] 1536 wurde durch Druck Heinrichs VIII. vom irischen Parlament die Einführung der Reformation beschlossen und diese sollte nun seine Königsherrschaft stabilisieren.[5] Heinrich VIII. gab die Politik der Nichteinmischung der Krone in irische Angelegenheiten auf und beendete durch militärische Interventionen die Vorherrschaft der Earls of Kildare und ihren Verbündeten. Seit 1541 nannte er sich King of Ireland und nahm durch den englischen Vizekönig in Dublin direkten Einfluss auf die Politik Irlands.[6] Fortan kam es zu Unruhen im Land, welche sich durch die Unterdrückungsmaßnahmen Elisabeths I. ab 1560 weiter steigerten. Diese Unterdrückungsmaßnahmen besagten u.a. das Verbot von katholischen Messen oder aber die Ausdehnung englischer Siedlungen.[7] Unzählige Iren wanderten daraufhin wegen Verfolgung in katholische Staaten aus, bis es etwa 1850 zu einer massenhaften Auswanderung nach Nordamerika kam, denn die Unterdrückung der Katholiken dauerte fortwährend an. Es kam zur fast völligen Enteignung ihres Grundbesitzes, zum Verbot katholischer Schulen und auch zur Ausweisung von Priestern.[8]

3. Die Catholic Relief Acts von 1778 und 1792/93

Die sogenannte Catholic Question spielte in der britischen Politik natürlich eine wichtige Rolle, aber sie konnte durchaus objektiv betrachtet werden, allerdings nicht in Irland. Hier wurde die Frage bei den meisten Protestanten als Angelegenheit über Leben und Tod gesehen.[9] Dennoch kam es für die katholischen Iren zum Ende des 18. Jahrhunderts zu ersten Rechtsverbesserungen: die sogenannten Catholic Relief Acts wurden erlassen. Denn, dass sich an der Diskriminierung der Katholiken etwas ändern musste, merkte auch die protestantisch, irische Regierung: Durch die eingeschränkten Rechte an Grundbesitz und die Möglichkeit, in Land zu investieren, entstand ein katholischer Mittelstand an Kaufleuten – nicht zum Vorteil für die Protestanten. Gerade die jüngeren Söhne der früher herrschenden Schichten spezialisierten sich auf den Handel, denn das Militär, die Zünfte oder die Verwaltung wurden ihnen im protestantisch dominierenden Irland untersagt. Die katholischen Söhne zogen in die Hafenstädte, ließen sich dort nieder und bauten die Beziehungen zu ihren auf dem Land zurückgebliebenen Verwandten und zu ihren Glaubensgenossen in Frankreich und Spanien aus. Durch die Stigmatisierung als unterdrückte Bevölkerungsgruppe entstand ein enormer Zusammenhalt und die Katholiken begünstigten sich gegenseitig, sehr zum Schaden der Protestanten.[10]

Allerdings gelang es trotz der Emanzipationsgesetze nicht, die Diskriminierung zu schmälern und die Katholiken gänzlich in das gesellschaftliche und politische System zu integrieren.[11]

3.1 Der Catholic Relief Act von 1778

Eine erste Rechtsverbesserung für die Katholiken in Irland trat 1778 in Kraft. Der Grund hierfür lag jedoch nicht nur an der schlechteren wirtschaftlichen Lage der Protestanten, vielmehr brauchte man die Katholiken in Voraussicht auf die Konflikte mit Nordamerika und Frankreich. Die Herrschaftsschicht der Protestanten war weniger beachtlich, weshalb es wichtig war mit den sozial und wirtschaftlich Führenden der Katholiken zu kooperieren und sie in das Herrschaftssystem einzugliedern.[12]

Die Auswahl der Restriktionen, welche aufgehoben werden sollten und welche Rechte den Katholiken zugesprochen werden konnten, wurden strikt danach beschlossen, was in Irland Zuspruch erfahren könnte.[13] Im Juni 1778 wurden dann im irischen Parlament die ersten Catholic Relief Acts beschlossen. Den Katholiken war es von nun an wieder erlaubt, Pachten für bis zu 999 Jahre einzunehmen, sie konnten ihr Land vererben, ohne es unter all ihren Söhnen aufteilen zu müssen,[14] die Strafmaßnahmen gegenüber Priestern wurden abgeschafft und es wurde wieder erlaubt, Katholizismus für Katholiken zu lehren – auch wenn katholische Schulen weiterhin verboten waren.[15] Durch diese Rechte wurden zwar einige der diskriminierendsten Bestimmungen aufgehoben, die vollkommene rechtliche Gleichstellung war jedoch noch nicht absehbar: „Es waren eher Minimalkonzessionen zur Beschwichtigung als wesentliche Schritte zu einer Emanzipation der Katholiken.“[16]

Für die katholischen Iren war es dennoch ein großer Fortschritt für ihre Position in der irischen Gesellschaft und sie hatten nun die Möglichkeit, ihre Loyalität unter Beweis zu stellen.[17]

3.2 Der Catholic Relief Act von 1792/93

Im Jahr 1791 reichte das sogenannte Catholic Committee unter der Führung von John Keogh eine Petition beim englischen König, Georg III., ein, um „die Katholiken aus ihrer Erniedrigung zu befreien, damit sie nicht länger wie Fremde in ihrem eigenen Land leben müßten.“[18] Das Catholic Committee war eine einflussreiche gesellschaftliche Bewegung, die sich aus älteren Vereinigungen von Honoratioren gebildet hatte. Unter dem Druck des Catholic Committee und der Vereinigung der United Irishmen – eine 1791 gegründete Bewegung, welche sich für die Schaffung einer irischen Republik einsetzte – kam es zu einem erneuten Catholic Relief Act. Dieser Catholic Relief Act von 1792/93 hatte eine erhebliche politische Bedeutung, denn er brachte jenen Katholiken ein aktives Wahlrecht ein, welche als Kleinbauern auf eigenem oder auf gepachtetem Grund – was die Regel war – jährlich einen Ertrag von 40 Schillingen erwirtschafteten.[19] Dadurch kehrte die katholische Bevölkerung zwar auf die politische Bühne Irlands zurück, von vollständiger Emanzipation konnte aber noch nicht gesprochen werden.[20] Auch deswegen nicht, da diese sogenannten Vierzig-Schilling-Freeholders in Irland stärker von ihren Pachtherren abhängig waren, als jene in England. Sie hatten deshalb keine andere Möglichkeit, als den Kandidaten zu wählen, welcher dem Pachtherrn am meisten zusagte, da sie andernfalls die Kündigung ihres Pachtvertrages riskierten.[21] Der Catholic Relief Act von 1792/93 brachte den Katholiken noch weitere Rechte:

Neben der Wiederverleihung des aktiven Wahlrechts und kommunaler Mitwirkung erlaubte dieses Gesetz konfessionelle Mischehen, die Beteiligung von Katholiken an Schöffengerichten, ihr Studium am Trinity College in Dublin, das Tragen von Waffen und öffnete ihnen alle juristischen Berufe sowie untere und mittlere Laufbahnen in der öffentlichen Verwaltung.[22]

Die Gesetze von 1793 brachten zwar eine Wendung in der Beziehung zwischen Protestanten und Katholiken, aber zur vollständigen Katholikenemanzipation reichte es noch nicht. Im Jahr 1828 waren beispielsweise von 1314 Stellen im Justizwesen nur 39 mit Katholiken besetzt und gerade einmal 134 Katholiken fanden sich unter 3033 Beamten wieder.[23] Außerdem mussten sie bis 1829 warten um Staats- oder Richterämter übernehmen zu können und bis ihnen das passive Wahlrecht zugesprochen wurde.[24] Ihre eigenen Interessen konnten sie somit vorher nicht selbst im Parlament vertreten, sondern sie mussten aus protestantischen Bewerbern auswählen.[25]

4. Das 19. Jahrhundert: Vom Act of Union zur katholischen Emanzipation

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es in England und Irland immer wieder zu schweren Ausschreitungen, die insgesamt 30.000 Menschen das Leben kostete. Die Londoner Regierung kam deshalb zu dem Entschluss, dass es zu einer staatsrechtlichen Union zwischen Irland und Großbritannien kommen muss.[26] Der Gedanke einer solchen Union bestand schon seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts, allerdings favorisierten die Protestanten eine irische Selbstbestimmung, weshalb es nicht früher dazu kam. Als diese Stimmen Ende des 18. Jahrhunderts verstummten, konnte sich die englische Regierung im Dubliner Parlament die Stimmenmehrheit sichern.[27]

[...]


[1] Vgl. Murphy, Detlef: Die Entwicklung der politischen Parteien. Nationalismus, Katholizismus und agrarischer Konservatismus als Determinanten der irischen Politik von 1823 bis 1977 (Sozialwissenschaftliche Studien Heft 19) Opladen 1982, S. 77.

[2] Hauschild, Wolf-Dieter: Reformation und Konfessionskonflikte in Europa (Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte Bd. 2), 2. Aufl., Gütersloh 2001, S. 232.

[3] Vgl. Murphy, S. 77.

[4] Vgl. Ebd., S. 77.

[5] Vgl. Hauschild, S. 232.

[6] Vgl. Murphy, S. 78.

[7] Vgl. Hauschild, S. 232.

[8] Vgl. Ebd., S. 232.

[9] Vgl. Bartlett, Thomas: The Fall and Rise of the Irish Nation: The Catholic Question 1690-1830, Dublin 1992, S.1.

[10] Vgl. Maurer, Michael: Geschichte Irlands, Stuttgart 2013, S. 165 f.

[11] Vgl. Noetzel, Thomas: Geschichte Irlands: Vom Erstarken der englischen Herrschaft bis heute, Darmstadt 2003, S.32.

[12] Vgl. Maurer S. 169.

[13] Vgl. Bartlett, Thomas: Ireland: A History, Cambridge 2010, S. 178.

[14] Vgl. Ebd., S.178.

[15] Vgl. Tomko, Michael: British Romanticism and the Catholic Question: Religion, History and National Identity, 1778-1829, Basingstoke 2011, S. 18.

[16] Maurer, S. 169.

[17] Vgl. Bartlett, 2010, S. 178.

[18] Maurer, S. 172.

[19] Vgl. Murphy, S. 94.

[20] Vgl. Noetzel, S. 31.

[21] Vgl. Murphy, S. 94.

[22] Noetzel S. 35.

[23] Vgl. Ebd., S.43.

[24] Vgl. Ebd., S. 32.

[25] Vgl. Maurer, S. 173.

[26] Vgl. Noetzel, S. 40.

[27] Vgl. Ebd., 40.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Beginn der katholischen Emanzipation in Irland von 1778 bis 1829. Von den Catholic Relief Acts zum Catholic Emancipation Act
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V356680
ISBN (eBook)
9783668424869
ISBN (Buch)
9783668424876
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beginn, emanzipation, irland, catholic, relief, acts, emancipation
Arbeit zitieren
Kerstin Roth (Autor), 2016, Der Beginn der katholischen Emanzipation in Irland von 1778 bis 1829. Von den Catholic Relief Acts zum Catholic Emancipation Act, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356680

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