Die Sprichwörter in Sebastian Brants Narrenschiff


Hausarbeit, 2005
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Zur Geschichte der Sprichwörter

3. Zur Form und Bedeutung der Sprichwörter bei Brant

4. Beispiele für Sprichwörter und ihre Entstehung

5. Die Bedeutung der Sprichwörter und Brants Narrenschiff für die Literatur und Gesellschaft

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 1494 verfasste der Autor Sebastian Brant ein Buch, welches zum erfolgreichsten seiner Zeit werden sollte, das „Narrenschiff“. Sein Ziel war die Geißelung menschlicher Torheiten und Schwächen in moralisch-ironischen Strafpredigten. Neben den Reimen besticht Brants Hauptwerk vor allem durch eine volkstümlich einfache Sprache, verbunden mit der Verwendung von Sprichwörtern und Holzschnitten zum einfachen Verständnis.

Aufgebaut ist das Narrenschiff in 112 Kapitel. Jedem Kapitel ist als Motto ein gnomischer Drei- oder Vierzeiler vorangestellt, der eine Zusammenfassung des Holzschnittes und des folgenden Textes darstellt. Die hochqualikativen Holzschnitte, die jedes Kapitel einleiten, waren ebenfalls ein Grund, weshalb das Narrenschiff der größte deutsche Bucherfolg vor Goethe wurde. Allein bis 1521 erschienen sechs Originalausgaben und sechs Nachdrucke. Bis Ende des 16. Jahrhunderts folgten weitere 14 Editionen.

Da Brant somit einer der bedeutendsten Autoren des 15. und 16 Jahrhunderts ist, der in seinem Buch „Narrenschiff“ eine enorme Vielfalt von Sprichwörtern und Redensarten einfließen und auch eigene erfand, möchte ich in dieser Hausarbeit das „Narrenschiff“ auf seine Sprichwörter hin näher untersuchen.

Auf Grund der Vielfalt von Sprichwörtern, Sentenzen und Redensarten die Brant in seinem Buch benutzt, werde ich mich in dieser Hausarbeit nur auf den Aufbau, die Form und Bedeutung der verwendeten Sprichwörter eingehen, da eine komplette Analyse den hier gegebenen Rahmen sprengen würde. Der Begriff der Sprichwörter wird in dieser Arbeit durch folgende Definition von Friedrich Seiler eingegrenzt: „Sprichwörter sind im Volksmund umlaufende in sich geschlossene Sprüche von lehrhafter Tendenz und gehobener Form“[1]. Daher sind sie von Redensarten abzugrenzen, da diese nicht lehrhaft, nicht in sich geschlossen sind und als Mittel nur die Bildlichkeit zur Verfügung haben. Da Sprichwörter volksläufig sind, kann man sie wiederum von Sinnsprüchen und Sentenzen abgrenzen, die die gleichen Merkmale wie Sprichwörter aufweisen, jedoch nicht über jene Volksläufigkeit verfügen.

2. Zur Geschichte der Sprichwörter

Sprichwörter sind weit verbreitet, viele von ihnen besitzen eine lange Tradition und Geschichte, ihre Bedeutung und ihr konkreter Gebrauch in bestimmten Situationen haben sich im Laufe der Zeit teilweise sogar grundlegend verändert. Sprichwörter finden sich nicht nur in den Texten antiker Schriftsteller und in der Bibel, sondern auch in eigens konzipierten Sprichwortsammlungen der Antike und des Mittelalters, in diesen Epochen sind die meisten Sprichwörter bezüglich ihrer Entstehung anzusiedeln.

Die wichtigste dieser Sammlung, aus der wir noch heute schöpfen, und eine der Ältesten, stellen hierbei die 'Disticha Catonis' dar, bei welcher es sich um eine spätantike, vermutlich im 3. Jahrhundert entstandene Sentenzensammlung eines anonymen Verfassers handelt, die in 144 Hexameterdistichen Regeln für die praktische Lebensführung im privaten und zwischenmenschlichen Bereich vermittelt. Im Mittelalter wurden der Sammlung eine kurze Prosaepistel und 57 'Breves sententiae' hinzugefügt und die Distichen in vier Bücher aufgeteilt, deren zweites, drittes und viertes ebenfalls metrische praefationes erhielten.

Neben den Disticha Catonis zeugen auch die literarischen Gattungen des Mittelalters und geistliche Texte von einem weit verbreiteten Sprichwortgebrauch und Sprichwörter bekamen erneut eine weit verbreitete Popularität. Neben der mündlichen Überlieferung kommen schon in den mittelhochdeutschen höfischen Versromanen des 12. und 13. Jahrhunderts Sprichwörter vor, allerdings nicht eine große Anzahl, da der Gebildete nicht mit der Masse denken und fühlen wollte, die die Sprichwörter gerne benutzte. Hauptsächlich waren die Sprichwörter des Mittelalters volkstümlichen Ursprungs. Dieser lässt sich auf leichte Weise erklären. Ein heller Kopf fasst eine Begebenheit in ein treffendes Bild und die, die es hörten, gaben es weiter, teilweise verändert, damit es auch auf andere Begebenheiten zutrifft, bis es zu einem allgemeingültigen Sprichwort wurde. Die Überlieferung in den Mittel- und Unterschichten belief sich auf eine mündliche Überlieferung. Die Weiterverbreitung während der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts verlief durch Mimen und Spielleute, da diese als ein Bestandteil der mündlichen Kommunikation zu sehen waren, auf grund ihrer großen Popularität. Sie vermitteln Erfahrungs- und Orientierungswissen, sie geben lebenspraktische Regeln wieder und erheben den Anspruch der allgemeinen Gültigkeit und der verbürgten Wahrheit.

Während des gesamten Mittelalters bis zur Zeit des Humanismus wurden Sprichwörter und Denksprüche in den Dom- und Klosterschulen gelehrt, so dass man diese als eine Institution der Pflege und Bewahrung der Sprichwörter ansehen kann.

Sprichwörter werden bei ihrer Entstehung häufig durch die Bibel, spät- und mittellateinische Schriften oder antike Komponenten beeinflusst. Daher sieht man bei Brants Werk eine hohe Anlehnung an biblische und antike Texte. Als Quellen dienten ihm hierbei bedeutende Autoren wie Ovid, Vergil, Horaz, Juvenal, Cato und Publilius Syrus. Bezüglich der Bibel orientierte sich Brant hauptsächlich an den Sprüchen und Weisheiten Salomonis. Zusammen mit den biblischen Sprichwörtern nehmen diese beiden Quellen mit rund 100 biblischen Verweisen und 60 antiken ein Viertel der Gesamtzahl in Anspruch. Die dargelegten Sprichwörter und Redensarten wurden zur Zeit Brants hauptsächlich im Humanismus weiter getragen, durch antike Anlehnungen oder Predigten und Bibelübersetzungen.

Die damals vorherrschenden Sprichwörter sind auf Grund der Mündlichkeit, durch welche sie überliefert wurden, teilweise verloren gegangen. Durch die Entstehung des Buchdruckes konnte dies in der nachfolgenden Zeit verhindert werden.

3. Zur Form der Sprichwörter bei Brant

Sprichwörter sind formal auf viele Aspekte hin zu untersuchen, da zur Zeit des ‚Narrenschiffs’ aber längst nicht alle Stilmittel der heutigen Zeit bekannt waren und benutzt wurden, werden hier nur Mittel erwähnt, die für das 16. Jahrhundert typisch waren und sich in Brants Versen wiederfinden lassen.

Die Sprichwörter kann man in ihrem Aufbau in eine innere und äußere Form unterteilen. Beginnend mit der inneren Form sind vor allem die Aspekte der Bildlichkeit, der Beseelung und der Stilmittel zu beachten.

Die innere Form kann sowohl bildlichen als auch abstrakten Ursprungs sein, bei Brant überwiegen allerdings die nicht bildlichen Sprichwörter, obwohl die Bildlichkeit das älteste innere Formmittel darstellt und sich in der allgemeinen Literatur bildliche und abstrakte Sprichwörter zahlenmäßig in gleicher Anzahl gegenüberstehen. Bei der Bildlichkeit wird aus einer allgemeinen Erscheinung ein konkreter Einzelfall herausgehoben, „der dann als Stellvertreter des abstrakten Gedankens diesen durch das Bild, das er gibt, zugleich verdeutlicht und verhüllt“[2].

[...]


[1] Friedrich Seiler, Deutsche Sprichwörterkunde, Becksche Verlagbuchhandlung, München, 1967

[2] Friedrich Seiler, Deutsche Sprichwörterkunde, Becksche Verlagbuchhandlung, München, 1967. S. 150

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Sprichwörter in Sebastian Brants Narrenschiff
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V35674
ISBN (eBook)
9783638355148
Dateigröße
996 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprichwörter, Sebastian, Brants, Narrenschiff
Arbeit zitieren
Kim Hartwig (Autor), 2005, Die Sprichwörter in Sebastian Brants Narrenschiff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35674

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Sprichwörter in Sebastian Brants Narrenschiff


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden