Wollen wir diskutieren, was das Verhalten von Jungen im Sport bedingt und wie es sich nach außen darstellt, so müssen wir uns nach den Gründen für Handlungen suchen, die wir als typisch männlich identifiziert haben. In dieser Arbeit werde ich im besonderen Maße eine sozialisationstheoretische Erklärung zur Begründung heranziehen. Die soziologische Methode benutze ich gewissermaßen als Werkzeug, um gesellschaftlich geformte Zusammenhänge offen zu legen.
Wissenschaftliches Arbeiten zeichnet nach meinem Verständnis eine systematische Bearbeitung eines Forschungsgegenstands mit dem Ziel der Erkenntnis aus. Gegenstand oder Erkenntnisobjekt sind in diesem Fall Jungen – im weiteren Sinne Jungen im Kontext Sport.
Wie bekomme ich nun meinen Forschungsgegenstand in den Griff?
Der Konstruktivismus von Berger/Luckmann bietet für meine Ausarbeitung einige wesentliche Vorteile. Zunächst ist es eine schlüssige und nicht um den Selbstzweck der Wissenschaft geschriebene Theorie, die sich explizit an der Lebenswelt des Alltags eines jeden Individuums orientiert- gleichwohl sie nicht den Anspruch erhebt, das zu erschöpfen, „was für den gesellschaftlichen Jedermann >>wirklich<< ist.“ Sie integriert verschiedene soziologische „Klassiker“ wie die Ideen zur Dialektik von Karl Marx, den „Positivismus“ von Emile Durkheim, den „verstehenden Soziologen“ Max Weber , oder die Sozialpsychologie George Herbert Meads.
Auch werden hier und da Ausführungen nötig sein, die eher in den Bereich der Psychoanalyse fallen, wie sie Sigmund Freud geprägt hat. Auch diese Erkenntnisse können uns helfen, die Entwicklung der Persönlichkeit besser zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
1.1 Relevanz der Theorie für unsere Betrachtung (2-6)
1.2 Sozialisation als Konstruktion von Wirklichkeit (5)
1.3 primäre Sozialisation (5-6)
1.4 sekundäre Sozialisation (7-9)
2. Das Geschlechterverhältnis als soziale Konstruktion
2.1 Vorbemerkungen zur Geschlechtsidentität (10-11)
2.2 Jungensozialisation in der Schule (11-14)
2.3 Sport als Sozialisationsinstanz (14-15)
3. Abschließende Bemerkungen (16)
4. Literatur (17)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Identitätsbildung von Jungen im Sport durch geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse und gesellschaftliche Rollenzuschreibungen konstruiert wird. Dabei wird analysiert, wie soziale Konstruktionsmechanismen nach Berger und Luckmann dazu beitragen, vermeintlich "typisch männliches" Verhalten im sportlichen Kontext zu festigen oder zu provozieren.
- Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit und die Rolle von Sozialisation.
- Das Geschlechterverhältnis als symbolisches System der Zweigeschlechtlichkeit.
- Jungensozialisation im schulischen und koedukativen Umfeld.
- Sport als Sozialisationsinstanz und seine Wirkung auf männliche Verhaltensmuster.
Auszug aus dem Buch
1.1 Relevanz der Theorie für unsere Betrachtung
Der Konstruktivismus von Berger/Luckmann bietet für meine Ausarbeitung einige wesentliche Vorteile. Zunächst ist es eine schlüssige und nicht um den Selbstzweck der Wissenschaft geschriebene Theorie, die sich explizit an der Lebenswelt des Alltags eines jeden Individuums orientiert- gleichwohl sie nicht den Anspruch erhebt, das zu erschöpfen, „was für den gesellschaftlichen Jedermann >>wirklich<< ist.“ Sie integriert verschiedene soziologische „Klassiker“ wie die Ideen zur Dialektik von Karl Marx, den „Positivismus“ von Emile Durkheim, den „verstehenden Soziologen“ Max Weber , oder die Sozialpsychologie George Herbert Meads.
Auch werden hier und da Ausführungen nötig sein, die eher in den Bereich der Psychoanalyse fallen, wie sie Sigmund Freud geprägt hat. Auch diese Erkenntnisse können uns helfen, die Entwicklung der Persönlichkeit besser zu verstehen.
Wollen wir diskutieren, was das Verhalten von Jungen im Sport bedingt und wie es sich nach außen darstellt, so müssen wir uns nach den Gründen für Handlungen suchen, die wir als typisch männlich identifiziert haben. In dieser Arbeit werde ich im besonderen Maße eine sozialisationstheoretische Erklärung zur Begründung heranziehen. Die soziologische Methode benutze ich gewissermaßen als Werkzeug, um gesellschaftlich geformte Zusammenhänge offen zu legen.
Betrachten wir die Gesellschaft als ein System so bildet der Sport eine Unterkategorie beziehungsweise ein Sub-System. Gesamtgesellschaftlich beobachtbare Erscheinungen werden wir deshalb auch im sportlichen Bezugsrahmen wiederfinden, dem besondere Rahmenbedingungen zu Grunde liegen (Regeln, Raum, Gruppen etc.). Womöglich lässt sich sogar beobachten, dass bestimmte geschlechtsspezifische Merkmale und Verhaltensweisen in ihrer Deutlichkeit in sportlichen Handlungen verstärkt hervortreten, ja gerade zu provoziert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus nach Berger und Luckmann und unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Sozialisation als Prozesse der Welterfassung.
2. Das Geschlechterverhältnis als soziale Konstruktion: Dieser Teil beleuchtet die Entstehung der Geschlechtsidentität durch soziale Zuschreibungen, die Rolle der Schule bei der Jungensozialisation und die Funktion des Sports als Sozialisationsinstanz.
3. Abschließende Bemerkungen: Hier wird festgehalten, dass Rollenstereotype durch Selbstreflexion hinterfragt und sozial modernisiert werden können, wobei die Arbeit zur weiteren Forschung anregt.
4. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Expertisen.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Jungensozialisation, Sport, Männlichkeit, Rollenverhalten, Gesellschaftliche Konstruktion, Identitätsbildung, Geschlechterrollen, Sozialisationsinstanz, Interaktion, Wirklichkeit, Sportpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Männlichkeit im Sport durch soziale Prozesse konstruiert wird und welche Rolle geschlechtsspezifische Sozialisation dabei spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorie der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit, die Entwicklung der Geschlechtsidentität und der Einfluss des Sports auf das Verhalten von Jungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, sozialisationstheoretische Erklärungen für "typisch männliches" Verhalten im Sport zu finden und zu analysieren, wie gesellschaftliche Erwartungen dieses Verhalten manifestieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die soziologische Methode des Konstruktivismus nach Berger und Luckmann als Werkzeug, um gesellschaftlich geformte Zusammenhänge zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Unterschiede zwischen primärer und sekundärer Sozialisation, die Bedeutung der Geschlechtsidentität in der Schule und die Funktion des Sports als dynamisches Feld für Rollenzuschreibungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Konstruktivismus, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Jungensozialisation und Männlichkeit im Sport.
Wie unterscheidet der Autor zwischen primärer und sekundärer Sozialisation im Sport?
Die primäre Sozialisation vermittelt grundlegende Bewegungs- und Spielverständnisse in der Kindheit, während die sekundäre Sozialisation spezifisches, sportartspezifisches Wissen in einem späteren Lebensabschnitt aufbaut.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Sports als Sozialisationsinstanz?
Der Autor sieht den Sport als einen Katalysator, der problematisches männliches Verhalten verstärken kann, wenn Übungsleiter und Trainer keine entsprechende Sensibilität für die Geschlechtsproblematik mitbringen.
- Quote paper
- M.A. Andree Wippermann (Author), 2002, Konstruierte Männlichkeit? Über geschlechtsspezifische Sozialisation und ihre Auswirkungen auf den Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35682